Von der auszubildenden Rangerin zur wandernden Globetrotterin auf den Spuren der Hobbits

Meine Weltreise führte mich als erstes in das südliche Afrika! Meine erste Destination war Botswana, das bei Touristen vor allem für das wasser- und tierreiche Okavango Delta bekannt ist, wo gott-sei-dank auf gemässigten und verantwortungsvollen Tourismus gesetzt wird. Nach ein paar Tagen in Maun, einer kleinen Stadt die vielen Touristen als Ausgangspunkt für eine Reise in das Okavango Delta dient, startete mein Abenteuer „Ranger Experience“!

Nach dieser erlebnisreichen Woche bin ich weiter nach Port Elizabeth, Südafrika gereist. Dort passierte mir ein unglücklicher Unfall mit einem scharfen Messer, der meine Reise bis heute beinflusst, aber auch zur Rubrik „Glück im Unglück“ gehört. Was ich nachher auf den Seychellen, in Sri Lanka und danach in Italien, so wie bis jetzt in Neuseeland erlebt habe, könnt ihr in den folgenden Blogs lesen... Viel Spass! 

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Pura Vida

Suchend kämpfte ich mich durch die Horde Schweizer, welche zahlreich um das Gepäckband verteilt waren, um ihr Gepäck ankommend aus Zürich entgegen zu nehmen. Als ich Melanie nirgendwo sehen konnte, fielen mir aber die knallroten Edelweiss-Jäggli der Crew auf und ich liess es mir natürlich nicht nehmen, meinen ehemaligen Arbeitsgspändli churz „Grüezi“ zu sagen. Bereits bei der Ankunft meines Fliegers aus Ecuador sah ich von weitem die weisse Blume auf rotem Grund - unser Flugi parkierte direkt neben der Maschine aus Zürich. Mein Herz klopfte etwas schneller beim Anblick dieses schönen Flugzeuges! Nachdem ich mich wieder von der Crew verabschiedet habe, hörte ich hinter mir eine junge Frau kreischen - Melanie hat mich entdeckt! Wir fielen uns in die Arme und konnten es kaum glauben, dass wir uns hier - über 9‘000 Kilometer entfernt von unserem Zuhause - wieder trafen, nachdem ich bereits über sieben Monate in der Welt unterwegs war. Freudestrahlend und aufgekrazt fuhren wir mit unserem Abholservice in unser Bed and Breakfast. Am nächsten Morgen fuhren wir mit einem Fahrer an unser Ziel für die nächsten sechs Nächte: ein kleines Dorf namens Quebrada Amarilla, südlich vom touristischen und etwas bekannterem „Jacó“ - an der Westküste Costa Ricas. Nach etwa zweistündiger Fahrt (mit viel Wartezeiten aufgrund einiger Unfälle) erreichten wir unsere Airbnb-Wohnung im „Nirgendwo“, fünf Kilometer entfernt vom Strand „Playa Hermosa“. Uns erwartete eine schöne und grosszügige Wohnung (eigentlich ein kleines Häuschen), inmitten einer wunderschönen, gepflegten Anlage. Da wir an diesem Tag die einzigen Gäste waren, durften wir zwischen den fünf exakt gleichen Apartments unser Zuhause aussuchen. Wir entschieden uns für das letzte, das sich direkt neben dem Pool und der Bar, wo das Frühstück serviert wurde, befand. Voll motiviert zogen wir zu Fuss mit leerem Rucksack los, um den Wocheneinkauf im lokalen Supermarkt zu machen. Wir wollten so viel wie möglich selber kochen, haben wir uns vorgenommen. Nun der dorfeigene Supermarkt stellte sich als kleiner „Dorfkiosk“ heraus... hier gab es nicht wirklich eine grosse Auswahl an Lebensmittel! Wir waren schlussendlich in insgesamt drei Läden - alle waren sie klein und mit wenig Auswahl bestückt. Daher beschränkten wir uns auf das Nötigste und vor allem auf Früchte, die es hier dafür frisch und günstig zu kaufen gab. Wir merkten schnell, dass unsere grandiosen Kochpläne wohl nicht so leicht umsetzbar waren. Meine lang ersehnten Älpler Maccaroni konnte ich mir also garantiert abschminken! 

Als wir da so unsere schweren Einkäufe mit Wassermelone, Ananas etc. heimschleppten, öffnete Petrus innert Sekunden die Schleusen und es begann „aus Kübeln zu schütten“! Pechnass und definitiv abgekommen in den Tropen, rannten wir zurück zu unserem Zuhause und verstauten unser Hab und Gut. Zuhause angekommen merkten wir Dussel leider, dass wir das Wichtigste gar nicht eingekauft haben... Trinkwasser! Naja, dafür erhielten wir bei der Ankunft eine Kokosnuss mit Röhrli - welche wir nun genüsslich leer tranken. Früher konnte ich Kokosnuss nicht ausstehen, in diesen zwei Wochen Costa Rica trank ich aber Unmengen an frischem Kokosnuss-Wasser und verspeiste danach das Fruchtfleisch. Ich kann nun gar nicht genug davon kriegen! 

A propos Genuss - unser riesiger Kühlschrank war nun proppevoll mit Schweizer Schoggi. Dank lieben Menschen aus der Heimat war ich wieder versorgt mit Ragusa, Risolettos, Schoggi-Osterhasen, Ovischoggi-Guetzli-und-Eili, sogar Basler Läckerli, Zweifel-Chips, Rivella und Biberli haben den Weg zu mir gefunden. :-) Es war total schön diese Grüsse nebst Karten und Briefen aus meiner Heimat zu erhalten! 

Unsere erste gemeinsame Woche in der „Origenes Lodge“ an der Pazifik-Küste Costa Ricas verging wie im Fluge: Am Morgen gingen wir oftmals joggen, wo uns jeweils (zum Glück meist) angekettete Hunde mit lautem Gebell verfolgten. Wie bei einer Dominowelle startete jeweils der erste, und dann ging es weiter, bis jeder sich die Seele aus dem Leib brüllte. Tagsüber genossen wir die herrliche Grünanlage mit Pool oder den Strand von Jacó, assen viele frische Früchte, praktizierten Yoga, lasen Bücher und abends genossen wir das feine Essen in einem der drei lokalen Restaurants. Das Essen hier war so preiswert und gut, dass wir unser Koch-Vorhaben schnell und gerne begraben haben.

Einmal haben wir einen Tagesausflug gemacht in den bekanntesten Nationalpark von Costa Rica, dem „Manuel Antonio NP“ - wo wir geführt von einem lokalen Guide Faultiere, Affen, Insekten, Vögel und spannende Pflanzen betrachten konnten. Am Ende dieser Tour genossen wir ein Bad im Meer. Direkt im Nationalpark hatte es nämlich wunderschöne Strände. Man musste hier einfach auf die eigenen Sachen aufpassen: erstens wegen den hungrigen und frechen Waschbären, zweitens wegen Diebstahlgefahr der Zweibeiner. So wechselten wir uns ab beim Baden und genossen das warme Pazifikmeer, bevor wir zurück in „unser Dorf“ fuhren. 

Die Zeit verlief meist friedlich und entspannt in Quebrada Amarilla, ausser eines Abends, wo ich eine riesige Kakerlake in meinem Schlafzimmer entdeckt habe. Gemeinsam machten wir Jagd auf das flinke Tier und konnten es mit viel Gschrei und Aufregung schlussendlich gefangen in einem Badetuch (Melanie du bist meine Heldin!) aus der Wohnung befördern. Einfach zertrampen sollte man diese Tiere nicht! Sie tragen nämlich die Eier auf ihrem Rücken, die dann schön am Boden (und am Schuh!) verteilt wären und daraus viele Kakerlaken-Babys entstehen würden. Also wendeten wir die a) tierfreundlichere und b) nicht-Nachwuchs-erzeugende Variante an, wie zwei Profi-Kammerjägerinnen. 

Etwas Lustiges (oder vielleicht eher Doofes) passierte uns auch am Jacó Beach... Wir lagen da so völlig entspannt und gechillt auf unseren Badetüchli und lauschten den Anfeuerungsrufen einer Motivationskanone von einem Surflehrer (er jubelte und klatschte stets wie verrückt - auch wenn seine Schüler sich völlig unbegabt anstellten und ständig ins Wasser fielen). Plötzlich überrollte uns eine Flutwelle mitsamt unseren Kleidern, Taschen und Tücher! Alles war patschnass und der feine, scharze Sand klebte überall! Gerade noch rechtzeitig konnte ich mein Natel in die Höhe strecken - der Rest war nass und sandig. Ok, wir hätten wohl vor 20 Minuten, als wir die schleichend steigende Flut bemerkten, nicht nur einen halben sondern vielleicht etwa 4-5 Meter nach hinten zügeln sollen. Mist! Es war eigentlich alles halb so schlimm, aber den Sand kriegten wir bis am Ende unseres Aufenthaltes nicht mehr richtig aus den Tüchern! Abends gab es „zur Belohnung“ oder vielleicht eher „zur Entspannung nach all dem Stress“ ;-) ein kühles Bier. Einen Flaschenöffner hatten wir nicht, aber „no problemo“ für unsere einheimische Wohnungs-Betreuerin, welche ohne mit der Wimper zu zucken unsere Fläschli mit ihren Zähnen öffnete. Ok, so kann man es auch machen! Wieso kompliziert wenn es auch einfach geht?! Unsere Anlage, welche durch zwei Auswanderer-Brüder aus Spanien erschaffen wurde, lud sowieso stets zum Entspannen ein: zahlreiche Vögel benutzen neben uns den Swimming-Pool und es war herrlich, diesen schnatternden und piepsenden Tiere beim Baden und Trinken zuzuschauen. 

Nach diesen sechs wundervollen Tagen im Paradies fuhren wir mit unserem Driver auf die andere Seite des Landes. Eigentlich wäre die Luftlinien-Distanz zu unserem nächsten Ziel nicht allzu gross (die Orte befinden sich gegenüberliegend im Süden) - aber es führt im Süden keine Strasse auf die andere Seite! So mussten wir alles wieder nördlich zurück nach San José fahren, um dort dann einen Pass zu überqueren und dann nach einer kurvenreichen und vor allem durch Lastwagen intensiv befahrenen Strecke runter in den Süden der Ostküste zu gelangen. Nachdem wir von allen Seiten her gehört haben, dass die Karibikseite sehr gefährlich sei, waren wir gespannt auf diese Region und ob es einen Unterschied zur Pazifikseite gäbe. Offensichtlich war hier, dass gerne mal Marihuana geraucht wird und die Leute noch etwas gemütlicher „drauf waren“, als der Rest in diesem bereits sehr „relaxten“ Land. Pura Vida halt! Unterwegs sahen wir zahlreiche Bananenplantagen, die neben Ananas und Kakao hier zu einem der wichtigsten Export-Gütern gehören. 

Angekommen in Cahuita stellten wir rasch fest: Wir hatten auch bei unserem zweiten Zuhause einen Volltreffer gelandet! Diese Hotelanlage bestand aus einer grünen Oase, toll gepflegt und trotzdem wild - mit farbigen Häuschen als Hotelzimmer. Der Hotel-Manager war der pure Gastgeber und für all seine Gäste stets hilfsbereit zur Stelle. Auch an diesem Ort lud ein schöner Pool zum Schwimmen und Verweilen ein, der Strand „Playa Grande“ war 5 Minuten zu Fuss entfernt. Das Meer hier war wild und wellig wie an der Westküste, starke Strömungen machten das Baden aber hier etwas gefährlicher, so dass wir eher ins Meer „standen“ und weniger darin badeten. Am Strand waren überall Schilder zu sehen, wo auf Spanisch geschrieben steht, dass man hier die Wasserschildkröten beschütze. Leider ist es eine traurige Tatsache, dass die Eier, welche von diesen Tieren hier im Sand abgelegt werden, als nationale Delikatesse gelten und daher oft von Einheimischen eingesammelt werden. Wenn man weiss, dass im Schnitt nur eine von zehn geschlüpften Wasserschildkröten überlebt und erwachsen wird, ist das bei dieser vom Aussterben bedrohter Spezies natürlich eine Tragödie! Aber wenn halt auch Vertreter der Polizei und Politik gerne diese Eier verspeisen, hält sich die Motivation, etwas gegen diesen illegalen Diebstahl zu unternehmen, in Grenzen. Und für Privatpersonen ist es sehr gefährlich, die Eier die ganze Nacht hindurch alleine zu beschützen.

Auch an unserem zweiten Ort setzten wir unsere morgendliche Joggingrunde fort - hier mit weniger Hundegebell und weniger Hitze, daher umso angenehmer! Das Klima empfanden wir an der Ostküste generell etwas kühler und angenehmer als im tropischen und heissen Westen. Das Meerwasser war aber auch hier herrlich „Badwannen-warm“! Die Natur gefiel uns an der Ostküste äusserst gut. Die ganze Küste war sehr ursprünglich, wild und einsam: null touristisch, dafür besiedelt durch viele Auswanderer aus Deutschland und der Schweiz - die sich hier meist durch Hotels, Lodges, Restaurants oder Tourenanbieter selbständig gemacht haben. Auch die Frau unseres Hotelmanagers ist eine Schweizerin und das Restaurant direkt gegenüber unserer Hotelanlage wurde durch eine deutsche Familie (Chefin ist halb Baslerin/halb Lörracherin) geführt. Dieses gemütliche Resti wurde unser abendliches Stammlokal, da wir uns einerseits die Warnungen zu Herzen genommen haben, im Dunkeln nicht zu Fuss unterwegs zu sein und da andererseits das Essen einfach augezeichnet war! Alles war hausgemacht (sogar das Brot!!) und regional erworben. Wir wurden täglich mit viel Liebe und Freundlichkeit empfangen und bewirtet - dieses Restaurant war für uns ein Glücksfall! Bei unserem ersten Besuch brachte ein Einheimischer ein junges, verlassenes Stachelschwein vorbei, das sich die Seele aus dem Leib schrie, wie ein kleines, weinendes Baby. Es wurde von seinem Finder dann in die Tier-Auffangstation gebracht, welche sich direkt 300 Meter entfernt befand. Natürlich haben wir ein paar Tage später diese Station namens „Tree of life“ einmal besucht, welche neben den beherbergten Tieren auch viele einzigartige Pflanzen zu bieten hat - wie ein kleiner, botanischer Garten. Anhand einer interessanten Führung wurde uns alles gezeigt und erklärt. Wir sahen sogar ein Baby-Faultier und durften feststellen, dass diese geretteten Tiere (viele wurden unglaublicherweise mal als Haustiere gehalten und teils auch misshandelt) hier ein schönes und artgerechtes Zuhause haben, und bei gutem Verlauf wieder zurück in die Natur ausgewildert werden können.

Tiere in freier Wildbahn konnten wir an einem anderen Tag im nahegelegenen „Cahuita Nationalpark“ beobachten, wo wir eine lange Wanderung unternahmen. Der Weg führte alles der Küste entlang. Uns gefiel dieser schöne, tierreiche und vor allem abwechslungsreiche Park super gut (eigentlich noch besser als der berühmte Manuel Antonio Park). Hier erlebte man „Natur pur“, wenig Touristen, wunderschöne Karibikstrände und wilde Wälder, abwechselnd mit Sandstrand, Korallen-Untergrund und wunderschönen Palmen. 

Am Anfang unseres Parkbesuches hatte ich noch einen kleinen Schreckmoment, als etwas mit voller Wucht auf meine linke Schulter aufprallte. Es war ziemlich schmerzhaft und fühlte sich an wie ein Karate-Hand-Schlag „bääämm“ volle Pulle auf meine Schulter. Ich realisierte aber schnell, dass es einfach eine heruntergefallene Schalenfrucht war, die mich blöderweise getroffen hat. Ich will nicht wissen, wie sich eine Kokosnuss anfühlen muss, wenn bereits diese kleine (etwa 7cm grosse Frucht) schon so wuchtig auftrifft. Aua.

Wir sahen auch in diesem Park Faultiere, Affen, ein Waschbär, eine lustige grasgrüne Echse (sah aus wie ein kleiner Dino) und zahlreiche Vögel, sowie Insekten. Krokodile, vor denen gewarnt wurde, sahen wir keine im Fluss. Ist vielleicht auch besser so. :-) Alles sah so Jurassic-Park-mässig aus, dass beim plötzlichen Gebrüll aus dem Wald ein echter Dinosaurier nicht so überraschend gewesen wäre... aber es waren „nur“ Brüllaffen, die uns von oben herab gesehen haben und nun einen „riesen Mais“ veranstalteten. 

Im Gegensatz zum Rest von Costa Rica, wo der Sand dunkelbraun bis schwarz ist, gab es hier auch weisse Sandstrände. Karibik-Feeling pur! So machten wir unterwegs an einem schönen Ort eine Pause, um im Meer zu baden und die Sonne zu geniessen. Ich war nur kurz im Wasser, als ich zurück auf meinem Badetuch ein Stechen an meinem Bein spürte. Zuerst dachte ich, es sei eine der zahlreichen Stechmücken und wollte sie mit der Hand davon scheuchen. Als ich dann sah, dass etwas weiss-durchsichtiges an meinem Bein festklebte, wischte ich es mit etwas mehr Kraft weg und befreite meine Haut schliesslich von diesem bereits fest-gesaugten Tier. Die betroffene Hautstelle blutete gar etwas... dieses komische Meerestier hat sich bereits an mein Blut rangemacht! Ich betrachtete es etwas näher: es sah aus wie eine durchsichtige Assel... 

Natürlich konsultierte ich am Abend sogleich die Internetsuchmaschine, man weiss ja nie... ;-)

Und ich wurde tatsächlich fündig! Falls ihr beim Lesen meines Blogs gerade am Essen seid, dann hört doch kurz auf damit. Sonst bleibt euch noch das Gipfeli im Hals stecken... denn jetzt wird es ein bitzeli gruuselig! Es wird aber auch sehr interessant und lehrreich, das versprech ich euch (bitte lest weiter und hört hier nicht auf!). ;-) 

Es gibt nun von mir sozusagen eine gratis Meeresbiologie-Sequenz für euch. Also.... Dieses kleine Monster ist ein Fischparasit! Wahrscheinlich hat es mich im Wasser mit einem Fisch verwechselt. Fies... nur weil ich „Fischer“ heiss. Die gute Nachricht aber sofort: für Menschen ist dieses Tier „so viel man weiss“ ungefährlich. Lebendig könne es aber „zubeissen und ganz schön zwicken“ - das war wohl das, was ich gespührt habe. Und jetzt kommts... Dieses Tierchen mit lateinischem Name „Cymothoa Exigua“ ist eine parasitäre Assel und wird auch Fischassel oder „ZUNGENASSEL“ genannt. Und jetzt haltet euch fest.... Diese marine Asselart, ist der einzige Parasit weltweit, der ein Körperteil seines Wirtes funktionell ersetzen kann. Und zwar in diesem Fall dessen Zunge!! Die Weibchen der Zungenasseln beißen sich im Mund am Grund der Zunge des armen Fisches fest. Hier verläuft eine Arterie, aus der die Assel Blut saugt. Sie ernährt sich also vom Blut des Fisches. Die Zunge des Fisches kann dann nicht mehr ausreichend versorgt werden und stirbt langsam ab. Ohne Zunge jedoch kann der Fisch sich nicht mehr ernähren, und damit verliert auch die Assel ihre Nahrungsquelle. Also ersetzt sie das zerstörte Organ. Und hier dann das HAPPY END: Mit „Asselzunge“ können Fisch und Parasit weiterleben. Sozusagen „happily ever after“. Haha. Unglaublich oder??! Wieder etwas für die Smalltalk-Runde. :-) Ich las dann noch Storys (und sah Bilder! Vielen Dank dafür...) von Menschen, die einen Red Snapper im Lebensmittelladen gekauft und dann diesen Frechdachs von einem Parasiten im Mund des Fisches entdeckt haben. Ein ziemlich abschreckendes Bild, googelt es mal! :-D Betroffene Fische sind hauptsächlich verschiedene Fischarten der Gattung „Lutjanus“ aus der Familie der „Schnapper“ (sorry für die „Wikipedia-Sprache“!). Also wenn ihr mal einen solchen Fisch inklusive Kopf kauft, schaut doch kurz in den Mund - vielleicht güxlet da eine Zungenassel raus. :-)

Am Ende unserer zweiten Costa-Rica-Woche haben wir mit dem Hotel-Chef persönlich noch einen Ausflug in das ländliche Gebiet bei Cahuita gemacht. Er unterstützt durch diese Touren einen seiner Mitarbeiter, der dort wohnt. Indem er „seine Region“ den Hotelgästen zeigt, kann er für sich und das Dorf so etwas dazuverdienen. Wir nannten diesen Mitarbeiter „Mädchen für alles“, da wir ihn beim Holz streichen, Zimmer sauber machen, Frühstück abräumen und jetzt eben als Tourguide erlebt haben. :-)

Wir haben mit ihm und dem Hotelboss eine schöne Bootstour auf dem Río Estrella („Stern-Fluss“) gemacht, einige Tiere beobachten können und am Schluss erhielten wir wieder eine leckere Kokosnuss. 

Mit der Machete wird hierfür der obere Teil der Hülle abgetrennt, so dass man durch eine kleine Öffnung das Kokoswasser trinken kann. Danach wird die Schale nochmals anhand der scharfen Machete zweigeteilt, und mit einem kleinen abgetrennten Stück der Schale krazt man dann sozusagen das dünne und saftige Fruchtfleisch heraus. Einfach lecker, frisch und gesund. Wir haben es geliebt!

Nachdem wir uns von all diesen lieben und gastfreundlichen Menschen (wir erlebten zum Glück also nie eine gefährliche Situation!) verabschiedet haben, ging es am vergangenen Sonntag mit unserem Driver Giovanni zurück nach San José. Die Fahrt war leider nicht so lustig: Zuerst hatten wir Stau wegen einem Unfall, dann machte die Autobatterie schlapp, danach überfuhren wir einen grossen Iguana (es rumpelte unter dem Auto und beim Zurückschauen sah ich das grosse, arme Tier durch die Luft wirbeln... anhalten tut man hier natürlich nicht wegen einem Tier, auch nicht wenn es verletzt sein könnte oder was auch immer... mein Tierherz blutete!) und danach gerieten wir nochmals in einen langen Stau, so dass wir mit über zwei Stunden Verspätung erschöpft in San José angekommen sind. Dort musste ich mich dann am Abend schweren Herzens von Melanie wieder verabschieden, welche die Heimreise zurück in die Schweiz antrat. Für mich geht es nach einem Tag „Pause“ in San José nun weiter mit meiner Weltreise: Hawaii is calling! :-) Ich werde dort insgesamt drei Wochen verbringen: die erste Woche auf Maui, die zweite auf Kauai und die dritte Woche dann noch auf Oahu.

Ich freue mich sehr auf diese Traumdestination und bin gespannt, was diese Inseln für mich bereit halten...

In diesem Sinne: Aloha!                

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Islands to fall in love with

„Estàs lista?“ (Bist du bereit?)

Unser Schnorchelguide schaute mich ermutigend an, währenddessen er ein Stück Stoff meines Wetsuits festhielt - bereit mich volle Pulle runter zu drücken... runter in den Ozean des Schnorchelparadieses „Cabo Rosa“ auf der Insel Isabela - eine der wunderschönen Galapàgos-Inseln. In der Tiefe des Meeres warten nämlich eine Horde Haie auf mich, welche sich in einer Höhle aufhalten. Mein Herz pochte in einer gesundheitlich gesehen wohl bedrohlich hohen Frequenz, mein Angsthase war längst in eine Schreckstarre versetzt und immer wieder schüttelte ich ungläublig den Kopf. Unfassbar das ich das wirklich tue. Aber da muss ich jetzt durch! Die anderen vor mir haben es auch überlebt und waren so begeistert, dass ich all meinen Mut zusammen nahm - um dieses einmalige Spektakel mit eigenen Augen zu sehen. High-Five mein mutiger Engel! Schliesslich weiss ich nicht, ob ich jemals wieder an diesen wunderschönen Ort zurück kommen werde oder nicht. Jetzt oder nie! Abenteuer meines Lebens... here we go! Ich nickte meinem Guide halbherzig zu und quietschte ein „ok“ aus meiner zugeschnürten Kehle. Luft holen und los gings! Ich tauchte einige Meter in die vorerst dunkle Tiefe - mein Arm mit der filmenden Unterwasserkamera ausgestreckt wie ein beschützendes Schwert vor mir. Und schon wurde es hell! Als ob ich ein surreales Fernsehbild vor mir hätte... mir bot sich da ein unglaubliches Schauspiel! Einerseits war es total angsteinflössend und gleichzeitig eindrücklich und wunderschön... Sicher 20-30 Weissspitzen-Riffhaie befanden sich in dieser unterirdischen Höhle! Die meisten lagen schlafend am Boden, einige aber waren wach und schlängelten sich elegant durch diese Felsöffnung. Konzentriert alles mit der Kamera einzufangen schwenkte ich meinen Arm hin und her, dabei hielt ich gebannt die Luft an (mir hätte es aber auch über Wasser bei diesem Anblick wohl den Atem verschlagen). Nach einigen unvergesslichen Sekunden hatte ich genug, nickte energisch mit dem Kopf und sagte ein zweites Mal „ok“ (hört man lustigerweise auf dem Video - auch wenn es unter Wasser war)! Schon zog mich mein Guide hoch und ich schnappte an der Wasseroberfläche nach Luft. Alle schauten mich gespannt an (sie wussten natürlich Bescheid von meiner Angst vor Haien) und grinsten froh, als ich ein begeistertes „wow, this was amazing!“ von mir gab. Ich war in einem Schock-Adrenalin-Delirium und konnte es kaum fassen was ich soeben mit eigenen Augen gesehen habe. Keine Minute später kreisten sogar zwei nicht-wirklich-kleine Haie um uns herum, verschwanden aber bald auch in der Höhle. Es war unglaublich, diese anmutigen und eleganten Tiere so nahe und so friedlich zu sehen. Ich war so froh hatte ich meine Angst überwunden und mir den Ruck gegeben, mich auf dies einzulassen. Das Angebot für einen zweiten Höhlen-Tauchgang lehnte ich aber dankend ab. ;-)

Auf diesem Schnorchelausflug haben wir neben Haien auch wunderschöne Fische, einen Oktopus, Seepferdchen, einen neugierigen Seelöwen und unzählige Wasserschildkröten gesehen. 

Ich war jedes Mal wieder total fasziniert von der Eleganz und Ruhe dieser wunderschönen Tiere und habe zig Videos und Fotos gemacht von teils riesigen Wasserschildkröten, die sich nur ein paar Zentimeter von mir entfernt befanden. All diese Meerestiere schienen nicht im geringsten durch die Anwesenheit der Menschen beunruhigt oder gestört zu sein, bei dem was sie gerade machten. Da die Tiere rund um die Galápagos-Inseln streng geschützt sind und schon lange nicht mehr gejagt werden, zeigen sie den Menschen gegenüber auch dieses ruhige und friedliche Verhalten. Wunderschön!! Ich war absolut „geflasht“ von diesem Erlebnis. Der zweite Schnorchelgang fand in den „Tunnels“ statt: hier entstand vor 12 bis 15 Tausend Jahren diese spezielle Lava-Landschaft durch einen Vulkanausbruch. Diese Vulkangesteins-Landschaft mit unzähligen Kakteen und wunderschönen, glasklaren Wasserbecken, bot uns einen spannenden Schnorchel-Spot, wo wir durch diese Höhlen hindurch schwimmen konnten. Zurück auf dem Boot machte sich plötzlich Aufregung breit. Jacky, meine kanadische Kollegin unserer Reisegruppe, habe eindeutig Flossen gesehen. Sie tippte aufgeregt auf Haie oder Delfine. Als sich das riesige Tier unserem Boot näherte, sah ich seine Farben in schwarz und weiss. Somit war für mich klar, dies kann nur ein Killerwal sein! Einige Minuten vorher hat unser Guide nämlich erzählt, dass sie hier letzte Wochen Delfine und Orkas gesehen haben. Nun schien es, dass uns ebenfalls dieses unglaubliche Glück wiederfuhr! Tja, bäätsch! Falsch gedacht. Wir lagen mit unseren Vermutungen beide daneben, es war nämlich ein Mantarochen! Ein riesiger Teppich von einem Rochen schwebte um uns herum. Zur Tarnung ist seine Oberfläche dunkel (scheint wie schwarz) und seine untere Seite ist hell (scheint wie weiss). Die Spitzen seiner Flügel ragten immer wieder aus dem Wasser - dies hat die Form einer Flosse und brachte deshalb diese Verwirrung mit sich.

Unglaublich was wir in diesem Meer alles zu sehen bekamen... diese Gegend war ein einziges Tier- und Naturparadies! Wie damals in Neuseeland habe ich mich auch hier augenblicklich verliebt in dieses Fleckchen unserer Erde. 

Ecuador liegt, wie es der Name eigentlich verrät, direkt auf dem Äquator. Dieses Land bietet unglaublich viel: die Anden mit Bergen von über 6000 Meter über Meer, der Amazonas und somit viel Regenwald und Dschungel, pulsierende Gross-Städte mit beeindruckender Architektur wie Guayaquil und Quito - und eben die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit, die einzigartigen Galápagos-Inseln: ein Archipel vulkanischer Inseln, die vor etwa 20 Millionen Jahren entstanden sind und mittlerweile zum Weltnaturerbe der UNESCO gehören. Die Inseln und die Meere rundum stehen unter strengem Naturschutz und durch das geringe Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten wird die Anzahl der Touristen auch automatisch klein gehalten - was sicher der Vielfalt und dem Wohl der Tiere dient. Einige dieser Inseln sind bewohnt und besuchbar, andere sind unberührt und teils auch geschützt, um Tiere dort anzusiedeln. Vier der insgesamt 13 grösseren Inseln sind bewohnt - und drei davon haben wir auf unserer einwöchigen Gruppenreise besucht. Daneben existieren aber noch über Hundert kleinere Inseln, welche unter 10 Quadratkilometer gross sind. 

Zum Start unserer Reise, beim Flug von Quito (Festland) nach Baltra (kleine „Flughafeninsel“ der Galápagos-Inseln), passierte mir als Ex-Flugbegleiterin noch etwas Oberpeinliches. Unser Flug hatte Verspätung und auf den Bildschirmen war nirgendwo zu sehen, wann schlussendlich das Boarding und der Abflug sein würde. Jacky und ich machten es uns deshalb bequem irgendwo in der Abflugshalle (nicht direkt vor unserem Gate - grooosser Fehler!). Ich schaute immer wieder auf den Bildschirm, konnte aber keine aktuelle Info sehen. Plötzlich ertönt es aus den Lautsprechern: „Last Boarding Call for Rahel Fischer“! „Jacky that is me!“ rief ich in Panik und sogleich schallte auch ihr Name durch den Saal. Wie vom Blitz getroffen packten wir unsere sieben Sachen und rannten wild fuchtelnd mit den Armen (sie sollten ja sehen dass wir hier sind und jaaaa nicht ohne uns abfliegen!!) zu unserem Gate und entschuldigten und halb Englisch halb Spanisch bei allen rumstehenden Mitarbeitern. Wir rannten so schnell wie möglich den Jetty runter und riefen immer wieder „Perdon“ in alle Richtungen. Ich speedete so schnell es ging durch die vollbesetzte Kabine und erntete natürlich bööse Blicke. Ayayay... Ich knallte zack meinen Rucksack innert Millisekunden in das Hattrack, setzte mich in Windeseile hin und getraute mich fast nicht mehr zu atmen. Mein Gott das ist mir noch nie passiert und war mir total unangenehm! Denn als Crew nervt man sich total über diese verpeilten, zu-spät-kommenden Passagiere - das wusste ich nur zuuu gut! Immerhin mussten wir eh noch einige Minuten warten bis zur Startfreigabe - somit war die Verzögerung nicht durch uns verschuldet. Aber ein kleiner und auch peinlicher Schreckmoment war es allemal... 

Und jetzt könnt ihr drei Mal raten, wem das eine der zwei einzigen Gepäckstücke gehörte, das bei der Ankunft vom bellenden Zollhund zur Inspektion auserkoren wurde. Genau, es el mio. Warum es der Hund genau auf meine Tasche abgesehen hatte, konnte ich mir beim besten Willen nicht erklären! Ich achtete auf keine Früchte, keinen Dreck an den Schuhen und keine Drogen, Messer oder Feuerwerkskörper. Ok Hunde mögen mich einfach nicht, eigentlich wars ja klar. Und somit musste meine Reisegruppe ein zweites Mal auf mich warten... Super Start für die gemeinsame Woche! Während der solamente-habla-español Zöllner meinen Gepäcksinhalt bis auf die Unterwäsche durchkramte, stand ich achselzuckend im Verbrecherkabäuschen. Natürlich ohne einen kriminellen oder naturzerstörenden Fund liess mich der Militärsbursche wieder ziehen und zu meiner Gruppe aufschliessen, wo ich vor ein paar hämischen Sprüchen nicht verschont wurde: „Räitschel, what are you trying to smuggle, hahaha?“ Meine ironische Antwort, ich würde für etwas „Fun“ auf den Inseln sorgen, haben die älteren Semester meiner Gruppe dann aber nicht verstanden, und schauten mich erschrocken an. Schnell fügte ich an: „I‘m only joking“! „Ahhh, hahahaha!“ und die Gesichter erhellten sich wieder. Drogen-Rachel und der Rest der Gruppe wurden in den Bus verfrachtet, der uns zum Bootssteg brachte. Erste Fotos vom wunderschönen, türkisblauen Meer, sowie den leuchtend roten Krebsen wurden geknipst und begleitend von Entzückungslauten wie „ohh“, „wow“ und „hooow beautiful“ fuhren wir per Boot auf unsere erste Insel: Santa Cruz. 

Alle freuten sich auf diese Woche und wir wähnten uns angekommen im Paradies. Unsere gutdurchmischte und erwartungsfrohe Reisegruppe bestand aus drei älteren Pärchen (zwei aus den USA und eines aus England), zwei Kolleginnen aus den USA und vier single Ladies: eine Engländerin, eine Amerikanerin, die Kanadierin „Jacky“ (welche zu einer guten Kollegin wurde) und mir, als einzige „nicht-Englisch-Muttersprachige“). Mit unserem Guide Danilo, ein Galápagossianer oder Galápagonese (?), sprach ich so oft wie möglich Spanisch (ich war die einzige dieser Truppe die Spanisch sprechen konnte) und mit den anderen sprach ich von morgens bis abends Englisch. Diese Woche war ein exzellentes Fremdsprachen-Workout für mich. Übrigens dürfen hier nur Einheimische dieser Inseln Touristenguides sein. Dies als kleine Randnotiz.

Auf Santa Cruz fuhren wir zum Hafenort Puerto Ayora, wo Fischer, Pelikane und Seelöwen, uns bereits am Fischmarkt erwarteten. Nach dem Einchecken ins Hotel machten wir unseren ersten Spaziergang und besuchten das Darwin Institut, wo Riesenschildkröten gehalten wurden. Auf einigen Inseln werden nämlich die Schildkröteneier eingesammelt, damit die Jungen hier frei von Gefahren aufwachsen und später ausgewildert werden können. 

Am zweiten Tag spazierten wir zu den Lagunen “Las Grietas“ - wo wir einen Schwumm im glasklaren und erfrischenden Wasserloch, mitten in einer Felsformation, machen konnten. Am Nachmittag ging es per Schnellboot bereits weiter auf die zweite Insel: Floreana. 

Diese Insel war im Gegensatz zum touristischen Hafenort Puerto Ayora total ruhig und einsam - mit weniger als 200 Einwohner auf der ganzen Insel. Am dunklen und menschenleeren Strand „Playa Negro“ gab es nur ein Museum mit einer Bar im oberen Stockwerk. Nach dem Museumsbesuch, wo wir mehr über die Geschichte und Besiedlung dieser Insel erfuhren, nahmen Jacky und ich einen erfrischenden Schwumm im Meer. Wir waren die einzigen Strandbesucher, währenddessen der Rest unserer Gruppe uns beim Sonnenuntergang vom Bar-Balkon aus zuschaute. Die Stimmung war magisch und der Sonnenuntergang war traumhaft schön! Eingewickelt in unsere Badtücher gesellten wir uns etwas später zum Rest, genossen einen frischen Mojito und schaukelten in den Hängematten. Auf dieser Insel gab es praktisch keine Touristen, da es nur ganz wenige Hotelzimmer gab. Unsere Gruppe wurde in sogenannten Homestays untergebracht - Übernachtungsmöglichkeiten, welche von den Einheimischen angeboten werden und ihnen als Einnamequelle dient. Dies war eine Art soziales Engagement, für das sich unsere Reiseagentur „Gadventures“ stark macht. Was ich auch super fand: jede Mahlzeit wurde an einem anderen Ort im Dorf eingenommen. Somit unterstützten wir sämtliche Restaurants und Cafés auf dieser Insel. Für mich war dies eine der schönsten Inseln überhaupt: viel unberührte Natur, tolle und einzigartige Tiere und entspannte, sowie friedliche Bewohner. Ein wahrhaft traumhafter Rückzugsort, wo weder Hektik noch Unruhe vorherrscht. Am nächsten Tag spazierten wir zu einer schönen Bucht, wo wir einen ersten Schorchelgang unternahmen. Danilo, unser Guide, zeigte uns dabei zwei Wasserschildkröten, die hier anscheinend ihr Zuhause haben und wir aus nächster Nähe beim Schlafen, Essen und Luft holen beobachten konnten. Wir waren hin und weg von diesem Erlebnis und spazierten glückselig zurück zum Playa Negro - wo uns ein weiteres spannendes Tier überraschte: ein riesiger bunter Iguana, der wie ein kleiner Dinosaurier aussah. Ein prächtiger Farbfleck mitten auf dem dunklen Sand, der immer wieder witzig seinen Kopf auf und ab bewegte - als wolle er uns etwas mitteilen. Am Nachmittag unternahmen wir einen Spaziergang durch Floreanas Hochland, wo wir wieder Riesenschildkröten beobachten konnten. Weiter besuchten wir die „Pirates Caves“: Höhlen wo einst die Piraten Schutz und ein Zuhause fanden. Spaziergänge mit unserer Gruppe waren teilweise sehr anstrengend... einerseits wegen der vorherrschenden Hitze, andererseits aber auch wegen den vielen Fragen einzelner (eher älteren) Gruppenmitglieder - die alles gaaaaanz genau wissen und erklärt haben wollten. Jeder einzelne Schmetterling und Vogel wurde eingiebig betrachtet und studiert, alles war plötzlich suuuperinteressant. Die unzähligen Fragen verzögerten den Spaziergang sehr und die vielen Pausen ermüdeten die jüngere Generation unter uns etwas. Für einige eher unsportliche und/oder betagte Personen war dies wahrscheinlich genau die Absicht. ;-) Als wir an einer kaputten Hütte vorbeikamen, und doch tatsächlich jemand den Guide fragte was dies sei, hätte ich ihr am liebsten zugerufen: „It‘s a house! It‘s just a house!!!“. Viel anders fiel die Antwort unseres Guides nämlich auch nicht aus. Aber eben, so schön die Gesellschaft einer Gruppe auch ist (und wir hatten wirklich eine tolle Gruppe und gute Atmosphäre), so gehört Rücksicht nehmen und warten halt auch dazu.  Alles halb so schlimm. Am folgenden Tag ging es auf die dritte zu entdeckende Insel: Isabela.

Unterwegs sahen wir auf dem „Schildkröten-Felsen“ noch die bekannten Fregatt-Vögel, wo die Männchen in der Paarungszeit einen riesigen, roten Kehlsack aufplustern, was aussieht wie ein roter Ballon. Tatsächlich sahen wir mehrere solcher „roten Ballone“ auf diesem Felsen: ein eindrückliches Naturschauspiel, das man oft auch in Tierdokumentationen am TV sehen kann. Und wir durften dies live vor Ort beobachten, was für ein Glück! Als wir mit dem Boot in den Hafen fuhren, begrüssten uns bereits jagende Pinguine im Wasser und beim Bootssteg spielten und schwammen unzählige Seelöwen herum. Die Tierpracht auf den Galápagos-Inseln war einfach einmalig! Nirgendwo sonst in der Welt habe ich so viele schöne und einzigartige Tiere so zahlreich und nah in der wilden Natur sehen können. Mein Animallover-Herz war stets in heller Aufregung... Den spielfreudigen Seelöwen im Meer hätte ich stundenlang zuschauen können! 

In Tintoreras auf der Insel Isabela besuchten wir am Nachmittag erst eine Lagune mit rosafarbenen Flamingos, bevor wir dann mit dezimierter Gruppe (für einige war es verständlicherweise schlicht zu heiss und anstrengend) eine kleine Wanderung auf den Vulkan Sierra Negra machten. Oben angekommen bestaunten wir den zweitgrössten Vulkankrater der Welt (der grösste ist der Ngorongoro Krater in Tanzania). Wir hielten diesen Moment mit ein paar tollen Gruppenfotos und Yoga-Posen am Rande dieses eindrücklichen und riesigen Kraters fest, bevor es auf den Rückweg ging. Abends hatten wir noch einen glatten Abend in der Bar, währenddessen die Miss-Isabela-Wahl nebenan auf der Strasse stattfand. Wir überlegten uns noch kurz diese Veranstaltung zu crashen, beobachteten das Ganze dann aber doch vernünftigerweise aus der Ferne. 

Am nächsten Tag stand nämlich ein riesiges Highlight an: der Schorchelausflug nach Cabo Rosa! Die Geschichte dazu kennt ihr ja und meine heroische Hai-Annäherung habt ihr zu Beginn dieses Blogs bereits lesen können. 

Überwältigt von der Schönheit dieser Inseln und dankbar für diese unvergessliche Zeit hier, entschieden Tess (die Engländerin und fast-neue-Miss-Isabela), Jacky und ich etwas Gutes zu tun und diesem Ort etwas zurück zu geben (nebst dem vielen Geld, das wir hier definitiv zurücklassen - den günstig ist dieser Spass hier allemal nicht). 

So machten wir uns auf, den lokalen Strand „Malecón Cuna del Sol“ vom leider zahlreichen Klein-Abfall zu befreien. Denn genau diese kleinen Plastik- und Alu-Teilchen werden für die Meeresbewohner zur Gefahr, wenn sie mit Nahrung verwechselt und verschluckt werden. Dieser (auf den ersten Blick saubere) Strand hatte leider zahlreiche Bierdeckeli, Lollipop-Stengel, Zigaretten-Stummel, Bonbon-Plastikpapiere, Drähte, Gabeln, und was-weiss-ich-was-alles vergraben im Sand oder liegend auf der Oberfläche - wenn man nur etwas genauer hinsah. Ich besorgte uns eine Plastiktüte an der Bar und wir begannen, den ganzen Mist einzusammeln. Es dauerte keine fünf Minuten, da sahen wir, wie sich zwei kleine einheimische Mädchen leere Kokosnuss-Schalen schnappten und doch tatsächlich begannen, Müll einzusammeln. Wir waren überwältigt und hatten riesige Freude, dass diese zwei kleinen Engel uns einfach so, ohne Aufforderung eines Erwachsenen, halfen. Dies war für mich der grösste Erfolg - nebst den drei vollen Säcken mit eingesammeltem Abfall. Wenn wir mit unserer Aktion nur einer Wasserschildkröte das Leben gerettet haben, hat es sich allemal gelohnt. Zumal wir sehen konnten, dass es offenbar auch den Kindern am Herzen liegt, einen sauberen Strand zu haben. Ich denke, man kann viel bewirken, indem man ein Vorbild für die nächste Generation ist und ihnen einfach zeigt und vorlebt, was man tun kann. Ein drittes Mädchen gesellte sich dann auch noch dazu, dies hatte aber anfangs das Konzept nicht ganz verstanden. Als es ihre Kokosnuss-Schale voll mit Blumen und Palmen-Früchte in meinen Sack leeren wollte, musste ich ihr erst zeigen und mit meinem halbherzigen Spanisch erklären, was wir genau tun und suchen und dass alle Pflanzen am Strand bleiben dürfen. Aber es war so süss, ihre Hilsbereitschaft zu sehen. Und jedes Mal wenn ich sie für gesammelte Abfallteile gelobt habe, strahlte sie über das ganze Gesicht. Dieses herzerwärmende Erlebnis war ein schöner Abschluss, bevor es für uns zurück zur ersten Insel Santa Cruz ging, wo wir unseren letzten gemeinsamen Tag verbracht haben. Bei der Bootsfahrt nach Santa Cruz musste ich schmunzeln, als unser Boot beim Boarden in Schräglage geriet und fast umkippte, weil es (langverheiratete!) Paare gab, die unbedingt hintereinander das Boot besteigen und nebeneinander sitzen wollten. Das Prinzip wäre eigentlich klar und logisch - rechts setzen, links setzen,... so dass das Boot immer schön ausbalanciert ist. Doch der Anweisung unseres Guides widersetzten sich ein paar trennungsscheue Paare konsequent - auch wenn sie dabei in Kauf nahmen, dass unsere ganze Gruppe kenterte und im Wasser landete. Auf Santa Cruz, zurück am Puerto Ayora, machten wir unseren letzten Gruppen-Ausflug mit einem Spaziergang an den wunderschönen Strand „Playa Tortuga“. Ich entspannte ein letztes Mal an einem Galápagos-Beach, wo doch mitten in meiner tiefenentspannten Siesta ein riesiger, schwerer Ast direkt neben meinem Kopf in den Sand plumpste. Dieser Ast steckte neben meinem Liegeplatz im Sand um Äste des riesigen Gebüschs zu stützen. Offenbar wurde er aber dabei nicht gut (genug) fixiert. 

Geschockt sprang ich auf und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich soeben riesiges Glück hatte. Der mit etwa 15 Zentimeter-Durchmesser dicke Ast sah doch ziemlich schwer aus und hätte meinem Kopf wohl ziemlichen Schaden anrichten können. Direkt kam mir eine Kollegin aus der Schweiz in den Sinn, welche kurz zuvor fast von einem Baum erschlagen wurde und mir dies am Tag zuvor erzählt hatte. 

Ich weiss nicht ob mich dieser Zufall oder der Zwischenfall selber mehr geschockt hat, aber ich war hinterher einfach froh und dankbar, lag ich diese paar Zentimeter entfernt vom Aufprall-Ort. 

Nach letzten Souvenir-Einkäufen und einem letzten gemeinsamen Gruppendinner ging es für alle zurück nach Quito. Unser Bus schlängelte sich die schmalen Strassen hoch auf die 2800 Meter über Meer, wo die Hauptstadt Ecuadors thront. Quito ist übrigens die höchstgelegene Hauptstadt der Welt und hat aufgrund ihrer Höhe manchem Reiseteilnehmer zu Beginn unserer Reise Kopfschmerzen beschert. Wenn man vom Tal her hoch zur Stadt blickt, sieht man ein paar eindrückliche Hochhäuser und denkt anhand dieser Skyline, Quito sei eher eine kleine Stadt. Doch diese Stadt hat ein riesiges Einzugsgebiet mit 2.2 Millionen Einwohner! Sehenswert in dieser Stadt ist sicher der Künstler-Markt („Mercado Artesanal.“). An meinem freien Tag in Quito, bevor meine Reise weiter ging nach Costa Rica, besuchte ich zusammen mit Jacky diesen bunten Markt, der alles von selbstgewebten Kleidern, über Töpfereien, Schlüsselanhänger, Etuis, Schmuck, Schals und Hängematten anbot. Zuerst wollte ich gar nicht mit, da ich eh kein Platz für derartige Souvenirs in meinem Gepäck habe. 

Doch Jacky bot mir netterweise an, meine Sachen mit zu ihr nach Toronto zu nehmen. Denn meine Weltreise wird mich nach Costa Rica über Hawaii nach Kanada führen, wo ich per Zug von Vancouver nach Toronto reisen werde. Dass ich Jacky dann in Toronto besuchen werde haben wir eh längst abgemacht. Nun bot sie mir aber an, meine erworbenen Ecuador-Souvenirs in Toronto aufzubewahren. Bis dann würde ich auch wieder mehr Platz im Gepäck haben, denn meine Kollegin Melanie, die mich nun in Costa Rica aus der Schweiz besucht, wird mir nun einige Sachen mit nach Hause nehmen können. So begleitete ich Jacky natürlich gerne auf diesen speziellen Markt mit allerlei lokal angefertigten Waren und erstand mir unter anderem eine tolle Hängematte. Welch ein schönes Andenken für meinen Garten zuhause! Den letzten Abend in Ecuador liessen wir zu zweit in einem äusserst speziellen Restaurant ausklingen: dem „Quitu“, was laut Kellner das „Zentrum der Welt“ bedeutete. Dieses charmante kleine Restaurant bietet ein einmaliges Konzept an. Jeweils am Sonntag geht der Koch auf Farms in der Region und kauft dort die Lebensmittel ein, die zur Zeit Saison haben und im Angebot sind. Mit diesen lokalen und saisonalen Zutaten kocht er dann ein mehrgängiges Menu für die Gäste. Das Prinzip soll die Kultur von früher wiederspiegeln, wo gegessen und geteilt wurde, was man gerade im Garten ernten konnte. So genossen wir ein fantastisches 9-Gänge-Menu (5 kleine Vorspeisen, 2 kleine Hauptgänge und zwei leckere Schokoladen- Desserts, natürlich hergestellt aus der hervorragenden Ecuadorianischen Kakao-Bohne) und erhielten dazu die passenden Drinks. Eine Person war alleine zuständig für die Drinks, jemand schaute dass alle immer genügend Wasser zu trinken hatten, jemand war zuständig fürs Abräumen, jemand fürs Aufdecken und so weiter. Alles ging somit Schlag auf Schlag - wie ein kulinarisches Feuerwerk! Kurzum - wir waren im Ecuadorianischen Schlemmer-Himmel und genossen einen fantastischen letzten Abend in diesem wunderbaren Land.

Nun bin ich seit Dienstag in Costa Rica und verbringe hier zwei Wochen mit Melanie, welche mir von zu Hause (auch von netten Freunden, vielen Dank!) Ovi-Schoggi, Rivella, Zweifel-Chips, Biberli und Schoggi-Hasen mitgebracht hat. Ich habe mich sehr auf diese Grüsse und den Besuch aus der Heimat gefreut und werde euch im nächsten Blog berichten, was wir in Costa Rica erlebt haben. #puravida, bestimmt! ;-)

Bis dann - hasta luego!

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Salsa and Spanish-Lessons

Ich bin total im Seich... Knocked out. Ich weiss nicht mehr wo oben und unten ist. Ich hänge KOMPLETT in den Seilen. Es ist mitten in der Nacht, ich liege im Bett und bin todmüde, kann aber trotzdem nicht schlafen. Jetlag hoch drei, mein Körper streikt und dies aus gutem Grund! 14 (!!) Stunden beträgt der Zeitunterschied von Sydney nach Buenos Aires!! Vierzehn!! Nach meiner rund 16-stündiger Reise von Australien nach Argentinien wurde mein Tag netterweise um sage und schreibe viieeerzeeeehn Stunden verlängert! Unglaublich oder?! Kein Wunder schreit alles in mir: „ich maaaaa nüüümm“!!

Nun, wenn ich schon wach bin und eh nichts besseres zu tun habe (das Frühstücks-Buffet öffnet erst in 4 Stunden, arrgh!), dann nutze ich doch diese Zeit sinnvoll. 

So kommt es, dass ich morgens um 03:00 Uhr in einem Hotel mitten im Herzen von Buenos Aires das Fotoalbum von Australien mache. Online ist heutzutage ja fast alles immer und überall möglich... Und schliesslich habe ich, wenn ich im Sommer wieder zurück in der Schweiz sein werde, bestimmt besseres zu tun, als bei schönstem Wetter in der Stube am Compi zu sitzen! ;-) So sehe ich mir noch einmal alle schönen Bilder von meiner Reise an Australiens Ostküste an und schwelge in den Erinnerungen:


Nach meiner „Erholungs-Zeit“ in Brisbane bin ich mit dem Greyhound-Bus weiter gereist in Richtung Süden, mit erstem Halt in Surfers Paradise. 

Dieser touristische und lebhafte „bling-bling“ Beach-Ort erinnerte mich etwas an Miami Beach - mit der Hotel-Parade entlang des langen Sandstrandes. An diesem gut frequentierten Strand war der Sand fein wie Puderzucker und Lifeguards beobachteten das Geschehen. Surfers Paradise war auch etwas „Partytown meets Souvenirshop-Meile“ - crazy, amerikanisch und sehr busy. Lustigerweise gibt es unterhalb Surfers Paradise auch wirklich ein „Miami“ in Australien. Nach diesem hippen Ort war mein nächster Bushalt in Byron Bay, ein Ort wo sich auch auch viele junge „Partypeople“ tummelten - aber alles war etwas chilliger und gemütlicher als in Surfers Paradise. Byron Bay ist eher „Kiffer Paradise“ und gehört in die Abteilung Hippie-Town. Die meisten Männer hier hatten längere Haare als ich, dies lag aber sicher auch am „Surfer-Style“. Hier hat es ideale Strände zum Surfen, sowie einen schönen Weg entlang der Küste zu einem Leuchtturm. Auf meinem Spaziergang zum Leuchtturm habe ich übrigens zwei Zürcher-Mädels wieder angetroffen, welche ich im Musik-Bus in Richtung Adelaide kennen gelernt habe! So ein witziger Zufall... Kleine grosse Welt. Ausserdem habe ich eine sympathische, junge Zürcherin namens Jeannine im Bus von Surfers Paradise nach Byron Bay kennen gelernt. Lustigerweise waren wir im selben Hostel unter gebracht, so haben wir zusammen Znacht gekocht und australischen Wein getrunken - herrlich! 

Nach Byron Bay ging es weiter nach Yamba, das auch als das „Byron Bay von früher“ bezeichnet wird. Mir gefiel dieser beschauliche und ruhige Ort mit seinen unterschiedlichen Stränden sehr, wenn auch das Zentrum etwas sehr klein und ausgestorben war.

So fuhr ich um „mehr zu sehen“ mit dem Velo ins benachbarte Angourie, wo die wunderschönen „Blue and Green Pools“ waren, um dort eine herrliche Abkühlung zu geniessen. Und da sah ich sie: meine erste Schlange! Auf meinem Rückweg schlängelte diese lange, dünne schwarze Kreatur direkt vor meinem Velo über die Strasse und verschwand auch sogleich im Gebüsch! Ich war erleichtert aus zwei Gründen: 

1. Dass sie sich so schnell vom Acker gemacht und keinerlei Angriffslust gezeigt hat. 

2. Dass ich eeeendlich eine Schlange in Australien gesehen habe!! 

Ohne das hätte ich ja fast nicht das Land verlassen können, oder?! ;-)

Via Clarence River ging die Busreise weiter nach Coffs Harbour - ein wieder etwas grösserer Ort und wie es der Name bereits sagt, mit Hafen am Meer. Auch dort gab es schöne Strände (der wilde Park Beach und der ruhige Jetty Beach), auf welche man eine schöne Aussicht hatte vom Muttonbird Island Nature Reserve aus: ein begehbarer Hügel, wo brütende Vögel Schutz finden. Nach der kleinen Wanderung auf diese Erhöhung entspannte ich am Jetty Beach unter den Bäumen, als plötzlich eine Schar von rund 50 weissen und laut schnatternden Papageien heran geflogen kam. Sie machten es sich direkt oberhalb von mir in den Bäumen gemütlich und frassen die Früchte davon, welche aussahen wie kleine Tannzapfen. Ich beobachtete amüsiert das emsige Treiben und spürte immer mal wieder „Essensreste“ auf mich herunterfallen. Mich machte dieses Geschnabuliere auch hungrig, so zottelte ich weiter in den Botanischen Garten und verweilte in dieser wundervollen grünen Oase mit einem Glace und meinem Buch. 

Den letzten Halt vor Sydney machte ich dann in Port Mcquarie.

Dort habe ich unter anderem ein Koala-Spital besucht, wo verletzte und/oder kranke Koalas aufgepeppelt und versorgt werden. 

In der letzten Februar-Woche erreichte ich bereits meinen letzten Aufenthaltsort in Australien: die Weltstadt Sydney!

Wie im letzten Blog erwähnt, habe ich mir auch hier eine Wohnung genommen. Damit dies einigermassen bezahlbar war, entschied ich mich für ein Apartment im Vorort „Drummoyne“ - etwa 20 Minuten ausserhalb vom Stadtzentrum. Da aber regelmässig ein Bus von der Haltestelle direkt vor meiner Wohnung in die Stadt fuhr, war ich trotzdem sehr gut ans Citycentre angeschlossen. Ich verbrachte eine höchst kurzweilige Woche in Sydney - es gab so viel zu sehen, zu entdecken und zu unternehmen!

Einerseits besuchte ich natürlich die bekannten Highlights in der Stadt wie der botanische Garten, das berühmte Opernhaus, die Harbour Bridge und das Queen Victoria Building. Andererseits unternahm ich einige Ausflüge wie

einen Trip in die Blue Mountains - wo wir die Gesteinsformation „Three Sisters“ bestaunten und die Geschichte der Aborigines über diese angeblich drei versteinerten Schwestern erfuhren. Die Blue Mountains scheinen aus der Distanz übrigens wirklich blau, aus der Nähe betrachtet dann aber nicht wirklich. Wahrscheinlich verändert sich das aber auch je nach Lichtverhältnisse... 

In Sydney habe ich auch Jeannine wieder getroffen. Mit ihr und der Norwegerin Ronja spazierte ich einmal vom berühmten Bondi Beach (dort gibt es einen Pool, im Iceberg Club, wo die Wellen des Meeres in den Pool schwappen - ganz witzig!) zum Coogee Beach - eine schöne Wanderung entlang der Küste. An meinem letzten Sydney-Tag (somit auch mein letzter Tag in Australien), marschierten wir die 10 Kilometer von der Spit Bridge nach Manly - von wo her wir die Fähre wieder zurück nach Sydney nahmen. Für mich war dieser Tag der perfekte Abschluss meiner zwei wunderbaren und erlebnisreichen Monate in Down Under!


Nun erlebte ich wohl den längsten Tag meines Lebens durch die Reise von Sydney nach Buenos Aires: ein Tag mit 14 zusätzlichen Stunden! Was für ein Fluch und Segen zugleich... Kurz vor Argentinien überflogen wir Chile: ich war fasziniert von der wunderschönen Bergwelt, die ich von oben herab betrachten konnte! Beim Anflug von Buenos Aires staunte ich dann nicht schlecht ob den zahlreichen Villen mit Pools. Argentinien gehört mit Sicherheit nicht zu den ärmsten Ländern in Südamerika (es gibt auch hier grosse Armut, aber eben im Vergleich zu anderen Ländern in Südamerika gibt es hier auch einen grossen Mittel-/Wohlstand). Ziemlich schnell habe ich den Stellenwert des Fussballs in diesem Land bemerkt: Plakate von Messi und Co. waren allgegenwärtig. Ein Ticket für ein lokales Fussballspiel war jedoch kaum zu ergattern und ausserdem wahnsinnig teuer (ab mehreren hundert Franken aufwärts!). Die Stadt besitzt meines Erachtens nach viel europäischen Charme, vor allem was die Architektur betrifft. Da wähnt man sich teilweise in Paris oder Rom! Schöne, alte und reich verzierte Gebäude stehen prunkvoll mitten in der Stadt - vom imposanten Theater über das Casa Rosada (Sitz des Präsidenten) am berühmten Plaza de Mayo und den Obelisk auf der Avenida 9 de Julio. Diese Strasse ist übrigens die breiteste Strasse der Welt und die 10 Fahrspuren sind IMMER vollgas befahren! Vom Verkehr her würde ich sagen läuft es hier äusserst südländisch ab: viel Tempo, vieel Gehupe, gefährliche Manöver - umso frecher der Fahrstil, umso eher kommst du voran! Bei der Fahrt im Taxi in die Stadt musste ich ab und an wegschauen - da wurde es ein paar Mal brenzlig und wir passierten zwei Unfälle innert dreissig Minuten. 

Ich habe nirgendwo in der Stadt in einer Strasse eine autofreie Zone gesehen. Der Verkehrsstrom mit vielen Taxis und stinkenden Bussen fliesst rund um die Uhr kreuz und quer durch das Stadtzentrum! Dieses lärmige Chaos und die Verkehrsabgase haben mich manchmal schon etwas gefordert und übergefordert. Offensichtlich ist auch der Einfluss der Staaten: viele Fastfood-Buden erfreuen sich hier grosser Beliebtheit. Und was hier leider auch sehr präsent ist: das Smartphone! Am Esstisch, im Flugzeug, in einem Warteraum, in einem schönen Café... überall!! Und NICHT lautlos eingestellt. Es piepst und surrt pausenlos, Filme werden in voller Lautstärke geschaut - für mich war dies schon etwas gewöhnungsbedürftig. Zusammengefasst würde ich Buenos Aires nach meinem ersten Sightseeing-Tag folgendermassen beschreiben: 

Charmant, grossartige Architektur, präsente Polizei, chillig aber gleichzeitig lebhaft und laut, tolle grüne Parks, leider oftmals auch dreckig und stinkig, es lebt der Tango, es herrscht der Fussball und es dominiert das (Rind-)Fleisch. 

An meinem zweiten „BA-Tag“ habe ich einen Spaziergang durch das Naturreservat im Süden der Stadt gemacht. Dieser grosse Park war eine wunderschöne, grüne Oase voller Libellen und Schmetterlinge und sehr sauber - auf den ersten Blick. Ich erreichte ganz vorne den Fluss „Río de la Plata“, wo an diesem Sonntag zahleiche Einheimische die Sonne genossen. Aber baden, das tut hier keiner in dieser braunen Brühe. Am Flussufer warnen Schilder vor dem kontaminierten Wasser und machen auf die Verseuchung aufmerksam. 

Hier war dann leider auch zahlreicher Abfall entlang des Flussufers sichtbar. Und was ich erst im Nachhinein erfahren habe (das wusste ich an diesem schönen Sonntag zum Glück noch nicht): dieses Naturreservat wurde sozusagen aus einer Abfallinsel gemacht. Hier wurde einst der Abfall im Wasser entsorgt, und als dann die Natur das alles überwuchert hat, entstand eben dieser Park. Tja, nach den sauberen Ländern Neuseeland und Australien mit dem wunderbaren glasklaren Wasser überall, war das hier dann doch etwas ein Kulturschock für mich. Es ist ja auch traurig, dass die Menschen hier am Wasser leben aber nicht einmal darin baden können...

Am Montag habe ich dann einen Halbtagesausflug ins Tigre Delta gemacht: da schipperten wir mit einem Boot über den Rio de la Plata nach Tigre. Unterwegs sah man viele Häuser auf Holzstelzen mit eigenem Pier, die direkt am Fluss gebaut wurden und nur per Schiff erreichbar sind. Auf der Bootsfahrt habe ich Chris und Alex aus Brasilien kennen gelernt und plauderte mit ihnen in einem Spanisch-Portugiesisch-Englisch-Kauderwelsch. In unserer Reisegruppe waren auch zwei ältere Paare aus England und Schweden - mit ihnen stöberte ich über den Markt von Tigre. Nach einem Empanadas-Lunch (gefüllte Teigtaschen - DIE argentinische Spezialität) fuhren wir mit dem Bus via das Städtchen San Isidro zurück nach Buenos Aires.

Am Nachmittag besuchte ich den Karneval in der abgesperrten Avenida de Mayo. Die lokale Fasnacht war auch der Grund, warum ich am Montag und Dienstag noch schulfrei hatte - meine einzige Schulwoche wurde auf drei Tage verkürzt! Und dies erfuhr ich leider erst NACH meiner Buchung, NACHDEM ich alles schon bezahlt habe. Tja, so läuft es halt manchmal. ;-)

Aber dafür hatte ich an diesen zwei freien Tage Zeit, etwas mehr von der Stadt und der Umgebung zu entdecken. Und eben „Fasnacht à la Argentina“ zu erleben! Der Beginn der Karnevals-Meile war gesäumt durch Foodtrucks mit Spezialitäten aus Bolivien. Als ich etwas weiter ging kam mir eine Musikgruppe entgegen: es wurde getrommelt und getanzt. Leider war das dann auch schon alles an „Umzug“! Hinterher folgte keine Gruppe mehr. Auf der Strasse dominierte etwas anderes: eine Schlacht. Nicht mit Konfetti, sondern mit einem Kunststoff-Spray, der weisse Fäden auf die Häupter sprühte. Vor allem die Kiddies hatten ihren Spass damit... Ich habe jeweils einen groooossen Bogen um Personen mit diesen Dosen gemacht! Weiter gab es ein Konzert am Ende der Strasse, das überall auf einer Leinwand aufgezeichnet wurde und somit Musik in alle Ecken lieferte. Einzelne verkleidete Personen posierten für Fotos, das beliebteste Sujet war ein herausgepützelter und hübsch geschminkter Transvestit! Eine grosse Menschentraube versammelte sich vor dem Herr, äääh der Dame ähh,...?! Ausserdem sah man Glücksräder, Artisten beim Vorführen ihrer Kunstücke und Stände, wo sich Kinder schminken lassen konnten. Zusammengefasst war es eine Art „Zirkus meets Fasnacht meets Chilbi on the street“. Ich habe natürlich einfach einen Teil des ganzen Karnevals gesehen - wer weiss was am Dienstag noch los war! ;-)

Am Dienstag unternahm ich einen Tagesausflug auf die Residencia „Don Silvano“ - eine Art Ranch in der argentinischen Pampa, wo es darum ging, den Lebensstil der Gauchos (sozusagen die argentinischen Cowboys) kennen zu lernen. Man durfte auch selber Rössli reiten - was ich natürlich sogleich in Anspruch nahm. Viel mehr gab es da auch nicht zu machen bis zum Zmittag... Ich stellte mich in die wartende Schlange und musste dann zuerst einmal eine gefühlte Ewigkeit warten, bis bei der ersten Tourigruppe einmal alle endlich auf einem Pferd Platz genommen haben, sie dann endlich mal lostrotteten und dann irgendwann wieder zurückkamen. Beim Warten habe ich mich dafür mit mehreren Damen aus Bolivien und Brasilien angefreundet und konnte so wenigstens etwas mein eingerostetes Spanisch anwenden. Als WIR dann einmal an der Reihe waren, und bei uns alle eeeendlich auf einem Ross waren, riss bei meinem Gaul etwas der Geduldsfaden (verstehe mein Kollege total!). Er entfernte sich von der Gruppe und fing an zu fressen. Durch das Senken seines Kopfes verlor er die Führstricke am Kopf. Ist ja anscheinend auch suuper profihaft befestigt worden. Ich rief dem Tourguide-Gaucho, der genervt zu mir rüber kam und mich auf Spanisch sauer zu textete. Ich verstand Bahnhof und war verblüfft ob seiner schroffen Art. Was konnte ich denn bitte dafür?? Ja gewisse stolze Argentinier (ich sag jetzt mal stolz und nicht arrogant ;-)) unterhalten sich nicht gerne auf Englisch mit Touristen. Spanisch oder nada... Zum Glück gehe ich bald noch in die Spanisch-Schule! Meine neue Freundin aus Bolivien hat mir dann netterweise langsam und gut verständlich (da nicht enerviert) erklärt, dass ich mein Pferd nicht grasen lassen solle. Das Halfter verlor mein bockiger Gaul dann später trotzdem noch ein zweites Mal - und ihr könnt euch ja vorstellen... nun ja, dieser Austritt stösst bestimmt nicht in die Top Ten meiner Weltreise-Highlights vor. ;-p

Am Ende des Ausritts habe ich dem Gaucho dann höflich aber bestimmt auf Spanisch gesagt, er müsse Touristen auf Englisch briefen, wenn man etwas Wichtiges wissen müsse. Er hat sich dann immerhin noch bei mir entschuldigt, dieser kleine Macho. Etwas angesäuert und lustlos peilte ich den Esssaal an. Die Bolivien-Brasilien-Ladies-Fraktion, ein Paar aus Costa Rica und ich waren am Tisch Nummer 20 untergebracht. Dank ihnen und einem sensationellen Musikprogramm wurde dieser Ausflug dann doch noch ziemlich spassig! Wusstet ihr dass Rotwein in der Kehle brennt wenn man erkältet ist? Wahrscheinlich nicht! Wer trinkt schon Wein wenn er/sie halb krank ist... Nun ich war ziemlich erkältet, wollte aber nicht auf den feinen argentinischen Rotwein verzichten. Schliesslich habe ich für das alles bezahlt und ich wollte Alkohol nach diesem Ross-Flop. Beim Essen gab es wie gesagt musikalische Einlagen und die waren vom Feinsten! Der Sänger sowie die Tänzer machten einen sensationellen Job. Wir genossen Tango, argentinische Lieder (natürlich auch „Don“t cry for me Argentina“ oder eben „No lorres por mí Argentina“ - ausgesprochen: „No schorress por mi Archentiiina“) und sonstige Darbietungen. Dann begann die eigentliche Show: der „Julio Iglesias Argentiniens“ begann Songs aus allen Ländern zu singen, woher die heutigen Touristen stammten (und es waren bestimmt etwa 200 Leute im Saal!). Alle hatten ein riesen Gaudi wenn ein Lied aus IHREM Land gesungen wurde! Nach Australiens „Waltzing Mathilda“, Deutschlands “Freude, schöner Götterfunke“, und einigen Südamerikanischen Schnulzen fragte er mich, ob es ein typisches Schweizer Lied gäbe! Ich nickte eifrig, und freute mich auf „meinen“ Song! Nun - er kannte keinen. Daher forderte er mich auf, es selber zu singen und auf die Bühne zu kommen. Erschrocken winkte ich ab und zierte mich verlegen, aber doch seeehr bestimmt vor einem Bühnenauftritt. Um vor 200 Menschen zu singen war ich a) zu erkältet und b) hatte definitiv noch zu wenig Wein getrunken. Als Julio („Chulio“) dann ein Song auf Chinesisch angestimmt hat, schnellten an der Chinesen-Front zig Natels in die Höhe - es gab kein Halten mehr! Besonders bei einem Chinesen... Einer, der sich wohl für Pavarotti hält. Er stürmte zum Erzücken aller Asiaten die Bühne, verdrängte Julio einfach vom Mikrophon und trällerte sich die Seele aus dem Leib! Seine Fans jubelten, wir alle hielten uns die Ohren zu. Es tönte einerseits ziemlich falsch und andererseits wars einfach schlicht zu laut. Bei seinem desaströsen Auftritt dachte ich mir so, hätte ich ruhig auch ins Rampenlicht treten und „es Buurebüebli“ krächzen können. Wahrscheinlich hätte der Grossteil noch gejubelt... aber eben, ich hatte meine Chance und vergab sie. Der Chinese hingegen hatte wohl den Auftritt seines Lebens und verliess (zum Glück!) am Ende des Liedes freudestrahlend wie ein Honigkuchenpferd die Bühne. 

Nach dieser Gaucho-Fiesta gab es noch ein paar Kunsttückli der Reiter mit ihren schnellen Pferden zu bestaunen (hier waren sie etwas motivierter, da es im Galopp zur Sache ging). Dann war der Hokupokus auf dieser Estancia vorbei. Zurück im Hostel lief mein Natel auf Hochtouren: ich hatte zig neue Facebook-Freundschaftsanfragen meiner neuen Südamerikanischen Freunde erhalten, gemeinsame Fotos wurden ausgetauscht und eine Einladung für Costa Rica (wird meine übernächste Destination auf meiner Reise sein) flatterte auch noch in meinen elektronischen Briefkasten. Herrlich diese Latinos!

Meine dritte Nacht im Hostel stand bevor, und leider muss ich sagen, schlief es sich nicht so gut in dieser ringhörigen Unterkunft. Die Wände waren sehr dünn und meine Türe auf den Balkon hinaus war nicht richtig verschliessbar. Da vor meinem Zimmer direkt die Strasse durchführte, fühlte es sich an, als ob die brummenden Busse direkt durch mein Zimmer ratterten. Ausserdem kam die heulende Kehrichtabfuhr jeden Abend gegen 23:00 Uhr - vorher musste man eh nicht versuchen zu schlafen. Denn genau, die Abfalltonnen standen natürlich direkt unter meinem

Zimmer. Jackpot. Und beim Türe-zu-Schletzen meiner teils rücksichtslosen Hostel-Mitbewohner schäpperte alles so laut, dass ich im Bett STAND. Trotz Ohrenstöpsel. Da half nichts mehr... 

Meine Erkältung, die immer schlimmer wurde, trug auch nicht zu einem friedlichen Tiefschlaf bei. Und umgekehrt half der Schlafmangel natürlich auch überhaupt nicht, meinen gesundheitlichen Zustand zu verbessern. So schleppte ich mich am Mittwoch-Morgen (ohne Frühstück und Kaffee, Hostel-Küche öffnet erst später - na braaavo!) todmüde und halbkrank in die Schule zum Einstufungstest. Ich wurde dort äusserst herzlich von Mariel (der Schulleiterin) begrüsst, und hatte sogar nach dem Test gleich meine erste Pause. Ich nutzte diese Gelegenheit, mir einen Koffein-Schub zu besorgen - so ging es schon etwas besser! Ich wurde in eine zweiköpfige Klasse eingeteilt: eine Brasilianerin und ich. Wir hatten sozusagen Privatunterricht - wobei ich mich eher abkämpfte, währenddessen Christiane, die Brasilianerin, einfach mehr oder weniger Portugiesisch drauflos quasselte und hin und wieder ein paar spanische Wörter in ihr Portugiesisch einwarf. Der Unterricht war für mich demnach sehr intensiv und anstrengend, aber es machte durchaus Spass, wieder die Schulbank zu drücken und mein Spanisch (das ich ursprünglich vor über 15 Jahren (!) gelernt habe) aufzufrischen. Nach der Mittagspause war dann Salsa-Unterricht angesagt! Meine Hoffnungen auf einen Saal voller heissblütiger lateinamerikanischen Salsa-Traumtänzer wurde jäh zerschlagen, als mir meine Tanzlehrerin mitgeteilt hat, dass ich die einzige Schülerin sei. Wieder einmal Einzelunterricht... das kam mir doch bekannt vor!! ;-) Somit wurde auch der Salsa-Unterricht sehr intensiv, aber wir kamen umso schneller voran. Durch meine turnerischen Vorkenntnisse und jahrelanger Gymnastik-Praxis, habe ich die Schritte rasch gelernt. Aber aus dem „Kopf durchlüften“ nach dem Schulunterricht wurde nicht viel: ich musste mir Schrittabfolgen merken und wollte gleichzeitig natürlich optisch und tänzerisch meine hinreissende und begabte Salsagöttin-Lehrerin beeindrucken. Aber beim Tanzen ist es leider so: je mehr du denkst und dich anstrengst, desto verkrampfter wirkt es. Loslassen und sich zur Musik treiben lassen wäre das Rezept. Und neben ihr, die so natürlich und wahrscheinlich angeboren ihre Hüften gummiweich kreisen und Arme wellenförmig gleiten lassen kann, habe ich (wie ich im riesigen Spiegel direkt vor mir sehen konnte - vieeelen Dank dafür!!) ziemlich „gstabig“ gewirkt - meiner Ansicht nach! So gab ich mir also alle Mühe, die Tanzschritte, die mir in einer fremden Sprache beigebracht wurden, in meinem bereits durch die Schullektionen randvolle Hirni zu speichern, gleichzeitig an die Beine, an die Hüfte und die richtige Bewegung der Arme zu denken, und dabei sozusagen grazil zu schweben, Kopf hoch zu halten, strahlend zu lächeln, mich sexy zu fühlen und zu blühen wie eine Blume im Frühling.... Dies alles während meine Nase lief, ich kaum atmen konnte und Niessattacken unterdrücken musste, meine Stirn fiebrig schwitzte und ich unter akutem Schlafmangel litt. Null problemo, oder?! Könnt ihr euch vorstellen wie (un-)verkrampft meine Ausstrahlung war? Ich versuchte wie ein stolzer Pfau hin und her zu schweben, meine Hüften erotisch kreisen lassen - dabei schmerzte mir noch der Rücken vom Rössliritte bei den Gauchos. Es hat mir (trotz allem) aber sehr viel Spass gemacht und am Ende dieser drei Unterrichtstage konnte ich eine längere, vielseitige Schrittkombination tanzen! Es macht auf jeden Fall Lust auf mehr und alles in allem war der Kurs eine super Erfahrung - in einem Land, wo das Tanzen einen so hohen Stellenwert hat! Hier ist Tanzen ein Lebensgefühl und Ausdruck der Emotionen und Leidenschaft. 

Passión y Emoción! :-) Olé!! 

Zum Abschluss meiner Schultage erhielt ich sogar ein Diplom. Yeahh! Ich bin wirklich etwas stolz auf mich, habe ich diese drei Tage diszipliniert durchgezogen - trotz Müdigkeit und Erkältung! Und es hat sich für mich gelohnt. In der kurzen Zeit habe ich doch einiges gelernt und erlebt. Nach einem freien Erholungstag am Ende dieser Woche und dank Nasenspray, Neocitran und einer Nacht in einem Hotel (ich war soo froh als ich dieses Hostel verlassen konnte!) geht es mir nun wieder etwas besser und meiner Weiterreise nach Ecuador stand zum Glück nichts im Weg! Angekommen in Quito freue mich nun unglaublich fest auf ein absolutes Highlight meiner Weltreise: eine Gruppen-Rundreise auf den Galápagos-Inseln! Dieses Reiseziel war schon lange ganz oben auf meiner Liste, nun ist es endlich soweit... :-)


Hasta luego, amigos! 

Saludos de América del Sur <3

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Ups and Downs in Down Under

Ich WOHNE. Zumindest für drei Tage. So richtig mit Küche, Waschmaschine, Esstisch, Stube und allem drum und dran. Und ich sage euch - das tut sooo gut!! Endlich kann ich mal wieder selber kochen, in Ruhe meine Kleider waschen, vor dem Fernseher rumhängen - einfach tun was man so in einer Wohnung halt tut. Und was mich sehr gefreut hat: einmal alles auspacken zu können!! Ich bin gerade in Brisbane und habe hier in ein Apartment anstatt Hostel oder Hotel eingecheckt. Als erstes habe ich voller Freude mein Necessaire ausgepackt und alles fein säuberlich im Bad aufgestellt... Herrlich!! Anstatt alles immer direkt aus der Tasche oder eben dem Necessaire zu nehmen, kann ich mich hier für einmal „breit machen“. Hier bin ich um meine Batterien wieder aufzuladen, um all meine Erlebnisse der letzten Tagen (ja Wochen!) verarbeiten zu können und ich geniesse einfach das „normale Leben“: selber kochen, spazieren gehen am lebhaften und grün-bepflanzten Brisbane River, im hauseigenen Fitness spörteln und eben in Ruhe diesen nächsten Blog schreiben. 

Ich bin nun ein halbes Jahr (!) unterwegs und kann bereits auf unzählige Erlebnisse, Eindrücke und Abenteuer zurück schauen. 

Umso wichtiger wurde es deshalb auch für mich, zwischendurch Pausen und somit Tage einzubauen, wo die gefüllte Speicherplatte in meinem Reisehirni nicht allzu viele neue Eindrücke aufnehmen muss. 

Ich bin voll im Reise-Flow und kenne meistens die Zeit in der Schweiz gar nicht, ich trage keine Uhr und weiss oft nicht mal welcher Wochentag gerade ist. Es spielt ja auch keine Rolle! Und manchmal frage ich mich morgens beim Erwachen zuerst: In welchem Land bin ich jetzt? Welche (gefährlichen) Tiere hat es hier? Bleibe ich heute hier, oder geht es weiter? Das ständige Reisen, von einem Ort zum nächsten, kann selbst eine langjährige Flugbegleiterin teilweise etwas überfordern und ich habe lernen müssen, es manchmal etwas langsamer anzugehen und nicht immer überall „alles“ abklappern zu wollen. 

Ich geniesse das Reisen immer noch in vollen Zügen, aber (wie auch sonst im Leben) gibt es immer wieder einige Hochs und Tiefs - und dies meistens lustigerweise phasenweise. Nach Karins Abreise ende Januar in Perth hatte ich eben eine solche zwischenzeitliche Tief-Phase, verursacht durch ein paar kleine Stolpersteine auf meinem Weg. Ich habe dies euch am Ende meines letzten Blogs bewusst verschwiegen, da ich einerseits ein Blog nicht mit einem negativen Touch aufhören möchte und andererseits, da ich damals in Esperance auch fest daran geglaubt habe, dass es ab sofort wieder bergauf geht! Doch es ging leider noch etwas weiter mit der - sagen wir - „Pechsträhne“. Es waren alles harmlose und hinterher betrachtet absolut nicht-schlimme Sachen, aber im Moment selber für mich jeweils nicht immer einfach zu bewältigen. Und ich will euch ja so authentisch wie möglich von meiner Reise berichten! Es ist nicht immer alles Jupidu und Hopsassa. Und alleinreisend muss man sich auch immer selber aus dem Loch buddeln. Je nach Gefühlslage und Gemütsverfassung gelingt mir das relativ leicht: da nehme ich zackzack die Schaufel in die Hand und buddle drauflos. Es gibt aber auch Momente, wo ich dann zuerst tief durchatme, mich etwas bemitleide und widerwillig, gar trötzelig mit der Schaufel rumstochere. Aaalso... 


Meine erste Campernacht alleine/ohne Karin war gleich geprägt von einem weiteren Hunde-Schreck-Moment! Als ich nämlich abends im Dunkeln die zirka 15 Meter von der Toilette zu meinem Camper zurück ging, begann der Schäferhund meiner Nachbarn laut zu bellen und rannte im Garacho auf mich los. Ich schaffte es gerade noch in mein Gefährt und zog rasch die Tür hinter mir zu. Als ich geschockt nach draussen blickte stand schon dieser Wolf von einem Hund direkt vor meiner Campertür! Mit rasendem Herzen lag ich nun alleine in diesem Van und mir war klar: „Diese Nacht wirst du NICHT auf die Toilette gehen!! Komme was wolle...“ Ich überlegte mir sogar, direkt am Morgen loszufahren, ohne nach draussen zu gehen. Dann kam mir aber in den Sinn, dass dies leider unmöglich war, da mein Stromkabel draussen eingesteckt war. Doof. 

Am nächsten Morgen, beim Gang zur Toilette, kam die Hundebesitzerin zu mir und entschuldigte sich für das Verhalten ihres Hundes vom letzten Abend. Es sei ein ehemaliger „Retter-Hund“, welcher sich gewohnt war sie zu beschützen. Ihr war das alles sehr unangenehm und mir half dieses Erlebnis natürlich gaaar nicht, meine Angst vor Hunden zu mildern. Warum Hunde dieser Grösse, inmitten anderer Menschen auf einem Campingplatz nicht an der Leine gehalten werden, verstehe ich beim besten Willen nicht. Soll mir keiner sagen, „der macht ja nichts“. Tiere haben ihren Willen und vor allem Instinkte, die nicht kontrolliert werden können und die sie unberechenbar machen. Und das ist auch gut so! Aber eben, dehalb braucht es meiner Meinung nach auch der nötige Respekt und das richtige Verhalten (vor allem das, der Hundebesitzer - das Tier selber kann ja nichts dafür!). Meine Fahrt ging an diesem Morgen weiter nach Esperance, wo man mir beim Einchecken auf dem Campingplatz mitgeteilt hat, dass ich nicht ein Platz in Esperance, sondern im fast 500 km weit entfernten Albany, reserviert habe. Wohlwissend, dass der Australia Day bevorstand und ich deshalb kaum noch irgendwo Platz finden würde, hinzukommend (für australische Verhältnisse ungewohnt!) die genervte Art dieser Rezeptionistin und meine Müdigkeit nach der langen Fahrt, war die Energie, diese Hiobsbotschaft zu verdauen, schlicht nicht vorhanden. Tränen schossen mir in die Augen und hing niedergeschlagen am Tresen. Die Rezeptionistin hatte angesichts meines Gemütszustandes dann wohl doch etwas Erbarmen und fand schlussendlich via Telefonanuf für mich einen anderen Platz in Esperance. Gott-sei-dank... 

So konnte ich die wunderschöne Umgebung von Esperance dann doch noch geniessen (dies habe ich erzählt im letzten Blog). Aber es war ehrlich gesagt nicht nur lustig, den Nationalfeiertag dort ganz alleine zu verbringen. Alle waren in Gruppen von Familien und Freunden in Feierlaune. Mir macht das Reisen alleine eigentlich wirklich nichts aus - aber auf einem Campingplatz wimmelt es nun mal von Familien, Pärchen und Freundes-Gruppierungen - da ist man als Alleinreisende schon etwas der Exot. Auch das würde mir eigentlich nichts ausmachen - wären da nicht die anderen, die einem manchmal komisch anschauen. Als ich da so alleine an meinem Camping-Tischli sass, hörte ich regelrecht die Gedanken einiger vorbeigehenden und starrenden Camper: „Ja ist die denn ganz alleine hier?!“. Als ob man alleine auch automatisch einsam sei... Einsam kann man meiner Meinung nach auch gerade so gut in einer Gruppe sein.

Auf dem Campingplatz in Cheynes Beach (auf dem Weg nach Albany), direkt an einem wunderschönen Strand mit glasklarem Wasser, wurde ich auch von meinen Nachbarn gefragt, ob ich denn alleine reise. Ich werde das ja immer wieder gefragt, und ich bejahe das jeweils gerne mit etwas stolz und ernte dafür auch oft Bewunderung und Lob. Aber dieses Mal zog es mich wirklich etwas runter und ich merkte, dass nicht alle Orte (oder Arten zu reisen) gleichermassen geeignet sind um alleine zu reisen. Und wie bereits erwähnt kommt es bei solchen Situationen auch immer auf die eigene Verfassung an... Ich musste mich nach vier Wochen Reisen mit einer guten Freundin halt auch wieder an das alleine Reisen gewöhnen. Deshalb war ich vielleicht auch etwas sensibler diesbezüglich als sonst. Und ehrlich gesagt hat es mich auch etwas gestört, dass man sich so fühlen muss aufgrund anderer Menschen. Nur weil etwas nicht „standart“ ist, wird schräg gekuckt... und ich Totsch lass mich dann auch noch davon beeinflussen oder gar runter ziehen. Ich muss definitiv noch daran arbeiten, dass es mir (in solchen Situationen) total egal ist was andere denken! Ich habe diesbezüglich sicher schon Fortschritte gemacht. Auf meiner Reise zerstreue ich oft Zweifel mit dem Gedanke: „kennt mich ja eh keiner hier“. Zum Beispiel wenn ich völlig komisch gekleidet bin. Hihi. Und alleine zu essen oder ins Kino zu gehen ist für mich mittlerweile völlig normal. Die Kunst wird es dann wohl sein, dies auch in der Schweiz so zu handhaben. :-)

Ich muss aber auch sagen, dass ich oftmals von anderen eingeladen werde, mich zu ihnen zu gesellen. Dies sind meistens Personen, die auch schon selber alleine gereist sind, und nicht komisch schauen, sondern denken: „Ah die reist alleine, das ist spannend - die hat sicher etwas zu erzählen und geniesst auch mal etwas Gesellschaft!“ Das finde ich jeweils extrem schön! Wenn man alleine reist muss man gezwungenermassen offen sein, will man nicht stets alleine sein. Wenn dies aber jemand von sich aus macht, der bereits in Gesellschaft ist - finde ich dies umso bewundernswerter! Und dies habe ich bis jetzt wirklich oft (gerade auch bei reiseerfahrenen Pärchen) erleben dürfen. :-)

Also weiter im Pechsträhnen-Text: 

Zurück in Perth gab ich dann den Camper ab, wo ich leider erst am Flughafen gemerkt habe, dass ich mein geliebtes schwarzes Sportjäggli im Camper vergessen habe. Ganz klar mein Fehler und typisch ich, aber die doofe Kuh, welche den Camper überprüft hat, hätte dies ja auch sehen können... *motz*

Ich flog dann spätabends weiter nach Melbourne und freute mich auf einen Tapetenwechsel, respektive auf einen neuen Ort und somit neue Abenteuer. Todmüde erreichte ich mitten in der Nacht mein Hotel und schleppte mich bereits am Morgen etwas jetlagged aus dem Bett - denn ich musste mein Mietauto abholen. Mit Sack und Pack stand ich an der Hertz-Theke, wo die nette Dame verwirrt meinen deutschsprachigen Schweizer Fahrausweis begutachtete. Sie fragte mich nach einem englischen Papier. Ok, bis jetzt wurde dieser Ausweis in Neuseeland für das Mietauto, und auch in Perth für den Camper, ohne zu zögern akzeptiert - aber no Problemo, ich habe noch meinen internationalen Führerschein dabei. Ich streckte den etwas demolierten Fötzel der Lady entgegen, welche mich dann wieder gehäuselt anguckte und entgegnete: „This one is expired!“. Was??! Ein Fahrausweis kann ablaufen?? Du verbrennti Zeinä!!

Dies habe ich nicht in Betracht gezogen, da unser nationale Führerschein ja kein Ablaufdatum hat. Zerknirscht schaute ich das Hertz-Fröilein an, aber auch ihr Mitleid und ein Rückruf mit ihrem Boss änderte nichts... Ich erhielt mein reserviertes Auto nicht!! Na bravo... Exzellent. Und was jetzt?!

Ok, ruhig bleiben. Eins ums andere... Zuerst einmal brauche ich Internetzugang. Ich bestellte mir ein Uber und fuhr in die Innenstadt zur Bibliothek. Hier haben die grossen, öffentlichen Bibliotheken immer Wifi-Zugang - was für ein Segen!! 

Connected to the internet buchte ich erst einmal ein Hotelzimmer für die kommende Nacht in Melbourne. So schnell komme ich hier nicht weg, das war klar. Und ich wollte dringend bei diesen knapp 40 Grad mein Gepäck loswerden! 

Als dies getan war und ich glücklicherweise bereits am Morgen dort einchecken durfte, schleppte ich mich durch Melbournes Sauna und Menschenmenge in das nächste Café. Denn mittlerweile war fast Mittag und ich hatte noch nichts in meinem Magen. So klar zu denken und weiter zu planen war eh unmöglich!! Nach einem bitteren Kaffee (ok Latte Macchiato kennen die hier anscheinend nicht - dies war ein starker schwarzer Kaffee mit einem Tröpfli Rähmli) und einer Zuckerbombe á la Frenchtoast mit Beeren und Vanille-Eis, begann ich die Fortsetzung meines „Bring-mich-aus-dem-Schlamassel-Plan“. 

Denn ich musste in vier Tagen in Adelaide sein - dann fährt mein gebuchter Ghan-Zug nach Alice Springs. Mit oder ohne mich. Mir wäre das erste lieber, denn das Ticket war doch für mein strapaziertes Reise-Budget etwas seeehr teuer. So konsultierte ich Tripadvisor und fand tatsächlich eine zweitägige Bustour von Melbourne nach Adelaide, entlang der Great Ocean Road. Start war der nächste Morgen.... Ich buchte diesen Trip und war soo was von erleichtert!!! Und ehrlich gesagt war es mir auch gleich recht, einfach mal nur sitzen zu können und nicht selber fahren, organisieren und die Route planen zu müssen. Es hat wohl so sein müssen... ;-) Denn wenn ich ehrlich bin, war das definitiv die bequemere Art zu reisen und von meiner Camper-Reise her war ich doch etwas fahrmüde. Gleich einiges entspannter und beschwingter verliess ich das Café.

Klar war mir aber, dass ich dieses mühsame „Wo-habe-ich-Wifi“-Spiel nicht mehr länger mitmache. Gerade bei solchen Situationen, wo etwas nicht klappt, hilft es schon sehr, direkt Internet-Zugriff zu haben oder auch mal innerhalb des Landes telefonieren zu können... 

Die Suche nach dem richtigen Anbieter erwies sich im Citycenter von Melbourne als nicht ganz so einfach wie erwartet. Aber einige Stunden später und um eine australische SIM-Karte reicher, streckte ich schweissgebadet alle Viere von mir im wunderschönen Royal Botanic Garden. Bei fast 40 Grad in einer Gross-Stadt finde ich es im Schatten dieser Pflanzen einfach am angenehmsten.

So ging es am nächsten Tag los mit dem Bus-Trip entlang der Great Ocean Road! Nach ein paar Stopps unterwegs machten wir eine Lunch-Pause in Apollo Bay, danach ging es weiter durch den Regenwald vom Great-Otway-Nationalpark, wo wir einen kurzen Spaziergang gemacht haben. Ich genoss es sehr, während der Fahrt einfach im Bus zu sitzen, aus dem Fenster zu schauen und dem sympathischen jungen Guide interessiert zu zuhören. Ich habe unter anderem gelernt, dass Känguruh-Mamis zwei Nippel in ihrer Bauch-Tasche haben: eine kleine Zitze mit reichhaltiger Milch für das Neugeborene und eine grössere mit dünner Milch für ältere Kinder. Wahnsinn. Ah ja, und, dass das Mami, wenn es nach der Geburt schnell wieder schwanger wird, den Embryo einfrieren kann, bis das kleine Baby aus der Tasche ist und es Platz hat für ein Neues!! So ist stetiger Nachwuchs bei diesen Beuteltieren garantiert... Krass gell!?! Na da habt ihr jetzt aber mal Stoff für Smalltalks!

Ich habe es ausserdem sehr geschätzt auf dieser Tour, für einmal in einer Gruppe zu reisen. Es waren einige andere Alleinreisende dabei und es war wirklich toll, sich gegenseitig auszutauschen und die Erlebnisse zu teilen. Leider war auch eine sehr laute deutsche Teenager-Schulklasse dabei, welche uns anderen etwas den Nerv raubte (vor allem auch dem Reiseleiter, der sich auf das Fahren konzentrieren sollte und bei seinen Erzählungen oftmals vom Teenie-Gekreische übertönt wurde). Der nächste Halt war das Highlight dieser Strecke: die 12 Apostel - riesige Felsformationen im Meer. Weiter sahen wir Loch Ard Gorge, Thunder Cave und die London Bridge - alles wunderschöne und eindrückliche Natur-Phänomene entlang dieser Küstenstrasse. In einem Pub in Warrnambool gab es schlussendlich das Nachtessen, bevor die letzte Etappe dieses Tages in den Grampians Nationalpark geführt hat, wo wir in einer Herberge übernachtet haben. Am nächsten Morgen fuhren wir auf eine Erhöhung und sahen auf das Victorian Valley mit Sicht auf eine Landschaft voller Wald, Seen und Berge - so weit das Auge reichte. 

Nach einem Abstieg zu den Mackenzie Falls gab es für mich einen Bus-Wechsel, denn „mein“ Bus fuhr zurück nach Melbourne, währenddessen ich zu einer anderen Gruppe stiess, die nach Adelaide weiter reiste. Ich kam vom Kindergarten- zum Musik-Bus! Denn diese Reiseleiterin war absoluter Musik-Fan und brachte ein Aussi-Klassiker („Waltzing Matilda“, „Down Under“, „Give me a home among the Gumtrees“) nach dem anderen - alles richtige Ohrwürmer! Auf jeden Fall wurde so die lange Fahrt nach Adelaide sehr lustig und kurzweilig. :-)

In Adelaide verbrachte ich dann zwei Nächte, wo ich am mittleren Tag diese Stadt zu Fuss erkundet habe, welche sozusagen rundum eingefasst ist in ein Viereck aus grünen Parks. Das Zmorge nahm ich beim Central Market ein, eine riesige Märthalle voller Läden und Cafés. Es war sehr angenehm an diesem Samstag-Morgen - ich war fast alleine unterwegs in dieser noch etwas verschlafenen Kleinstadt. Es war aber bereits am Morgen früh sehr heiss! Auch hier war ich wieder sehr froh um all die schattigen Parks und landete schlussendlich auch wieder im botanischen Garten. :-)

Am folgendem Tag hiess es Check-In beim Ghan-Terminal: beim stylischen Cüpli-Empfang begutachte ich die Masse dieser Senioren und mischte mich unter die jungen Leute, welche eindeutig in Unterzahl waren. Als ich meinen Sitz im Zug bezog, staunte ich nicht schlecht: ein Luxus-Zimmer mit komfortablem Sitz, einem Brünneli und diversen Reise-Utensilien stellte mein Zuhause für die nächsten zwei Tage dar! Und im Gang befand sich eine schöne Toilette mit grosszügiger Dusche. Alles im nostalgischen und authentischen Stil - dieser Zug hatte wirklich Klasse! Der Name „Ghan“ stammt übrigens von den Afghanischen Kamelreiter, welche in den 1840er Jahren in Australien immigriert sind und „Afghanis“ oder „Ghans“ genannt wurden. Sie kamen damals um den Bedarf an Gütertransporte zu decken. 1877 wurde die erste Zuglinie gebaut, die erste Zug-Reise von Adelaide nach Alice Springs fand 1929 statt, und im 2004 wurde die Schiene schlussendlich bis nach Darwin fertig gestellt. Ein Zug mit Geschichte! Der Ghan ist im Schnitt 900m lang (!!) und fast zwei Tonnen schwer. 50 Crewmitglieder kümmern sich dabei um die knapp 300 Gäste an Bord. Soviel zu den eindrücklichen Zahlen....

Aber zurück zu meinem „confy“ Abteil: Meine Nachbarin nebenan in dem verschliessbaren Kabäuschen war die 37-jährige Isabella aus Polen, welche in London als Personal Assistent gearbeitet hat. Mit ihr und Ann, einer älteren Lady mit viel Stil und Herzlichkeit, welche soeben ihre Tochter in Tasmanien besucht hat, nahm ich das Mittagessen im Speisewagen ein. Ann lebt in Alice Springs und hat uns natürlich viel erzählt über diese spezielle Stadt mitten in der Wüste und dessen Bewohner, die „Black Fellas“ (so nennen sie hier die Aborigines). Im Zug habe ich ausserdem eine 14-köpfige Gruppe aus der Schweiz angetroffen, die gerade ein Hauseigentümerverbands-Reisli durch Australien macht. Es war herrlich: ich musste X Mal die Geschichte meiner Reise erzählen! Die sympathischen und lustigen Senioren waren begeistert von meinem Abenteuer und konnten es kaum glauben, dass ich alleine eine Weltreise mache. Abends nach dem Nachtessen riefen sie mich zu ihrer „Absackerli-Runde“ und ich trank mit ihnen Portwein. Das Gelächter wurde immer lauter und einer älteren Dame, die zu kämpfen hatte mit ihren Drinks, half ich grosszügigerweise, ihr Gläsli zu leeren. ;-) Dies war mir lieber als nachher erste Hilfe zu leisten... Ich legte mich danach in mein durch die Crew vorbereitetes Bett (die Matratze hierfür ist hinter dem Sitz in einer Art Wandschrank verstaut) und nach seeehr wenig Schlaf in dieser Nacht (es war einfach zu laut und zu „rumpelig“) hiess es um sechs Uhr Tagwach! Der Zug hielt in Marla, wo wir bei einer Tasse Kaffee und Backwaren den Sonnenaufgang im Outback geniessen konnten. Hunderte Menschen versammelten sich neben dem Zug und ich fragte mich: „Wo kommen plötzlich all diese Leute her?!“ Denn im eigenen Zugabteil sieht man nicht viele Touristen. Schaut man aber von Aussen die enorme Länge des ganzen Zuges an, dann ist der Fall klar! Weiter ging die Fahrt in der goldenen Morgensonne stundenlang durchs „Nichts“; das heisst rote Erde weit und breit - mit ein paar dürren Sträucher oder kargen Bäumen.  Ab und zu sah man einen Sandsturm (Luft die herumwirbelt und aussieht wie oranger Smog) und ein paar elektrische Leitungen quer in der Landschaft. Von den Tieren her haben wir vor allem in der Abend-Dämmerung viele Känguruhs gesehen, und man sah auch hie und da Kühe und Emus. Leider waren da auch viele tote Tiere und/oder einfach Knochen und Skelette. Das Land da draussen war aber auch gar lebensfeindlich! 

Von Alice Springs, im Herzen des „Red Centre“, ging es für mich am nächsten Tag weiter zum Uluru (Ayers Rock), ein für die Aborigines heiliger Ort. Ich dachte mir: „Jaja, ist ja einfach ein grosser Felsen quer in der Landschaft, den man halt gesehen haben muss, reisend in Down Under“. Als ich abends von meinem Resort in Yulara zum Uluru gefahren bin und ihn aus nächster Nähe betrachten konnte, musste ich aber zugeben, dass dieser mächtige Felsen schon etwas Magie versprüht! Die Sonne schien durch eine kleine Wolken-Öffnung und strahlte ihn richtiggehend an - wie ein Star im Scheinwerferlicht! 

Einerseits steht dieser 3.6 km lange und 350m hohe Felsen wie ein mächtiger, unerschütterlicher Gigant fast absurd in dieser sonst flachen Landschaft - wie ein majestätischer Thron, der Ruhe und Beständigkeit ausstrahlt. Und dabei sollen 2/3 sogar noch unter dem Sand sein... Andererseits ist das Wechselspiel der Farben speziell: frühabends erscheint er braun und je tiefer die Sonne steht, wechselt seine Farbe von orange zu rot. Die grossen Einkerbungen (wie Krater eines Planeten) verleihen ihm eine interessante Struktur und die feinen schwarzen Linien nach unten (ich vermute vom Wasser, das bei Regen hinunter fliesst), sehen aus wie grosse, dreidimensionale Falten. Ihr seht, schlussendlich hat sich meiner Meinung nach der Trip dorthin absolut gelohnt! 

Vom Ayers Rock Airport flog ich dann direkt nach Cairns - in den Nordosten Australiens. Viele die Cairns bereits kennen, haben mir gesagt, dass ich dort nicht all zu lange bleiben soll und ich habe immer geantwortet: „Jaja, ich gehe von dort gleich weiter südwärts mit dem Greyhound Bus.“ 

Die Pläne ab Cairns musste ich jedoch etwas ändern, denn der unglaublich viele Regen in den letzten zwei Wochen hat hier in Queensland leider zu den schlimmsten Überschwemmungen, wie es sie hier seit über 100 Jahren nicht mehr gab, geführt. Vorallem Townsville war übel betroffen... Zu allem Elend tummelten sich dann dort noch Salzwasser-Krokodile in den Wassermassen. Erschütternde TV-Bilder zeigten immer wieder das schreckliche Ausmass an toten Tieren (vorallem Kühe und Schafe), zerstörte Häuser, kaputte Strassen und Menschen, die alles verloren haben und nur noch die Kleider besassen, die sie gerade trugen. So entschied ich mich natürlich, diese Gegend auszulassen und von Cairns runter nach Brisbane zu fliegen. Da es dort aber zu diesem Zeitpunkt auch noch regnete, blieb ich ausser Plan halt noch drei Tage in dem anscheinend nicht-so-tollen Cairns... Ich hatte absolut keine grossen Erwartungen an diese Stadt - wurde aber (vielleicht auch gerade deshalb) äusserst positiv überrascht! Herkommend vom heissen, trockenen und kargen „Red Centre“ war dies hier der völlige Kontrast: ich bin in den Tropen gelandet! Überall hatte es Wasser, grüne Wälder wie ein riesiger, exotischer Dschungel und sogar Zuckerrohrfelder habe ich gesehen. Eine Stadt mitzt im Regenwald! Warme 28 Grad mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit (so extrem auch aufgrund der letzten Regentage), überall Flughunde zwischen den Palmen und die schönen weiss-gelben Blüten der Frangipani-Bäume erinnerten mich gar an die Malediven! Mein Hostel war direkt an der schönen Esplanade: eine herrliche Flaniermeile am Meer, bestehend aus einem langen Holzsteg und vielen Shops, Bars und Restaurants auf der anderen Strassenseite. Als ich, satt von einer feinen Pizza, so dieser Esplanade entlang geschlendert bin, traute ich meinen Augen kaum: da war ein riesiger, beleuchteter Pool, der für die Öffentlichkeit gratis (!) zugänglich war. Die „Swimming Lagoon“ war ein wunderschöner Anblick im Dunkeln und für mich kaum zu glauben, dass es so etwas Tolles noch gibt, wo man keinen Eintritt bezahlen muss. 

Cairns ist übrigens die Stadt, „where the reef meets the rainforest“. Haha - und Raitschel met both of them... :-)

Am einen Tag fuhr ich per Gondeli mit der Skyrail hoch in den Regenwald. Durch das offene Fenster konnte ich das Gezirrpe, Surren und Pfeifen hören... Ich liebe einfach dieses Gratiskonzert der Natur und die spezielle Stimmung eines Regenwaldes! Diese Töne werden netterweise produziert von den hier wohnhaften Tiere wie Opossums, Schlangen, dem Rat Kangaroo (sieht auch so aus - wie etwas zwischen Ratte und Känguruh), dem Tree Kangaroo (sehen eher wie ein Affe aus), den vielen Vögel und Insekten wie Käfer und Schmetterlinge, sowie von den Reptilien wie Frösche und Geckos.

Unterwegs gab es einen Halt bei den eindrücklichen Barron Falls,  welche in dieser Regenzeit besonders viel Wasser transportieren. Der einheimische Uber-Fahrer hat mir gesagt, dass er diesen Wasserfall noch nie mit so viel Wasser gesehen habe! Ziel der Gondelfahrt war Kuranda, ein kleines Dorf mitten im Regenwald. 

Ich wollte dort einen Spaziergang entlang dem Fluss machen und erkundigte mich vorsichtigerweise bei der Bähnli-Station nach Krokodilen. Es gebe hier nur Süsswasser-Krokodile, welche Menschen normalerweise nicht attackieren und im Wasser bleiben, hat man mir gesagt. Okeee, ich habe eigentlich mit einem „Nein“ gerechnet. Dann fügte die nette Dame noch hinzu, dass es jetzt eventuell mehr hat als sonst - wegen der Flut, „so keep your eyes open - but you should be fine“. Hervorragend. So ging ich mal zuerst ins Dorf. Nun dieses „Dorf“ war doch ziemlich touristisch ausgerichtet, hauptsächlich bestehend aus Shops, Essmöglichkeiten und Märkte, welche indogene Kunst, wie Digeridoos und bunte Bilder anbieten. Es war alles sehr Hippie-mässig, bunt und überall ertönten Reggae-Klänge zwischen den Rasta-Köpfen hervor. Ein gechillter und entspannter Ort - wären da nicht hunderte von Touris aus China, die alle aufgrund des „Chinese New Year“ gerade Ferien hatten (und auf diese Weise das Jahr des Schweines begrüssten). Sie gingen aber fast alle nur den Shops und Restis entlang (und sagen dann sie waren im Regenwald!), so war es sehr einfach für mich dieser Menschenmasse auszuweichen, durch einen Spaziergang im Regenwald. Ich ging sogar kurz runter an den Fluss, aber nicht allzu weit... ;-)

Am anderen Tag in Cairns ging ich zur zweiten Hauptattraktion dieser Region: ich habe eine Bootstour ins Great Barrier Reef nach Fitzroy Island gebucht. Fitzroy Island ist eine kleine Insel vor Cairns, welche zu 95 % aus Nationalpark besteht (nur das Hotelresort und das Restaurant sind nicht Teil des Parks) und wird angepriesen als „einziger Ort, wo der Nationalpark auf das Riff trifft“. In meinem Ausflug inbegriffen war auch ein Schnorcheltrip, doch der hat mich von der Tier- und Korallenwelt her leider etwas enttäuscht. Die Sicht war ausserdem sehr schlecht, da die Sonne praktisch nicht geschienen hat. Ich war hier nur im inneren Teil des Great Barrier Reefs (das insgesamt die Grösse Italiens hat!). Wie ich gehört habe, sei der äussere Teil des Riffs etwas spektakulärer (aber auch weiter weg und dementsprechend eine längere Bootsfahrt). Aber immer wieder habe ich auch gehört, dass das Riff sowieso nicht mehr so schön sei wie früher - viele Korallen sind aufgrund der steigenden Wassertemperatur (den Klimawandel gibts wahrscheinlich wirklich!!) und all der Chemikalien im Wasser (z.B. Sonnencremes der Touristen), verblasst oder gar abgestorben. Um dies mit der Sonnencreme zu verhindern, trugen wir Anzüge beim Schnorcheln - in erster Linie aber auch um uns gegen die gefährlichen Quallen zu schützen, die in der jetzigen Jahreszeit an der Nord-und Ostküste Australiens sind. Auf Fitzroy Island habe ich ausserdem eine Auffang-Station für kranke und verletzte Wasserschildkröten besucht. Diese Tierart leidet besonders unter der Plastikflut im Meer: Wasserschildkröten müssen nämlich erst etwas komplett verdauen, bevor sie weitere Nahrung zu sich nehmen können. Fressen sie also unverdaulichen Plastik, verhungern sie schlicht. Dass sie krank sind, erkennt man daran, dass sie an der Oberfläche treiben (wenn sie gesund sind holen sie nur kurz Luft und tauchen wieder ab). Zu ihrer Hauptmahlzeit gehören Quallen. So verwechseln Wasserschildkröten (vor allem Jungtiere) leider Plastiksäcke und Ballöne mit Nahrung (Quallen). Wie überall auf meiner Reise, wo ich irgendwo am Meer war, wird hier die 

Wichtigkeit deutlich, dass wir unseren Plastik-Konsum reduzieren und uns darauf achten, dass Abfall nicht im Wasser landet. Es ist schon schlimm zu sehen, wie alle Tiere im Meer (vom Pinguin über die Walfische und Wasserschildkröten) schlussendlich die Leidtragenden unseres Abfallproblems sind. Zum Glück gibt es überall solche tolle Stationen und Organisationen, die den Tieren helfen und auf die prekäre Situation aufmerksam machen. Auch Strand-Säuberaktionen (sogenannte „clean-ups“) werden immer populärer. Ich selber versuche auch immer wieder Abfall am Strand mitzunehmen, wenn ich etwas sehe. Aber manchmal hat es so viel davon, dass es nur traurig macht. Ich hoffe sehr, dass wir dieses Problem irgendwann in den Griff kriegen - damit auch die nächste Generation all diese schönen Tiere, die ich auf meiner Reise bewundern darf, noch in der Freiheit und nicht nur noch im Zoo bestaunen kann. 

Was ich in Australien (sowie auch vorher in Neuseeland) wirklich toll finde, sind die überall für die Öffentlichkeit errichteten Barbeque-Möglichkeiten. Dort treffen sich abends und vorallem am Wochenende die Menschen draussen zum Grill-Plausch. Die Grills sind jeweils sehr einfach per Knopfdruck zu bedienen. Ich muss schmunzeln beim Gedanke, dass ein Tourist aus Australien in der Schweiz bei unseren Feuerstellen wohl verzweifelt den Start-Knopf sucht! ;-D Aber ich finde es auch irgendwie schön, dass unsere „Grill-Stationen“ richtige, altmodische Plätze zum Feuer machen sind. Das wäre wahrscheinlich vielerorts hier in Australien wegen der ständigen Gefahr von Buschbränden gar nicht möglich! 


Für mich heisst es heute Abschied nehmen von Brisbane. Mit dem Greyhound Bus werde ich in den nächsten Tagen etappenweise der Ostküste entlang in Richtung Sydney reisen. Der erste Halt wird „Surfers Paradise“ sein. Schon der Name klingt ja vielversprechend! :-) 

Mir gefiel das Leben in dieser Wohnung so gut, dass ich nun auch für die Zeit in Sydney ein Apartment gebucht habe. So kann ich ende Februar für eine Woche noch einmal „wohnen“ und zur Ruhe kommen, bevor meine Reise im März in Richtung Südamerika weitergeht - nach Buenos Aires (Argentinien), zu den Galapagos-Inseln (Ecuador) und dann nach Costa Rica. 

Ich bin ein Glückspilz, ich weiss. 

Die kleinen Hürden und Stolpersteine unterwegs sind wirklich nicht der Rede wert. Klagen auf hohem Niveau sozusagen. Denn sie machen die Reise schlussendlich zu einem Abenteuer und den Blog (hoffentlich!) etwas unterhaltsamer... 

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G‘day - Camping at Australias Westcoast

Sonntag, 06. Januar, Kalbarri (West-Australien)

Lokalzeit: 14:18h

Temperatur: um die 40 Grad (gefühlt: Lava-Feuer-Hitze-Hölle-heiss)


Rivell.... aaaaahhh!

Noch nie hat mir ein Schluck meines Lieblingsgetränkes sooo gut geschmeckt wie gerade jetzt in diesem Moment! Dieser erste, erfrischende Schluck, der prickelnd meine ausgetrocknete Kehle runter rinnt - einfach herrlich!! Erlösend, rettend und so etwas von verdient... Meine Beine zittern, mein Herz rast und ich spüre die Hitze und Röte in meinem Gesicht... Ich schwitze „wie Sau“ (pardon!) und ich bin fix und fertig. 

 E-R-L-E-D-I-G-T!! 

Ich glaube, ich war noch nie zuvor so nahe an meine körperlichen Grenzen gestossen wie heute. Auf dieser Wanderung beim Nature‘s Window im Kalbarri Nationalpark... In der brütenden Mittagshitze haben meine Kollegin Karin und ich eine 8km lange Wanderung gemacht: über Felsen, durch Schluchten und über brennend heissen Sand. Etwas dumm, naiv und villeicht gar fahrlässig... ich weiss. Aber hinterher ist man ja immer schlauer!


3 Stunden vorher...

Nachdem alle anderen Touris beim beliebten Fotosujet „Nature‘s Window“ (ein Felsen mit einem grossen Loch und im Hintergrund sieht man wunderschön das Tal mit dem Murchison River) wieder umgekehrt sind, zurück zum Parkplatz, marschierten wir stramm weiter. Wir hatten den 8km langen Wander-Loop vor Augen... 

Am Vortag sind wir (bei etwas tieferen Temperaturen!) etwa die doppelte Distanz entlang der Küste von Kalbarris Nationalpark gewandert. Daher sollten diese läppischen 8km nun ein Klacks für uns sein! Dachten wir jedenfalls... Tja - falsch gedacht!! Dass hier das Thermometer in ungeahnte Feuerhölle-Höhen steigen würde, und diese Wanderung hoch und runter geht, über glühende Felsen und durch brennend heissen Sand - das hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert. 


1 Stunde vorher...

Mit gesenktem Kopf und schwachen Beinen trottete ich Karin kraftlos durch das glühend heisse Tal des Murchison River Valleys hinterher. Um nicht noch zusätzlich Energie zu verbrauchen, um all die lästigen Fliegen zu verscheuchen, haben wir ein Fliegennetz vor dem Gesicht montiert. Meine Körpertemperatur stieg proportional zum sinkendem Wasservorrat in meinem Rucksäckli, Wasser das mittlerweile in der Flasche fast am Kochen war und mich gar nicht im Gesicht abkühlen könnte. Ich würde mir wahrscheinlich eher noch Verbrennungen zuziehen. Mein Puls stieg stetig und ich konzentrierte mich mühsam auf jeden Schritt, den ich machen musste. Dass es definitiv nicht schlau war, diese Wanderung über die Mittagszeit in Angriff zu nehmen, war uns spätestens jetzt klar. Zum Glück ging es Karin einigermassen gut - das beruhigte mich - wenigstens ein Bitzeli. Immerhin hatte sie in unserer gemeinsamen Flight-Attendant-Vergangenheit auch immer wieder Schulungen betreffend medizinischen Notfällen durchlaufen. Ich wollte es zwar nicht so weit kommen lassen, wusste aber, dass ich nun sehr vorsichtig sein musste! Noch immer lagen drei unendlich quälend lange Kilometer vor uns. Und da wir uns unten im Tal befanden, stand uns somit auch noch der happige Aufstieg zurück zum Ausgangspunkt bevor. Mein Herz klopfte mittlerweile so schnell, dass ich ernsthaft Angst vor einem Herzstillstand hatte. Oder dass mein Herz explodieren könnte. Eines von beidem... So bat ich Karin immer wieder um kurze Pausen im kargen Schatten, wo wir das rationierte Wasser schluckweise zu uns nahmen und ich in erster Linie versuchte, mein Puls zu drosseln. Schrittli für Schrittli ging es im Schneckentempo weiter, mein Puls immer sofort wieder in schwindelerregender Höhe - bis wir (HAALLELUUUJAAHH!!) direkt an das Ufer des Flusses kamen...

Wir warfen sofort alle Bedenken und Warnungen (in Australien nie in einen Fluss zu gehen, wo man nicht weiss was drinnen schwimmt - Krokis ahoi!) über Bord und legten uns in BH und Unterhose flach in das erlösende Wasser. Ok es war eher eine Brühe und zum Glück ziemlich seicht - so hätte man wahrscheinlich gesehen wenn etwas „Grosses“ angeschwommen käme. Dieser erlösende, abkühlende Moment werde ich in meinem Leben nie mehr vergessen! Diese Wohltat, die Rettung in letzter Sekunde!! Ich fühlte, wie sich meine Körpertemperatur wieder normalisierte und spürte neue Kräfte in mir aufbäumen. Ich werde es schaffen!! So nahmen wir mit neuem Mut den letzten Kilometer in Angriff - und der hatte es wirklich nochmals in sich: eine steile Kletterpartie den heissen Felsen hoch! Doch die nassen Haare, welche von oben herab etwas kühlten und die vorgängige ganzkörperliche Abkühlung halfen uns dies noch zu überstehen. Ich wüsste echt nicht, ob ich dies ohne den kurzen Schwumm noch geschafft hätte! Diese Wanderung

war sicher eine grenzwertige und nicht weiter zu empfehlende Erfahrung, aber hinterher waren wir total stolz, dass wir es geschafft haben! Dieses Erlebnis wird sicher eine bleibende Erinnerung meiner bisher doch bereits sehr abenteuerlichen Weltreise sein. :-)


1 Woche vorher...

Ich traf Karin am 30. Dezember 2018 noch bei der Einreise am Flughafen in Perth. Lustigerweise sind unsere Flüge praktisch gleichzeitig angekommen: sie aus Zürich über Singapur und ich von Auckland her - mit einem schönen Flug quer durch Australien und entlang der Südküste. 

An diesem Ankunftstag erwartete uns bereits ein grosses Highlight unserer gemeinsamen Reise: wir besuchten abends den Hopmancup und feuerten die Schweiz mit Roger Federer und Belinda Bencic an! Ich hatte zeitweise in dieser RAC-Arena Gänsehaut - wenn geschätzt 90% der Zuschauer die rotweissen Schweizerfähnli schwenkten und „unserem“ Rotscher zujubelten! Von den Kopf-über-Fuss rotweiss eingekleideten Asiaten, über die Aussies selber, ausgewanderte Schweizer und natürlich auch zahlreiche Schweizer Touristen wie wir - fast alle waren wegem IHM da. Die Atmosphäre in der Halle war elektrisierend! Erst recht natürlich, weil die Schweiz gegen England gewonnen hat und der Maestro selber ausgezeichnet in Form war. 

Am nächsten Tag, dem „New Years eve“ (Sylvester), fuhren wir erst einmal an den Strand und genossen erstmals die australische Sonne am Cottesloe Beach. Es war etwas windig dort, damals ahnten wir zum Glück aber noch nicht, dass uns dieser Wind die nächsten drei Wochen fast pausenlos begleiten würde. Wir genossen dort auch noch die gemütliche Abendstimmung bis hin zum Sonnenuntergang - wo sämtliche Locals mit Fish & Chips und ihren Camping-Stühlen auftauchten. So sieht also ein typisch relaxter Aussie-Sylvester-Abend aus! Nach einem kurzen Abendessen in der Stadt gingen wir an den Swan River, um punkt Mitternacht zwei Feuerwerke anzuschauen: eines direkt hinter uns und das andere wurde auf der anderen Flusseite abgefeuert. Beide waren spektakulär und dauerten auf die Sekunde genau gleich lang. 

Wir haben gefilmt und Filme, sowie Fotos gepostet und verschickt - was offenbar auch der Rotscher gemacht hat: bei Instagram habe ich gesehen, dass er vom gleichen Winkel her dieselben Feuerwerks-Bilder gemacht hat! Karin und ich waren uns daher einig, dass wir eigentlich mit dem Tennis-König das Sylvester-Feuerwerk von Perth geschaut haben. Wen kümmert schon die paar Meter zwischen uns... :-) Welcome, 2019!! 

Den Neujahrstag verbrachten wir ganz entspannt in der grossen Parkanlage „Kings Park“ mit wunderschöner Sicht auf die kleine und charmante Stadt Perth. 



2. Januar 2019: Camper-Übernahme und Startschuss unserer Reise an der Westküste


Nach einer laaaangen Wartezeit und einer umso schnelleren und kurzen Einführung betreffend Handhabung des Campers (wo einiges sehr Wichtiges NICHT gezeigt wurde - was wir dann später noch bereuen werden!) ging es los! Mit unserem Apollo-Hitop-Camper cruisten wir auf der linken Strassenseite los! Wir fühlten uns jetzt schon wie Profi-Camper und waren ein bitzeli aufgeregt... was würden wir alles erleben in den nächsten drei Wochen?!

Das Ziel für unsere erste Nacht war der Yanchep Nationalpark - etwas oberhalb Perth. 

Ein kleiner Park, wo man Känguruhs und Koalas sehen soll. Tatsächlich sahen wir bereits unsere ersten Känguruhs auf einer grünen Wiese, bevor wir überhaupt beim Campingplatz angekommen sind. Als wir unseren Camper auf dem uns zugewiesenen Platz parkiert haben, ging es nicht lange und wir kamen ins Gespräch mit unseren Nachbarn - einem Pärchen aus dem Bündnerland. Kurz darauf hin gesellte sich eine weitere Schweizerin mit ihrem australischen Mann dazu: wir hatten einen ersten, kleinen Schweizertreff vor unserem Camper! Von den Bündnern, dessen Camper-Zeit sich dem Ende zuneigte, erhielten wir diverse Artikel, wir hingegen verteilten grosszügig unseren kurz vorher eingekauften Rotwein und Karin verschenkte noch Mailänderli aus der Schweiz. Wir fühlten uns als geborene Camper und strahlten über beide Ohren! Beim Abwasch hatten wir noch mehr Grund zur Freude: Känguruhs besuchten den Campingplatz und frassen zwischen dem WC-Haus (das ziemlich weit weg war von unserem Camper) und dem Barbeque-Küchenhaus, wo wir zuvor grilliert haben und nun am Abwaschen waren. Das Strahlen im Gesicht verschwand aber bereits am nächsten Morgen. Unsere Idee, die frisch gekauften Cola-Dösli aufgrund Platzmangel im Eisfach des Kühlschrank zu verstauen, erwies sich als ersten grossen Camper-Anfänger-Fehler! Missachtend der Physik („aaah stimmt! Wasser dehnt sich aus wenn es zu Eis wird!“) explodierten unsere Dösli förmlich im Gefrierer und unser ganzer Kühlschrank mitsamt Inhalt war voll mit klebrigem Cola-Saft. 

Nachdem alles geputzt und neu verstaut wurde, ging es los in Richtung Pinnacles. Ein Sight-Seeing-Ort, der auch dank Rogers Besuch vor ein paar Tagen zum Touristen-Magnet wurde, da die Presse-Fotos in sämtlichen Zeitungen abgebildet wurden. Auch wir wollten uns diesen Ort, der Roger so gefallen hat, natürlich nicht entgehen lassen. Eine surreale gelbe Wüstenlandschaft mit lustigen Eiszapfen-förmigen Steinsformationen, welche zu Hunderten kreuzundquer in der Landschaft rumstehen, luden uns zu einem kurzen Spaziergang ein (wo die meisten anderen Touris mit ihren Jeeps durchfuhren). Nachher fuhren wir weiter zu unserem zweiten Camping-Stopp: die Jurien Bay, wo wir kurz noch ins erfrischende Meer hüpften. Auch hier war es wieder ziemlich windig und kühl abends. Ein erstes Mal fragten wir uns, wo nun diese australische Hitze von anscheinend knapp 50 Grad sein soll, wie in den Medien geschrieben wird?! Und wo sind all die Schlangen - vor welchen man mich die ganze Zeit gewarnt hat?? Eine Frage, die ich mir (zum Glück!) übrigens heute noch stelle...

Am nächsten Tag fuhren wir via Green Head mit Stopp an der schönen Anchorage Bay weiter in Richtung Norden und verbrachten unsere dritte Nacht am Coronation Beach - wo ein erstes Mal unsere Camper-Tauglichkeit so richtig geprüft wurde! Hier gab es nämlich weder Strom noch fliessend Wasser, dafür umso mehr Wind. Der Wind lockte hier auch viele Windsurfer und Kiter an... so hatten wir neben der fantastischen Aussicht von der Plattform über diesen wunderschönen Campingplatz auch ein paar sportliche, sonnengebrannte Beachboys zu betrachten. :-) Dieses Mal haben wir anderen Campern eine unserer Pfanne ausgelehnt. Wieder wuchs unser Camper-Stolz und wir fühlten uns bestätigt in unserem Gefühl „geboren-sein-fürs-Camperleben“. 

Die folgenden zwei Nächte blieben wir in Kalbarri, auf einem tollen Campingplatz mit direkter Sicht auf die Bucht direkt auf der anderen Strassenseite. Der Weg nach Kalbarri führte uns vorbei am Pink Lake (der Name sagt wirklich alles!) mit Halt an der Küste Kalbarris, wo wir eine 5-stündige Wanderung von der Natural Bridge nach George Eagle und wieder zurück gemacht haben. Unterwegs machten uns der Wind und zahlreiche nervige Fliegen das Leben etwas schwer, aber der Anblick und Abstieg zum Meer bei George Eagle, wo wir ganz alleine am Strand waren, war die Mühe absolut wert! Meine super Idee, das nasse Strandtüchli nachher innen an der Schiebetür unseres Campers aufzuhängen, war hingegen weniger grandios: die Türe klemmte das Tuch ein und konnte nur noch bewegt werden, indem

das Tüechli zerrissen wurde. Wieso hat man mir das nicht gesagt bei der Introduction??!

Nun war bereits Sonntag, der 06. Januar - ihr wisst schon, Hitze-Wanderung, Herzrasen, Rivella - tja, am Abend genossen wir das verdiente Barbeque umso mehr!!


Einen Tag später...

In Kalbarri erfüllte sich ein kleiner Traum für die Pferdenärrin Karin: wir gingen Rössli ritte und buchten eine Horseback-Riding-Tour, welche durch ein Fluss, durch den Sand und entlang dem Strand führte. Ein wunderschöner Ausritt, wo wir sogar noch wilde Känguruhs gesehen haben!

Auf dem Weg dorthin zum Pferdegestüt, am Morgen um 07:00 Uhr (!), wurden wir übrigens noch von der Polizei angehalten. Ich musste doch tatsächlich in das Alkohol-Messgerät pusten! Um diese Zeit!!! Naja...

Auf der Weiterfahrt Richtung Shark Bay spürte ich bereits schmerzlich Po, Beine und Rücken - während Karin glückselig vor sich hinstrahlte, in Erinnerung an ihren Galopp-Ausritt quer über Kalbarris Beach. 

Je mehr wir nun in den Norden, und somit in unbewohntere und karge Regionen kamen - desto mehr wurde von Fahrzeug zu Fahrzeug zugewunken! Mittlerweile war es eher selten, dass man jemandem auf der Strasse begegnet ist. So war die Freude jeweils gross jemanden zu kreuzen, besonders wenn jemand auch mit einem Camper entgegengefahren ist. Camperstyle-mässig winkten wir allen Mitfahrenden zu - eine lustige und schöne Tradition! Überhaupt genossen wir das einfache Camper-Leben sehr: je mehr der Wind nachts den Bus durchrüttelte, oder der seltene Regen aufs Dach trommelte - desto besser konnten wir schlafen! Und das geniale an unserem Bus: er hat jeweils ein Fenster wo unser Kopf lag. So sah man nachts, wenn man aus dem Fenster geschaut hat, oftmals die Sternen am prächtigen Himmelszelt Australiens. Ein paar Mal verwachten wir am Morgen und konnten aus diesem Fenster direkt aufs Meer schauen - ein Traum!! Mittlerweile waren wir auch ein eingespieltes Team: vom Bett einrichten über den Abwasch, Kochen, Grillieren, das Geschirr richtig verräumen (so dass es beim Fahren nicht zu laut klappert und umher fliegt), Umziehen im Camper mit den entsprechenden Platzverhältnissen (es kann sich eigentlich nur eine Person richtig bewegen): wir kamen bestens aneinander vorbei. Jede hatte ihre Aufgaben oder wir wechselten uns ab. Und beide schauten, dass wir nicht mit eingestecktem Stromkabel losfuhren oder mit unserem hohen Dach in den Bäumen hängen geblieben sind. Soll alles ja schon passiert sein... aber UNS soll so etwas Peinliches jaa nicht passieren!! Da passen wir auf wie verrückt. Was wir beim Campen auch sehr schätzen, ist die Offemheit aller Camper: man kommt schnell ins Gespräch, macht hie und da einfach Smalltalk, erhält von allem viele Tipps und anerkennendes Nicken für die eigenen Pläne und meistens ist echtes Interesse da - auch seitens der Australier, für das was wir vorhaben und machen. Und was uns eigentlich am meisten gefällt  am Leben als Camper-Frauen: die Tatsache, dass man fast die ganze Zeit draussen ist! Zmörgele draussen vor dem Camper, abends aperööle in unseren Stühlen und das feine grillierte Essen geniessen - wir liessen es uns richtig gut gehen, Wind hin oder her! Wir haben auch schon gecheckt, wie man den Van jeweils hinstellen muss, um im Windschatten essen zu können. Totale Pros... 

Nun, meistens jedenfalls. Es gibt da schon noch die einen oder anderen kleineren und grösseren Pannen. *Huest*

So dachten wir am Anfang, unsere Stromoutlets im Camper seien kaputt. Der Elektriker in Denham (Shark Bay), zeigte uns dann die Sicherung die draussen war. Hmmm! Aber auch die wurden uns beim kurzen Rundgang nicht gezeigt!! Wir konnten ja nicht ahnen, dass die von Anfang an draussen waren. Knirsch. Oder einmal, als ich das Stromkabel nicht ganz richtig einsteckt habe und die Batterie daher zuwenig geladen wurde, stieg mal der Kühlschrank aus. Schade um alles was da drinnen anfing zu Schmelzen, Faulen und Gären... und ich dachte schon erfreut, ich hätte mich an das Surren des Kühlschrankes gewöhnt - als ich ihn nicht mehr gehört habe! Was uns auch immer wieder passiert ist (vor allem mir): den Kopf an der Öffnung der Schiebetür an zu schlagen. Bäämmm. Immer und immer wieder... Anfangs schäpperte beim Fahren auch vieles und sauste hin und her - mittlerweile hatten wir dies aber ziemlich im Griff und wussten wie was wo zu verstauen war. 

Nach einer Nacht an der Shark Bay ging es weiter in Richtung Monkey Mia, wo wir an der Little Lagoon einen Badestopp einlegten. Eine wunderschöne, herzige Lagune wie ein kleiner See. Die Farben des Wassers von grün über türkisblau waren atemberaubend! Monkey Mia ist bekannt für die Fütterung von Delfinen am Morgen, so machten wir uns am nächsten Morgen früh auf an den Strand. Für uns war dies kein Problem - war unser Rhythmus sowieso: früh ins Bett (da müde von der Sonne, vom Fahren, vom Schwimmen) und früh wieder aufstehen (da ab sechs Uhr die Sonne knallhell zwischen den Vorhängen des Campers durchschien und oftmals auch die vielen Vögel, vor allem Papageien, einem lautstark geweckt haben). 

Die Delfine kommen immer um diese Zeit dorthin, weil sie wissen, dass dort es gibt Futter. Man gibt ihnen aber nur einen ganz kleinen Teil der Fische, die sie täglich essen. Den Grossteil jahen sie selber. Ausserdem haben sie nicht immer Lust aufzutauchen, wir haben vernommen - dass am

Vortag keiner erschienen ist.

Der Tipp meines Bruders und meiner Schwägerin, etwas Auffälliges anzuziehen, traf voll ins Schwarze! Von den über hundert Touristen (!), die sich für die „Delfin-Show“ eingetroffen haben, wurde ich prompt ausgewählt („the lady in the purple dress“), um einem

der Delfine einen Fisch zu füttern! Yess!! Und wir hatten später noch viel mehr Glück: die Mutter und ihr Junges, sowie die grosse Schwester schwammen den ganzen Tag hindurch noch durch die Bucht von Monkey Mia - direkt am Strand entlang wo wir badeten! 

In dieser Bucht suchten sie Schutz vor den Haien (verstehe ich absolut!) und die Mutter brachte ihrem Baby das Jagen der Fische bei. Wir versuchten uns hier noch im Stand-up-Paddling, sogar da schwammem die Delfine um uns herum! Dies war wahnsinnig schön, denn um diese Zeit hatte es nicht mehr viele Touristen hier und das Wasser war spiegelklar... für uns ein unvergesslicher Traumtag!! 

Wir glaubten wirklich, es geht nicht mehr schöner.... Doch dann kamen wir nach Coral Bay! Wir waren beim Anblick dieser Bucht wirklich sprachlos und überwältigt!! Ich habe wahrscheinlich noch nie so ein schöner Badeort gesehen, und ich kenne die Malediven, Seychellen und Mauritius. Weisser Sand, türkisblaues Wasser, Rochen die im seichten Wasser umher schwimmen und eine traumhaft schöne Unterwasserselt, welche uns zum Schnorcheln einlud. Wir genossen hier zwei wunderbare Tage - im und am Meer!

Nun ging es aber noch weiter zum nördlichsten Punkt auf dieser Reise: in Exmouth erwarteten uns 40 Grad! So fuhren wir wegen der Hitze auch gleich wieder ans Meer und fanden die Abkühlung in der schönen Turqoise Bay im Cape Range NP. Auch hier war der Name Programm... ;-) Übernachtet haben wir in diesem Park an der Osprey-Bay, wo mich frühmorgens bei meinem Toiletten-Gang ein Känguruh begrüsst hat. An diesen Tagen, zwischen diesen wunderschönen Strand-Destinationen, fuhren wir jeweils stundenlang durch die orange Sand-Landschaft, wo nur ausgetrocknete Büsche, teils grün-braune Bäume oder Sträucher und sehr wenig Tiere zu sehen waren. Ab und zu sahen wir Ziegen oder Emus (sehen ähnlich aus wie Strausse). Schlangen haben wir immer noch keine gesehen und das Warnschild vor Känguruhs war oftmals das einzige Highlight im Nichts! Man war dankbar für alles was man unterwegs sah und was etwas Abwechslung in das monotone Geradeaus-Fahren gebracht hat. Wir waren allgemein positiv überrascht, wie wenig Touristen es hier hatte. Wir waren oft alleine an einem Strand und die Campingplätze waren halb leer. Und dies obwohl jetzt Hochsaison war und die Aussies selber auch Ferien hatten. Dass dies im Süden anders sein würde, haben wir später auf unserer Reise dann noch gemerkt und erfahren, dass viele an der Westküste eher in den Süden anstatt in den Norden gehen - da es zurzeit so heiss war im Norden und dort die Zyklon-Saison begann. Wir hatten 2-3 Mal einen Sand-Wirbelsturm gesehen und ab und zu auch auf der Strasse heftige Böen gespürt - aber ansonsten haben wir davon nichts mitbekommen. 

Von Exmouth her fuhren wir nun rüber ins Landesinnere zum Karijini NP: ein ganzer Tag Autofahren war angesagt. Aufgrund der grossen Hitze dort (zwischen 40 und 50 Grad wurden angesagt!), übernachteten wir etwas ausserhalb des Parks in Tom Price. Im Park selber war sowieso das meiste geschlossen. Auf unserem langen Weg dorthin, sahen wir plötzlich am Strassenrand vier Jungs wie wild mit den Armen fuchteln und winken. Wir hielten an, und der eine fragte und in gebrochenem Englisch nach unserem Ersatzrad. „Ehhm wir haben nur eines, das wollen wir eigentlich behalten“, wir schauten uns verwirrt an. Ah wir haben ihn falsch verstanden, Benzin brauche er, meinte der Koreaner verzweifelt. Die anderen drei nickten wie gestrandete, hilflose Welpen - Englisch sprechen konnten sie nicht. So nahmen wir den englisch-sprechenden Koreaner mit seinem Kanister mit zur nächsten Tankstelle - wo er Benzin auffüllen konnte und auf ein Auto wartete, das ihn zurück fuhr zu seinen Kollegen. Da es regelmässig ein Auto oder Truck in diese Richtung gab, konnten wir dies verantworten. 

Aber natürlich machten wir uns die nächsten Tage noch etwas lustig über die vier jungen Koreaner und fragten uns immer wieder, wo sie denn jetzt wohl sein mögen und ob sie es noch in den Park geschafft haben. Im Karijini NP besuchten wir am nächsten Tag den einzigen Wasserfall, der noch Wasser hatte. Alles andere war ausgetrocknet! Aber der Fortescue Fall war sehr schön und der erfrischende Schwumm im Becken war der Abstecher wert! Mehr als der Abstieg zu diesem Wasserfall und den Aufstieg danach haben wir aber nicht gemacht. Die Sonne brannte bereits am Vormittag erbarmungslos auf uns runter - und wir haben etwas gelernt von unserer Hitze-Wanderung! ;-)

Nun stand uns eine laaaange Autofahrt zurück nach Perth bevor. Wir wechselten uns immer wieder ab beim Fahren, so schafften wir die weite Strecke doch tatsächlich in rekordverdächtigen zwei Tagen. Die Nacht dazwischen verbrachten wir übrigens in „the middle of nowhere“ zwischen ein paar Känguruhs im Karalundi Campground - einem ehemaligen Dorf bestehend aus Schule und Kapelle von Aborigines. Wir waren die einzigen (!) Gäste dort und es stand uns eine Hitzenacht bevor. Das Thermometer fiel die ganze Nacht nicht unter 40 Grad!! Wir waren schon bachnass als wir uns nur hingelegt haben...

Am Morgen früh, als wir losfuhren, hat es auf 37 Grad „abgekühlt“! 

Auf der Fahrt unterwegs sollten wir noch an einigen Seen vorbeikommen (wir haben uns schon auf erfrischende Abkühlungen gefreut) - doch alles war einfach ausgetrocknet. Wo angeblich auf der Karte mal Seen waren, sah man noch leicht die weisse Salzkruste - aber kein Tropfen Wasser weit und breit! Wir sahen auch viele Flussbecken, welche alle kein Wasser mehr transportierten. Trotzdem sahen wir Känguruhs unterwegs - erstaunlich wie Tiere und auch einige Pflanzen in dieser kargen Umgebung leben und überleben können. Um die lange Fahrt durch die meist monotone Landschaft etwas unterhaltsamer zu gestalten, waren wir neben unserem Mundwerk auch auf Musik angewiesen. Hier begleitete uns während drei Wochen vor allem ein Sender mehr oder weniger treu: 

„Classic hits - tripple six“! Der Sender, der laut Moderator die grössten Hits von früher bringt, aber laut Karin: „vier schlächti Songs bringt, bis denn wieder mau ä guetä Song chunnt“.


10 Tage später...

Zurück in der Zivilisation, in Caversham bei Perth, besuchten wir den Wildlife Park. Wir konnten dort zahme Känguruhs füttern und ihr samtweiches Fell streicheln - eine tolle Erfahrung! Unterwegs wollten wir unbedingt noch das gelbe Schild fotografieren, welches vor Tieren auf der Strasse warnt. Wir wollten uns daneben stellen und unser Van im Hintergrund parkieren. So haben wir uns dies zumindest in der Theorie ausgemalt. Als wir den Camper rechts an den Strassenrand gestellt haben, realisierte ich am Steuer sekundenschnell dass dies ein Fehler war - doch es war bereits zu spät! Wir spuhlten nur noch und gruben uns immer weiter in den tiefen Sand ein... Mist!! Das hätte ich doch wissen sollen von meiner Ranger-Week her!! Karin versuchte noch von vorne und von hinten zu stossen, aber keine Chance - wir steckten fest. Du Heilligebimbam... 

„Wenn wir jetzt schon hier sind, machen wir aber auch dieses Foto!“, meinte ich trotzig und stapfte zum Objekt der Begierde. So posierte ich lächelnd vor dem Schild, Karin drückte ab und in dieser Sekunde hielt ein Jeep neben uns, wo ein freundlicher Australier rausschaute und uns fragte, ob wir feststecken würden. Er hat die Situation blitzschnell erkannt und fragte sich wahrscheinlich, warum wir um Himmelswillen in dieser Lage noch am Fotos shooten sind! Mein Strahle-Lächeln verwandelte sich sofort in eine verzweifelte Grimasse und wir schenkten dem Herrn mit Unschuldsmiene unser strahlendstes Lächeln und nickten ihm hilflos zu. Der nette Mann mit seiner Frau hielten an und er befestigte stolz und fachmännisch sein Abschleppseil, das er im Kofferraum dabei hatte, an unserem eingebuddelten Büssli. Er strahlte: „Ich hatte das immer dabei und wusste, eines Tages werde ich es brauchen können!“. Wir waren ihm sooo dankbar für seine angebotene Hilfe!! So zog er mich mitsamt Bus aus dem Sandschlamassel, während Karin alles auf Video festhielt und dabei lautstark Anfeuerungsrufe und Kommentare von sich gab. Ich musste nämlich Gas geben und gleichzeitig einem Baum ausweichen, der gefährlich nah vorne neben dem Fahrzeug war. 

Alles ging gut - dankbar versbschiedeten wir uns von den beiden Helden und schenkten ihnen mein letztes Ragusa, das Karin mir aus der Schweiz mitgebracht hat. Wir waren überzeugt, dass uns geholfen wurde, weil wir ein paar Tage zuvor den Koreanern geholfen haben. Vielleicht war dies aber auch die Strafe dafür, dass wir uns nachher tagelang über sie lustig gemacht haben... wer weiss!! ;-D Hauptsache wir waren gerettet und konnten unsere Reise für die letzten gemeinsamen Tage in den Süden fortsetzen!

In Busselton, 3 Stunden südlich von Perth, gab es für mich dann ein sehr schönes Wiedersehen mit meiner Cousine Susanne und ihrer Familie. Sie waren auch mit dem Camper (einfach ein etwa viermal so grosses Ding) in Westaustralien unterwegs. Für mich war es sehr speziell und toll, wieder bekannte Gesichter zu sehen! Wir verbrachten einen tollen Grill-, Schmink- (die Kleine, Lynn, wurde von mir als Schmetterling geschminkt) und Plauder-Abend. Für die nächsten Tage fuhren dann Karin und ich noch etwas südlicher weiter nach Margaret River: eine Surfer- und Wein-Region. Australischen Wein haben wir auf unserer sowieso immer getrunken, hier achteten wir jedoch genau darauf, Wein aus dieser Region zu geniessen. Karin liess es sich ausserdem nicht nehmen, aufs Surfbrett zu steigen. Aber aus der gewünschten „Anfänger-Lektion“ wurde eher eine „Abwerf-und-Tauch-Experience“! Karin wurde buchstäblich ins kalte Wasser geworfen. Ich hatte meinen Spass und beobachtete amüsiert, wie die tapfere Beginner-Truppe ein ums andere Mal von den tosendem Wellen vom Brett geschleudert wurden! Wie in einer riesigen Waschmaschine wurden sie durch die Wellen in Gnarabups Bay geschleudert. Nebst den mutigen Surfern konnte ich auch einmal mehr die Superdaddys von Australien beobachten. Karin und ich haben oftmals junge Väter mit bis zu drei oder vier Kindern am Beach oder auf dem Campingplatz gesehen - Mamis nirgendwo weit und breit. Ob diese Helden wirklich von sich aus diese Trips alleine mit ihren Kiddies gemacht haben - oder ob sie jeweils von zu Hause weg geschickt wurden für ein paar Tage - keine Ahnung! Wir waren auf jeden Fall beeindruckt von den hiesigen Vätern und ihrem Engagement für ihre Sprösslinge...

Nach einem Abstecher zur Hamelin Bay, wo man direkt am Strand riesige Rochen zu sehen bekam, fuhren wir wieder nordwärts hoch nach Fremantle - wo wir unseren letzten Halt für die letzten drei gemeinsamen Camper-Nächte eingelegt haben. Wir wurden direkt neben der Toilette platziert - was wir einerseits sehr geschätzt und andererseits grinsend zur Kenntnis genommen haben. Dies hat sich nämlich wie ein roter Faden durch unsere Reise gezogen: der immer kürzer werdende Abstand unseres Standorts des Campers zum WC-Haus. In der ersten Nacht, im Yanchep NP bei den Känguruhs, waren wir am weitesten weg, dann wurde die Distanz immer kürzer - bis wir zuletzt wie gesagt direkt nebenan positioniert wurden. Das klingt vielleicht alles seltsam oder unwichtig - uns ist dies jedoch aufgefallen und wir fanden diese Tatsache noch recht amüsant. 

Am zweitletzten gemeinsamen Tag besuchten wir Rottnest Island - eine  Insel bei Fremantle, die vor allem für ihre dort lebenden, zahmen Quokkas (etwas zwischen einem Riesenmeersäuli und einem Murmeli) bekannt ist. Diese herzigen Tierchen sind beliebte Selfie-Sujets, da ihr Mund immer zu lachen scheint! Bei der Velotour um diese Insel entdeckten wir weitere wunderschöne Strände und eben diese herrlichen Pelzträger. Meine Challenge „Selfie mit Quokka“ konnte ich dort jedenfalls problemlos meistern!

Nach einem letzten gemeinsamen Tag in Fremantle musste ich mich schweren Herzens von meiner Mitreisenden verabschieden... für sie ging es am 23. Januar zurück in die Schweiz und für mich ging das Abenteuer in Australien weiter!

An diesem Abend wurde ich netterweise noch von einem befreundeten Päärli, das ich von der Edelweiss her kannte, in ihr Ferienhaus bei Perth eingeladen - wo sie mit ihren drei Kindern ihre Ferien verbrachten. Was für ein Luxus wieder einmal in einem grossen Zimmer mit einem richtigen Bett und eigenem Bad zu schlafen! 


Nun bin ich für zwei Tage bis nach Esperance im Südwesten Australiens gereist, wo ich heute den „Australia Day“ im Cape Le Grand Nationalpark verbracht habe. Ich bin extra früh morgens gestartet, um an der berühmten „Lucky Bay“, wo sich ab und zu zahme Känguruhs am Strand aufhalten, ohne allzuviele andere Menschen zu sein. Und es hat sich gelohnt! Ich bin den ganzen Strand abgelaufen und sah nur vereinzelt ein paar Leute. Offenbar war es auch für die Känguruhs zu früh - die haben sich mir leider nicht gezeigt. Aber die Bucht war auch ohne Känguruhs ein Traum: diese Farben und das spiegelklare, durchsichtige Wasser... Einmalig! Während meines Walks trudelten immer mehr 4WD-Jeeps ein, welche auf dem Sand entlang fuhren und sich an einem schönen Plätzchen positionierten. Ich reiste weiter im Park umher: die wunderschöne Hellfire Bay und der Strand von Thistle Cove waren menschenleer. 

Es ist unglaublich: hier hat es weisse Traumstrände mit türkisblauem Wasser - und allesamt  sind menschenleer!! Und dies an einem Samstag, und erst noch am Nationalfeiertag von Australien! 


Für mich geht es nach einer weiteren Nacht hier in Esperance nun der Küste entlang weiter in Richtung Albany, von wo aus ich zurück nach Perth fahren werde. Am 30. Januar, wenn ich den Camper (hoffentlich - sofern kein Zwischenfall mehr passiert - „holzalange“) in Perth wieder abgebe, werde ich weiter nach Melbourne fliegen, um von dort aus die Great Ocean Road bis nach Adelaide in Angriff zu nehmen. Meine Reise in Australien wird noch den ganzen Februar weiter gehen. Was ich alles noch sehen und erleben werde, das könnt ihr dann beim nächsten Mal lesen... 

„Heute ist nicht alle Tage, ich meld mich wieder - keine Frage!“ :-)

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Kiwi Christmas

Ich gebe es zu: ich hab noch nie im Leben einen Harry-Potter-Film gesehen! Boom. Und bis vor kurzem waren mir auch die Herr-der-Ringe-Filme fremd. Fantasy-Filme sind einfach nicht so mein Ding... 

Nun hatte ich aber drei Tage Regen über Weihnachten, also ausreichend Zeit für Filme und um auf diesem Thema etwas aufzuholen. So habe mir eine Folge „Lord of the rings“ reingezogen. Denn schliesslich wurde diese Filmreihe dort gedreht, wo ich vor kurzem war: in Hobbiton (habe bereits in einem früheren Blog davon berichtet) und im Tongariro Nationalpark (davon werde ich in diesem Blog nun berichten). Nun sagen wir es so: den Film habe ich abgespielt. Ich schaute immer wieder mal hin wenn Orlando Bloom zu sehen war (obwohl diese lange, helle Haarpracht steht ihm ja gaar nicht!) oder wenn es schöne Landschaftsbilder von Neuseeland zu bewundern gab, wie zum Beispiel die Szenen der Hobbits in Hobbiton oder Szenen in den Bergen und in Wälder. Die ganze Handlung und die vielen Kämpfe, wo Frodo immer fast stirbt und dann Hurra-was-für-ein-Wunder wieder knapp überlebt, haben mich weniger interessiert... auch das gebe ich ehrlich zu. Aber den Mount Doom/Schiksalsberg im Film zu sehen, wo ich erst vor kurzem vorbeigewandert bin anhand des Tongariro-Crossings, das war schon speziell. Dieser Berg ist ein riesiger Vulkan im Tongariro Nationalpark, für die Maori ein heiliger Ort und benannt als Mount Ngauruhoe. Ich habe für das Tongariro-Crossing, eine der schönsten und bekanntesten Tageswanderungen weltweit, extra schönes Wetter abgewartet - und das hat sich wirklich gelohnt (was ihr hoffentlich auf meinen Fotos sehen könnt)! Die Farben der Vulkane und der smaragdgrünen Seen kombiniert mit dem stahlblauen Himmel waren schlicht atemberaubend! Ich habe die Wanderung mit Faustine, eine Französin welche ich zuvor im Hostel kennen gelernt habe, am Morgen früh um 6 Uhr in Angriff genommen. Nach einem kurzen ersten Aufstieg führte die Strecke durch ein flaches Stück, wo man anhand der Lavasteine sich auf einem fremden Planeten wähnte - wunderschön und einzigartig! Vorbei am Mount Doom ging es dann weiter hoch zum Red Crater. Auch das war sehr eindrucksvoll, die Sicht in diesen roten Krater. Danach trennten sich die Wege von Faustine und mir... Sie wollte da noch einen Abstecher auf den Mount Tongariro Summit machen, das nicht übersehbare Schild in rot („Go back!!) hielt mich aber davon ab. Sie liess sich nicht entmutigen, sie ist aber auch in der Ausbildung zu einem Trekking-Guide und hat sich das zugetraut... Fair enough! :-) Es folgte für mich ein Abstieg runter zu den Emerald Lakes („Smaragd-Seen“) was eher einer Rutschpartie glich, die Sicht runter in das „Seen-Tal“ war wunderschön: drei unterschiedlich gefärbte kleine Seen und überall dampft es und Schwefelgeruch liegt in der Luft. Richtig mystisch und eine richtige Natur-Schönheit, dieser Anblick! Es folgte die Durchquerung eines Tals zum Blue Lake und nach einem weiteren, leichten Aufstieg ging dann zum Glück alles nur noch talwärts - mit Sicht auf Lake Rotoaira. Ganz weit weg sah man sogar etwas versteckt Lake Taupo, mein Skydive-Ort. Nach 19.4 abwechslungsreichen und unvergesslichen Kilometer zu Fuss ging es für mich dann mit dem Auto weiter nach Huka Falls, wo ich am nächsten Morgen diese berühmte Stromschnelle besichtet habe - wo im Durchschnitt 220‘000 Liter glasklares Wasser in der Sekunde durchpreschen! Meine Reise auf Neuseelands Nordinsel führte mich anschliessend weiter nach Rotorua, wo ich unterwegs einen Halt im Wai-o-Tapu Thermal Wonderland („heiliges Wasser“) gemacht habe - auch hier zischt, raucht, brodelt und dampft es aus allen Löchern, 100 Grad heisses Wasser schlängelt sich in allen Farben (orange, gelb, grün, weiss, grau) durch Gesteine und auch hier dringt der gewöhnungsbedürftige Schwefelgeruch durch die Nase. Mit diesem Geruch nach faulen Eiern (als ob die ganze Umgebung hier an Blähungen leiden würde) musste ich mich zwangsläufig abfinden, denn in Rotorua, wo ich zwei Tage blieb, roch es genau so. 

Der Gestank kommt übrigens von den Sulphur Gasen, die es vorallem an Rotoruas Sulphur Bay gibt.

Die Umgebung von Rotorua war jedoch unglaublich schön: es hat dort viele schöne Seen (Blue Lake, Greeen Lake, Lake Tarawera), ein grosses, prächtiges Waldstück (die Redwoods) und an diversen Veranstaltungen kann man mehr über die Maori-Kultur erfahren. Als halbe Möchte-gern-Kiwi besuchte ich natürlich ganz tourihaft einen solchen Abend, wo unter anderem der berühmte Kriegstanz der „Haka“(zu sehen vor jedem Spiel der All Blacks, Neuseelands Rugby-Team) demonstriert und ein Maori-Dinner, ein sogenanntes „Hangi“ (Essen wird in einem Loch auf heissen Steinen gekocht), genossen wurde. Die ganze Veranstaltung war sehr authentisch, geprägt von viel Respekt vor dieser Kultur und trotzdem unterhaltsam. Ein gelungener Abend! Meine Rundreise führte weiter nordwärts Richtung Coromandel Island, wo ich erst in Tauranga den Mount Maunganui bestieg und abends Pizza am herrlichen Strand genoss. In Whitianga, im Norden dieser Halbinsel, spazierte ich dann zur Cathedral Cove - eine spezielle Gesteinsformation, ein Felsen mit Durchgang, halb durchflutet vom Meer, was täglich viele Touristen anlockt. Whitianga ist nicht nur bei den Touristen beliebt, auch viele Einheimische verbringen gerne hier ihre Ferien- und Festtage in ihren Ferienwohnungen. So erwartet das 4000-Seelen-Dorf an Weihnachten über 30’000 Menschen! Diese Weihnachts-Touristen kamen mir dann auch allesamt entgegen, als ich auf der wunderschönen Küstenstrecke zwischen Coromandel Town und Thames weiter gefahren bin. Auf diesen schmalen Strassen gab es die eine oder andere brenzlige Situation: links von mir sind die Felsen und rechts braust der Gegenverkehr heran, nicht selten riesige Jeeps mit Bootanhänger, welche auf meine Fahrspur ragten. Ich duckte mich jedes Mal reflexartig - als ob das etwas bringen würde... An dieser Küste konnte man auch zahlreiche Locals bewaffnet mit Plastikeimer und knietief im Wasser mit Gummistiefel beobachten, welche anhand Selbstbedienung in dieser Muschel-reichen Region, sich das Festmahl frisch und direkt aus dem Meer holten. Mein Festmahl an Weihnachten erwartete mich in Kerikeri, einem Küstenort ganz oben im Norden Neuseelands, an der Bay of Islands. Im „Te whare ma“ (übersetzt: das weisse Haus) habe ich für zwei Tage eingecheckt, um in diesem neuen und schönen Bed and Breakfast Weihnachten zu verbringen. Jane, die Gastgeberin, hat mich bereits im Vorfeld zu ihrem Weihnachtsessen eingeladen (bevor sie mich überhaupt kennen gelernt hat!). Diese vorbehaltlose

Gastfreundschaft empfinde ich wirklich als grossartig und nicht selbstverständlich - eine Familie lädt eine fremde Person an ihr Weihnachtsfest ein... Was für eine grosszügige Geste! Ich wurde verwöhnt nach Strich und Faden: es gab selbstgebackene Weihnachtsplätzchen, ich konnte mir sämtliche Weihnachtsfilme anhand Netflix zu Gemüte führen und dazwischen entspannte ich im Jacuzzi im Garten (einmal beim Sprudeln war ein Regenbogen direkt über dem Haus zu sehen - wie ein magischer Weihnachtszauber-Moment! Sorry, Kitschalarm...). Am Weihnachts-Morgen besuchten wir nach dem leckeren Frühstück die lokale Kirche - auch das war spannend, ein Kiwi-Gottesdienst auf Englisch und Maori. Nach dem Kirchen-Besuch gab es Geschenke und selbstgebackener Kuchen. In Neuseeland bringt übrigens

Santa die Weihnachtsgeschenke, in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Deshalb werden jeweils am Morgen des Weihnachtstages die Geschenke verteilt. Ich versuchte meiner Gastfamilie dann zu erklären, wer das Christkind ist - nicht ganz einfach in einer fremden Sprache! Auch bei der Erklärung, was „unser“ Samichlaus macht, geriet ich etwas ins Stottern... Sie waren erst etwas geschockt, dass der Mann im roten Mantel einen Bund Äste bei sich hat, um unartige Kinder damit zu schlagen. Ich habe dann rasch noch angefügt, dass die Rute eher eine Drohung darstellen sollte und nicht wirklich zum Einsatz komme... Den feinen Kuchen haben wir dann anhand zweier Spaziergänge durch die Kauri-Bäume (Neuseelands grösste Bäume) und entlang dem Kerikeri-River zu den Rainbow-Falls verdaut. Am Weihnachts-Abend kam ich dann in den Genuss eines echten Kiwi-Weihnachts-Dinner. Es gab ganz traditionell ein Büffet mit gefülltem Truthan, Salat, Würste, Kartoffeln, Pilze und diverse Saucen dazu. Dazwischen gab es Weihnachts-Cracker - die sind nicht zum Essen, sondern eine Art Geschenk mit zwei Enden und zwei Personen reissen daran. Wer das längere Ende danach in den Händen hält, gewinnt sozusagen den Inhalt. Ich hatte vorher in grosser Unwissenheit meine Hände frisch eingecremt und rutschte dann fatalerweise immer ab beim Reissen am Papier. Wir hatten aber (oder gerade deshalb) einen riesen Spass und kugelten uns vor Lachen! Das Dessert war dann ganz neuseeländisch: Pavlova-Kuchen, ein Dessert mit unten Meringue, oben fluffige Vanille-Schoggi-Fülllung und dies garniert mit Himbeeren. Ihr seht - ich hatte also eine tolle und traditionell weihnächtliche Zeit in Neuseeland! Und dies war aus zwei Gründen nicht selbstverständlich:

Erstens, hier in Neuseeland ist Sommer und damit fehlt ein für uns Europäer essentieller Teil der zu Weihnachten gehört, die Kälte und im besten Fall natürlich der Schnee! Ich weiss, den hattet ihr zuhause leider auch nicht... :-(

Zweitens, wenn man alleine reist und weit weg von seinen Liebsten ist, sind die Weihnachtstage nicht ganz einfach zu ertragen. Gerade in dieser Zeit fehlen einem die lieben Menschen besonders und man wäre gerne auch zu Hause bei den Feierlichketen dabei.

Deshalb bin ich Jane, Shelley und Steven besonders dankbar, haben sie mir in dieser Zeit ein richtiges Daheim gegeben und für mich somit unvergessliche Weihnachten, eben Kiwi-Weihnachten, beschert.

Ich selber wollte mich auch noch mit einem Geschenk bescheren und buchte am 26. Dezember einen Delfin-Trip in der Bay of Islands, inklusive Schwimmen mit Delfinen! Dies war schon immer ein grosser Traum von mir. Für mich war aber auch immer klar, dass ich dies nur im offenen Meer machen würde, wo diese Tiere sozusagen freiwillig mitmachen. Dies wiederum kostet mich aber einige Überwindung, denn bekanntlich schwimmt da ja so allerlei im grossen, weiten Meer. Ich litt einst jahrelang unter ernstzunehmender Haifisch-Phobie und habe mich früher kaum ein paar Meter ins Meer hinaus getraut. 

Durch die zahlreichen Malediven-Aufenthalte in meiner Flight-Attendant-Karriere (es sind sicher über 50 und somit sozusagen ein Jahr kummuliert!), konnte ich aber durch das Schnorcheln im hauseigenen Riff nach und nach meine Angst vor diesen respekteinflössenden, aber meist harmlosen Tieren überwinden. Und was man mir gesagt hat und mich wirklich sehr beruhigt: wo Delfine sind, sind keine Haie. ;-) Wären grosse Haie da, würden die Flippers einen Abgang machen. Nach einem kurzen Abstecher ins schöne Russell, Neuseelands ursprünglich erste Hauptstadt, ging es los aufs Meer - Ausschau nach Delfinen halten war angesagt! Nach einer längeren, aber sehr schönen Fahrt durch die zahlreichen Inseln der Bay of Islands fanden wir endlich was wir gesucht haben! Eine grössere Gruppe Delfine zischte durchs Wasser. Aber schnell war leider klar, dass wir hier nicht ins Meer dürfen... Einerseits war diese Gruppe auf Jagd (das würde auch nichts bringen, da wäre man viel zu langsam!) und andererseits hatte es Jungtiere dabei. Aus nachvollziehbaren Gründen gibt es in ganz Neuseeland diesbezüglich strenge Vorschriften, sodass man unter gewissen Umständen nicht mit den Delfinen Schwimmen darf. Wir genossem trotzdem den Anblick dieser wunderschönen und spielfreudigen Tieren vom Boot aus. In dieser Gegend waren Bottlenose Dolphins zuhause, eine Delfin-Art die eher gross ist, im Vergleich mit anderen - das grösste Tier war ganze 4-Meter gross! Also ein klein wenig war mein Angsthase auch erleichtert, dass er nicht ins Wasser konnte/musste. Mein mutiger Engel war natürlich zutiefst enttäuscht und stand schon mit Schnorchel und Taucherbrille parat... ;-) 

Aber ich befürworte absolut strenge Regeln im Umgang mit wilden Tieren, deshalb hatte ich absolutes Verständnis für die Situation. Wenn sich die Delfine ausruhen, ist das Schwimmen mit ihnen auch nicht erlaubt. Und hier gibt es noch eine sehr interessante Info zu diesen Tieren: wenn Delfine schlafen, schalten sie eine Seite des Gehirnes aus, die andere schaut dann, dass schön weitergeamet wird (was sicher noch ziemlich praktisch ist)! Nachher schläft dann die andere Seite des Hirni. Spannend, oder?! Da es auch ein Zeitlimit gab, wie lange wir mit dem Boot den Delfinen folgen durften, mussten wir uns dann wieder irgendwann auf den Rückweg machen. Ein schöner Ausflug war es allemal, auch ohne Delfin-Schwumm. Und ich reise ja noch weiter, vielleicht habe ich an einem anderen Ort auch noch die Gelegenheit dazu! Denn als nächstes wartet auf mich Australien, wo es bekanntlich neben Känguruhs und Qualas auch Delfine gibt! Zum Abschluss meiner Neuseeland-Reise fuhr ich gestern noch ganz hoch in den Norden, ans Cape Reinga. Somit war ich nicht nur an Neuseelands südlichstem Punkt, sondern habe auch noch den nördlichsten Punkt, wo das Tasmanische Meer und der Pazifik aufeinander treffen, gesehen. 

Und alles dazwischen war Genuss pur! Nach zwei wundervollen, abenteuerlichen und ereignisreichen Reisemonaten in diesem wunderschönen Land freue ich mich nun auf ein neues Land, ein grosses Abenteuer (Westküste mit dem Camper!) und Gesellschaft aus der Schweiz! 


Bis im neuen Jahr meine Lieben, ich wünsche euch allen von Herzen einen super Rutsch ins 2019!! 


5 Kommentare

Visible and invisible things

„What?! This is Mount Cook?!“ rief ich entgeistert und kippte fast von meinem Barhocker runter... und dies lag definitiv nicht nur an dem Liter Erdbeer-Limonen-Cider, den ich bereits intus hatte. Es lag vielmehr an meinem Emotionen-Cocktail von Erstaunen und Scham... Dieser Seebär von einem Holländer hat mir in diesem Pub am Lake Taupo gerade auf meinen Fotos gezeigt, dass ich den höchsten Berg Neuseelands abgelichtet habe... Dabei habe ich peinlicherweise stets diesen Berg weiter links davon in den Wolken vermutet. Das heisst, ich war tatsächlich zwei Tage beim Mount Cook und dachte ihn nicht zu sehen, weil ich ihn im Wolkenmeer glaubte. Dabei war dieser majestätische Berg stets direkt vor meinem Augen, ich habe ihn nur nie als diesen beachtet. Ojemine... Peinooo hoch zehn!! Ich habe immer allen erzählt, dass bei mir der Berg in den Wolken versteckt war. Dabei war er während der ganzen Wanderung im Hoover Lake Valley zum Gletschersee vor mir sichtbar! Das kommt wahrscheinlich davon, wenn man im Land des Matterhorns (4478 m ü. M.) und der Dufour-Spitze (4634 m ü. M.) aufgewachsen ist! Verwöhnt mit diesen Viertausendern erscheint einem dieser Berg mit 3724 m ü. M.  vielleicht dann zu wenig eindrucksvoll, um ihn als den grössten des Landes zu erkennen. Tja wenn man alleine reist und eine falsche Annahme trifft, gibt es halt niemanden der korrigierend eingreifen kann! Dafür hat man immer recht, hehe... :-) Aber ernsthaft jetzt! Wieviele Male habe ich vielleicht geglaubt, dies sei das, dabei war das etwas anderes oder es war da, anstatt nicht sichtbar oder wie auch immer. Ok, da sprechen jetzt die Ciders aus mir. Lassen wir das...  Und eigentlich bin ich gar nicht so viel alleine unterwegs. In letzter Zeit hatte ich sogar recht oft abwechselnde Gesellschaft. In Neuseeland lernt man andauernd jemand kennen... Viele Reisende sind da sehr offen und so habe ich immer wieder Abschnitte und Erlebnisse auf meiner Reise im Kiwi-Land mit anderen Menschen teilen können.

Da waren zum Beispiel Liesa und Michi aus Graz, das sympathische und sportliche Ösi-Pärchen, welches zuvor zwei Jahre in Melbourne/Australien gelebt hat und nun zum Abschluss vor ihrer Rückreise in die Heimat noch Urlaub in Neuseeland macht. Sie habe ich auf einer Wander-Rutschpartie runter zur Sandfly-Bay auf der Halbinsel Otago (bei Dunedin) kennen gelernt. Dort sind wir die Sanddüne runtergeschlittert, haben am Strand von nahem spielende Seelöwen betrachten können und sind dann die Sanddüne wieder ächzend raufgekraxelt. In Dunedin befindet sich übrigens noch die steilste Strasse der Welt, die ich als eine der zu bewältigenden Challenges hoch und runter fahren musste (wer hier nicht weiss warum ich Challenges bewältigen muss, den muss ich leider zurück zum ersten Neuseeland-Blog schicken, sorry! Aber ich kann meine Stamm-Leser hier nicht mit öden Wiederholungen langweilen...). Damit man diese steile Strasse mit dem Auto hochkommt, braucht es ein wenig Tempo und daher raste ich ohne Rücksicht drauflos - die Asiaten stoben nur so davon, als sie Selfies von sich und der Strasse machen wollten. 

Bevor ich aber in Dunedin war (damit ich meine Reise komplett erzähle - was vor allem für mich wichtig ist, da meine Blogs für mich einmal später eine Art Tagebuch sein sollen), bin ich zuerst ganz im Süden an der Ostküste entlang den Catlins gefahren, wo man Leuchttürme, Delphine, Seelöwen und Pinguine entdecken kann. 

Am Slope Point erreicht man nach einer Wanderung quer durch eine Schafherde den südlichsten Punkt auf Neuseelands Festland. Südlicher ist nur noch Stewart Island, wo ich ja auch einen Abstecher vorher gemacht habe. 

Richtung Dunedin habe ich dann kurz vor der Stadt noch in einer Lodge auf dem Saddle Hill übernachtet. Bei der Einfahrt zu diesem gemütlichen Holzchalet wurde ich von einem angsteinflössenden, bellenden Hund begrüsst. Meine Hunde-Biss-Narbe begann sogleich zu jucken und meine Finger umklammerten krampfhaft das Steuer. Dieses riesige Tier sah aus wie ein wilder Wolf mit zerzaustem Fell (stammt sicher von wilden Kämpfen her!). Der Angsthase in mir jaulte laut auf und so blieb ich einfach im Auto sitzen und habe gewartet. Und gewartet.... und gewartet! Der Hund blieb natürlich einfach neben dem Auto sitzen. Einige Warteminuten später kam die B&B Besitzerin und meinte ich sei richtig hier (übersetzt: „warum steigst du nicht endlich aus?“). Ich rief ihr zerknirscht zu, dass ich Angst vor dem Hund habe... Sie fing an zu lachen und meinte nur, der Hund sei  uralt, krank und auf einem Auge blind. Er habe wohl seine „letzten Tage“. Sie schaue aber, dass er weggehe.... Als er dann so weggehumpelt ist habe ich mich wieder ein bitzli schämen müssen. Dieser arme Tropf! Naja, das konnte ich ja nicht wissen... *knirsch* 

Ok, nun zu Tieren die ich wirklich mag... die Pimpims! In Oamaru kann man abends die blauen Pinguine (sind die kleinste Art von Pinguinen mit gerade mal schnüsigen 30cm Höhe) beobachten, wie sie am Hafen den steinigen Hang hochkraxeln und manchmal dabei ins Straucheln kommen. Leider scheiterten einige Touris an der knallharten und kaum umsetzbaren Ansage, doch netterweise sitzen zu bleiben, keine Fotos zu machen und still zu sein - um diese scheuen Tiere nicht zu stören. Kaum sind die ersten Frackträger aufgetaucht,  schnellten Natels, I-Pads und Kameras in die Höhe und die Meute preschte nach vorne. Ist halt schon schwierig mal einfach „den Schnabel zu halten“ und ruhig sitzen zu bleiben! Meine Nerven...

Nach Oamaru bin ich wie eingangs erwähnt zum höchsten Berg Neuseelands gereist, dem Mount Cook - auch bekannt als Mount Aoraki, wie ihn die Maoris hier nennen. Und wie wir mittlerweile wissen, habe ich ihn dort anscheinend auch tatsächlich gesehen (wenn auch damals nicht bewusst wahrgenommen). Aber die Wanderung im Hooker Valley zum Gletschersee (Hooker Lake) war sowieso sehr schön - Berg hin oder her. Dort habe ich übrigens eine weitere Challenge gemeistert: den Handstand auf dem Holzbalken-Weg, was ein bekanntes Foto-Sujet ist (nicht der Handstand, sondern dieser Weg). Der Handstand macht das Bild aber erst recht speziell - die Japanerinnen, die mich fotografiert haben amüsierten sich jedenfalls prächtig und waren beeindruckt! „Ohhh“, „ahhh“... Ich habe von ihnen dann mit ihren Hello-Kitty-Phones auch noch Bilder gemacht. 

Was mich ins Staunen versetzt hat, war der Weg zum und weg von Mount Cook - entlang dem wunderschönen, türkisblauen See Lake Pukaki. Für mich ist das einer der schönsten Seen Neuseelands! 

Aber schöne Seen gibt es hier eigentlich en masse... zum Beispiel der Lake Tekapo, der als nächstes auf meiner Route war! 

Am Lake Tekapo bin ich entlang dem See hoch auf den Mount John gewandert. Die Aussicht unterwegs und natürlich ganz oben war atemberaubend! Leider kann man auch hochfahren, daher war dann das kleine Cafe mit 360 Grad Aussicht brätschvoll mit Touris, welche mit dem Bus angereist sind. Auch die berühmte Kapelle am Lake Tekapo, die „Church of the Good Sheperd“, ist so beliebt bei den Schnappschussjäger, dass man etwas Geduld brauchte, dieses beliebte Fotosujet mal ohne leuchtende Touris ablichten zu können. Aber ich habe ja alle Zeit der Welt auf dieser Reise und daher habe ich das gerne gemacht für ein schönes Foto. Übernachtet habe ich dann etwas ausserhalb in einem Airbnb, wo es ein riesiges Glasfenster im Schlafzimmer-Dach hatte - um den wunderschönen Sternenhimmel zu sehen. Ein einmaliger Anblick - diese klaren Sterne in der Nacht! 

Mit den lieben Österreichern Liesa und Michi blieb ich erfreulicherweise in Kontakt und so kam es, dass wir uns auf Banks Peninsula, der Halbinsel bei Christchurch, wieder trafen, um dort gemeinsam auf den Mount Herbert zu wandern. Nicht die 800 Höhenmeter (die Bergspitze war 800 Meter über Meer, die ganz schlauen Leser können nun blitzschnell daraus schliessen, dass wir wirklich direkt beim Meer gestartet sind!), sondern vielmehr der starke Wind verlangte uns hier einiges ab. Ganz ehrlich, ich war froh ausgiebig gefrühstückt zu haben, was mich gerade so knapp noch auf dem Weg hielt. Die Böen waren teils so stark, dass es uns teilweise wirklich zur Seite trieb und die Kälte schlich uns in Mark und Bein. Die Aussicht unterwegs und von oben war aber unbezahlbar. Die Banks Peninsula, eine Halbinsel entstanden durch zwei Vulkanausbrüche, kann man immer noch als solchen erkennen - wunderschön! Was bei dieser Kraterinsel noch speziell ist: man kann oben entlang dem Krater mit dem Auto auf der Summit Road fahren und sieht von dort aus runter in die Bucht, wo unter anderem das kleine und französisch angehauchte  Hafenstädtchen Akaora zu sehen ist. Weiter ging es für mich nach Christchurch, eine Stadt auf die ich sehr gespannt war. Christchurch wurde leider im 2011 durch ein massives Erdbeben erschüttert, wo zahlreiche Gebäude zerstört oder massiv beschädigt wurden. Man hat mir auf meiner Reise durch Neuseeland aber gesagt, dass vieles seither wieder aufgebaut wurde und auch neue, tolle Viertel enstanden seien. Die offensichtlich britisch geprägte Stadt (sieht man an den massiven Steingebäuden und den Strassen-Namen wie Worcester St und Manchester St) ist aber offensichtlich noch lange nicht da, wo sie hoffentlich mal sein wird. Was ich gesehen habe, ist, dass sie dort vor allem am Aufbauen sind. Es hat ganz viele Baustellen, einiges ist nach wie vor abgesperrt und anderes wird wohl wahrscheinlich auch als Mahnmal zerstört belassen. Christchurch hat viele tolle Kaffees, schöne alte Gebäude und viele einladende Grünflächen mit sauberen Flüssen. Es gibt aber eben auch viel Baulärm in dieser Stadtund vieles wird restauriert oder repariert. Auch der zentrale Cathedral Square ist eine einzige Baustelle. Nach den vielen Natur- und Wander-Stunden war diese lärmige Stadt fast ein kleiner Kulturschock für mich. Und wohin geht man in einer Gross-Stadt, wenn man ins Grüne will? Genau, in den botanischen Garten. Jede Stadt in Neuseeland (und so wie ich gehört habe auch in Australien) die etwas auf sich hält, beherbergt einen botanischen Garten. Christchurchs Garten beeindruckt vor allem durch seine Grösse und durch riesige, prächtige Bäume, sowie ganz viel Grünfläche: eine traumhaft grüne Oase voller Vogelgezwitscher, wo sich glasklare, kleine Flüsse durchschlängeln, worauf sich Enten gemütlich treiben lassen. Und zwischendurch entdeckt man wieder einen blühenden Rosen- oder duftenden Magnolien-Garten. 

Ein weiteres Landschafts- und Szenerie-Highlight in Neuseeland war für mich nachher die Fahrt durch den Arthur‘s Pass Nationalpark, quer durch die Süd-Insel von der Ostküste an die Westküste. Die wunderschöne Hügellandschaft ist geprägt durch leuchtend dunkelgelbe Blumenfelder im Vordergrund, weisse Schneeberge im Hintergrund und dazwischen saftige Grünmatten - vereinzelt bewohnt durch Schafe und Kuhherden. Und immer mal wieder ergiessen sich Flussbeete mit violetten Lupinien durch die Landschaft oder es laden glasklare Seen, mit herrlichen Picknick-Plätzchen zum Verweilen ein. Ich hatte beim Fahren den Drang all paar Meter anzuhalten und Fotos zu schiessen! Unterwegs kam ich auch an Castle Hill vorbei - eine grüne Hügellandschaft mit riesigen Steinsformationen, die offenbar an ein Schloss erinnern. 

Diese Region war von der Landschaft her eine meiner absoluten Lieblingsstrecken zum Fahren! Bevor ich dann wieder zurück an der Ostküste ankam, machte ich noch einen Halt in Hanmer Springs, wo ich im Thermalbad die heissen Quellen genoss und mich etwas durchkneten liess. Der vorletzte Halt auf der Südinsel war dann das Küstenstädtchen Kaikoura - einer meiner Lieblingsorte! Bereits auf der Fahrt dorthin musste ich aufpassen keinen Unfall zu bauen, da man entlang der superschönen Küstenstrecke immer wieder Seelöwen im Meer schwimmen sieht. Die Abendstimmung am Meer in Kaikoura war einfach magisch, auch dort habe ich noch einmal die blauen Pinguine gesehen. Diesmal war der Besucherort etwas weniger touristisch, sondern in einer Forschungsstation, wo wir in einer kleinen Gruppe Spannendes über die kleinen Racker gelernt und sie nachher im Dunkeln, hinter einer Glasscheibe versteckt, beobachtet haben, wie sie zurück zu ihren Nester kamen. Die armen Pimpim-Eltern sind der ganze Tag draussen im Meer und spulen x Kilometer ab, um dem kleinen hungrigen Piepsmatz abends Futter ins Nest zu bringen. Kaum angekommen (ca 22:00 Uhr) werden sie von den Jungtieren gejagt und geplagt, bis diese satt sind. Und kurz vor Sonnenaufgang, am Morgen nach 05:00 Uhr, gehts wieder raus auf Futterjagd! Vorbei an gefährlichen Haien, hungrigen Orcas und gierigien Seelöwen - alles um die kleinen Nimmersatts mit Futter zu beglücken. Now this is a tough life!!

In Kaikoura habe ich am nächsten Tag noch einen wunderschönen Spaziergang entlang der Küste gemacht (Kaikoura Peninsula Walk), wo man unzählige Seelöwen beim Rückenschwumm, winkend mit der Flosse oder beim Sonnenbaden beobachten konnte - ein Traum diese Aussichten! Nach dem letzten Südinsel-Stopp in Blenheim ging es dann mit der Fähre wieder zurück auf die Nordinsel.

Wehmut erfasste mich, als das Schiff von dieser wunderbaren Insel, die mir so viele tolle Tage und Abenteuer geschenkt hat, wegfuhr. Die dreieinhalb stündige Fahrt wurde dann aber ziemlich kurzweilig, da ich die zwei Schweizer Claudia und Marco, welche beide auch alleine in Neuseeland unterwegs waren, kennen gelernt habe. Erlebnisse wurden rege ausgetauscht und wir verabredeten uns, am nächsten Tag in Wellington mit der berühmten Standseilbahn zu fahren.

Ein herrliches Bild - drei Schweizer in Neuseeland vor einem roten Standseil-Bähnli! Claudia habe ich ein paar Tage später wieder am Lake Taupo getroffen. Sie hat beim Tongariro-Crossing (eine Wanderung, die ich später noch geplant habe) eben diesen Holländer kennen gelernt, der mir den wahren Mount Cook auf meinen Fotos gezeigt hat. Und jetzt schliesst sich der Kreis zum

Anfang dieses Blogs: wir sind zurück im Pub am Lake Taupo. Claudia, der Holländer und ich. Der junge Mann aus den Niederlanden verabschiedete sich aber frühzeitig, Claudia und ich blieben zu zweit zurück. So schnell wie er konnten wir unsere Drinks leider nicht hinunter stürzen... So begannen wir über unsere Pläne zu sprechen und wir waren uns beide einig, dass Skydiving, eine dieser vielen Adrenalin-Attraktionen, die hier in Neuseeland geboten werden, uns eine Nummer zu krass ist. Claudia war ein paar Mal auf ihrer Gruppenreise in Neuseeland kurz davor es zu tun, aber bei ihr hat es wetterbedingt einige Male nicht geklappt - was für sie so etwas wie ein Zeichen war. Für mich war Skydiving ja eigentlich noch eine ausstehende Challenge - aber so gerne ich im Flugzeug bin, da rauszuspringen ist dann doch noch einmal etwas komplett anderes. Was solche Sachen betrifft, hat mein Angsthase klar die lautere Stimme als mein mutiger Engel. Gedanken wie „was wenn der Fallschirm sich nicht öffnet?“ sind bei mir zu präsent und halten mich zurück, solche verrückten Sachen zu machen. Ich bin einfach nicht der Action-Typ. Ich habe es gerne ruhig, gemütlich und sicher. So verabredeten wir uns am nächsten Tag am Mittag und buchten ein Boot um die Maori Carvings (eingeritzte Bilder von Maoris in einem Felsen) am Lake Taupo anzuschauen. Der Lake Taupo ist übrigens ein mit Wasser gefüllter Vulkan-Krater und anscheinend der grösste davon in der Welt, haben wir gelernt. Auf dem Rückweg gab es noch einen Angel-Stopp, und wir kamen beim Warten nochmals auf das Thema „Skydiving“ zu sprechen. Irgendwie liess uns das Thema nicht los und wir wurden uns einig, wenn - dann müssten wir das gemeinsam machen! Zwei Schisshasen, welche die Angst wenigstens teilen können...

Für mich war auch klar - wenn ich das mache dann hier! Denn wie es das Schicksal so wollte, habe ich auf meinem Flug nach Neuseeland einen jungen Neuseeländer kennen gelernt, der Skydive-Instructor am Lake Taupo ist. Ein kurzer Blick auf die Homepage von Taupo-Tandem-Skydiving... es hätte noch Plätze frei an diesem Tag! Wie von Wespen gestochen und offenbar mit ausgeschalteten Hirnis marschierten wir schnurstraks zum Info-Center und ein Anruf später sassen wir bereits im Auto zum Taupo Aiport. Kaum ein Fuss im Gebäude, wies uns die Crew schon zum Anmelde-I-Pad rüber und ehe wir uns versahen, steckten wir in diesen roten Anzügen - ready to jump!! Wir waren ekstatisch aufgeregt und gleichzeitig erleichtert, ging alles so schnell, damit wir keine Zeit hatten, nervös zu sein. Ok wir waren abartig nervös!! Hatten aber keine Zeit mehr, uns zu viele Gedanken zu machen... Aber just im dem Moment wo es losgehen sollte, versammelten sich sämtliche Wolken über uns. Das Wetter wurde immer trüber und so war irgendwann klar, heute springen wir nicht mehr! Aber morgen würde es klappen, ganz sicher, meinte die Crew. Mit gefühlt tausend Volt im ganzen Körper gingen wir ins Bett. Super so eine Nacht, wenn man weiss, dass man am nächsten Morgen auf 12‘000 Fuss Höhe aus einem Flugi springen wird. Viel geschlafen haben wir beide nicht... Nach einer weiteren nervzehrenden Wartestunde am nächsten Morgen erschien dann endlich der langersehnte blaue Himmel und es konnte losgehen! Diesmal konnte mir sogar als Instructor Danny, mein ehemaliger Sitznachbar vom Flug nach Auckland, zugeteilt werden. Wer hätte das vor eineinhalb Monaten gedacht, dass ich einmal mit dem Passagier neben mir zusammen aus einem Flieger springen werde...

Eingequetscht im kleinen Flugzeug stiegen wir stetig in die Höhe. Danny befestigte an vier Stellen seinen Anzug an meinem Amzug, letzte Anweisungen wurden noch einmal eingetrichtert. 

Kopf nach hinten, Beine nach hinten, Hände zuerst an die Gurte - nachher losslassen, fliegen und geniessen! Ja klar... ah und falls man nicht mehr atmen kann, soll man einfach schreien. Ja du!! Das werde ich aber ganz sicher tun! Und so was von... Zuerst war Claudia mit ihrem Instructor alias Scherzkecks und Angstmach-Sprüche-Klopfer dran. Noch eben sassen sie an der offenen Tür, „schwuups“ flog der orange-gelbe Doppel-Kneuel innert Milli-Sekunden weg. Wie vom Staubsauger verschluckt. Flutsch. 

Nun waren wir dran... Das gute beim Skydiving - der Instructor macht alles. Ich hätte mich freiwillig und aus eigener Kraft zu diesem Zeitpunkt keinen Zentimeter bewegt... Danny rutschte uns zur offenen Tür, die Beine ragten in das freie Himmel-Nichts, schnell lächeln in die Kamera und hopps - runter gings! Mit einer Salto-Quer-Schräg-Drehung purzelten wir runter in das Nichts und wirbelten durch die Luft, dass ich nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Für einen kurzen Moment dachte ich, oh gott wenn das so weiter geht... Aber ehe ich panisch werden konnte, erreichten wir eine auf-dem-Bauch-liegende Stabilität, wo ich meine Hände von den Gurten loslassen konnte und ich vom Gefühl her in der Luft schwebte. Ich spürte meine eiskalten Hände, aber Angst hatte ich keine! Ich fühlte nur pure Freude hoch zehn, während Adrenalin-Vulkane in meinem Körper ausbrachen! Mit 200km/h rast man während knapp einer Minute auf die Erdfläche zu - wie soll man auch dieses Gefühl beschreiben?! Der Moment, wo man die Zuckerwatten-Wolken durchbricht und das Grün/Blau der Erde und des Sees vor sich sieht, ist einfach der füdliblutte Wahnsinn! Zwei drei „Woohooo“-Schreie und „Thumb-ups“ später wurde bereits der Fallschirm gezogen und ich hing sozusagen in den Seilen. Der Fall selber war eine Mischung zwischen Ekstase, Glücksgefühlen und Inferno-Tsunami, das Schweben mit dem Fallschirm danach einfach nur noch ein Genuss! Ich durfte sogar selber den Fallschirm steuern und die Schnüre halten. Die Aussicht über dem See und der Küste war atemberaubend. Dazu das perfekte Wetter - die Glückshormone drehten sich im Kreis. Auch der Fallschirm drehte sich zwischendurch immer wieder turbomässig im Kreis - bis mir schlecht wurde! Ich musste Danny immer wieder stoppen diese verrückten Drehungen zu machen... Kann sein, dass dies wegen der Action gemacht wird. Wir vermuten aber, vor allem auch weil man so schneller absinkt. Denn für die Instruktoren ging es nach unserer Landung direkt zum nächsten Kunde sprich Jump. An einem solchen Tag mit diesem Prachtswetter machen sie anscheinend bis zu 13 Sprünge am Tag! Wie verrückt ist das denn bitteschön?!! Wir waren high von Emotionen und Adrenalin nach unserem Sprung... Und wir waren uns beide einig, dass es suuuper war und viel weniger schlimm als befürchtet. Wir konnten es wirklich geniessen und hatten keine Angst mehr, als wir einmal losgesprungen sind. Wir waren so froh, dass wir dies schlussendlich gewagt haben!! Der Angsthase in mir war zwar fix und fertig, platze aber fast vor stolz!! Claudia und ich genossen noch den Rest des Tages am See und beobachteten immer wieder die gelben Fallschirme in der Ferne, die sanft vom Himmel herunter schwebten. Einmal sahen wir sogar noch die weissen klitzekleinen Punkte im freien Fall, schüttelten den Kopf und konnten kaum glauben, dass vor ein paar Stunden wir selber genau dort oben durch die Luft sausten. Am Nachmittag trennten sich dann unsere Wege, jede reist von hier an anders weiter. Bei mir steht nun ein weiteres aber ein definitiv ruhigeres, dafür anstrengendes Highlight an: das Tongariro-Crossing. Dies ist eine zirka sechsstündige Wanderung durch den Tongariro NP - vorbei am Mount Doom (bekannt aus dem Film „Herr der Ringe“) und einem roten Krater, sowie an wunderschönen Smaragd-Seen. Dieses Crossing gehört zu den schönsten Tageswanderungen weltweit. Das ist nun genau das Richtige, um mein verrücktes Erlebnis in Taupo zu verarbeiten und nochmals in Erinnerungen zu schwelgen, oder besser gesagt SCHWEBEN...

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Another visit of a hospital

Ich bin eine Tierfreundin. Ein animal lover... durch und durch. Ich rette ertrinkende Bienlis in der Badi, füttere hungrige Chätzli im Ausland und lasse gerettete Baby-Äffli auf mir herumhüpfen und putze freiwillig deren dreckigen Zuhause in meinen Ferien. Alle die mich kennen wissen, dass ich Tiere liebe. Es gibt aber Tiere, die ich weniger mag als andere. Hunde zum Beispiel... Bei der berühmten Frage Hund oder Katze, muss ich klip und klar sagen, ich bin eine Katzenperson. Hunden gegenüber bin ich, sagen wir es mal so, eher zurückhaltend...Leider wurde mir in Neuseeland auf schmerzhafte Weise bewusst gemacht, dass diese Antipathie wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Als ich in Greymouth, an der Westküste auf der Südinsel Neuseelands, mit einem Bike die Gegend erkunden wollte, biss mir doch tatsächlich so ein kleiner Bäfzger einfach in mein rechtes Bein! Ohne Vorwarnung - Zack! Frontalangriff auf mein Schienbein... Dabei hab ich nichts Falsches gemacht, ich schwör! Ich hielt mein Bike sogar kurz an um die Hundesitterin zu fragen, ob man hier überhaupt Velo fahren darf. Ich stand still da, als dieses fiese Wollknäuel (meinem Hunde-Amateur-Wissen nach etwas wie ein Pudel) einfach nach meinem Bein schnappte! Die verdatterte junge Hundesitterin meinte bloss: “They‘re not my dogs!“ und stapfte davon. Sozusagen Spaziergängerflucht... Ich war sprachlos! Leicht geschockt und mit stechenden Schmerzen tupfte ich das Blut ab und überlegte was nun zu tun ist. Weiterfahren? Zurückfahren? Zum Arzt gehen? Nach einigen Minuten hin und her fuhr ich in Richtung Hundefrau um nach ihrer Nummer zu fragen. Zu präsent waren mir die hohen Spitalkosten meiner Finger-OP. Die Angst, mich den Hunden nochmals zu nähern war dann aber grösser. So bog ich in eine andere Strasse ab und radelte zurück in mein Hostel. Wieder einmal konsultierte ich Dr. Google und auch dieses Mal präsentierte sich mir natürlich nichts Erfreuliches - wer hätte das gedacht. Hundebisse müssen immer sofort einem Arzt gezeigt werden aufgrund Infektionsgefahr, sind sich alle Internetgurus einig! Ohh Mann... Als ich den Hostelbesitzer um Rat fragte schickte er mich in die Notaufnahme des Spitals. Natürlich hätte es hier auch ein Arzt getan. Aber das Spital befand sich gleich um die Ecke, er schicke immer seine Gäste dorthin. Und so kam es, dass ich nach Südafrika nun auch in Neuseeland ein Spital von innen zu sehen bekam. Eine Krankenschwester, die netterweise kurz meine Wunde inspizierte, gab jedoch glücklicherweise sogleich Entwarnung und schickte mich wieder nach Hause mit der Anweisung, die Wunde sauber zu halten. Natürlich wurde ich zuerst noch nach meinen Impfungen befragt, welche aber zum Glück alle (Affenstationen und Fingerschnitt sei dank) tiptop auf aktuellstem Stand sind. Als ich auf dem Weg zum Parkplatz an der Chirurgie vorbeiging dachte ich scherzhaft darüber nach, einen kleinen Umweg zu machen und dort auch noch vorbei zu schauen. So à la: „Und wie findet ihr übrigens meinen Finger wenn ich schon hier bin?“ Ich lasse meinen operierten Mittelfinger ja sozusagen in Eigenregie und nach eigenem Gutdünken heilen und auskurieren, vielleicht wäre da ein ärztlicher und professioneller Augenschein einmal angebracht. Aber froh, so schnell entlassen worden zu sein, ging ich schnurstraks direkt zurück in meine Unterkunft. Bin offenbar mit einem blauen Auge, respektive mit einem blauem Schienbein inklusive Bisswunde, davon gekommen. Aber meine Abneigung gebenüber diesen Vierbeinern ist durch dieses schmerzhafte Erlebnis definitiv nicht kleiner geworden... Genau ein Monat bin ich mittlerweile in Neuseeland, und ausser dem Hundebiss und ein paar nervigen Sandflies kann ich aber glücklicherweise wirklich NICHTS, aber auch reingarnichts Negatives sonst über meine Zeit hier berichten. Im Gegenteil... Ich bin verliebt in dieses Land! Ein Highlight jagt das nächste - eine schönere Landschaft als die andere präsentiert sich hier mir... Auf der Südinsel genoss ich zuerst die zauberhaften Marlborough Sounds. Eine märchenhafte Meerlandschaft mit Hügeln und traumhaften Wanderwegen. Eine Gegend wo die Zeit still zu stehen scheint... in der traumhaften Lodge „Hopewell“ (schon der Name verspricht einem alles!) habe ich vier wunderbare „Work Travellers“ kennengelernt und mich ihnen angeschlossen für einen Kurztrip. Und da war er... Der perfekte Reisemoment!! Der Moment, wo sich einfach alles richtig anfühlt und du weisst, du hast alles richtig gemacht! Ein Moment, der unbezahlbar ist und sich für immer und ewig in mein Reisehirni einbrennen wird. Gute Gesellschaft, ein wunderschöner und friedlicher Ort am Meer, Bier und feines Essen - es war alles perfekt und ich war einfach seelig und glücklich. Und eines führte zum anderen... die Besitzerin von Hopewell hat mir den Kontakt einer in Nelson lebenden Schweizerin gegeben, wo ich meine nächsten Tage verbringen konnte. Nelson, anscheinend die sonnigste Stadt Neuseelands und daher auch ein Magnet für viele ausgewanderte Schweizer. Annette, welche mit mir ihr Zuhause geteilt hat, hat mir „the real life“ in Nelson näher gebracht, inklusive Picknick-Dinner am Strand und indisches Take-Away mit Lieferung in den Biergarten (in NZ kann man übrigens Beer-Tasting machen... wie Wine-Tasting, einfach mit Bier anstatt Wein! Cool, oder?!). In Nelson habe ich neben Annette noch andere Schweizerinnen getroffen und alle haben eines gemeinsam: sie haben sich im schönen Neuseeland ein neues Leben aufgebaut und sich selbständig gemacht mit dem, was sie am besten können oder lieben - und sie haben somit ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Sei es im Fall von Annette ein Gourmet-Caravan zu betreiben (ich durfte helfen Cookies vorzubereiten!), einen exklusiven mediterranen Lebensmittelladen zu mänätschen (eine ausgewanderte Ormalingerin!) oder Mountainbike Bekleidung zu vertreiben und Bike-Unterricht zu geben (Mountainbike ist der Trendsport Number one in der Gegend von Nelson). Was mir (und sicher allen Auswanderer hier) Neuseeland auch sehr sympathisch macht ist die ausgeprägte und gelebte Kaffee-Kultur. Ich „sight-siehe“ manchmal von einem speziellen Kaffee zum nächsten, geniesse hausgemachte skandinavische Mandelgipfel und lauwarme Schoggi-Brownies, Kaffees in allen Variationen und bestaune ausgefallene Interieurs. Es gibt in Neuseeland sogar Felsen in Pancake-Form... die Pancake-Rocks, in Punakaiki (etwas weit hergeholte Überleitung ich weiss, wollte einfach nur erwähnt haben dass ich die auch besucht habe). Abtrainiert werden dann sämtliche Köstlichkeiten wieder beim Wandern! Die schönste Art, die atemberaubende Natur hier zu geniessen und zu entdecken. Neuseeland ist ein Wanderparadies!! Alles ist super gut ausgeschildert und angeschrieben (man sieht praktisch vom Highway aus wo es eine Wanderung oder einen tollen Aussichtspunkt gibt) und überall hat es öffentliche WCs! Graaatis!! Da muss man nicht zuerst ein Teeli für fünffrankenfünfzig im Alpenbeizli konsumieren, damit man kurz mal aufs stille Örtchen gehen kann. Ist hier alles sehr touristenfreundlich, wie ich finde. Bei einer fast sechsfachen Fläche der Schweiz, aber weniger Einwohner (keine 5 Millionen) bietet dieses Land natürlich auch unglaublich viel unbebaute Fläche und vieeel Natur. So sind die Wanderwege auch nicht gross bevölkert... Gut ein grosser Teil dieser Fläche ist besetzt durch die über 30 Millionen Schafe, aber ich liebe diese herrlichen Grünflächen mit den weissen Punkten - manchmal auch durchmischt mit schwarzen Punkten (Kühe, wovon es mittlerweile auch mehr gibt als Einwohner, was leider langsam aber sicher für Neuseelands Umwelt zu einem Problem wird durch die Düngemittel-Belastung und gewisse „Gase“, welche durch diese Tiere ausgestossen werden). Aber zurück zum Wandern... Gewandert bin ich natürlich auch im berühmten Abel Tasman Nationalpark, wo man sich mit einem Wassertaxi an eine Zwischenstation bringen lassen und dann entlang dem Meer zurückwandern kann. Witzig beim Wassertaxi ist hierbei, dass man „auf dem Trockenen“ bereits ins Boot sitzt und ein Traktor dann mit dem Boot zum Meer fährt und das Boot in das Meer schiebt. So sind die Boote nachtsüber nicht dem schädlichen Meeressalz ausgesetzt. Nach dem Auskundschaften des Nordens auf der Südinsel ging es für mich weiter die Westküste abwärts, vorbei an den bereits erwähnten Pancake-Rocks, den berühmten Gletschern Franz Josef und Fox Glacier, runter bis nach Wanaka. Ohhh und ich liebte dieses kleine Touristen-Käffli am Lake Wanaka! Eine herrliche Region mit wunderschönen glasklaren Seen, spriessender Flora in gelb, orange und violett, frohlockenden Gourmettempel und Action links und rechts, oben (hello crazy Skydiving) und unten (Kajaking, Wasserski, Böötle). Nun pünktlich zur Halbzeit meiner zwei Kiwi-Monate bin ich jetzt ganz im Süden angelangt (Invercargill) und flog vom Festland rüber nach Stewart Island, einer kleinen Insel am südlichsten Punkt Neuseelands. Dort sei die Chance einen Kiwi-Vogel in Freiheit zu sehen am höchsten, da dort einerseits die einzige Kiwi-Art lebt, welche tagaktiv ist, und da man andererseits auf dieser Insel eine riesige Anzahl und Diversität an Vögel vorfindet - denn die Marder haben es zum Glück nicht auf diese Insel geschafft (siehe unten Punkt c) ). Und was sicher auch zur Happiness der Vögel hier beiträgt, ist eine grossflächige, intakte und fast unverbaute Waldlandschaft, die den Vögeln hier Schutz und genug Nahrung bietet. Der Ausflug ins Vogelparadies Stewart Island war für mich ein Höhepunkt dieser Reise, zumal wir mit dem kleinen Flugi dort mitzt auf dem Strand gelandet sind. Ich bin schon auf Wasser und auf Gras gelandet, aber noch nie auf Sand! Was für ein riesen Erlebnis! Und ich hatte erst noch der Sitz vorne rechts, neben dem Piloten. Strike! Nach meinem Westküsten-Monat steht mir nun der Ostküsten-Monat bevor: noch einmal vier Wochen Neuseeland geniessen, der Ostküste entlang zuerst hoch die Südinsel und dann noch alles rauf auf der Nordinsel. Can‘t wait!




Zum Schluss dieses Blogs noch ein a) bis e), was ich über die Kiwis bislang gelernt habe (Ausnahmen ausgenommen, es soll keine Pauschalisierung sein - dies sind rein subjektive Beobachtungen oder eigene Erlebnisse, die hier abgebildet werden):


a) Kiwis machen nicht „Prost“, sie trinken eifach drauflos. Ich habe immer brav gewartet bis man sich zuprostet, bis ich gemerkt habe, dass alle längst bereits am Trinken sind. In der Schweiz würde man da böööse Blicke ernten!! ;-)


b) Kiwis sind äusserst offen und ich wurde überall immer sehr herzlich willkommen geheissen - vor allem auch von den Exil-Schweizerinnen! 

Wunderschön, vielen Dank!! <3


c) Kiwis mögen Opossums nicht. 

Eigentlich mögen sie all diese importierten fremden Fötzel nicht... ursprünglich bevor sich Menschen auf dieser Insel niedergelassen haben, war NZ ein einziges Vogelparadies. Alle anderen Tierarten (auch Schafe und Rinder, welche inzwischen hauptsächlich das Landschaftsbild prägen) wurden einst von Einwanderer mitgebracht. Vor allem die Säugetiere im Wald (eben die Opossums oder auch Ratten und Marder) schaden der eigenen Flora und bedrohen die einheimischen Vögel. Deshalb sind überall Fallen aufgestellt im Wald, welche für mich anfangs befremdlich - mittlerweile aber völlig normal und verständlich sind. Das Nationalsymbol, der flugunfähige Kiwi, sieht man leider praktisch nicht mehr in freier Wildbahn. Jetzt verstehe ich auch umso mehr die genauen Zollkontrollen (siehe letzter Blog).


d) Kiwis leben in einem Land, das die ganze Welt abbildet. Neuseeland bietet sozusagen das schönste der Erde in einem Land zusammengefasst: gewisse Regionen erinnern definitiv an die Schweiz, tropische Wälder und Palmen könnten ein Regenwald in Thailand sein, schöne Strände erstrecken sich hier wie an anderen südlichen Ferienparadiesen, auch Kanada, Südafrika und Skandinavien (Fjorde) habe ich hier definitiv gesehen. Schönste Reiseziele kombiniert in einem Land sozusagen... nur ohne die gefährlichen Tiere. Super, oder?!! Gut ein paar Löwen oder Elefanten fehlen dann doch noch für die Perfektion... aber was ist schon perfekt? Apropos: der Legende nach hat Gott, als Neuseeland erschaffen wurde, noch die Sandflies kreiert, damit auch dieses Land einen Makel hat... 


e) Die Kiwis meistern das Leben mit Humor und einer wohltuenden Leichtigkeit. Ein Beispiel: die Briefkästen. Oftmals kreative Wunderwerke... habe da bei einem Airport ein Flugi als Briefkasten gesehen, oder bei einem Bauernhof ein Briefkasten in Form eines Traktors. Und bei einer anderen Farm sah ich ein Hühnerstall in Form eines Wohnwagens. Einfach lässig, diese Kiwis!


In diesem Sinne „cheers mate“! Das sagt sogar der Mann von meinem Navi, wenn ich das Ziel jeweils erreicht habe...

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Follow my heart

Mein Hut! Ohh nein...!! Als ich mich der Sicherheitskontrolle am Flughafen von Bangkok näherte, kam es mir in den Sinn! Normalerweise ist dies hier der Zeitpunkt, meinen Hut abzunehmen... doch da war kein Hut. Mist!! Den habe ich in meinem Hotelzimmer liegen lassen... Vorher auf der viertelstündigen Fahrt vom Hotel zum Flughafen ging ich gedanklich noch einmal jeden Quadrat-Zentimeter durch: habe ich dieses Mal auch wirklich nichts vergessen? Ich bin nämlich ausgewiesener Profi im „etwas zurücklassen“! Das passiert mir quasi in jedem Hotel!! Ich kann noch so gut schauen - irgendwie übersehe ich fast immer etwas. Habe da wahrscheinlich so einen blinden Fleck was das betrifft.  

Auf Platz drei in meinem „Zurücklass-Ranking“ wäre da das I-Phone-Ladekabel auf den Seychellen, Platz zwei belegen die Noise-Cancelling Kopfhörer damals in Uganda und auf Platz eins thront die Kreditkarte, welche ich im Safe auf Mauritius vergessen habe. Dies kam mir jedoch glücklicherweise noch rechtzeitig beim Frühstück vor dem Heimflug in den Sinn! Ich sass da so in meiner Uniform kurz vor meinem Arbeitseinsatz und verschluckte mich fast am Croissant, rannte zurück in mein Zimmer und konnte sie noch rechtzeitig einpacken. Tja, ich kann diesbezüglich wirklich ein Dussel sein... Doch dieses Mal war ich mir soo sicher: „Nein ich habe wirklich alles eingepackt“, dachte ich mir... Doch nun blieb mein geliebter Reise-Hut in Thailand zurück. Der Hut, der mich vor der botswanischen und seychellschen Sonnenstrahlen so zuverlässig geschützt hatte. Jänu... es gibt Schlimmeres! Wahrscheinlich schwelgte mein Hirni immer noch  seelig im Dolce-far-niente Delirium.

Ich genoss zuvor nähmlich eine Woche Pasta, Gelati, Vino, Sole und ganz viel Zeit mit meinem energiegeladenen Neffen, sowie meiner Schwägerin und meinem Bruder in bella Italia! Am Absatz des Italia-Stiefels in Apulien genossen wir das Baden im erfrischenden Meer, erkundeten eine alte Festung aus dem 15. Jahrhundert, sowie die weissen, historischen Trulli-Häuschen in Alberobello, wir genossen ausgiebige Apéros in der Altstadt Gallipollis mit Sicht auf den Leuchtturm und lachten über die arbeitsscheuen Carabinieri, die bei sämtlichen Temposündern wegschauten und selber sämtliche Verkehrsregeln brachen. Diese wunderbare Woche mit meinen Lieben ging viel zu schnell vorbei und ich konnte da so richtig meine Batterien wieder aufladen. Ich muss zugeben, nach meinen ersten zwei Reise-Monaten, am ende meines Sri-Lanka-Aufenthaltes, hat mich ein moralisches Zwischentief erfasst und erstmals auf meiner langen Reise ist bei mir der Reisekoller eingeschlichen. Ich war müde, erschöpft und ausgelaugt! Ich habe mir deshalb sogar ernsthaft überlegt, mit ihnen das orange Flugi nach Basel zu nehmen - um mich zu Hause etwas zu Sammeln, die schöne Adventszeit in der Schweiz zu geniessen und dann meine Reise ende Jahr nach Australien fortzusetzen. In dieser Phase, wo ich hin und her überlegt habe was ich nun tun soll, entdeckte ich in einem kleinen italienischen Souvenirladen ein kleines Rucksäcklein aus Jeansstoff mit der Aufschrift: „Follow my heart“. Es sprang mir direkt ins Auge und passte zu meiner Situation wie die Mozzarella zum Insalata Caprese! So erwarb ich dieses gute Stück und nahm mir das Motto gleich zu Herzen. Denn mit den neu gewonnenen Kräften in Italien kehrte auch die „Wanderlust“ zurück: ich schmiedete neue Pläne! Ich habe meinen geplanten Kambodscha-Aufenthalt abgesagt und mich dafür entschieden, über Bangkok direkt nach Neuseeland weiter zu reisen (Neuseeland war eigentlich erst nach Australien geplant gewesen). Ich war mir sicher, dass das Land der Kiwis mir wieder positive Reiseerlebnisse bescheren kann! Und nach nun einer guten Woche im Land der Maoris und All Blacks kann ich euch sagen, ich lag damit goldrichtig!! 

Dieses Land am anderen Ende der Welt (zumindest von der Schweiz aus betrachtet) hat mein Herz im Nu erobert!! Die saftig grünen Landschaften, die unzählig abwechslungsreichen Wander-Möglichkeiten, das unkomplizierte Reisen im Auto (muss nur immer daran denken links zu fahren, dann ist alles tippitoppi), die zahlreichen tollen Hostels, wo man sofort ins Gespräch mit anderen Weltenbummlern kommt und nicht zuletzt auch die offene und liebenswürdige Art der Neuseeländer, machen für mich dieses Land zu einem der schönsten Reiseländer überhaupt!! Ich würde sogar sagen, es befindet sich ab sofort in meinen Top 3 der bereisten Länder - neben Südafrika und Kanada. Und immerhin ist es mein 46. bereistes Land, wie ich vor einigen Tagen herausgefunden habe (zusammen mit der Schweiz war ich nun in 47 Länder - das heisst aber auch, dass es immer noch fast 150 Länder zu entdecken gibt, Wahnsinn!!). Der Vorteil beim Wandern in Neuseeland im Gegensatz zu meinem geliebten Kanada: man muss keine Angst vor Bären haben... ;-) Und die Kiwis tragen so sehr Sorge zu ihrer Natur, dass ich behaupten würde (nachdem was ich bis jetzt gesehen habe), ein noch saubereres Land als die Schweiz gefunden zu haben! Und sie achten seeehr darauf, dass man ihre Flora und Fauna nicht mit fremden Fötzeln an Lebensmittel oder Naturalien kaputt macht. Am Zoll wird deshalb alles genaustens durchsucht - sogar Schuhe mit ausländischem Dreck sind ein No-Go! Dementsprechend war ich etwas nervös bei meiner Einreise in Auckland... Aber das bin ich eigentlich jedes Mal bei der Einreise in ein neues Land. Die Zöllner schaffen es immer wieder mich zu verunsichern, obwohl ich eigentlich immer ein reines Gewissen habe! Irgendwie habens die einfach drauf so einem anzuschauen und auszufragen, bis man sich grundlos schuldig fühlt und am Ende einfach nur total dankbar ist, netterweise in ihr tolles Land einreisen zu dürfen. Fast ausnahmslos habe ich bis jetzt auf der ganzen Welt mürrische Zöllner erlebt, aber die lernen das wahrscheinlich so in ihrer Ausbildung: Betrug-erkennen-durch-Verunsicherungs-Taktik-Strategie. 

Angekommen in Auckland gab es übrigens noch ein witziger royaler Zufall: ich war genau ein einziger Tag in dieser neuseeländischen Grossstadt, und ausgerechnet dann fuhr ein schwarzes edles Auto mit britischen Fähnlein und einer nicht-zu-übersehenden Aufschrift „New Zealand welcomes Meghan and Harry!“ an mir vorbei. Mit offenem Mund glotzte ich dem Auto hinterher... Soeben ist das wohl aktuell hotteste königliche Paar an mir vorbeigebraust! Und ich war die einzige Menschenseele weit und breit an diesem verlassenen Küstenort ausserhalb der Stadt. Sie MUSSTEN mich angeschaut haben!! Und ich habe nicht einmal gewunken! Habe nur doof aus der Wäsche gekuckt... Um mich für diesen misslichen Faux-Pas zu entschuldigen, machte ich den royalen Besuchsplan ausfindig und fand mich ein paar Stunden später zum „öffentlichen Spaziergang am Hafen“ ein. Nur wollten ein paar (hundert? oder waren es tausende?!) andere Menschen die zwei auch begrüssen und mir blieb nichts anderes übrig, als die zwei Turteltäubchen von weitem zu erspähen. Immerhin konnte ich einen Blick auf die schwangere, bildhübsche Megghie erhaschen! Und im Zoom meines Fotos ist sie glasklar zu erkennen in ihrem modischen, hellbraunen Mantel. Yess!! So viel Aufregung an meinem ersten Neuseeland-Tag! Nach diesem ersten Highlight folgten ein Besuch des „Hobbit-Drehortes“ in Hobbiton (ein absolut traumhafter und fast surreal schöner Ort für mich!) und die Weiterreise runter die Westküste entlang auf der Nordinsel Neuseelands. Inzwischen ist übrigens die Kreditkarte in Mauritius nicht mehr die Nummer eins auf meiner „Sachen-vergess-Rangliste“! In Hamilton habe ich abends draussen vor dem Hostel den Autoschlüssel meines Mietautos liegen gelassen !(!!!!!!) Zum Glück hat ihn eine nette Person gefunden und im Hostel abgegeben... Gott-sei-Dank!!! Nicht auszumalen was gewesen wäre, hätte ich am nächsten Morgen einen leeren Parkplatz vorgefunden anstelle meines Mietwagens! Nach Hamilton habe ich noch die berühmten Waitomo Caves besucht: eine Höhle voll mit leuchtenden Glühwürmchen. Mit einem kleinen Boot ist man durch die dunkle Höhle geschippert und hat nichts gesehen ausser tausende helle Punkte - wie ein magischer Sternenhimmel! In der Aranui Cave nebenan konnte man ausserdem unzählige Stalaktiten und Stalagmiten bewundern... ein ganz spezielles und eindrückliches Naturspektakel in den Höhlen Neuseelands. 

Kurz vor Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, wo ich die Fähre von der Nordinsel zur Südinsel nahm, übernachtete ich noch eine Nacht in einem Bed & Breakfast einer ausgewanderten Schweizerin. Bei ihr gab es selbstgebackenen Zopf und frisches Birchermüesli zum Zmorge!! Es isch sooo fein gsi... :-)

Meistens übernachte ich sonst in Hostels/Backpackers - welche alle erstaunlich sauber, gepflegt und super ausgestattet sind, sowie meistens sogar Einzelzimmer anbieten. Nur gut isoliert sind sie selten... sie sind eher sehr ringhörig, durch die meist dünnen Wände. Einmal schnarchte ein Zimmernachbar so laut, dass ich auf dem Gang zur Toilette geglaubt habe, da tanze eine Fliege einem schlafenden Riesenwildschein auf der Nase rum! Es hat so laut gegrunzt und gesägt. Mittlerweile bin ich in den atemberaubenden Marlborough Sounds angelangt, eine ausgefranste hügelige Landschaft im Meer, im Norden der Südinsel Neuseelands. Ich habe bereits die ersten ausgedehnten Wanderungen hinter mir, weitere schöne Hikes werden mit Sicherheit folgen! Wie es im Frühling so ist (in Neuseeland sind Uhrzeit, sowie auch die Jahreszeiten hundertachtziggrad verkehrt zur Schweiz), hatte ich bis jetzt viele sonnige warme, aber auch einige kühle Regentage erlebt. Heute ist gerade so ein kalter, windiger Regen- und somit Hot-Tub-und-Blog-Schreibe-Tag! Ich befinde mich hierbei in der Hopewell Lodge, am Ende der Kenepuru Road - mitzt in den Marlborough Sounds. Sucht das einmal auf Google Map - das ist der wohl abgeschiedenste Ort „am Ende der Welt“! Und gerade darum ist es hier so wundervoll friedlich und schön! Man kann hier Mountainbike fahren, wandern, Kayak fahren oder sich im Stand-Up-Paddeling versuchen, fischen, nachts Glühwürmchen anschauen, im Hot-Tub baden, abends Whysky trinken (danke Chris aus Schottland!) und so weiter... Diese tolle Unterkunft war ein Tipp meiner Schwägerin Anna, welche wie auch mein Bruder Neuseeland sehr gut kennt von früheren Reisen! Die beiden haben mir einen fabelhaften selbstgebastelten Reiseführer für Neuseeland und Australien geschenkt, mit einigen Challenges, die ich an gewissen Orten zu meistern habe. Die erste Challenge (netterweise noch eine einfache: Cappuccino trinken im selben Kaffee wie sie damals in Wellington) habe ich bereits erledigt und ein Beweisfoto nach Hause geschickt. Ob ich die anderen jedoch auch schaffen werde, bin ich mir nicht so ganz sicher... Skydiving - oh Gott oh Gott, mal schauen!! Muscheln essen - ziemlich sicher für mich nicht zu schaffen ohne Betäubung oder Zwangsernährung.

Aber wir werden sehen was für mich dieses wunderbare Land noch bereit hält! 

Ich bin meinem Herzen gefolgt, und es hat mich hierher gebracht...

Kia Ora Aotearoa! („Danke, Neuseeland“ in Maori-Sprache)

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Ceylon-Tea and Curries - travelling in Sri Lanka

Sri Lanka war schon lange auf meiner Wunschliste der Länder, welche ich einmal bereisen möchte. Als ich noch geflogen bin und einst eine ganze Woche Aufenthalt in den Malediven hatte, war es bereits mein Plan während dieser Woche nach Sri Lanka zu reisen. Doch damals war die Lage zu unsicher durch Rebellenkämpfe. Und zum Glück habe ich mir dieses Land für jetzt aufgespart - wo ich mehr Zeit habe... 18 Tage Sri Lanka standen nun auf dem Programm! Nach meiner Ankunft in der Hauptstadt Colombo fuhr mich Taxifahrer Alex nach Negombo, das nördlich von Colombo an der Küste liegt. Während der fast 2-stündigen Fahrt (kurze Strecke, aber vieeeel Verkehr, daher laangsames Vorankommen) zeigte er mir stolz die Fotoalben mit Bilder von ihm und seinen „Stammkunden“, die immer wieder in dieses exotische Land im indischen Ozean zurückkehren und ihn jeweils als Chauffeur buchen. Wir plauderten über Gott und die Welt und kamen auch auf das Thema Abfall und Recycling zu sprechen, ein Thema das mir sehr am Herzen liegt. Er erzählte mir, dass Recycling langsam aber sicher ein Thema hier sei. Dann fügte er nicht ohne Stolz hinzu, dass er selber Abfall trenne und extra mehr zahle bei der Kehrichtabfuhr, damit der gesamte Abfall mitgenommen werde. Gleichzeitig regte er sich über viele andere Mitmenschen auf, die der herumliegende Abfall nicht kümmere. Viele Leute bezahlen nicht extra Geld, dann wird nur das Minimum an Abfall mitgenommen und der Rest wird einfach liegen gelassen. Das sind sicher vor allem auch ärmere Leute, die gewiss andere Probleme haben und/oder auch nicht entsprechend die Bildung zu diesem Thema haben. Ich finde es daher sehr lobenswert, dass Alex, jemand der sicher nicht „vorig“ Geld hat, trotzdem mehr zahlt der Umwelt zuliebe. Der ist mir echt sympathisch dieser Mann! Ich gab ihm gerne gutes Trinkgeld, damit er auch weiterhin seinen Extra-Abfall bezahlen kann... :-) Nach meiner Nacht in einer schönen Oase in Negombo fuhr ich per Tuktuk (Tuktuk = eine Art günstiges Taxi in Form eines aufgemotzten Töffs, das heisst vorne Töff und hinten überdachte Sitzbank) nach Mirimba, wo ich den Zug nach Kandy nahm. Für 160 Rupie (entspricht ca 90 Rappen) leistete ich mir ein 2. Klasse Ticket für diese zweistündige Strecke (Komfort: Ventilatoren an der Decke und meistens mehr Platz - der Grossteil der Einheimischen fahren 3. Klasse). Ich habe ja in der Vergangenheit viel gejammert über meine tägliche Pendlerei nach Zürich - nun wünschte ich mir die ruhigen Züge der Schweiz zurück! Sri Lankas Züge besitzen wohl kaum so etwas wie eine Federung (sofern es das bei Zügen gibt?) - es rumpelte und schüttelte wie verrückt! Aber die grüne, saftige Landschaft, die an mir vorbeizog war wunderschön und die Reise wert! Die Züge sind übrigens überall offen.... wer braucht schon Türen?! So kann man bei einer Haltestelle auch mal fix von Zug zu Zug hüpfen... Sehr praktisch. Umsteigen nach Sri Lanka Art. Angekommen in Kandy (das Ticket wurde beim Verlassen des Bahnhofes kontrolliert - zum Glück hab ich es nicht weggeworfen!) quatschten mich sogleich mehrere Taxi- und Tuktuk-Fahrer an. Touristen gab es hier nicht viele und als Weisse ist man offensichtlich Touristin, keine Chance was zu verbergen! Nach ein paar verbrauchten Nerven (das Märten gehört leider immer dazu, will man nicht abgezockt werden - meistens ist die Hälfte des zuerst genannten Preises ok) und nachdem ich mich mit dem Taxifahrer nicht einigen konnte, nahm ich wieder ein Tuktuk. Der Fahrer war sehr nett und zeigte mir sein Gästebuch (clever, clever!!) wo andere Touristen, teils auch auf Deutsch, von ihren Trips mit ihm schwärmten. Ich wusste, dass ich an den nächsten Tagen von Kandy aus Dambulla und Sigiryia besichtigen möchte, was dieser Tuktuk-Fahrer natürlich anbot (der hätte mich für Geld wahrscheinlich überall hingefahren) - so sagte ich kurzerhand für einen Tagesausflug mit ihm zu, die zahlreich positiven Gästebuch-Einträge überzeugten mich! Nach einem Ruhetag in meinem wunderschönen Hotel in den Hügeln von Kandy, machte ich also den Tagesausflug mit Tuktuk. Erster Stopp war Sigiryia, nach etwa 3.5 Stunden Tuktuk-Fahrt... Unterwegs hielten wir noch in einem Spicegarden („Gwürzgärtli“), wo mir allerlei Gewürze gezeigt wurden und ich kurzerhand eine Massage mit ihren Ölen erhielt. In Sigiryia gab es dann einen Felsen zu besteigen, wo man Eintritt zahlt und dann alleine hochgehen kann. Über die heilige Treppe anfangs hiess es Schuhe aus, Hut ab - danach ging es weiter: eine steile Treppe aufwärts, vorbei an Buddhas in Höhlen. Es wurde immer steiler und anstrengender: aus Treppen wurden grössere Steinsbrocken - Klettern war angesagt! Ein paar Kletterübungen schaffte ich gerade noch so knapp einhändig - bis ich zum Punkt kam wo es nicht mehr ging... leider konnte ich wegen meines lädierten Fingers, welcher immer noch in einer kleinen Schiene ist, meine rechte Hand nicht nutzen als Stütze beim Klettern. Nur einhändig und das mit links, meiner schwachen Hand, war es schlicht unmöglich diese Kletterpartie zu bestreiten. Ich hatte auch Angst umzufallen und mich dann nicht aufstützen zu können. Es nagte sehr an meinem Stolz und die Enttäuschung, die Aussicht oben zu verpassen war gross... die Vernunft war aber zum Glück grösser. Beim Abstieg musste ich immer wieder kichernde Sri Lankis abwimmeln, welche ein Selfie mit mir machen wollten. Die wollen anscheinend möglichst viele Bilder von sich mit einer Weissen - scheint sone Art Trophäenjagt zu sein. Etwas gefrustet ging ich zurück zum Tuktuk-Fahrer. Weiter ging die Fahrt nach Dambulla, bekannt für seinen Cave-Temple (Tempel in der Höhle). Ein stolzer Eintritt war hier wieder zu bezahlen. Vor dem Tempel musste man dann wieder die Schuhe ausziehen - wo man dann nochmals extra zahlt fürs Schuhe bewachen lassen. Zum Glück wusste ich, dass ich lange Kleider anziehen musste. Hatte man dies nicht - zahlte man nochmals extra für ein Tuch.... clever, clever! ;-) Die Höhlen mit den Buddhas und der liegenden Göttin waren dafür sehr beeindruckend. Schnell hat man aber alles gesehen... ich muss gestehen, dass mich die Tempel in Thailand (v.a. in Chiang Rai) mehr fasziniert haben - aber man soll ja nicht vergleichen. ;-) Etwas desillusioniert von meinen zwei Tageszielen machten wir uns auf den Rückweg. Nochmals drei Stunden ratterndes Tuktuk stand mir bevor. Vorteil beim Tuktuk: der Fahrtwind und die Authentizität, sprich das echte Asien-Feeling. Nachteil: Abgase und Lärm, welche ungefiltert auf einem reinprasseln. Katalysatoren sind hier nicht gang und gäbe - Autos, Mofas und vor allem Busse und Lastwagen nebeln einem mit einem Giftgemisch von Abgas und Staub ein. Man geniesst im Tuktuk die volle Duftpackung von Abgas, Wachs, Fleisch, Gewürzen, Brennholz und Wasweissichwasalles von der Strasse - manchmal liebe ich diesen exotischen Geruchsmix und manchmal überfordert es mich richtig. Auch was der Lärm betrifft... als waschechtes Ormalinger Landei habe ich sensible Ohren - mein Wohnort ist mehrheitlich still und friedlich. Auf den Strassen Sri Lankas geht aber die Post ab! Hupen ist „Umgangssprache“ und wird IMMER eingesetzt. Hupen heisst entweder: „Achtung ich chume“ oder „gang ufd Sitte ich überhole“ oder auch „he Hooooi ich kenn dich“. Aber so crazy und nervzehrend der Verkehr auch ist - es funktioniert! Unfälle sieht man praktisch nie. Man macht sich platz und schlängelt sich selbst durch, dazwischen rennen noch die wilden Hunde auf der Strasse herum oder Kühe und Wasserbüffel überqueren den Weg. Bei den Fussgängerinnen sieht man verhüllte Frauen in Burkas und daneben die traditionell gekleideten Damen mit Rock, bauchfreiem Oberteil (bauchfrei war übrigens auch die Uniform der Sri Lankan Air Flugbegleiterinnen - stellt euch das Mal bei uns vor! Es gäbe - zu Recht - einen Aufstand!! Hahaha!) und der Scherpe über die Schulter. Was für ein Kontrast beim Anblick dieser Frauen! Jeder hat hier seinen Platz. Wie auch die zahlreichen Verkäufer am Strassenrand... jede(r) hat hier sein Business und preist etwas an: da werden farbige und kitschige Stofftiere schön drapiert, handgezüchtete Blumen werden sorgfältig bespritzt, reife und gluschtige Früchte werden säuberlich aufgereiht, hangefertigte Schnitzereien werden poliert- das Leben passiert hier direkt an der Hauptstrasse. Jeder versucht hier mit seiner Ware über die Runden zu kommen. Ich schmunzle beim Gedanken, wie wir uns im Büro schnell über Lärm oder Stress beklagen - in solchen Ländern würden wir alle „auf die Welt kommen“! Von morgens früh bis abends spät schuften hier die Menschen und sind stets dreckiger Luft und hohen Temperaturen ausgesetzt. Dies ohne zugesichertes Gehalt - Pensionskasse gibt es meist auch nicht. Entweder man macht etwas zu Geld oder nicht... Das gilt übrigens auch für alle afrikanischen Länder, die ich bis jetzt bereist habe. Mit Sonnenaufgang geht das Treiben los, nicht wenige nehmen bereits da einen ellenlangen Fussmarsch auf sich, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. Ein Auto besitzen die wenigsten... bei diesen Temperaturen würden wir wahrscheinlich alle nur noch wie tote Fliegen rumliegen. Dass dann mal etwas langsamer funktioniert als in unseren Breitengraden ist daher nur verständlich. Ferien, 5-Tagewoche - die wenigsten dort kennen das. Trotzdem wirken sie glücklich, leben den Moment und scheinen nie gestresst zu sein. Etwas machen sie meiner Meinung nach doch richtig... oder vielleicht gar besser? Wenn ich da so an unsere stets gestresste und gewinnorientierte Gesellschaft denke... Fragt man bei uns jemanden wies geht, folgt auf das „guet“ meistens ein „aber grad viel los“ oder „viel ztue bi dr Arbet, wie immer“. Als ob das erstrebenswert oder man zeigen will, dass man „Wichtiges“ zu tun hat. Wenn man reist und anderes sieht, macht man sich automatisch solche Gedanken. Aber genug des Philosophierens... einen kleinen Exkurs gibt es dann sowieso nochmals wenn ich zu meiner Ayurveda-Woche komme. ;-) Nun bin ich aber wie gesagt auf dem Rückweg meines Tagesausfluges. Erschlagen von Gerüchen und lärmigen Strassen bestellte ich unter Kopfschmerzen und mit brennenden Augen „Room Service“ - mehr schaffte ich nicht mehr! Am nächsten Tag ging meine Rundreise bereits weiter: mit dem Zug ging es nach Hatton. Diese Strecke zwischen Kandy und Ella ist berühmt für die wunderschöne Szenerie mit Teeplantagen. Leider bekam ich davon trotz 2. Klasse Ticket nicht viel zu sehen. Der Zug war rappelvoll! Ich konnte mir immerhin glücklicherweise einen Sitzplatz ergattern, leider aber neben einem sich breit machendem Einheimischen, welcher ständig aus dem Fenster spuckte (das ist leider auch Asien! Ich dachte zuerst er wolle sich die schöne Landschaft genauer anschauen, als er sich immer wieder nach draussen ragte) und mir nicht mehr viel Platz liess - zumal auf der anderen Seite meine Reisetasche war. Eingequetscht fuhr ich so mehrere Stunden. Auf der anderen Fenster-Seite (die „schöne“ Seite mit den Tee-Plantagen) sah ich leider gar nichts - da alles Leute mitten im Gang stehen mussten. In Hatton ging es wieder mit einem Tuktuk zu meinem Hotel am Fusse des Adam‘s Peak, dem heiligen Berg Sri Lankas. Die Einheimischen besteigen wenn möglich einmal im Jahr die 5200 (!) Treppenstufen, welche zum überdimensionalen Fussabdruck auf dem Gipfel führen, der für alle Religionen heilig ist. Für Touristen gehört dieser Berg auf die „to do Liste“ - so natürlich auch für mich! Man erklimmt den Berg so, damit man den schönen Sonnenaufgang und das gewaltige Panorama am Morgen früh dort oben geniessen kann. Deshalb hiess es um 02:00 Uhr (!!) aufstehen und um 02:30 Uhr marschierte ich los. Mit Stirnlampe ging es ca 700 Meter durch das stockdunkle Dorf, vorbei an grunzenden Schweine (erster Schreck!) zum Berg. Wieder einmal musste mich mein Super-Engel etwas anstupsen und dabei meinen Angsthasen beruhigen. Blick zurück - hinter mir waren weitere Stirnlampen-Menschen, alles gut also. Bei einem offenen Verkaufsstand (wieder sehr clever!) kaufte ich mir nach kurzem Überlegen noch eine Banane, was sich später noch als kleiner Lebensretter herausstellen sollte! Ich marschierte dem Strassenverlauf entlang weiter („alles gerade aus, man kann es nicht verfehlen“ habe ich im Ohr). Plötzlich sehe ich wie zwei Stirnlampen-Menschen mir entgegen kommen... Nanu - die sind doch nicht bereits auf dem Rückweg?! Sie seien wohl falsch und würden umkehren, meinten die zwei jungen deutschen Herren. Nein nein, wir sind wohl richtig, entgegnete ich. Ich hätte keinen anderen Weg oder Abzweiger gesehen - und hinter mir seien noch mehr Peak-Erklimmer... Ok, meinten die zwei und so machten wir uns zu dritt auf den Weg. Die zwei hatten ein flottes Tempo drauf was mir recht wahr, ich wollte es ja auch möglichst schnell nach oben schaffen. Wir kamen ins Plaudern und die Minuten verstrichen... „sollte da nicht einmal eine Treppe kommen?“ fragten wir uns dann einmal. Von hinten stiessen noch zwei weitere Stirnlampen-Menschen zu uns, zu fünft gingen wir achselzuckend weiter: alles auf einem ansteigenden, aber flachen (keine Stufen!!) Weg. Eine Stunde waren wir mittlerweile unterwegs, wo wir inne hielten und realisierten, dass wir inmitten einer Teeplantage sind. „Hmmm, irgendwie komisch“... jemand hatte dann die glorreiche Idee Google Maps zu konsultieren. Unsere Befürchtung bestätigte sich - wir waren viel zu weit weg von der Treppe und haben uns komplett verlaufen! So verschlingte ich bereits um 03:30h keuchend und fluchend die gekaufte Banane! Gerade als wir umkehren wollten, kamen uns zwei junge Einheimische entgegen, welche und bestätigten dass wir auf dem falschen Weg sind. Für eine riesige Summe für Sri Lankesische Verhältnisse würden sie uns den richtigen Weg zeigen! Passen die hier verlaufene Touris ab? Auch wieder seehr clever... So viel werden wir bestimmt nicht zahlen! Wir finden schon wieder zurück... wir müssen nur die anderen Stirnlampen-Menschen finden. Das Tempo noch einmal etwas verschärft machten wir uns auf den Rückweg. Da passierte Fehler Nummer zwei! Wieder blieben wir auf dem Weg und übersahen die Abzweigung im Teefeld wo wir ursprünglich herkamen... zu diesem Zeitpunkt war uns dies jedoch noch nicht klar, im Gegensatz zu den zwei Einheimischen, die sich wohl ins Fäustchen gelacht haben, als sie uns so wegmarschieren sahen. Als wir uns immer mehr vom Ursprungsort entfernten, fluchten wir alle und merkten: wir sitzen tief in der „Kacke“ (Sorry!! Kann es nicht anders sagen...) Nach einem halben Sprint schafften wir es irgendwann nach gefühlt tausend Kurven zurück an den Startort zurück. Kurz oberhalb der „Bananen-Frau“ sahen wir nun das schwarze (Schwarz!!! im Dunkeln!!) Schild, das die Treppe WEG vom Strassenverlauf anzeigt. Dort steht übrigens auch nichts touristenfreundliches wie „Adam‘s Peak“, sondern „the sacred footprint of gauthama budda“. Ohh mann... Mittlerweile war es bereits 05:00 Uhr - wir hatten schon 2.5 Stunden Fuss-Marsch in den Knochen, und ein fitter Mensch braucht laut Reiseführer zwei Stunden auf den Gipfel. Sonnenaufgang wäre so zwischen 05:30 und 06:00 Uhr... Heilfroh die richtige Treppe nun gefunden zu haben speedeten wir vollgas los. Wer weiss - vielleicht gelingt uns ja ein neuer Weltrekord, vielleicht verspätet sich heute die Sonne etwas - wir waren voller Hoffnung und neuer Energie! Wir nahmen teilweise zwei Stufen aufs Mal, jedoch waren die Stufen so unterschiedlich hoch und lang - dass man den Rhythmus immer wieder wechseln musste. Unser regelmässige Atem ging immer mehr in ein Keuchen hinüber, Schweiss tropfte von der Stirn, ich spürte bereits die Röte im Gesicht meines pochenden Hauptes. Während wir immer langsamer wurden und die Dunkelheit dem Licht wich, dämmerte uns, dass wir es mit diesem Tempo nie nach oben schaffen würden. Diese Einsicht kam jedoch schon zu spät.... wie haben uns völlig übernommen und sassen nun röchelnd auf der Treppe, tranken durstig Wasser und sahen wie inzwischen die Sonne aufgegangen ist. Man konnte es jedoch nur wage erkennen - zu dicht war das Wolkenmeer. Wir schauten auf den endlos weit weg scheinenden Gipfel empor und sahen auch dort nichts als Wolken. Eine klitzekleine Genugtuung tat sich breit, dass die da oben wahrscheinlich gar keinen schönen Sonnenaufgang zu sehen bekamen. Immerhin haben wir nicht den Jahrhunderts-Sonnenaufgang dort oben verpasst! Unser Trio splittete sich nun auf... der eine blieb an Ort und Stelle sitzen und wollte keinen Meter weiter gehen. Der andere wollte unbedingt noch hoch, war aber so fit und schnell, dass ich ihn ziehen liess. Ich wusste, wenn ich den ganzen Aufstieg noch schaffen möchte (und dass wollte ich umsverreckä, das kann ja nicht alles gewesen sein - eine Nachtwanderung durch Teeplantagen?!), dann musste ich es nun gemächlicher und in meinem Tempo angehen: im Schneckentempo. Ich brachte kaum noch meine Beine hoch, im Zeitlupentempo schleiffte ich mich über jede einzelne Stufe - manchmal nur mit Hilfe des Geländers, woran ich mich festhielt. Während ich mich da so chnorzig und dampfend aus allen Poren in kleinen Schritten hocharbeitete, kamen mir mittlerweile die ersten Gipfel-vor-dem-Sonnenaufgang-Erklimmer entgegen. Alle bestätigten mir unsere Vermutung: vom Sonnenaufgang sahen sie nichts! Ha, immerhin das! Ein kleiner Trost... Fluchend und zitternd arbeitete ich mich weiter hoch (manchmal bei ganz fiesen Stufen sogar auf allen Vieren - ohne Seich!), da hielt ein einheimischer Guide, der einen deutschen Touri wieder hinunterbegleitete an und zeigte auf mein Bein: „Juuu blaad thee...“  Ich so: „Hää?“ und drehte mich um, damit ich mein Bein hinten sehen konnte. „Olll blaad“, bekräftigte der Guide seine Analyse. „Ohh no this is only dirt“, antwortete ich - da wir durch ziemlich nassen Dreck am Ende der Teefelder wateten. Ok, es war schon ziemlich rot an meinen Hosen, gar nicht so braun. Ich hebte meine Hose an und sah mein blutverschmiertes Bein. „Ah it‘s maybe the mosquito bites“ nahm ich an, den meine Beine waren immer noch verstochen von der Südafrika-Safari her. Ganz üble Viecher, über einen Monat hab ich nun diese Stiche. Hab sie wahrscheinlich bei diesem Aufstieg ohne zu merken aufgekrazt. „It‘s a liiitsch, bat its goon naaw“, wieder der Guide. Ich nochmals: “Hää?!“ Der deutsche Super-Touri klärte mich mit ausdrucksvoller Miene auf: „Es ist ein Blutegel! Aber der ist jetzt nicht mehr da. Hat sich schon abgelöst“.  What??! Auch das noch...„Sind ganz harmlose Viecher“, teilte der Touri sein Schatz an Wissen mit mir. „Aber der war zwei Stunden da drann, wenn der sich bereits abgelöst hat. Wird jetzt etwa noch acht Stunden lang bluten“. Jetzt ist mir alles klar... ich musste zwei Stunden einen Blutsauger da mit hochschleppen, der mir offensichtlich mein kostbares Blut weg nahm. Kein Wunder hatte ich keine Energie mehr, dachte ich grimmig. Ich bedankte mich bei beiden füre ihre Auskunft. Ich hätte wohl später schon einen Schrecken gehabt, hätte ich all das Blut entdeckt - nicht wissend woher und warum. Dem Nirvana nähernd schleppte ich mich weiter, nun strahlten mich weitere Gipfelabsteiger an und meinten dass ich es bald geschafft habe! „You can do it!“ Die merkten wohl dass ich am Ende meiner Kräfte war. Kurz unterhalb des Gipfels traf ich meinen deutschen Teeplantagen-Kollegen an, der oben war und nun wieder hinunter ging. „Wusste gar nicht was ich da oben machen soll, wurde mir nach ein paar Minuten langweilig. Tempel ist zu und alles vernebelt“. Na bravo... auch das noch! Ich verabschiedete mich von ihm und entschuldigte mich schuldbewusst zum tausendsten Mal, dass ich sie davon abbrachte umzukehren am Anfang. Ich stieg die letzten paar Stufen hoch und sah dann mit eigenen Augen, dass man a) nichts sah (von der überall angepreisten wundervollen Aussicht) und b) dass der Tempel, wo sich dieser mega Fussabdruck befand, sowie die Glocke die man schlagen durfte wenn man das Ziel erreicht hat („Yessss!! I really made it!!“) - durch eine  geschlossene Tür unzugänglich war. Jetzt sah ich nach dieser Tortur nicht einmal diesen verd.... Footprint! Ein Mannli kam aus einer Tür und bot mir freundlich heissen, gesüssten Tee an. So schlürfte ich süssen Ceylon-Tea und ass meine Schoggiguetzli, wovon ich das Bisquit mit den zwei Hunden teilte, die mich hungrig und schwanzwedelnd anblickten. Immerhin war ich nun die einzige Touristin auf dem Adam‘s Peak. Das kommt bei der sonst so überlaufenen Sight-Seeing-Attraction wohl selten vor. Ein paar Minuten später machte ich mich bereits wieder an den Abstieg. Ja nicht müde werden oder Muskeln erkalten lassen!  Flott hüpfte ich die Treppen hinunter. Möglichst schnell zurück ins Hotel, duschen, zmörgele... das war der Plan. Vielleicht noch zuerst nach weiteren Blutegeln schauen, aber dann mjammmjamm. Ist ja gar nicht so schlimm dieser Abstieg, wie so viele behauptet haben. Aber bekanntlich kommt Hochmut vor dem Fall. Langsam aber sicher wurden meine Beine immer schwerer, dann ging es über in ein leichtes Ziehen an Oberschenkel und Waden... und dann fing mein rechtes Knie an zu schmerzen. Und zwar so richtig! Abartig heftige Schmerzen... der Schmerz wurde irgendwann so unglaublich unerträglich, dass ich nur noch seitwärts die Treppe runtersteigen konnte. Ging es mal gerade aus, konnte ich kaum noch einen Schritt mit meinem rechten Bein machen. Noch NIE hatte ich solche Schmerzen aufgrund körperlicher Betätigung! Es war die Hölle... ich schaffte es kaum zurück ins Hotel. Nach der Dusche (habe zum Glück keine Blutegel mehr gesichtet) und dem Frühstück, ging es mir wieder etwas besser. Ich bestellte ein Taxi, welches mich nach Ella bringen soll. Heute werde ich keinen weiteren Schritt mehr machen! Der liebenswürdige Taxifahrer, der gleich noch seinen Sohn mitnahm, damit der einmal Ella sehen kann, streckte mir auf der Fahrt eine Muskelcreme entgegen (eine Art Perskindol). Yess man, der spürt mich! Hat wohl schon andere Adam‘s Peak traumatisierte Touris an Bord gehabt. Ich schmierte meine Beine dick damit ein, so dass der ganze Wagen danach gerochen hat.  Angekommen in Ella, bei strömendem Regen, merkten wir, dass das Taxi nicht den schuttigen und gerölligen Hang hochfahren kann - wo meine Unterkunft war. Ich ahnte kurzzeitig Böses - doch ein mutiger Tuktuk-Fahrer war meine Rettung und spulte vollgas den Matsch-Hügel hoch. In einem wunderschönen Homestay mit Blick auf einen Wasserfall kurierte ich meinen geschundenen Körper aus. Ich wollte am nächsten Tag einen leichten Spaziergang zum Wasserfall machen, doch nach 5 Minuten musste ich wieder umkehren - die Knieschmerzen meldeten sich nach ein paar Schritten sofort zurück! So relaxte ich auf dem holzigen Balkon mit wunderschöner Aussicht, las ein Buch und schaute einen Film. Gezwungen zum Nichtstun... ;-) Als ich da so in meinem Sri Lanka Reiseführer stöberte fiel mir ein Artikel auf über hiesige Gepflogenheiten: Man soll nie etwas mit der linken Hand reichen, diese gelte als unrein! Ojee... aufgrund meines verunfallten rechten Mittelfingers gebe ich immer die linke Hand! Jetzt weiss ich warum gewisse Leute manchmal gezögert haben, meine Hand zu schütteln. Ich dachte immer dies sei weil es einfach komisch ist, die linke Hand zu schütteln. Dabei dachten die wahrscheinlich alle „Ooh nein, die gibt mir die gruusige Hand!“. Ohh peinlich... Ok, ab jetzt werde ich den Gruss mit gesenktem Kopf und Hände zusammengefaltet machen. Ist hier auch gang und gäbe. Nach der Regeneration in Ella gings nun ganz in den Süden nach Tissamaharama, wo ich für eine Woche eine Ayurveda-Kur gebucht habe. Hier wollte ich alle negativen Erlebnisse in Sri Lanka vergessen, es einfach geniessen und einen versöhnlichen Abschluss finden mit diesem Land. Eine Woche lang Massagen und Erholung - ich freute mich so darauf! Angekommen im wunderschönen Resort direkt am Yoda-See erhielt ich gleich einen erfrischenden Willkommensdrink (spezieller Geschmack, aber sicher sehr gesund - Ayurveda halt!) und eine wunderschöne Blumenkette um den Hals. Nachdem ich feierlich eine Kerze anzünden musste, brachte man mich auf mein Zimmer. Eine wunderschöne Suite mit Balkon und Seesicht - herrlich! Hier lässt es sich leben! Am ersten Abend genoss ich ein letztes Mal à la Carte - bevor es am nächsten Tag dann mit der Ayurveda-Küche losgeht. Ich las mich zur Vorbereitung noch ein wenig in die Ayurveda-Heilkunst ein, wo ich lernte, dass bei Ayurveda (übersetzt sozusagen „Weisheit des Lebens“) die wichtigste Priorität im Leben das Leben selbst ist. Das heisst der Körper steht bei allem im Zentrum. Die ayurvedischen Grundsätze angewendet bei der Ernährung und beim Lebensstil sollen ein langes, gesundes und friedvolles Leben ermöglichen - durch das Bewahren der Gesundheit, die Steigerung der Kraft und ein optimales Mass an Energie. Gemäss der ayurvedischen Auffassung hat jede(r) eine individuelle Konstitution, was dann in Typen eingeteilt wird und worauf die Ernährung basiert (was tut einen gut und was nicht). Am nächsten Morgen stand der Arzttermin an, wo der Ayurveda-Arzt mich untersuchte um mit mir gemeinsam den Behandlungsplan festzulegen. Die Untersuchung fand nur in Form von Blutdruck und Puls messen statt, wobei der Arzt meinen Puls am Hangelenk gefühlt und mir dabei diverse Fragen gestellt hat. Unglaublich was er da bereits alles feststellen und auch richtig erkennen konnte! Ich war beeindruckt und wähnte mich in professionellen Händen. Danach ging es mit den ersten Behandlungen los - diverse Massagen und zum Abschluss ein Kräuterbad. Die folgenden Tage sahen mehr oder weniger so aus: Start in den Tag um 07:00 Uhr mit einer Stunde Yoga. Perfekt um den Körper langsam in Schwung zu bringen! Man betätigt sich dabei körperlich und gleichzeitig findet man auch Ruhe und Entspannung. Danach gab es Früstück und meist so um 09:00 Uhr starteten die Behandlungen. Am Anfang der Woche waren es vor allem sehr angenehme Treatments: Massagen von Gesicht über Kopf und Fuss, teilweise auch mit wärmenden Kräuterbeutel und/oder synchron - das heisst zwei Therapeutinnen massieren einem parallel links und rechts. Dabei wird immer schön viel Öl benutzt - ich fühlte mich nachher jeweils wie eine glitschige Ölsardine. Eine sehr angenehme Behandlung war auch das Shirodara, wo eine halbe Stunde lang warmes Öl pendelnd von links nach rechts und zurück auf die Stirn fliesst. Nach den meisten Behandlungen hiess es ausruhen im Zimmer. Gegen ende der Woche gab es aber auch noch Behandlungen, die weniger zum Geniessen waren (aber dem Körper sicher gut tun!) wie die Nasen-/Stirnhöhlen-, sowie Darm-Reinigung. Was je länger je mehr auch nicht zum Geniessen war, war die supergesunde und leicht bekömmliche ayurvedische Küche. Es gab zwar drei Mal am Tag mehrere Gänge, diese bestanden aber praktisch nur aus Gemüse und Früchte. Ich habe gelesen, dass man laut Ayurveda den Magen nur zu zwei Drittel füllen soll beim Essen. Den Magen aber nur zu einem Drittel zu füllen ist aber sicher auch nicht gesund, fluchte ich innerlich - wenn ich jeweils noch hungrig nach dem Essen zurück in mein Zimmer ging. Es lag nicht wirklich an der Menge des Essens, aber was man erhielt war nicht sehr nährhaft und schmeckte mir oft auch nicht. Mittags gab es immer roten Reis (seehr trockener Reis) und Linsencurry, ich konnte es mit der Zeit kaum noch runterwürgen. Wenn es mal ein dunkles Stück Brot oder etwas Nudeln gab (so 5-6 Bissen in einem Schälchen) bekam ich fast das Augenwasser vor Freude. Andere Damen neben mir am Tisch verzichteten manchmal auf die Suppe (die es jedes Mal noch gab) oder einen anderen Gang - „weil es sonst zuviel ist“. Whatt?? Das konnte ich nun wirklich nicht verstehen! Wie kann man zuviel von „nichts“ haben?! Die lassen Gänge aus und ich werde mit allem essen nicht satt. Was zermürbend hinzu kam, war, dass man zuerst immer diverse bittere Medizin-Drinks und Pillen schlucken musste. Etwa 2-3 verschiedene healthy Säfte bevor man überhaupt mit dem Essen loslegen konnte. Und die spinatgrüne Kräutersuppe als erstes beim Zmorge verdarb mir noch den Rest. Einmal als es „fast Nichts“ zum Znacht gab legte ich alle Hoffnung ins Dessert - dann kam ein Shotgläsli (!!) Fruchtsalat. Ich musste fast weinen... aber ich blieb stark und meine zwei Schoggistängeli überlebten die Woche im Kühlschrank. Ich habe gelesen, dass man ja nichts derartiges (mit Zucker, Koffein etc) einnehmen darf - das könnte in der Kur wie Gift wirken. Was in diesem Resort auch nicht zur Erholung beigetragen hat, waren die zahlreichen Fliegen immer und überall (wahrscheinlich aufgrund der Seenähe). Diese summenden Viecher haben mich teilweise so richtig genervt! Da kommt man tiefenentspannt aus seinem Zimmer, schlendert da so easypeasy zum Resti, lässt sich auf den Stuhl sinken und ZACK - die Entspannung ist dahin! Diese Biester hatten es immer auf mein weniges Essen abgesehen. Also rückblickend zusammengefasst: es war eine lehrreiche und zumindest teilweise entspannende Woche, wo ich einen tollen Einblick in die Ayurveda-Lehre erhielt. Die Angestellten waren superfreundlich, die Anlage war sehr schön und die Massagen waren eine Wohltat (ausser eine Fliege machte es sich gerade wieder einmal bequem auf meinem Körper). Manches war sehr schön, manches weniger und das mit dem Essen war richtig hart. Das habe ich unterschätzt, respektive nicht so krass erwartet. Ich muss zugeben, um mich künftig zu erholen bevorzuge ich eindeutig das Wellnessen, wo man auch gut essen kann. Ich finde, gutes Essen ist Voraussetzung um glücklich zu sein. Oder anders gesagt: ohne gutes Essen geht es einem nicht gut! ;-p
Ich nehme aber auch von diesem Aufenthalt ganz sicher Einiges mit, was ich weiterhin umsetzen will - wie zum Beispiel das morgendliche Praktizieren von Yoga oder das bewusste und langsame Essen (nicht bei Stress oder unterwegs essen und alles lange kauen) und einfach sich und seinen Körper ins Zentrum von allem zu stellen. Sich Sorge geben, herausfinden was einem gut tut und dies auch sich zukommen lassen. Und genau deshalb fliege ich nun nach den zwei letzten Tagen in Sri Lanka, welche ich zurzeit am wunderschönen Hippie-Beach von Mirissa verbringe, nach Italien! Dolce vita in bella Italia! :-) Aber nicht (nur) wegen der feinen italienischen Küche wie ihr nun vielleicht vermutet, sondern weil dort meine Liebsten im Urlaub sind und ich sie dort für eine Woche besuchen werde. Die Reise ist vielleicht ein wenig crazy, aber als ehemalige langjährige Hostess sind lange Flugreisen für mich Gewohnheit und mein Herz freut sich wie verrückt auf diese mir wichtigen Menschen, welche ich bereits sehr vermisse - vor allem mein Sonnenschein und Neffe Ben.
Der wollte zwar zuerst nicht nach Italien abreisen, weil Dada (=Tanti) ja bei den Pimpims und nicht in Italien sei... :-) 
Arrivederci amici - ci vediamo (o ci sentiamo)!
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