Islands to fall in love with

„Estàs lista?“ (Bist du bereit?)

Unser Schnorchelguide schaute mich ermutigend an, währenddessen er ein Stück Stoff meines Wetsuits festhielt - bereit mich volle Pulle runter zu drücken... runter in den Ozean des Schnorchelparadieses „Cabo Rosa“ auf der Insel Isabela - eine der wunderschönen Galapàgos-Inseln. In der Tiefe des Meeres warten nämlich eine Horde Haie auf mich, welche sich in einer Höhle aufhalten. Mein Herz pochte in einer gesundheitlich gesehen wohl bedrohlich hohen Frequenz, mein Angsthase war längst in eine Schreckstarre versetzt und immer wieder schüttelte ich ungläublig den Kopf. Unfassbar das ich das wirklich tue. Aber da muss ich jetzt durch! Die anderen vor mir haben es auch überlebt und waren so begeistert, dass ich all meinen Mut zusammen nahm - um dieses einmalige Spektakel mit eigenen Augen zu sehen. High-Five mein mutiger Engel! Schliesslich weiss ich nicht, ob ich jemals wieder an diesen wunderschönen Ort zurück kommen werde oder nicht. Jetzt oder nie! Abenteuer meines Lebens... here we go! Ich nickte meinem Guide halbherzig zu und quietschte ein „ok“ aus meiner zugeschnürten Kehle. Luft holen und los gings! Ich tauchte einige Meter in die vorerst dunkle Tiefe - mein Arm mit der filmenden Unterwasserkamera ausgestreckt wie ein beschützendes Schwert vor mir. Und schon wurde es hell! Als ob ich ein surreales Fernsehbild vor mir hätte... mir bot sich da ein unglaubliches Schauspiel! Einerseits war es total angsteinflössend und gleichzeitig eindrücklich und wunderschön... Sicher 20-30 Weissspitzen-Riffhaie befanden sich in dieser unterirdischen Höhle! Die meisten lagen schlafend am Boden, einige aber waren wach und schlängelten sich elegant durch diese Felsöffnung. Konzentriert alles mit der Kamera einzufangen schwenkte ich meinen Arm hin und her, dabei hielt ich gebannt die Luft an (mir hätte es aber auch über Wasser bei diesem Anblick wohl den Atem verschlagen). Nach einigen unvergesslichen Sekunden hatte ich genug, nickte energisch mit dem Kopf und sagte ein zweites Mal „ok“ (hört man lustigerweise auf dem Video - auch wenn es unter Wasser war)! Schon zog mich mein Guide hoch und ich schnappte an der Wasseroberfläche nach Luft. Alle schauten mich gespannt an (sie wussten natürlich Bescheid von meiner Angst vor Haien) und grinsten froh, als ich ein begeistertes „wow, this was amazing!“ von mir gab. Ich war in einem Schock-Adrenalin-Delirium und konnte es kaum fassen was ich soeben mit eigenen Augen gesehen habe. Keine Minute später kreisten sogar zwei nicht-wirklich-kleine Haie um uns herum, verschwanden aber bald auch in der Höhle. Es war unglaublich, diese anmutigen und eleganten Tiere so nahe und so friedlich zu sehen. Ich war so froh hatte ich meine Angst überwunden und mir den Ruck gegeben, mich auf dies einzulassen. Das Angebot für einen zweiten Höhlen-Tauchgang lehnte ich aber dankend ab. ;-)

Auf diesem Schnorchelausflug haben wir neben Haien auch wunderschöne Fische, einen Oktopus, Seepferdchen, einen neugierigen Seelöwen und unzählige Wasserschildkröten gesehen. 

Ich war jedes Mal wieder total fasziniert von der Eleganz und Ruhe dieser wunderschönen Tiere und habe zig Videos und Fotos gemacht von teils riesigen Wasserschildkröten, die sich nur ein paar Zentimeter von mir entfernt befanden. All diese Meerestiere schienen nicht im geringsten durch die Anwesenheit der Menschen beunruhigt oder gestört zu sein, bei dem was sie gerade machten. Da die Tiere rund um die Galápagos-Inseln streng geschützt sind und schon lange nicht mehr gejagt werden, zeigen sie den Menschen gegenüber auch dieses ruhige und friedliche Verhalten. Wunderschön!! Ich war absolut „geflasht“ von diesem Erlebnis. Der zweite Schnorchelgang fand in den „Tunnels“ statt: hier entstand vor 12 bis 15 Tausend Jahren diese spezielle Lava-Landschaft durch einen Vulkanausbruch. Diese Vulkangesteins-Landschaft mit unzähligen Kakteen und wunderschönen, glasklaren Wasserbecken, bot uns einen spannenden Schnorchel-Spot, wo wir durch diese Höhlen hindurch schwimmen konnten. Zurück auf dem Boot machte sich plötzlich Aufregung breit. Jacky, meine kanadische Kollegin unserer Reisegruppe, habe eindeutig Flossen gesehen. Sie tippte aufgeregt auf Haie oder Delfine. Als sich das riesige Tier unserem Boot näherte, sah ich seine Farben in schwarz und weiss. Somit war für mich klar, dies kann nur ein Killerwal sein! Einige Minuten vorher hat unser Guide nämlich erzählt, dass sie hier letzte Wochen Delfine und Orkas gesehen haben. Nun schien es, dass uns ebenfalls dieses unglaubliche Glück wiederfuhr! Tja, bäätsch! Falsch gedacht. Wir lagen mit unseren Vermutungen beide daneben, es war nämlich ein Mantarochen! Ein riesiger Teppich von einem Rochen schwebte um uns herum. Zur Tarnung ist seine Oberfläche dunkel (scheint wie schwarz) und seine untere Seite ist hell (scheint wie weiss). Die Spitzen seiner Flügel ragten immer wieder aus dem Wasser - dies hat die Form einer Flosse und brachte deshalb diese Verwirrung mit sich.

Unglaublich was wir in diesem Meer alles zu sehen bekamen... diese Gegend war ein einziges Tier- und Naturparadies! Wie damals in Neuseeland habe ich mich auch hier augenblicklich verliebt in dieses Fleckchen unserer Erde. 

Ecuador liegt, wie es der Name eigentlich verrät, direkt auf dem Äquator. Dieses Land bietet unglaublich viel: die Anden mit Bergen von über 6000 Meter über Meer, der Amazonas und somit viel Regenwald und Dschungel, pulsierende Gross-Städte mit beeindruckender Architektur wie Guayaquil und Quito - und eben die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit, die einzigartigen Galápagos-Inseln: ein Archipel vulkanischer Inseln, die vor etwa 20 Millionen Jahren entstanden sind und mittlerweile zum Weltnaturerbe der UNESCO gehören. Die Inseln und die Meere rundum stehen unter strengem Naturschutz und durch das geringe Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten wird die Anzahl der Touristen auch automatisch klein gehalten - was sicher der Vielfalt und dem Wohl der Tiere dient. Einige dieser Inseln sind bewohnt und besuchbar, andere sind unberührt und teils auch geschützt, um Tiere dort anzusiedeln. Vier der insgesamt 13 grösseren Inseln sind bewohnt - und drei davon haben wir auf unserer einwöchigen Gruppenreise besucht. Daneben existieren aber noch über Hundert kleinere Inseln, welche unter 10 Quadratkilometer gross sind. 

Zum Start unserer Reise, beim Flug von Quito (Festland) nach Baltra (kleine „Flughafeninsel“ der Galápagos-Inseln), passierte mir als Ex-Flugbegleiterin noch etwas Oberpeinliches. Unser Flug hatte Verspätung und auf den Bildschirmen war nirgendwo zu sehen, wann schlussendlich das Boarding und der Abflug sein würde. Jacky und ich machten es uns deshalb bequem irgendwo in der Abflugshalle (nicht direkt vor unserem Gate - grooosser Fehler!). Ich schaute immer wieder auf den Bildschirm, konnte aber keine aktuelle Info sehen. Plötzlich ertönt es aus den Lautsprechern: „Last Boarding Call for Rahel Fischer“! „Jacky that is me!“ rief ich in Panik und sogleich schallte auch ihr Name durch den Saal. Wie vom Blitz getroffen packten wir unsere sieben Sachen und rannten wild fuchtelnd mit den Armen (sie sollten ja sehen dass wir hier sind und jaaaa nicht ohne uns abfliegen!!) zu unserem Gate und entschuldigten und halb Englisch halb Spanisch bei allen rumstehenden Mitarbeitern. Wir rannten so schnell wie möglich den Jetty runter und riefen immer wieder „Perdon“ in alle Richtungen. Ich speedete so schnell es ging durch die vollbesetzte Kabine und erntete natürlich bööse Blicke. Ayayay... Ich knallte zack meinen Rucksack innert Millisekunden in das Hattrack, setzte mich in Windeseile hin und getraute mich fast nicht mehr zu atmen. Mein Gott das ist mir noch nie passiert und war mir total unangenehm! Denn als Crew nervt man sich total über diese verpeilten, zu-spät-kommenden Passagiere - das wusste ich nur zuuu gut! Immerhin mussten wir eh noch einige Minuten warten bis zur Startfreigabe - somit war die Verzögerung nicht durch uns verschuldet. Aber ein kleiner und auch peinlicher Schreckmoment war es allemal... 

Und jetzt könnt ihr drei Mal raten, wem das eine der zwei einzigen Gepäckstücke gehörte, das bei der Ankunft vom bellenden Zollhund zur Inspektion auserkoren wurde. Genau, es el mio. Warum es der Hund genau auf meine Tasche abgesehen hatte, konnte ich mir beim besten Willen nicht erklären! Ich achtete auf keine Früchte, keinen Dreck an den Schuhen und keine Drogen, Messer oder Feuerwerkskörper. Ok Hunde mögen mich einfach nicht, eigentlich wars ja klar. Und somit musste meine Reisegruppe ein zweites Mal auf mich warten... Super Start für die gemeinsame Woche! Während der solamente-habla-español Zöllner meinen Gepäcksinhalt bis auf die Unterwäsche durchkramte, stand ich achselzuckend im Verbrecherkabäuschen. Natürlich ohne einen kriminellen oder naturzerstörenden Fund liess mich der Militärsbursche wieder ziehen und zu meiner Gruppe aufschliessen, wo ich vor ein paar hämischen Sprüchen nicht verschont wurde: „Räitschel, what are you trying to smuggle, hahaha?“ Meine ironische Antwort, ich würde für etwas „Fun“ auf den Inseln sorgen, haben die älteren Semester meiner Gruppe dann aber nicht verstanden, und schauten mich erschrocken an. Schnell fügte ich an: „I‘m only joking“! „Ahhh, hahahaha!“ und die Gesichter erhellten sich wieder. Drogen-Rachel und der Rest der Gruppe wurden in den Bus verfrachtet, der uns zum Bootssteg brachte. Erste Fotos vom wunderschönen, türkisblauen Meer, sowie den leuchtend roten Krebsen wurden geknipst und begleitend von Entzückungslauten wie „ohh“, „wow“ und „hooow beautiful“ fuhren wir per Boot auf unsere erste Insel: Santa Cruz. 

Alle freuten sich auf diese Woche und wir wähnten uns angekommen im Paradies. Unsere gutdurchmischte und erwartungsfrohe Reisegruppe bestand aus drei älteren Pärchen (zwei aus den USA und eines aus England), zwei Kolleginnen aus den USA und vier single Ladies: eine Engländerin, eine Amerikanerin, die Kanadierin „Jacky“ (welche zu einer guten Kollegin wurde) und mir, als einzige „nicht-Englisch-Muttersprachige“). Mit unserem Guide Danilo, ein Galápagossianer oder Galápagonese (?), sprach ich so oft wie möglich Spanisch (ich war die einzige dieser Truppe die Spanisch sprechen konnte) und mit den anderen sprach ich von morgens bis abends Englisch. Diese Woche war ein exzellentes Fremdsprachen-Workout für mich. Übrigens dürfen hier nur Einheimische dieser Inseln Touristenguides sein. Dies als kleine Randnotiz.

Auf Santa Cruz fuhren wir zum Hafenort Puerto Ayora, wo Fischer, Pelikane und Seelöwen, uns bereits am Fischmarkt erwarteten. Nach dem Einchecken ins Hotel machten wir unseren ersten Spaziergang und besuchten das Darwin Institut, wo Riesenschildkröten gehalten wurden. Auf einigen Inseln werden nämlich die Schildkröteneier eingesammelt, damit die Jungen hier frei von Gefahren aufwachsen und später ausgewildert werden können. 

Am zweiten Tag spazierten wir zu den Lagunen “Las Grietas“ - wo wir einen Schwumm im glasklaren und erfrischenden Wasserloch, mitten in einer Felsformation, machen konnten. Am Nachmittag ging es per Schnellboot bereits weiter auf die zweite Insel: Floreana. 

Diese Insel war im Gegensatz zum touristischen Hafenort Puerto Ayora total ruhig und einsam - mit weniger als 200 Einwohner auf der ganzen Insel. Am dunklen und menschenleeren Strand „Playa Negro“ gab es nur ein Museum mit einer Bar im oberen Stockwerk. Nach dem Museumsbesuch, wo wir mehr über die Geschichte und Besiedlung dieser Insel erfuhren, nahmen Jacky und ich einen erfrischenden Schwumm im Meer. Wir waren die einzigen Strandbesucher, währenddessen der Rest unserer Gruppe uns beim Sonnenuntergang vom Bar-Balkon aus zuschaute. Die Stimmung war magisch und der Sonnenuntergang war traumhaft schön! Eingewickelt in unsere Badtücher gesellten wir uns etwas später zum Rest, genossen einen frischen Mojito und schaukelten in den Hängematten. Auf dieser Insel gab es praktisch keine Touristen, da es nur ganz wenige Hotelzimmer gab. Unsere Gruppe wurde in sogenannten Homestays untergebracht - Übernachtungsmöglichkeiten, welche von den Einheimischen angeboten werden und ihnen als Einnamequelle dient. Dies war eine Art soziales Engagement, für das sich unsere Reiseagentur „Gadventures“ stark macht. Was ich auch super fand: jede Mahlzeit wurde an einem anderen Ort im Dorf eingenommen. Somit unterstützten wir sämtliche Restaurants und Cafés auf dieser Insel. Für mich war dies eine der schönsten Inseln überhaupt: viel unberührte Natur, tolle und einzigartige Tiere und entspannte, sowie friedliche Bewohner. Ein wahrhaft traumhafter Rückzugsort, wo weder Hektik noch Unruhe vorherrscht. Am nächsten Tag spazierten wir zu einer schönen Bucht, wo wir einen ersten Schorchelgang unternahmen. Danilo, unser Guide, zeigte uns dabei zwei Wasserschildkröten, die hier anscheinend ihr Zuhause haben und wir aus nächster Nähe beim Schlafen, Essen und Luft holen beobachten konnten. Wir waren hin und weg von diesem Erlebnis und spazierten glückselig zurück zum Playa Negro - wo uns ein weiteres spannendes Tier überraschte: ein riesiger bunter Iguana, der wie ein kleiner Dinosaurier aussah. Ein prächtiger Farbfleck mitten auf dem dunklen Sand, der immer wieder witzig seinen Kopf auf und ab bewegte - als wolle er uns etwas mitteilen. Am Nachmittag unternahmen wir einen Spaziergang durch Floreanas Hochland, wo wir wieder Riesenschildkröten beobachten konnten. Weiter besuchten wir die „Pirates Caves“: Höhlen wo einst die Piraten Schutz und ein Zuhause fanden. Spaziergänge mit unserer Gruppe waren teilweise sehr anstrengend... einerseits wegen der vorherrschenden Hitze, andererseits aber auch wegen den vielen Fragen einzelner (eher älteren) Gruppenmitglieder - die alles gaaaaanz genau wissen und erklärt haben wollten. Jeder einzelne Schmetterling und Vogel wurde eingiebig betrachtet und studiert, alles war plötzlich suuuperinteressant. Die unzähligen Fragen verzögerten den Spaziergang sehr und die vielen Pausen ermüdeten die jüngere Generation unter uns etwas. Für einige eher unsportliche und/oder betagte Personen war dies wahrscheinlich genau die Absicht. ;-) Als wir an einer kaputten Hütte vorbeikamen, und doch tatsächlich jemand den Guide fragte was dies sei, hätte ich ihr am liebsten zugerufen: „It‘s a house! It‘s just a house!!!“. Viel anders fiel die Antwort unseres Guides nämlich auch nicht aus. Aber eben, so schön die Gesellschaft einer Gruppe auch ist (und wir hatten wirklich eine tolle Gruppe und gute Atmosphäre), so gehört Rücksicht nehmen und warten halt auch dazu.  Alles halb so schlimm. Am folgenden Tag ging es auf die dritte zu entdeckende Insel: Isabela.

Unterwegs sahen wir auf dem „Schildkröten-Felsen“ noch die bekannten Fregatt-Vögel, wo die Männchen in der Paarungszeit einen riesigen, roten Kehlsack aufplustern, was aussieht wie ein roter Ballon. Tatsächlich sahen wir mehrere solcher „roten Ballone“ auf diesem Felsen: ein eindrückliches Naturschauspiel, das man oft auch in Tierdokumentationen am TV sehen kann. Und wir durften dies live vor Ort beobachten, was für ein Glück! Als wir mit dem Boot in den Hafen fuhren, begrüssten uns bereits jagende Pinguine im Wasser und beim Bootssteg spielten und schwammen unzählige Seelöwen herum. Die Tierpracht auf den Galápagos-Inseln war einfach einmalig! Nirgendwo sonst in der Welt habe ich so viele schöne und einzigartige Tiere so zahlreich und nah in der wilden Natur sehen können. Mein Animallover-Herz war stets in heller Aufregung... Den spielfreudigen Seelöwen im Meer hätte ich stundenlang zuschauen können! 

In Tintoreras auf der Insel Isabela besuchten wir am Nachmittag erst eine Lagune mit rosafarbenen Flamingos, bevor wir dann mit dezimierter Gruppe (für einige war es verständlicherweise schlicht zu heiss und anstrengend) eine kleine Wanderung auf den Vulkan Sierra Negra machten. Oben angekommen bestaunten wir den zweitgrössten Vulkankrater der Welt (der grösste ist der Ngorongoro Krater in Tanzania). Wir hielten diesen Moment mit ein paar tollen Gruppenfotos und Yoga-Posen am Rande dieses eindrücklichen und riesigen Kraters fest, bevor es auf den Rückweg ging. Abends hatten wir noch einen glatten Abend in der Bar, währenddessen die Miss-Isabela-Wahl nebenan auf der Strasse stattfand. Wir überlegten uns noch kurz diese Veranstaltung zu crashen, beobachteten das Ganze dann aber doch vernünftigerweise aus der Ferne. 

Am nächsten Tag stand nämlich ein riesiges Highlight an: der Schorchelausflug nach Cabo Rosa! Die Geschichte dazu kennt ihr ja und meine heroische Hai-Annäherung habt ihr zu Beginn dieses Blogs bereits lesen können. 

Überwältigt von der Schönheit dieser Inseln und dankbar für diese unvergessliche Zeit hier, entschieden Tess (die Engländerin und fast-neue-Miss-Isabela), Jacky und ich etwas Gutes zu tun und diesem Ort etwas zurück zu geben (nebst dem vielen Geld, das wir hier definitiv zurücklassen - den günstig ist dieser Spass hier allemal nicht). 

So machten wir uns auf, den lokalen Strand „Malecón Cuna del Sol“ vom leider zahlreichen Klein-Abfall zu befreien. Denn genau diese kleinen Plastik- und Alu-Teilchen werden für die Meeresbewohner zur Gefahr, wenn sie mit Nahrung verwechselt und verschluckt werden. Dieser (auf den ersten Blick saubere) Strand hatte leider zahlreiche Bierdeckeli, Lollipop-Stengel, Zigaretten-Stummel, Bonbon-Plastikpapiere, Drähte, Gabeln, und was-weiss-ich-was-alles vergraben im Sand oder liegend auf der Oberfläche - wenn man nur etwas genauer hinsah. Ich besorgte uns eine Plastiktüte an der Bar und wir begannen, den ganzen Mist einzusammeln. Es dauerte keine fünf Minuten, da sahen wir, wie sich zwei kleine einheimische Mädchen leere Kokosnuss-Schalen schnappten und doch tatsächlich begannen, Müll einzusammeln. Wir waren überwältigt und hatten riesige Freude, dass diese zwei kleinen Engel uns einfach so, ohne Aufforderung eines Erwachsenen, halfen. Dies war für mich der grösste Erfolg - nebst den drei vollen Säcken mit eingesammeltem Abfall. Wenn wir mit unserer Aktion nur einer Wasserschildkröte das Leben gerettet haben, hat es sich allemal gelohnt. Zumal wir sehen konnten, dass es offenbar auch den Kindern am Herzen liegt, einen sauberen Strand zu haben. Ich denke, man kann viel bewirken, indem man ein Vorbild für die nächste Generation ist und ihnen einfach zeigt und vorlebt, was man tun kann. Ein drittes Mädchen gesellte sich dann auch noch dazu, dies hatte aber anfangs das Konzept nicht ganz verstanden. Als es ihre Kokosnuss-Schale voll mit Blumen und Palmen-Früchte in meinen Sack leeren wollte, musste ich ihr erst zeigen und mit meinem halbherzigen Spanisch erklären, was wir genau tun und suchen und dass alle Pflanzen am Strand bleiben dürfen. Aber es war so süss, ihre Hilsbereitschaft zu sehen. Und jedes Mal wenn ich sie für gesammelte Abfallteile gelobt habe, strahlte sie über das ganze Gesicht. Dieses herzerwärmende Erlebnis war ein schöner Abschluss, bevor es für uns zurück zur ersten Insel Santa Cruz ging, wo wir unseren letzten gemeinsamen Tag verbracht haben. Bei der Bootsfahrt nach Santa Cruz musste ich schmunzeln, als unser Boot beim Boarden in Schräglage geriet und fast umkippte, weil es (langverheiratete!) Paare gab, die unbedingt hintereinander das Boot besteigen und nebeneinander sitzen wollten. Das Prinzip wäre eigentlich klar und logisch - rechts setzen, links setzen,... so dass das Boot immer schön ausbalanciert ist. Doch der Anweisung unseres Guides widersetzten sich ein paar trennungsscheue Paare konsequent - auch wenn sie dabei in Kauf nahmen, dass unsere ganze Gruppe kenterte und im Wasser landete. Auf Santa Cruz, zurück am Puerto Ayora, machten wir unseren letzten Gruppen-Ausflug mit einem Spaziergang an den wunderschönen Strand „Playa Tortuga“. Ich entspannte ein letztes Mal an einem Galápagos-Beach, wo doch mitten in meiner tiefenentspannten Siesta ein riesiger, schwerer Ast direkt neben meinem Kopf in den Sand plumpste. Dieser Ast steckte neben meinem Liegeplatz im Sand um Äste des riesigen Gebüschs zu stützen. Offenbar wurde er aber dabei nicht gut (genug) fixiert. 

Geschockt sprang ich auf und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich soeben riesiges Glück hatte. Der mit etwa 15 Zentimeter-Durchmesser dicke Ast sah doch ziemlich schwer aus und hätte meinem Kopf wohl ziemlichen Schaden anrichten können. Direkt kam mir eine Kollegin aus der Schweiz in den Sinn, welche kurz zuvor fast von einem Baum erschlagen wurde und mir dies am Tag zuvor erzählt hatte. 

Ich weiss nicht ob mich dieser Zufall oder der Zwischenfall selber mehr geschockt hat, aber ich war hinterher einfach froh und dankbar, lag ich diese paar Zentimeter entfernt vom Aufprall-Ort. 

Nach letzten Souvenir-Einkäufen und einem letzten gemeinsamen Gruppendinner ging es für alle zurück nach Quito. Unser Bus schlängelte sich die schmalen Strassen hoch auf die 2800 Meter über Meer, wo die Hauptstadt Ecuadors thront. Quito ist übrigens die höchstgelegene Hauptstadt der Welt und hat aufgrund ihrer Höhe manchem Reiseteilnehmer zu Beginn unserer Reise Kopfschmerzen beschert. Wenn man vom Tal her hoch zur Stadt blickt, sieht man ein paar eindrückliche Hochhäuser und denkt anhand dieser Skyline, Quito sei eher eine kleine Stadt. Doch diese Stadt hat ein riesiges Einzugsgebiet mit 2.2 Millionen Einwohner! Sehenswert in dieser Stadt ist sicher der Künstler-Markt („Mercado Artesanal.“). An meinem freien Tag in Quito, bevor meine Reise weiter ging nach Costa Rica, besuchte ich zusammen mit Jacky diesen bunten Markt, der alles von selbstgewebten Kleidern, über Töpfereien, Schlüsselanhänger, Etuis, Schmuck, Schals und Hängematten anbot. Zuerst wollte ich gar nicht mit, da ich eh kein Platz für derartige Souvenirs in meinem Gepäck habe. 

Doch Jacky bot mir netterweise an, meine Sachen mit zu ihr nach Toronto zu nehmen. Denn meine Weltreise wird mich nach Costa Rica über Hawaii nach Kanada führen, wo ich per Zug von Vancouver nach Toronto reisen werde. Dass ich Jacky dann in Toronto besuchen werde haben wir eh längst abgemacht. Nun bot sie mir aber an, meine erworbenen Ecuador-Souvenirs in Toronto aufzubewahren. Bis dann würde ich auch wieder mehr Platz im Gepäck haben, denn meine Kollegin Melanie, die mich nun in Costa Rica aus der Schweiz besucht, wird mir nun einige Sachen mit nach Hause nehmen können. So begleitete ich Jacky natürlich gerne auf diesen speziellen Markt mit allerlei lokal angefertigten Waren und erstand mir unter anderem eine tolle Hängematte. Welch ein schönes Andenken für meinen Garten zuhause! Den letzten Abend in Ecuador liessen wir zu zweit in einem äusserst speziellen Restaurant ausklingen: dem „Quitu“, was laut Kellner das „Zentrum der Welt“ bedeutete. Dieses charmante kleine Restaurant bietet ein einmaliges Konzept an. Jeweils am Sonntag geht der Koch auf Farms in der Region und kauft dort die Lebensmittel ein, die zur Zeit Saison haben und im Angebot sind. Mit diesen lokalen und saisonalen Zutaten kocht er dann ein mehrgängiges Menu für die Gäste. Das Prinzip soll die Kultur von früher wiederspiegeln, wo gegessen und geteilt wurde, was man gerade im Garten ernten konnte. So genossen wir ein fantastisches 9-Gänge-Menu (5 kleine Vorspeisen, 2 kleine Hauptgänge und zwei leckere Schokoladen- Desserts, natürlich hergestellt aus der hervorragenden Ecuadorianischen Kakao-Bohne) und erhielten dazu die passenden Drinks. Eine Person war alleine zuständig für die Drinks, jemand schaute dass alle immer genügend Wasser zu trinken hatten, jemand war zuständig fürs Abräumen, jemand fürs Aufdecken und so weiter. Alles ging somit Schlag auf Schlag - wie ein kulinarisches Feuerwerk! Kurzum - wir waren im Ecuadorianischen Schlemmer-Himmel und genossen einen fantastischen letzten Abend in diesem wunderbaren Land.

Nun bin ich seit Dienstag in Costa Rica und verbringe hier zwei Wochen mit Melanie, welche mir von zu Hause (auch von netten Freunden, vielen Dank!) Ovi-Schoggi, Rivella, Zweifel-Chips, Biberli und Schoggi-Hasen mitgebracht hat. Ich habe mich sehr auf diese Grüsse und den Besuch aus der Heimat gefreut und werde euch im nächsten Blog berichten, was wir in Costa Rica erlebt haben. #puravida, bestimmt! ;-)

Bis dann - hasta luego!

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Kommentare: 1
  • #1

    Pa (Sonntag, 24 März 2019 21:03)

    Hallo Rahel
    Dass Du Tier aller Art vo Härze gärn hesch bin ich mir jo bewusst, aber dass Du dini unüberwindlich schinendi Hai-Fobie je emol verarbeite wirsch, isch für mich scho sehr idrucksvoll. Schinbar isch das i dem wunderschöne Naturparadies möglich. Ob ich i die "Haie-Höhli" inetaucht wär, bin ich mir of jede Fall gar nid sicher. Au dä Blog vo dim Abentürvodimlaebe isch einmal mehr eifach faszinierend ond spannend gschilderet. I wünsch dir witerhe vieli schöni Reise-Erläbnis. Liebi Grüess, de Pa