Salsa and Spanish-Lessons

Ich bin total im Seich... Knocked out. Ich weiss nicht mehr wo oben und unten ist. Ich hänge KOMPLETT in den Seilen. Es ist mitten in der Nacht, ich liege im Bett und bin todmüde, kann aber trotzdem nicht schlafen. Jetlag hoch drei, mein Körper streikt und dies aus gutem Grund! 14 (!!) Stunden beträgt der Zeitunterschied von Sydney nach Buenos Aires!! Vierzehn!! Nach meiner rund 16-stündiger Reise von Australien nach Argentinien wurde mein Tag netterweise um sage und schreibe viieeerzeeeehn Stunden verlängert! Unglaublich oder?! Kein Wunder schreit alles in mir: „ich maaaaa nüüümm“!!

Nun, wenn ich schon wach bin und eh nichts besseres zu tun habe (das Frühstücks-Buffet öffnet erst in 4 Stunden, arrgh!), dann nutze ich doch diese Zeit sinnvoll. 

So kommt es, dass ich morgens um 03:00 Uhr in einem Hotel mitten im Herzen von Buenos Aires das Fotoalbum von Australien mache. Online ist heutzutage ja fast alles immer und überall möglich... Und schliesslich habe ich, wenn ich im Sommer wieder zurück in der Schweiz sein werde, bestimmt besseres zu tun, als bei schönstem Wetter in der Stube am Compi zu sitzen! ;-) So sehe ich mir noch einmal alle schönen Bilder von meiner Reise an Australiens Ostküste an und schwelge in den Erinnerungen:


Nach meiner „Erholungs-Zeit“ in Brisbane bin ich mit dem Greyhound-Bus weiter gereist in Richtung Süden, mit erstem Halt in Surfers Paradise. 

Dieser touristische und lebhafte „bling-bling“ Beach-Ort erinnerte mich etwas an Miami Beach - mit der Hotel-Parade entlang des langen Sandstrandes. An diesem gut frequentierten Strand war der Sand fein wie Puderzucker und Lifeguards beobachteten das Geschehen. Surfers Paradise war auch etwas „Partytown meets Souvenirshop-Meile“ - crazy, amerikanisch und sehr busy. Lustigerweise gibt es unterhalb Surfers Paradise auch wirklich ein „Miami“ in Australien. Nach diesem hippen Ort war mein nächster Bushalt in Byron Bay, ein Ort wo sich auch auch viele junge „Partypeople“ tummelten - aber alles war etwas chilliger und gemütlicher als in Surfers Paradise. Byron Bay ist eher „Kiffer Paradise“ und gehört in die Abteilung Hippie-Town. Die meisten Männer hier hatten längere Haare als ich, dies lag aber sicher auch am „Surfer-Style“. Hier hat es ideale Strände zum Surfen, sowie einen schönen Weg entlang der Küste zu einem Leuchtturm. Auf meinem Spaziergang zum Leuchtturm habe ich übrigens zwei Zürcher-Mädels wieder angetroffen, welche ich im Musik-Bus in Richtung Adelaide kennen gelernt habe! So ein witziger Zufall... Kleine grosse Welt. Ausserdem habe ich eine sympathische, junge Zürcherin namens Jeannine im Bus von Surfers Paradise nach Byron Bay kennen gelernt. Lustigerweise waren wir im selben Hostel unter gebracht, so haben wir zusammen Znacht gekocht und australischen Wein getrunken - herrlich! 

Nach Byron Bay ging es weiter nach Yamba, das auch als das „Byron Bay von früher“ bezeichnet wird. Mir gefiel dieser beschauliche und ruhige Ort mit seinen unterschiedlichen Stränden sehr, wenn auch das Zentrum etwas sehr klein und ausgestorben war.

So fuhr ich um „mehr zu sehen“ mit dem Velo ins benachbarte Angourie, wo die wunderschönen „Blue and Green Pools“ waren, um dort eine herrliche Abkühlung zu geniessen. Und da sah ich sie: meine erste Schlange! Auf meinem Rückweg schlängelte diese lange, dünne schwarze Kreatur direkt vor meinem Velo über die Strasse und verschwand auch sogleich im Gebüsch! Ich war erleichtert aus zwei Gründen: 

1. Dass sie sich so schnell vom Acker gemacht und keinerlei Angriffslust gezeigt hat. 

2. Dass ich eeeendlich eine Schlange in Australien gesehen habe!! 

Ohne das hätte ich ja fast nicht das Land verlassen können, oder?! ;-)

Via Clarence River ging die Busreise weiter nach Coffs Harbour - ein wieder etwas grösserer Ort und wie es der Name bereits sagt, mit Hafen am Meer. Auch dort gab es schöne Strände (der wilde Park Beach und der ruhige Jetty Beach), auf welche man eine schöne Aussicht hatte vom Muttonbird Island Nature Reserve aus: ein begehbarer Hügel, wo brütende Vögel Schutz finden. Nach der kleinen Wanderung auf diese Erhöhung entspannte ich am Jetty Beach unter den Bäumen, als plötzlich eine Schar von rund 50 weissen und laut schnatternden Papageien heran geflogen kam. Sie machten es sich direkt oberhalb von mir in den Bäumen gemütlich und frassen die Früchte davon, welche aussahen wie kleine Tannzapfen. Ich beobachtete amüsiert das emsige Treiben und spürte immer mal wieder „Essensreste“ auf mich herunterfallen. Mich machte dieses Geschnabuliere auch hungrig, so zottelte ich weiter in den Botanischen Garten und verweilte in dieser wundervollen grünen Oase mit einem Glace und meinem Buch. 

Den letzten Halt vor Sydney machte ich dann in Port Mcquarie.

Dort habe ich unter anderem ein Koala-Spital besucht, wo verletzte und/oder kranke Koalas aufgepeppelt und versorgt werden. 

In der letzten Februar-Woche erreichte ich bereits meinen letzten Aufenthaltsort in Australien: die Weltstadt Sydney!

Wie im letzten Blog erwähnt, habe ich mir auch hier eine Wohnung genommen. Damit dies einigermassen bezahlbar war, entschied ich mich für ein Apartment im Vorort „Drummoyne“ - etwa 20 Minuten ausserhalb vom Stadtzentrum. Da aber regelmässig ein Bus von der Haltestelle direkt vor meiner Wohnung in die Stadt fuhr, war ich trotzdem sehr gut ans Citycentre angeschlossen. Ich verbrachte eine höchst kurzweilige Woche in Sydney - es gab so viel zu sehen, zu entdecken und zu unternehmen!

Einerseits besuchte ich natürlich die bekannten Highlights in der Stadt wie der botanische Garten, das berühmte Opernhaus, die Harbour Bridge und das Queen Victoria Building. Andererseits unternahm ich einige Ausflüge wie

einen Trip in die Blue Mountains - wo wir die Gesteinsformation „Three Sisters“ bestaunten und die Geschichte der Aborigines über diese angeblich drei versteinerten Schwestern erfuhren. Die Blue Mountains scheinen aus der Distanz übrigens wirklich blau, aus der Nähe betrachtet dann aber nicht wirklich. Wahrscheinlich verändert sich das aber auch je nach Lichtverhältnisse... 

In Sydney habe ich auch Jeannine wieder getroffen. Mit ihr und der Norwegerin Ronja spazierte ich einmal vom berühmten Bondi Beach (dort gibt es einen Pool, im Iceberg Club, wo die Wellen des Meeres in den Pool schwappen - ganz witzig!) zum Coogee Beach - eine schöne Wanderung entlang der Küste. An meinem letzten Sydney-Tag (somit auch mein letzter Tag in Australien), marschierten wir die 10 Kilometer von der Spit Bridge nach Manly - von wo her wir die Fähre wieder zurück nach Sydney nahmen. Für mich war dieser Tag der perfekte Abschluss meiner zwei wunderbaren und erlebnisreichen Monate in Down Under!


Nun erlebte ich wohl den längsten Tag meines Lebens durch die Reise von Sydney nach Buenos Aires: ein Tag mit 14 zusätzlichen Stunden! Was für ein Fluch und Segen zugleich... Kurz vor Argentinien überflogen wir Chile: ich war fasziniert von der wunderschönen Bergwelt, die ich von oben herab betrachten konnte! Beim Anflug von Buenos Aires staunte ich dann nicht schlecht ob den zahlreichen Villen mit Pools. Argentinien gehört mit Sicherheit nicht zu den ärmsten Ländern in Südamerika (es gibt auch hier grosse Armut, aber eben im Vergleich zu anderen Ländern in Südamerika gibt es hier auch einen grossen Mittel-/Wohlstand). Ziemlich schnell habe ich den Stellenwert des Fussballs in diesem Land bemerkt: Plakate von Messi und Co. waren allgegenwärtig. Ein Ticket für ein lokales Fussballspiel war jedoch kaum zu ergattern und ausserdem wahnsinnig teuer (ab mehreren hundert Franken aufwärts!). Die Stadt besitzt meines Erachtens nach viel europäischen Charme, vor allem was die Architektur betrifft. Da wähnt man sich teilweise in Paris oder Rom! Schöne, alte und reich verzierte Gebäude stehen prunkvoll mitten in der Stadt - vom imposanten Theater über das Casa Rosada (Sitz des Präsidenten) am berühmten Plaza de Mayo und den Obelisk auf der Avenida 9 de Julio. Diese Strasse ist übrigens die breiteste Strasse der Welt und die 10 Fahrspuren sind IMMER vollgas befahren! Vom Verkehr her würde ich sagen läuft es hier äusserst südländisch ab: viel Tempo, vieel Gehupe, gefährliche Manöver - umso frecher der Fahrstil, umso eher kommst du voran! Bei der Fahrt im Taxi in die Stadt musste ich ab und an wegschauen - da wurde es ein paar Mal brenzlig und wir passierten zwei Unfälle innert dreissig Minuten. 

Ich habe nirgendwo in der Stadt in einer Strasse eine autofreie Zone gesehen. Der Verkehrsstrom mit vielen Taxis und stinkenden Bussen fliesst rund um die Uhr kreuz und quer durch das Stadtzentrum! Dieses lärmige Chaos und die Verkehrsabgase haben mich manchmal schon etwas gefordert und übergefordert. Offensichtlich ist auch der Einfluss der Staaten: viele Fastfood-Buden erfreuen sich hier grosser Beliebtheit. Und was hier leider auch sehr präsent ist: das Smartphone! Am Esstisch, im Flugzeug, in einem Warteraum, in einem schönen Café... überall!! Und NICHT lautlos eingestellt. Es piepst und surrt pausenlos, Filme werden in voller Lautstärke geschaut - für mich war dies schon etwas gewöhnungsbedürftig. Zusammengefasst würde ich Buenos Aires nach meinem ersten Sightseeing-Tag folgendermassen beschreiben: 

Charmant, grossartige Architektur, präsente Polizei, chillig aber gleichzeitig lebhaft und laut, tolle grüne Parks, leider oftmals auch dreckig und stinkig, es lebt der Tango, es herrscht der Fussball und es dominiert das (Rind-)Fleisch. 

An meinem zweiten „BA-Tag“ habe ich einen Spaziergang durch das Naturreservat im Süden der Stadt gemacht. Dieser grosse Park war eine wunderschöne, grüne Oase voller Libellen und Schmetterlinge und sehr sauber - auf den ersten Blick. Ich erreichte ganz vorne den Fluss „Río de la Plata“, wo an diesem Sonntag zahleiche Einheimische die Sonne genossen. Aber baden, das tut hier keiner in dieser braunen Brühe. Am Flussufer warnen Schilder vor dem kontaminierten Wasser und machen auf die Verseuchung aufmerksam. 

Hier war dann leider auch zahlreicher Abfall entlang des Flussufers sichtbar. Und was ich erst im Nachhinein erfahren habe (das wusste ich an diesem schönen Sonntag zum Glück noch nicht): dieses Naturreservat wurde sozusagen aus einer Abfallinsel gemacht. Hier wurde einst der Abfall im Wasser entsorgt, und als dann die Natur das alles überwuchert hat, entstand eben dieser Park. Tja, nach den sauberen Ländern Neuseeland und Australien mit dem wunderbaren glasklaren Wasser überall, war das hier dann doch etwas ein Kulturschock für mich. Es ist ja auch traurig, dass die Menschen hier am Wasser leben aber nicht einmal darin baden können...

Am Montag habe ich dann einen Halbtagesausflug ins Tigre Delta gemacht: da schipperten wir mit einem Boot über den Rio de la Plata nach Tigre. Unterwegs sah man viele Häuser auf Holzstelzen mit eigenem Pier, die direkt am Fluss gebaut wurden und nur per Schiff erreichbar sind. Auf der Bootsfahrt habe ich Chris und Alex aus Brasilien kennen gelernt und plauderte mit ihnen in einem Spanisch-Portugiesisch-Englisch-Kauderwelsch. In unserer Reisegruppe waren auch zwei ältere Paare aus England und Schweden - mit ihnen stöberte ich über den Markt von Tigre. Nach einem Empanadas-Lunch (gefüllte Teigtaschen - DIE argentinische Spezialität) fuhren wir mit dem Bus via das Städtchen San Isidro zurück nach Buenos Aires.

Am Nachmittag besuchte ich den Karneval in der abgesperrten Avenida de Mayo. Die lokale Fasnacht war auch der Grund, warum ich am Montag und Dienstag noch schulfrei hatte - meine einzige Schulwoche wurde auf drei Tage verkürzt! Und dies erfuhr ich leider erst NACH meiner Buchung, NACHDEM ich alles schon bezahlt habe. Tja, so läuft es halt manchmal. ;-)

Aber dafür hatte ich an diesen zwei freien Tage Zeit, etwas mehr von der Stadt und der Umgebung zu entdecken. Und eben „Fasnacht à la Argentina“ zu erleben! Der Beginn der Karnevals-Meile war gesäumt durch Foodtrucks mit Spezialitäten aus Bolivien. Als ich etwas weiter ging kam mir eine Musikgruppe entgegen: es wurde getrommelt und getanzt. Leider war das dann auch schon alles an „Umzug“! Hinterher folgte keine Gruppe mehr. Auf der Strasse dominierte etwas anderes: eine Schlacht. Nicht mit Konfetti, sondern mit einem Kunststoff-Spray, der weisse Fäden auf die Häupter sprühte. Vor allem die Kiddies hatten ihren Spass damit... Ich habe jeweils einen groooossen Bogen um Personen mit diesen Dosen gemacht! Weiter gab es ein Konzert am Ende der Strasse, das überall auf einer Leinwand aufgezeichnet wurde und somit Musik in alle Ecken lieferte. Einzelne verkleidete Personen posierten für Fotos, das beliebteste Sujet war ein herausgepützelter und hübsch geschminkter Transvestit! Eine grosse Menschentraube versammelte sich vor dem Herr, äääh der Dame ähh,...?! Ausserdem sah man Glücksräder, Artisten beim Vorführen ihrer Kunstücke und Stände, wo sich Kinder schminken lassen konnten. Zusammengefasst war es eine Art „Zirkus meets Fasnacht meets Chilbi on the street“. Ich habe natürlich einfach einen Teil des ganzen Karnevals gesehen - wer weiss was am Dienstag noch los war! ;-)

Am Dienstag unternahm ich einen Tagesausflug auf die Residencia „Don Silvano“ - eine Art Ranch in der argentinischen Pampa, wo es darum ging, den Lebensstil der Gauchos (sozusagen die argentinischen Cowboys) kennen zu lernen. Man durfte auch selber Rössli reiten - was ich natürlich sogleich in Anspruch nahm. Viel mehr gab es da auch nicht zu machen bis zum Zmittag... Ich stellte mich in die wartende Schlange und musste dann zuerst einmal eine gefühlte Ewigkeit warten, bis bei der ersten Tourigruppe einmal alle endlich auf einem Pferd Platz genommen haben, sie dann endlich mal lostrotteten und dann irgendwann wieder zurückkamen. Beim Warten habe ich mich dafür mit mehreren Damen aus Bolivien und Brasilien angefreundet und konnte so wenigstens etwas mein eingerostetes Spanisch anwenden. Als WIR dann einmal an der Reihe waren, und bei uns alle eeeendlich auf einem Ross waren, riss bei meinem Gaul etwas der Geduldsfaden (verstehe mein Kollege total!). Er entfernte sich von der Gruppe und fing an zu fressen. Durch das Senken seines Kopfes verlor er die Führstricke am Kopf. Ist ja anscheinend auch suuper profihaft befestigt worden. Ich rief dem Tourguide-Gaucho, der genervt zu mir rüber kam und mich auf Spanisch sauer zu textete. Ich verstand Bahnhof und war verblüfft ob seiner schroffen Art. Was konnte ich denn bitte dafür?? Ja gewisse stolze Argentinier (ich sag jetzt mal stolz und nicht arrogant ;-)) unterhalten sich nicht gerne auf Englisch mit Touristen. Spanisch oder nada... Zum Glück gehe ich bald noch in die Spanisch-Schule! Meine neue Freundin aus Bolivien hat mir dann netterweise langsam und gut verständlich (da nicht enerviert) erklärt, dass ich mein Pferd nicht grasen lassen solle. Das Halfter verlor mein bockiger Gaul dann später trotzdem noch ein zweites Mal - und ihr könnt euch ja vorstellen... nun ja, dieser Austritt stösst bestimmt nicht in die Top Ten meiner Weltreise-Highlights vor. ;-p

Am Ende des Ausritts habe ich dem Gaucho dann höflich aber bestimmt auf Spanisch gesagt, er müsse Touristen auf Englisch briefen, wenn man etwas Wichtiges wissen müsse. Er hat sich dann immerhin noch bei mir entschuldigt, dieser kleine Macho. Etwas angesäuert und lustlos peilte ich den Esssaal an. Die Bolivien-Brasilien-Ladies-Fraktion, ein Paar aus Costa Rica und ich waren am Tisch Nummer 20 untergebracht. Dank ihnen und einem sensationellen Musikprogramm wurde dieser Ausflug dann doch noch ziemlich spassig! Wusstet ihr dass Rotwein in der Kehle brennt wenn man erkältet ist? Wahrscheinlich nicht! Wer trinkt schon Wein wenn er/sie halb krank ist... Nun ich war ziemlich erkältet, wollte aber nicht auf den feinen argentinischen Rotwein verzichten. Schliesslich habe ich für das alles bezahlt und ich wollte Alkohol nach diesem Ross-Flop. Beim Essen gab es wie gesagt musikalische Einlagen und die waren vom Feinsten! Der Sänger sowie die Tänzer machten einen sensationellen Job. Wir genossen Tango, argentinische Lieder (natürlich auch „Don“t cry for me Argentina“ oder eben „No lorres por mí Argentina“ - ausgesprochen: „No schorress por mi Archentiiina“) und sonstige Darbietungen. Dann begann die eigentliche Show: der „Julio Iglesias Argentiniens“ begann Songs aus allen Ländern zu singen, woher die heutigen Touristen stammten (und es waren bestimmt etwa 200 Leute im Saal!). Alle hatten ein riesen Gaudi wenn ein Lied aus IHREM Land gesungen wurde! Nach Australiens „Waltzing Mathilda“, Deutschlands “Freude, schöner Götterfunke“, und einigen Südamerikanischen Schnulzen fragte er mich, ob es ein typisches Schweizer Lied gäbe! Ich nickte eifrig, und freute mich auf „meinen“ Song! Nun - er kannte keinen. Daher forderte er mich auf, es selber zu singen und auf die Bühne zu kommen. Erschrocken winkte ich ab und zierte mich verlegen, aber doch seeehr bestimmt vor einem Bühnenauftritt. Um vor 200 Menschen zu singen war ich a) zu erkältet und b) hatte definitiv noch zu wenig Wein getrunken. Als Julio („Chulio“) dann ein Song auf Chinesisch angestimmt hat, schnellten an der Chinesen-Front zig Natels in die Höhe - es gab kein Halten mehr! Besonders bei einem Chinesen... Einer, der sich wohl für Pavarotti hält. Er stürmte zum Erzücken aller Asiaten die Bühne, verdrängte Julio einfach vom Mikrophon und trällerte sich die Seele aus dem Leib! Seine Fans jubelten, wir alle hielten uns die Ohren zu. Es tönte einerseits ziemlich falsch und andererseits wars einfach schlicht zu laut. Bei seinem desaströsen Auftritt dachte ich mir so, hätte ich ruhig auch ins Rampenlicht treten und „es Buurebüebli“ krächzen können. Wahrscheinlich hätte der Grossteil noch gejubelt... aber eben, ich hatte meine Chance und vergab sie. Der Chinese hingegen hatte wohl den Auftritt seines Lebens und verliess (zum Glück!) am Ende des Liedes freudestrahlend wie ein Honigkuchenpferd die Bühne. 

Nach dieser Gaucho-Fiesta gab es noch ein paar Kunsttückli der Reiter mit ihren schnellen Pferden zu bestaunen (hier waren sie etwas motivierter, da es im Galopp zur Sache ging). Dann war der Hokupokus auf dieser Estancia vorbei. Zurück im Hostel lief mein Natel auf Hochtouren: ich hatte zig neue Facebook-Freundschaftsanfragen meiner neuen Südamerikanischen Freunde erhalten, gemeinsame Fotos wurden ausgetauscht und eine Einladung für Costa Rica (wird meine übernächste Destination auf meiner Reise sein) flatterte auch noch in meinen elektronischen Briefkasten. Herrlich diese Latinos!

Meine dritte Nacht im Hostel stand bevor, und leider muss ich sagen, schlief es sich nicht so gut in dieser ringhörigen Unterkunft. Die Wände waren sehr dünn und meine Türe auf den Balkon hinaus war nicht richtig verschliessbar. Da vor meinem Zimmer direkt die Strasse durchführte, fühlte es sich an, als ob die brummenden Busse direkt durch mein Zimmer ratterten. Ausserdem kam die heulende Kehrichtabfuhr jeden Abend gegen 23:00 Uhr - vorher musste man eh nicht versuchen zu schlafen. Denn genau, die Abfalltonnen standen natürlich direkt unter meinem

Zimmer. Jackpot. Und beim Türe-zu-Schletzen meiner teils rücksichtslosen Hostel-Mitbewohner schäpperte alles so laut, dass ich im Bett STAND. Trotz Ohrenstöpsel. Da half nichts mehr... 

Meine Erkältung, die immer schlimmer wurde, trug auch nicht zu einem friedlichen Tiefschlaf bei. Und umgekehrt half der Schlafmangel natürlich auch überhaupt nicht, meinen gesundheitlichen Zustand zu verbessern. So schleppte ich mich am Mittwoch-Morgen (ohne Frühstück und Kaffee, Hostel-Küche öffnet erst später - na braaavo!) todmüde und halbkrank in die Schule zum Einstufungstest. Ich wurde dort äusserst herzlich von Mariel (der Schulleiterin) begrüsst, und hatte sogar nach dem Test gleich meine erste Pause. Ich nutzte diese Gelegenheit, mir einen Koffein-Schub zu besorgen - so ging es schon etwas besser! Ich wurde in eine zweiköpfige Klasse eingeteilt: eine Brasilianerin und ich. Wir hatten sozusagen Privatunterricht - wobei ich mich eher abkämpfte, währenddessen Christiane, die Brasilianerin, einfach mehr oder weniger Portugiesisch drauflos quasselte und hin und wieder ein paar spanische Wörter in ihr Portugiesisch einwarf. Der Unterricht war für mich demnach sehr intensiv und anstrengend, aber es machte durchaus Spass, wieder die Schulbank zu drücken und mein Spanisch (das ich ursprünglich vor über 15 Jahren (!) gelernt habe) aufzufrischen. Nach der Mittagspause war dann Salsa-Unterricht angesagt! Meine Hoffnungen auf einen Saal voller heissblütiger lateinamerikanischen Salsa-Traumtänzer wurde jäh zerschlagen, als mir meine Tanzlehrerin mitgeteilt hat, dass ich die einzige Schülerin sei. Wieder einmal Einzelunterricht... das kam mir doch bekannt vor!! ;-) Somit wurde auch der Salsa-Unterricht sehr intensiv, aber wir kamen umso schneller voran. Durch meine turnerischen Vorkenntnisse und jahrelanger Gymnastik-Praxis, habe ich die Schritte rasch gelernt. Aber aus dem „Kopf durchlüften“ nach dem Schulunterricht wurde nicht viel: ich musste mir Schrittabfolgen merken und wollte gleichzeitig natürlich optisch und tänzerisch meine hinreissende und begabte Salsagöttin-Lehrerin beeindrucken. Aber beim Tanzen ist es leider so: je mehr du denkst und dich anstrengst, desto verkrampfter wirkt es. Loslassen und sich zur Musik treiben lassen wäre das Rezept. Und neben ihr, die so natürlich und wahrscheinlich angeboren ihre Hüften gummiweich kreisen und Arme wellenförmig gleiten lassen kann, habe ich (wie ich im riesigen Spiegel direkt vor mir sehen konnte - vieeelen Dank dafür!!) ziemlich „gstabig“ gewirkt - meiner Ansicht nach! So gab ich mir also alle Mühe, die Tanzschritte, die mir in einer fremden Sprache beigebracht wurden, in meinem bereits durch die Schullektionen randvolle Hirni zu speichern, gleichzeitig an die Beine, an die Hüfte und die richtige Bewegung der Arme zu denken, und dabei sozusagen grazil zu schweben, Kopf hoch zu halten, strahlend zu lächeln, mich sexy zu fühlen und zu blühen wie eine Blume im Frühling.... Dies alles während meine Nase lief, ich kaum atmen konnte und Niessattacken unterdrücken musste, meine Stirn fiebrig schwitzte und ich unter akutem Schlafmangel litt. Null problemo, oder?! Könnt ihr euch vorstellen wie (un-)verkrampft meine Ausstrahlung war? Ich versuchte wie ein stolzer Pfau hin und her zu schweben, meine Hüften erotisch kreisen lassen - dabei schmerzte mir noch der Rücken vom Rössliritte bei den Gauchos. Es hat mir (trotz allem) aber sehr viel Spass gemacht und am Ende dieser drei Unterrichtstage konnte ich eine längere, vielseitige Schrittkombination tanzen! Es macht auf jeden Fall Lust auf mehr und alles in allem war der Kurs eine super Erfahrung - in einem Land, wo das Tanzen einen so hohen Stellenwert hat! Hier ist Tanzen ein Lebensgefühl und Ausdruck der Emotionen und Leidenschaft. 

Passión y Emoción! :-) Olé!! 

Zum Abschluss meiner Schultage erhielt ich sogar ein Diplom. Yeahh! Ich bin wirklich etwas stolz auf mich, habe ich diese drei Tage diszipliniert durchgezogen - trotz Müdigkeit und Erkältung! Und es hat sich für mich gelohnt. In der kurzen Zeit habe ich doch einiges gelernt und erlebt. Nach einem freien Erholungstag am Ende dieser Woche und dank Nasenspray, Neocitran und einer Nacht in einem Hotel (ich war soo froh als ich dieses Hostel verlassen konnte!) geht es mir nun wieder etwas besser und meiner Weiterreise nach Ecuador stand zum Glück nichts im Weg! Angekommen in Quito freue mich nun unglaublich fest auf ein absolutes Highlight meiner Weltreise: eine Gruppen-Rundreise auf den Galápagos-Inseln! Dieses Reiseziel war schon lange ganz oben auf meiner Liste, nun ist es endlich soweit... :-)


Hasta luego, amigos! 

Saludos de América del Sur <3

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Kommentare: 1
  • #1

    Karin (Sonntag, 17 März 2019 09:14)

    Hallo Liebs
    Wie immer super gschribe ha es paar mau müesse Lache! Wiiter so!
    Gniess es no ganz fescht u la ders la guet ga