Ups and Downs in Down Under

Ich WOHNE. Zumindest für drei Tage. So richtig mit Küche, Waschmaschine, Esstisch, Stube und allem drum und dran. Und ich sage euch - das tut sooo gut!! Endlich kann ich mal wieder selber kochen, in Ruhe meine Kleider waschen, vor dem Fernseher rumhängen - einfach tun was man so in einer Wohnung halt tut. Und was mich sehr gefreut hat: einmal alles auspacken zu können!! Ich bin gerade in Brisbane und habe hier in ein Apartment anstatt Hostel oder Hotel eingecheckt. Als erstes habe ich voller Freude mein Necessaire ausgepackt und alles fein säuberlich im Bad aufgestellt... Herrlich!! Anstatt alles immer direkt aus der Tasche oder eben dem Necessaire zu nehmen, kann ich mich hier für einmal „breit machen“. Hier bin ich um meine Batterien wieder aufzuladen, um all meine Erlebnisse der letzten Tagen (ja Wochen!) verarbeiten zu können und ich geniesse einfach das „normale Leben“: selber kochen, spazieren gehen am lebhaften und grün-bepflanzten Brisbane River, im hauseigenen Fitness spörteln und eben in Ruhe diesen nächsten Blog schreiben. 

Ich bin nun ein halbes Jahr (!) unterwegs und kann bereits auf unzählige Erlebnisse, Eindrücke und Abenteuer zurück schauen. 

Umso wichtiger wurde es deshalb auch für mich, zwischendurch Pausen und somit Tage einzubauen, wo die gefüllte Speicherplatte in meinem Reisehirni nicht allzu viele neue Eindrücke aufnehmen muss. 

Ich bin voll im Reise-Flow und kenne meistens die Zeit in der Schweiz gar nicht, ich trage keine Uhr und weiss oft nicht mal welcher Wochentag gerade ist. Es spielt ja auch keine Rolle! Und manchmal frage ich mich morgens beim Erwachen zuerst: In welchem Land bin ich jetzt? Welche (gefährlichen) Tiere hat es hier? Bleibe ich heute hier, oder geht es weiter? Das ständige Reisen, von einem Ort zum nächsten, kann selbst eine langjährige Flugbegleiterin teilweise etwas überfordern und ich habe lernen müssen, es manchmal etwas langsamer anzugehen und nicht immer überall „alles“ abklappern zu wollen. 

Ich geniesse das Reisen immer noch in vollen Zügen, aber (wie auch sonst im Leben) gibt es immer wieder einige Hochs und Tiefs - und dies meistens lustigerweise phasenweise. Nach Karins Abreise ende Januar in Perth hatte ich eben eine solche zwischenzeitliche Tief-Phase, verursacht durch ein paar kleine Stolpersteine auf meinem Weg. Ich habe dies euch am Ende meines letzten Blogs bewusst verschwiegen, da ich einerseits ein Blog nicht mit einem negativen Touch aufhören möchte und andererseits, da ich damals in Esperance auch fest daran geglaubt habe, dass es ab sofort wieder bergauf geht! Doch es ging leider noch etwas weiter mit der - sagen wir - „Pechsträhne“. Es waren alles harmlose und hinterher betrachtet absolut nicht-schlimme Sachen, aber im Moment selber für mich jeweils nicht immer einfach zu bewältigen. Und ich will euch ja so authentisch wie möglich von meiner Reise berichten! Es ist nicht immer alles Jupidu und Hopsassa. Und alleinreisend muss man sich auch immer selber aus dem Loch buddeln. Je nach Gefühlslage und Gemütsverfassung gelingt mir das relativ leicht: da nehme ich zackzack die Schaufel in die Hand und buddle drauflos. Es gibt aber auch Momente, wo ich dann zuerst tief durchatme, mich etwas bemitleide und widerwillig, gar trötzelig mit der Schaufel rumstochere. Aaalso... 


Meine erste Campernacht alleine/ohne Karin war gleich geprägt von einem weiteren Hunde-Schreck-Moment! Als ich nämlich abends im Dunkeln die zirka 15 Meter von der Toilette zu meinem Camper zurück ging, begann der Schäferhund meiner Nachbarn laut zu bellen und rannte im Garacho auf mich los. Ich schaffte es gerade noch in mein Gefährt und zog rasch die Tür hinter mir zu. Als ich geschockt nach draussen blickte stand schon dieser Wolf von einem Hund direkt vor meiner Campertür! Mit rasendem Herzen lag ich nun alleine in diesem Van und mir war klar: „Diese Nacht wirst du NICHT auf die Toilette gehen!! Komme was wolle...“ Ich überlegte mir sogar, direkt am Morgen loszufahren, ohne nach draussen zu gehen. Dann kam mir aber in den Sinn, dass dies leider unmöglich war, da mein Stromkabel draussen eingesteckt war. Doof. 

Am nächsten Morgen, beim Gang zur Toilette, kam die Hundebesitzerin zu mir und entschuldigte sich für das Verhalten ihres Hundes vom letzten Abend. Es sei ein ehemaliger „Retter-Hund“, welcher sich gewohnt war sie zu beschützen. Ihr war das alles sehr unangenehm und mir half dieses Erlebnis natürlich gaaar nicht, meine Angst vor Hunden zu mildern. Warum Hunde dieser Grösse, inmitten anderer Menschen auf einem Campingplatz nicht an der Leine gehalten werden, verstehe ich beim besten Willen nicht. Soll mir keiner sagen, „der macht ja nichts“. Tiere haben ihren Willen und vor allem Instinkte, die nicht kontrolliert werden können und die sie unberechenbar machen. Und das ist auch gut so! Aber eben, dehalb braucht es meiner Meinung nach auch der nötige Respekt und das richtige Verhalten (vor allem das, der Hundebesitzer - das Tier selber kann ja nichts dafür!). Meine Fahrt ging an diesem Morgen weiter nach Esperance, wo man mir beim Einchecken auf dem Campingplatz mitgeteilt hat, dass ich nicht ein Platz in Esperance, sondern im fast 500 km weit entfernten Albany, reserviert habe. Wohlwissend, dass der Australia Day bevorstand und ich deshalb kaum noch irgendwo Platz finden würde, hinzukommend (für australische Verhältnisse ungewohnt!) die genervte Art dieser Rezeptionistin und meine Müdigkeit nach der langen Fahrt, war die Energie, diese Hiobsbotschaft zu verdauen, schlicht nicht vorhanden. Tränen schossen mir in die Augen und hing niedergeschlagen am Tresen. Die Rezeptionistin hatte angesichts meines Gemütszustandes dann wohl doch etwas Erbarmen und fand schlussendlich via Telefonanuf für mich einen anderen Platz in Esperance. Gott-sei-dank... 

So konnte ich die wunderschöne Umgebung von Esperance dann doch noch geniessen (dies habe ich erzählt im letzten Blog). Aber es war ehrlich gesagt nicht nur lustig, den Nationalfeiertag dort ganz alleine zu verbringen. Alle waren in Gruppen von Familien und Freunden in Feierlaune. Mir macht das Reisen alleine eigentlich wirklich nichts aus - aber auf einem Campingplatz wimmelt es nun mal von Familien, Pärchen und Freundes-Gruppierungen - da ist man als Alleinreisende schon etwas der Exot. Auch das würde mir eigentlich nichts ausmachen - wären da nicht die anderen, die einem manchmal komisch anschauen. Als ich da so alleine an meinem Camping-Tischli sass, hörte ich regelrecht die Gedanken einiger vorbeigehenden und starrenden Camper: „Ja ist die denn ganz alleine hier?!“. Als ob man alleine auch automatisch einsam sei... Einsam kann man meiner Meinung nach auch gerade so gut in einer Gruppe sein.

Auf dem Campingplatz in Cheynes Beach (auf dem Weg nach Albany), direkt an einem wunderschönen Strand mit glasklarem Wasser, wurde ich auch von meinen Nachbarn gefragt, ob ich denn alleine reise. Ich werde das ja immer wieder gefragt, und ich bejahe das jeweils gerne mit etwas stolz und ernte dafür auch oft Bewunderung und Lob. Aber dieses Mal zog es mich wirklich etwas runter und ich merkte, dass nicht alle Orte (oder Arten zu reisen) gleichermassen geeignet sind um alleine zu reisen. Und wie bereits erwähnt kommt es bei solchen Situationen auch immer auf die eigene Verfassung an... Ich musste mich nach vier Wochen Reisen mit einer guten Freundin halt auch wieder an das alleine Reisen gewöhnen. Deshalb war ich vielleicht auch etwas sensibler diesbezüglich als sonst. Und ehrlich gesagt hat es mich auch etwas gestört, dass man sich so fühlen muss aufgrund anderer Menschen. Nur weil etwas nicht „standart“ ist, wird schräg gekuckt... und ich Totsch lass mich dann auch noch davon beeinflussen oder gar runter ziehen. Ich muss definitiv noch daran arbeiten, dass es mir (in solchen Situationen) total egal ist was andere denken! Ich habe diesbezüglich sicher schon Fortschritte gemacht. Auf meiner Reise zerstreue ich oft Zweifel mit dem Gedanke: „kennt mich ja eh keiner hier“. Zum Beispiel wenn ich völlig komisch gekleidet bin. Hihi. Und alleine zu essen oder ins Kino zu gehen ist für mich mittlerweile völlig normal. Die Kunst wird es dann wohl sein, dies auch in der Schweiz so zu handhaben. :-)

Ich muss aber auch sagen, dass ich oftmals von anderen eingeladen werde, mich zu ihnen zu gesellen. Dies sind meistens Personen, die auch schon selber alleine gereist sind, und nicht komisch schauen, sondern denken: „Ah die reist alleine, das ist spannend - die hat sicher etwas zu erzählen und geniesst auch mal etwas Gesellschaft!“ Das finde ich jeweils extrem schön! Wenn man alleine reist muss man gezwungenermassen offen sein, will man nicht stets alleine sein. Wenn dies aber jemand von sich aus macht, der bereits in Gesellschaft ist - finde ich dies umso bewundernswerter! Und dies habe ich bis jetzt wirklich oft (gerade auch bei reiseerfahrenen Pärchen) erleben dürfen. :-)

Also weiter im Pechsträhnen-Text: 

Zurück in Perth gab ich dann den Camper ab, wo ich leider erst am Flughafen gemerkt habe, dass ich mein geliebtes schwarzes Sportjäggli im Camper vergessen habe. Ganz klar mein Fehler und typisch ich, aber die doofe Kuh, welche den Camper überprüft hat, hätte dies ja auch sehen können... *motz*

Ich flog dann spätabends weiter nach Melbourne und freute mich auf einen Tapetenwechsel, respektive auf einen neuen Ort und somit neue Abenteuer. Todmüde erreichte ich mitten in der Nacht mein Hotel und schleppte mich bereits am Morgen etwas jetlagged aus dem Bett - denn ich musste mein Mietauto abholen. Mit Sack und Pack stand ich an der Hertz-Theke, wo die nette Dame verwirrt meinen deutschsprachigen Schweizer Fahrausweis begutachtete. Sie fragte mich nach einem englischen Papier. Ok, bis jetzt wurde dieser Ausweis in Neuseeland für das Mietauto, und auch in Perth für den Camper, ohne zu zögern akzeptiert - aber no Problemo, ich habe noch meinen internationalen Führerschein dabei. Ich streckte den etwas demolierten Fötzel der Lady entgegen, welche mich dann wieder gehäuselt anguckte und entgegnete: „This one is expired!“. Was??! Ein Fahrausweis kann ablaufen?? Du verbrennti Zeinä!!

Dies habe ich nicht in Betracht gezogen, da unser nationale Führerschein ja kein Ablaufdatum hat. Zerknirscht schaute ich das Hertz-Fröilein an, aber auch ihr Mitleid und ein Rückruf mit ihrem Boss änderte nichts... Ich erhielt mein reserviertes Auto nicht!! Na bravo... Exzellent. Und was jetzt?!

Ok, ruhig bleiben. Eins ums andere... Zuerst einmal brauche ich Internetzugang. Ich bestellte mir ein Uber und fuhr in die Innenstadt zur Bibliothek. Hier haben die grossen, öffentlichen Bibliotheken immer Wifi-Zugang - was für ein Segen!! 

Connected to the internet buchte ich erst einmal ein Hotelzimmer für die kommende Nacht in Melbourne. So schnell komme ich hier nicht weg, das war klar. Und ich wollte dringend bei diesen knapp 40 Grad mein Gepäck loswerden! 

Als dies getan war und ich glücklicherweise bereits am Morgen dort einchecken durfte, schleppte ich mich durch Melbournes Sauna und Menschenmenge in das nächste Café. Denn mittlerweile war fast Mittag und ich hatte noch nichts in meinem Magen. So klar zu denken und weiter zu planen war eh unmöglich!! Nach einem bitteren Kaffee (ok Latte Macchiato kennen die hier anscheinend nicht - dies war ein starker schwarzer Kaffee mit einem Tröpfli Rähmli) und einer Zuckerbombe á la Frenchtoast mit Beeren und Vanille-Eis, begann ich die Fortsetzung meines „Bring-mich-aus-dem-Schlamassel-Plan“. 

Denn ich musste in vier Tagen in Adelaide sein - dann fährt mein gebuchter Ghan-Zug nach Alice Springs. Mit oder ohne mich. Mir wäre das erste lieber, denn das Ticket war doch für mein strapaziertes Reise-Budget etwas seeehr teuer. So konsultierte ich Tripadvisor und fand tatsächlich eine zweitägige Bustour von Melbourne nach Adelaide, entlang der Great Ocean Road. Start war der nächste Morgen.... Ich buchte diesen Trip und war soo was von erleichtert!!! Und ehrlich gesagt war es mir auch gleich recht, einfach mal nur sitzen zu können und nicht selber fahren, organisieren und die Route planen zu müssen. Es hat wohl so sein müssen... ;-) Denn wenn ich ehrlich bin, war das definitiv die bequemere Art zu reisen und von meiner Camper-Reise her war ich doch etwas fahrmüde. Gleich einiges entspannter und beschwingter verliess ich das Café.

Klar war mir aber, dass ich dieses mühsame „Wo-habe-ich-Wifi“-Spiel nicht mehr länger mitmache. Gerade bei solchen Situationen, wo etwas nicht klappt, hilft es schon sehr, direkt Internet-Zugriff zu haben oder auch mal innerhalb des Landes telefonieren zu können... 

Die Suche nach dem richtigen Anbieter erwies sich im Citycenter von Melbourne als nicht ganz so einfach wie erwartet. Aber einige Stunden später und um eine australische SIM-Karte reicher, streckte ich schweissgebadet alle Viere von mir im wunderschönen Royal Botanic Garden. Bei fast 40 Grad in einer Gross-Stadt finde ich es im Schatten dieser Pflanzen einfach am angenehmsten.

So ging es am nächsten Tag los mit dem Bus-Trip entlang der Great Ocean Road! Nach ein paar Stopps unterwegs machten wir eine Lunch-Pause in Apollo Bay, danach ging es weiter durch den Regenwald vom Great-Otway-Nationalpark, wo wir einen kurzen Spaziergang gemacht haben. Ich genoss es sehr, während der Fahrt einfach im Bus zu sitzen, aus dem Fenster zu schauen und dem sympathischen jungen Guide interessiert zu zuhören. Ich habe unter anderem gelernt, dass Känguruh-Mamis zwei Nippel in ihrer Bauch-Tasche haben: eine kleine Zitze mit reichhaltiger Milch für das Neugeborene und eine grössere mit dünner Milch für ältere Kinder. Wahnsinn. Ah ja, und, dass das Mami, wenn es nach der Geburt schnell wieder schwanger wird, den Embryo einfrieren kann, bis das kleine Baby aus der Tasche ist und es Platz hat für ein Neues!! So ist stetiger Nachwuchs bei diesen Beuteltieren garantiert... Krass gell!?! Na da habt ihr jetzt aber mal Stoff für Smalltalks!

Ich habe es ausserdem sehr geschätzt auf dieser Tour, für einmal in einer Gruppe zu reisen. Es waren einige andere Alleinreisende dabei und es war wirklich toll, sich gegenseitig auszutauschen und die Erlebnisse zu teilen. Leider war auch eine sehr laute deutsche Teenager-Schulklasse dabei, welche uns anderen etwas den Nerv raubte (vor allem auch dem Reiseleiter, der sich auf das Fahren konzentrieren sollte und bei seinen Erzählungen oftmals vom Teenie-Gekreische übertönt wurde). Der nächste Halt war das Highlight dieser Strecke: die 12 Apostel - riesige Felsformationen im Meer. Weiter sahen wir Loch Ard Gorge, Thunder Cave und die London Bridge - alles wunderschöne und eindrückliche Natur-Phänomene entlang dieser Küstenstrasse. In einem Pub in Warrnambool gab es schlussendlich das Nachtessen, bevor die letzte Etappe dieses Tages in den Grampians Nationalpark geführt hat, wo wir in einer Herberge übernachtet haben. Am nächsten Morgen fuhren wir auf eine Erhöhung und sahen auf das Victorian Valley mit Sicht auf eine Landschaft voller Wald, Seen und Berge - so weit das Auge reichte. 

Nach einem Abstieg zu den Mackenzie Falls gab es für mich einen Bus-Wechsel, denn „mein“ Bus fuhr zurück nach Melbourne, währenddessen ich zu einer anderen Gruppe stiess, die nach Adelaide weiter reiste. Ich kam vom Kindergarten- zum Musik-Bus! Denn diese Reiseleiterin war absoluter Musik-Fan und brachte ein Aussi-Klassiker („Waltzing Matilda“, „Down Under“, „Give me a home among the Gumtrees“) nach dem anderen - alles richtige Ohrwürmer! Auf jeden Fall wurde so die lange Fahrt nach Adelaide sehr lustig und kurzweilig. :-)

In Adelaide verbrachte ich dann zwei Nächte, wo ich am mittleren Tag diese Stadt zu Fuss erkundet habe, welche sozusagen rundum eingefasst ist in ein Viereck aus grünen Parks. Das Zmorge nahm ich beim Central Market ein, eine riesige Märthalle voller Läden und Cafés. Es war sehr angenehm an diesem Samstag-Morgen - ich war fast alleine unterwegs in dieser noch etwas verschlafenen Kleinstadt. Es war aber bereits am Morgen früh sehr heiss! Auch hier war ich wieder sehr froh um all die schattigen Parks und landete schlussendlich auch wieder im botanischen Garten. :-)

Am folgendem Tag hiess es Check-In beim Ghan-Terminal: beim stylischen Cüpli-Empfang begutachte ich die Masse dieser Senioren und mischte mich unter die jungen Leute, welche eindeutig in Unterzahl waren. Als ich meinen Sitz im Zug bezog, staunte ich nicht schlecht: ein Luxus-Zimmer mit komfortablem Sitz, einem Brünneli und diversen Reise-Utensilien stellte mein Zuhause für die nächsten zwei Tage dar! Und im Gang befand sich eine schöne Toilette mit grosszügiger Dusche. Alles im nostalgischen und authentischen Stil - dieser Zug hatte wirklich Klasse! Der Name „Ghan“ stammt übrigens von den Afghanischen Kamelreiter, welche in den 1840er Jahren in Australien immigriert sind und „Afghanis“ oder „Ghans“ genannt wurden. Sie kamen damals um den Bedarf an Gütertransporte zu decken. 1877 wurde die erste Zuglinie gebaut, die erste Zug-Reise von Adelaide nach Alice Springs fand 1929 statt, und im 2004 wurde die Schiene schlussendlich bis nach Darwin fertig gestellt. Ein Zug mit Geschichte! Der Ghan ist im Schnitt 900m lang (!!) und fast zwei Tonnen schwer. 50 Crewmitglieder kümmern sich dabei um die knapp 300 Gäste an Bord. Soviel zu den eindrücklichen Zahlen....

Aber zurück zu meinem „confy“ Abteil: Meine Nachbarin nebenan in dem verschliessbaren Kabäuschen war die 37-jährige Isabella aus Polen, welche in London als Personal Assistent gearbeitet hat. Mit ihr und Ann, einer älteren Lady mit viel Stil und Herzlichkeit, welche soeben ihre Tochter in Tasmanien besucht hat, nahm ich das Mittagessen im Speisewagen ein. Ann lebt in Alice Springs und hat uns natürlich viel erzählt über diese spezielle Stadt mitten in der Wüste und dessen Bewohner, die „Black Fellas“ (so nennen sie hier die Aborigines). Im Zug habe ich ausserdem eine 14-köpfige Gruppe aus der Schweiz angetroffen, die gerade ein Hauseigentümerverbands-Reisli durch Australien macht. Es war herrlich: ich musste X Mal die Geschichte meiner Reise erzählen! Die sympathischen und lustigen Senioren waren begeistert von meinem Abenteuer und konnten es kaum glauben, dass ich alleine eine Weltreise mache. Abends nach dem Nachtessen riefen sie mich zu ihrer „Absackerli-Runde“ und ich trank mit ihnen Portwein. Das Gelächter wurde immer lauter und einer älteren Dame, die zu kämpfen hatte mit ihren Drinks, half ich grosszügigerweise, ihr Gläsli zu leeren. ;-) Dies war mir lieber als nachher erste Hilfe zu leisten... Ich legte mich danach in mein durch die Crew vorbereitetes Bett (die Matratze hierfür ist hinter dem Sitz in einer Art Wandschrank verstaut) und nach seeehr wenig Schlaf in dieser Nacht (es war einfach zu laut und zu „rumpelig“) hiess es um sechs Uhr Tagwach! Der Zug hielt in Marla, wo wir bei einer Tasse Kaffee und Backwaren den Sonnenaufgang im Outback geniessen konnten. Hunderte Menschen versammelten sich neben dem Zug und ich fragte mich: „Wo kommen plötzlich all diese Leute her?!“ Denn im eigenen Zugabteil sieht man nicht viele Touristen. Schaut man aber von Aussen die enorme Länge des ganzen Zuges an, dann ist der Fall klar! Weiter ging die Fahrt in der goldenen Morgensonne stundenlang durchs „Nichts“; das heisst rote Erde weit und breit - mit ein paar dürren Sträucher oder kargen Bäumen.  Ab und zu sah man einen Sandsturm (Luft die herumwirbelt und aussieht wie oranger Smog) und ein paar elektrische Leitungen quer in der Landschaft. Von den Tieren her haben wir vor allem in der Abend-Dämmerung viele Känguruhs gesehen, und man sah auch hie und da Kühe und Emus. Leider waren da auch viele tote Tiere und/oder einfach Knochen und Skelette. Das Land da draussen war aber auch gar lebensfeindlich! 

Von Alice Springs, im Herzen des „Red Centre“, ging es für mich am nächsten Tag weiter zum Uluru (Ayers Rock), ein für die Aborigines heiliger Ort. Ich dachte mir: „Jaja, ist ja einfach ein grosser Felsen quer in der Landschaft, den man halt gesehen haben muss, reisend in Down Under“. Als ich abends von meinem Resort in Yulara zum Uluru gefahren bin und ihn aus nächster Nähe betrachten konnte, musste ich aber zugeben, dass dieser mächtige Felsen schon etwas Magie versprüht! Die Sonne schien durch eine kleine Wolken-Öffnung und strahlte ihn richtiggehend an - wie ein Star im Scheinwerferlicht! 

Einerseits steht dieser 3.6 km lange und 350m hohe Felsen wie ein mächtiger, unerschütterlicher Gigant fast absurd in dieser sonst flachen Landschaft - wie ein majestätischer Thron, der Ruhe und Beständigkeit ausstrahlt. Und dabei sollen 2/3 sogar noch unter dem Sand sein... Andererseits ist das Wechselspiel der Farben speziell: frühabends erscheint er braun und je tiefer die Sonne steht, wechselt seine Farbe von orange zu rot. Die grossen Einkerbungen (wie Krater eines Planeten) verleihen ihm eine interessante Struktur und die feinen schwarzen Linien nach unten (ich vermute vom Wasser, das bei Regen hinunter fliesst), sehen aus wie grosse, dreidimensionale Falten. Ihr seht, schlussendlich hat sich meiner Meinung nach der Trip dorthin absolut gelohnt! 

Vom Ayers Rock Airport flog ich dann direkt nach Cairns - in den Nordosten Australiens. Viele die Cairns bereits kennen, haben mir gesagt, dass ich dort nicht all zu lange bleiben soll und ich habe immer geantwortet: „Jaja, ich gehe von dort gleich weiter südwärts mit dem Greyhound Bus.“ 

Die Pläne ab Cairns musste ich jedoch etwas ändern, denn der unglaublich viele Regen in den letzten zwei Wochen hat hier in Queensland leider zu den schlimmsten Überschwemmungen, wie es sie hier seit über 100 Jahren nicht mehr gab, geführt. Vorallem Townsville war übel betroffen... Zu allem Elend tummelten sich dann dort noch Salzwasser-Krokodile in den Wassermassen. Erschütternde TV-Bilder zeigten immer wieder das schreckliche Ausmass an toten Tieren (vorallem Kühe und Schafe), zerstörte Häuser, kaputte Strassen und Menschen, die alles verloren haben und nur noch die Kleider besassen, die sie gerade trugen. So entschied ich mich natürlich, diese Gegend auszulassen und von Cairns runter nach Brisbane zu fliegen. Da es dort aber zu diesem Zeitpunkt auch noch regnete, blieb ich ausser Plan halt noch drei Tage in dem anscheinend nicht-so-tollen Cairns... Ich hatte absolut keine grossen Erwartungen an diese Stadt - wurde aber (vielleicht auch gerade deshalb) äusserst positiv überrascht! Herkommend vom heissen, trockenen und kargen „Red Centre“ war dies hier der völlige Kontrast: ich bin in den Tropen gelandet! Überall hatte es Wasser, grüne Wälder wie ein riesiger, exotischer Dschungel und sogar Zuckerrohrfelder habe ich gesehen. Eine Stadt mitzt im Regenwald! Warme 28 Grad mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit (so extrem auch aufgrund der letzten Regentage), überall Flughunde zwischen den Palmen und die schönen weiss-gelben Blüten der Frangipani-Bäume erinnerten mich gar an die Malediven! Mein Hostel war direkt an der schönen Esplanade: eine herrliche Flaniermeile am Meer, bestehend aus einem langen Holzsteg und vielen Shops, Bars und Restaurants auf der anderen Strassenseite. Als ich, satt von einer feinen Pizza, so dieser Esplanade entlang geschlendert bin, traute ich meinen Augen kaum: da war ein riesiger, beleuchteter Pool, der für die Öffentlichkeit gratis (!) zugänglich war. Die „Swimming Lagoon“ war ein wunderschöner Anblick im Dunkeln und für mich kaum zu glauben, dass es so etwas Tolles noch gibt, wo man keinen Eintritt bezahlen muss. 

Cairns ist übrigens die Stadt, „where the reef meets the rainforest“. Haha - und Raitschel met both of them... :-)

Am einen Tag fuhr ich per Gondeli mit der Skyrail hoch in den Regenwald. Durch das offene Fenster konnte ich das Gezirrpe, Surren und Pfeifen hören... Ich liebe einfach dieses Gratiskonzert der Natur und die spezielle Stimmung eines Regenwaldes! Diese Töne werden netterweise produziert von den hier wohnhaften Tiere wie Opossums, Schlangen, dem Rat Kangaroo (sieht auch so aus - wie etwas zwischen Ratte und Känguruh), dem Tree Kangaroo (sehen eher wie ein Affe aus), den vielen Vögel und Insekten wie Käfer und Schmetterlinge, sowie von den Reptilien wie Frösche und Geckos.

Unterwegs gab es einen Halt bei den eindrücklichen Barron Falls,  welche in dieser Regenzeit besonders viel Wasser transportieren. Der einheimische Uber-Fahrer hat mir gesagt, dass er diesen Wasserfall noch nie mit so viel Wasser gesehen habe! Ziel der Gondelfahrt war Kuranda, ein kleines Dorf mitten im Regenwald. 

Ich wollte dort einen Spaziergang entlang dem Fluss machen und erkundigte mich vorsichtigerweise bei der Bähnli-Station nach Krokodilen. Es gebe hier nur Süsswasser-Krokodile, welche Menschen normalerweise nicht attackieren und im Wasser bleiben, hat man mir gesagt. Okeee, ich habe eigentlich mit einem „Nein“ gerechnet. Dann fügte die nette Dame noch hinzu, dass es jetzt eventuell mehr hat als sonst - wegen der Flut, „so keep your eyes open - but you should be fine“. Hervorragend. So ging ich mal zuerst ins Dorf. Nun dieses „Dorf“ war doch ziemlich touristisch ausgerichtet, hauptsächlich bestehend aus Shops, Essmöglichkeiten und Märkte, welche indogene Kunst, wie Digeridoos und bunte Bilder anbieten. Es war alles sehr Hippie-mässig, bunt und überall ertönten Reggae-Klänge zwischen den Rasta-Köpfen hervor. Ein gechillter und entspannter Ort - wären da nicht hunderte von Touris aus China, die alle aufgrund des „Chinese New Year“ gerade Ferien hatten (und auf diese Weise das Jahr des Schweines begrüssten). Sie gingen aber fast alle nur den Shops und Restis entlang (und sagen dann sie waren im Regenwald!), so war es sehr einfach für mich dieser Menschenmasse auszuweichen, durch einen Spaziergang im Regenwald. Ich ging sogar kurz runter an den Fluss, aber nicht allzu weit... ;-)

Am anderen Tag in Cairns ging ich zur zweiten Hauptattraktion dieser Region: ich habe eine Bootstour ins Great Barrier Reef nach Fitzroy Island gebucht. Fitzroy Island ist eine kleine Insel vor Cairns, welche zu 95 % aus Nationalpark besteht (nur das Hotelresort und das Restaurant sind nicht Teil des Parks) und wird angepriesen als „einziger Ort, wo der Nationalpark auf das Riff trifft“. In meinem Ausflug inbegriffen war auch ein Schnorcheltrip, doch der hat mich von der Tier- und Korallenwelt her leider etwas enttäuscht. Die Sicht war ausserdem sehr schlecht, da die Sonne praktisch nicht geschienen hat. Ich war hier nur im inneren Teil des Great Barrier Reefs (das insgesamt die Grösse Italiens hat!). Wie ich gehört habe, sei der äussere Teil des Riffs etwas spektakulärer (aber auch weiter weg und dementsprechend eine längere Bootsfahrt). Aber immer wieder habe ich auch gehört, dass das Riff sowieso nicht mehr so schön sei wie früher - viele Korallen sind aufgrund der steigenden Wassertemperatur (den Klimawandel gibts wahrscheinlich wirklich!!) und all der Chemikalien im Wasser (z.B. Sonnencremes der Touristen), verblasst oder gar abgestorben. Um dies mit der Sonnencreme zu verhindern, trugen wir Anzüge beim Schnorcheln - in erster Linie aber auch um uns gegen die gefährlichen Quallen zu schützen, die in der jetzigen Jahreszeit an der Nord-und Ostküste Australiens sind. Auf Fitzroy Island habe ich ausserdem eine Auffang-Station für kranke und verletzte Wasserschildkröten besucht. Diese Tierart leidet besonders unter der Plastikflut im Meer: Wasserschildkröten müssen nämlich erst etwas komplett verdauen, bevor sie weitere Nahrung zu sich nehmen können. Fressen sie also unverdaulichen Plastik, verhungern sie schlicht. Dass sie krank sind, erkennt man daran, dass sie an der Oberfläche treiben (wenn sie gesund sind holen sie nur kurz Luft und tauchen wieder ab). Zu ihrer Hauptmahlzeit gehören Quallen. So verwechseln Wasserschildkröten (vor allem Jungtiere) leider Plastiksäcke und Ballöne mit Nahrung (Quallen). Wie überall auf meiner Reise, wo ich irgendwo am Meer war, wird hier die 

Wichtigkeit deutlich, dass wir unseren Plastik-Konsum reduzieren und uns darauf achten, dass Abfall nicht im Wasser landet. Es ist schon schlimm zu sehen, wie alle Tiere im Meer (vom Pinguin über die Walfische und Wasserschildkröten) schlussendlich die Leidtragenden unseres Abfallproblems sind. Zum Glück gibt es überall solche tolle Stationen und Organisationen, die den Tieren helfen und auf die prekäre Situation aufmerksam machen. Auch Strand-Säuberaktionen (sogenannte „clean-ups“) werden immer populärer. Ich selber versuche auch immer wieder Abfall am Strand mitzunehmen, wenn ich etwas sehe. Aber manchmal hat es so viel davon, dass es nur traurig macht. Ich hoffe sehr, dass wir dieses Problem irgendwann in den Griff kriegen - damit auch die nächste Generation all diese schönen Tiere, die ich auf meiner Reise bewundern darf, noch in der Freiheit und nicht nur noch im Zoo bestaunen kann. 

Was ich in Australien (sowie auch vorher in Neuseeland) wirklich toll finde, sind die überall für die Öffentlichkeit errichteten Barbeque-Möglichkeiten. Dort treffen sich abends und vorallem am Wochenende die Menschen draussen zum Grill-Plausch. Die Grills sind jeweils sehr einfach per Knopfdruck zu bedienen. Ich muss schmunzeln beim Gedanke, dass ein Tourist aus Australien in der Schweiz bei unseren Feuerstellen wohl verzweifelt den Start-Knopf sucht! ;-D Aber ich finde es auch irgendwie schön, dass unsere „Grill-Stationen“ richtige, altmodische Plätze zum Feuer machen sind. Das wäre wahrscheinlich vielerorts hier in Australien wegen der ständigen Gefahr von Buschbränden gar nicht möglich! 


Für mich heisst es heute Abschied nehmen von Brisbane. Mit dem Greyhound Bus werde ich in den nächsten Tagen etappenweise der Ostküste entlang in Richtung Sydney reisen. Der erste Halt wird „Surfers Paradise“ sein. Schon der Name klingt ja vielversprechend! :-) 

Mir gefiel das Leben in dieser Wohnung so gut, dass ich nun auch für die Zeit in Sydney ein Apartment gebucht habe. So kann ich ende Februar für eine Woche noch einmal „wohnen“ und zur Ruhe kommen, bevor meine Reise im März in Richtung Südamerika weitergeht - nach Buenos Aires (Argentinien), zu den Galapagos-Inseln (Ecuador) und dann nach Costa Rica. 

Ich bin ein Glückspilz, ich weiss. 

Die kleinen Hürden und Stolpersteine unterwegs sind wirklich nicht der Rede wert. Klagen auf hohem Niveau sozusagen. Denn sie machen die Reise schlussendlich zu einem Abenteuer und den Blog (hoffentlich!) etwas unterhaltsamer... 

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Kommentare: 3
  • #1

    Mimi (Dienstag, 12 Februar 2019 18:35)

    Hey Rahel, das bisch wider einisch meh typisch du: Stehauf-Frau par exellence!! Hut ab! Vieli anderi (unter anderem au ich..) hätte dr Bättel wahrschiinlich scho längstens anegschmisse und wider zrugg ind „Komfortzone“ gange! Ächt stark! Und dorum wünsch ich dir fürd Witerreis möglichst villi UPS und wenig DOWNS und trotzdem vieli spannendi, schöni und unvergässlichi Momänt!

  • #2

    Pa (Dienstag, 12 Februar 2019 21:06)

    Hallo Rahel, bi dine läbhaft beschriebne Gschichte (so früsch vo de Läbere) ond dene herrliche Bilder chamer sich wieder sehr guet i dis Reisemotto- Abentür vo mim Läbe - inefühle, i wünsch dir witerhe sehr viel UPS ond möglichst wenig DOWNS of dinere einmalige Reis, de Pa

  • #3

    Tamara (Samstag, 16 Februar 2019 14:08)

    Hoi Rahel, das isch wieder sone tolle Bricht, me cha richtig mitfühle und erläbe wie sich das alles afühlt. Ich chamer vorstellä, dases nit immer eifach isch… Aber du machsch das super! Ich wünsch dir witerhin e schöni Reis mit villne Ups :-) Liebi Grüessli us dr Schwiz