Kiwi Christmas

Ich gebe es zu: ich hab noch nie im Leben einen Harry-Potter-Film gesehen! Boom. Und bis vor kurzem waren mir auch die Herr-der-Ringe-Filme fremd. Fantasy-Filme sind einfach nicht so mein Ding... 

Nun hatte ich aber drei Tage Regen über Weihnachten, also ausreichend Zeit für Filme und um auf diesem Thema etwas aufzuholen. So habe mir eine Folge „Lord of the rings“ reingezogen. Denn schliesslich wurde diese Filmreihe dort gedreht, wo ich vor kurzem war: in Hobbiton (habe bereits in einem früheren Blog davon berichtet) und im Tongariro Nationalpark (davon werde ich in diesem Blog nun berichten). Nun sagen wir es so: den Film habe ich abgespielt. Ich schaute immer wieder mal hin wenn Orlando Bloom zu sehen war (obwohl diese lange, helle Haarpracht steht ihm ja gaar nicht!) oder wenn es schöne Landschaftsbilder von Neuseeland zu bewundern gab, wie zum Beispiel die Szenen der Hobbits in Hobbiton oder Szenen in den Bergen und in Wälder. Die ganze Handlung und die vielen Kämpfe, wo Frodo immer fast stirbt und dann Hurra-was-für-ein-Wunder wieder knapp überlebt, haben mich weniger interessiert... auch das gebe ich ehrlich zu. Aber den Mount Doom/Schiksalsberg im Film zu sehen, wo ich erst vor kurzem vorbeigewandert bin anhand des Tongariro-Crossings, das war schon speziell. Dieser Berg ist ein riesiger Vulkan im Tongariro Nationalpark, für die Maori ein heiliger Ort und benannt als Mount Ngauruhoe. Ich habe für das Tongariro-Crossing, eine der schönsten und bekanntesten Tageswanderungen weltweit, extra schönes Wetter abgewartet - und das hat sich wirklich gelohnt (was ihr hoffentlich auf meinen Fotos sehen könnt)! Die Farben der Vulkane und der smaragdgrünen Seen kombiniert mit dem stahlblauen Himmel waren schlicht atemberaubend! Ich habe die Wanderung mit Faustine, eine Französin welche ich zuvor im Hostel kennen gelernt habe, am Morgen früh um 6 Uhr in Angriff genommen. Nach einem kurzen ersten Aufstieg führte die Strecke durch ein flaches Stück, wo man anhand der Lavasteine sich auf einem fremden Planeten wähnte - wunderschön und einzigartig! Vorbei am Mount Doom ging es dann weiter hoch zum Red Crater. Auch das war sehr eindrucksvoll, die Sicht in diesen roten Krater. Danach trennten sich die Wege von Faustine und mir... Sie wollte da noch einen Abstecher auf den Mount Tongariro Summit machen, das nicht übersehbare Schild in rot („Go back!!) hielt mich aber davon ab. Sie liess sich nicht entmutigen, sie ist aber auch in der Ausbildung zu einem Trekking-Guide und hat sich das zugetraut... Fair enough! :-) Es folgte für mich ein Abstieg runter zu den Emerald Lakes („Smaragd-Seen“) was eher einer Rutschpartie glich, die Sicht runter in das „Seen-Tal“ war wunderschön: drei unterschiedlich gefärbte kleine Seen und überall dampft es und Schwefelgeruch liegt in der Luft. Richtig mystisch und eine richtige Natur-Schönheit, dieser Anblick! Es folgte die Durchquerung eines Tals zum Blue Lake und nach einem weiteren, leichten Aufstieg ging dann zum Glück alles nur noch talwärts - mit Sicht auf Lake Rotoaira. Ganz weit weg sah man sogar etwas versteckt Lake Taupo, mein Skydive-Ort. Nach 19.4 abwechslungsreichen und unvergesslichen Kilometer zu Fuss ging es für mich dann mit dem Auto weiter nach Huka Falls, wo ich am nächsten Morgen diese berühmte Stromschnelle besichtet habe - wo im Durchschnitt 220‘000 Liter glasklares Wasser in der Sekunde durchpreschen! Meine Reise auf Neuseelands Nordinsel führte mich anschliessend weiter nach Rotorua, wo ich unterwegs einen Halt im Wai-o-Tapu Thermal Wonderland („heiliges Wasser“) gemacht habe - auch hier zischt, raucht, brodelt und dampft es aus allen Löchern, 100 Grad heisses Wasser schlängelt sich in allen Farben (orange, gelb, grün, weiss, grau) durch Gesteine und auch hier dringt der gewöhnungsbedürftige Schwefelgeruch durch die Nase. Mit diesem Geruch nach faulen Eiern (als ob die ganze Umgebung hier an Blähungen leiden würde) musste ich mich zwangsläufig abfinden, denn in Rotorua, wo ich zwei Tage blieb, roch es genau so. 

Der Gestank kommt übrigens von den Sulphur Gasen, die es vorallem an Rotoruas Sulphur Bay gibt.

Die Umgebung von Rotorua war jedoch unglaublich schön: es hat dort viele schöne Seen (Blue Lake, Greeen Lake, Lake Tarawera), ein grosses, prächtiges Waldstück (die Redwoods) und an diversen Veranstaltungen kann man mehr über die Maori-Kultur erfahren. Als halbe Möchte-gern-Kiwi besuchte ich natürlich ganz tourihaft einen solchen Abend, wo unter anderem der berühmte Kriegstanz der „Haka“(zu sehen vor jedem Spiel der All Blacks, Neuseelands Rugby-Team) demonstriert und ein Maori-Dinner, ein sogenanntes „Hangi“ (Essen wird in einem Loch auf heissen Steinen gekocht), genossen wurde. Die ganze Veranstaltung war sehr authentisch, geprägt von viel Respekt vor dieser Kultur und trotzdem unterhaltsam. Ein gelungener Abend! Meine Rundreise führte weiter nordwärts Richtung Coromandel Island, wo ich erst in Tauranga den Mount Maunganui bestieg und abends Pizza am herrlichen Strand genoss. In Whitianga, im Norden dieser Halbinsel, spazierte ich dann zur Cathedral Cove - eine spezielle Gesteinsformation, ein Felsen mit Durchgang, halb durchflutet vom Meer, was täglich viele Touristen anlockt. Whitianga ist nicht nur bei den Touristen beliebt, auch viele Einheimische verbringen gerne hier ihre Ferien- und Festtage in ihren Ferienwohnungen. So erwartet das 4000-Seelen-Dorf an Weihnachten über 30’000 Menschen! Diese Weihnachts-Touristen kamen mir dann auch allesamt entgegen, als ich auf der wunderschönen Küstenstrecke zwischen Coromandel Town und Thames weiter gefahren bin. Auf diesen schmalen Strassen gab es die eine oder andere brenzlige Situation: links von mir sind die Felsen und rechts braust der Gegenverkehr heran, nicht selten riesige Jeeps mit Bootanhänger, welche auf meine Fahrspur ragten. Ich duckte mich jedes Mal reflexartig - als ob das etwas bringen würde... An dieser Küste konnte man auch zahlreiche Locals bewaffnet mit Plastikeimer und knietief im Wasser mit Gummistiefel beobachten, welche anhand Selbstbedienung in dieser Muschel-reichen Region, sich das Festmahl frisch und direkt aus dem Meer holten. Mein Festmahl an Weihnachten erwartete mich in Kerikeri, einem Küstenort ganz oben im Norden Neuseelands, an der Bay of Islands. Im „Te whare ma“ (übersetzt: das weisse Haus) habe ich für zwei Tage eingecheckt, um in diesem neuen und schönen Bed and Breakfast Weihnachten zu verbringen. Jane, die Gastgeberin, hat mich bereits im Vorfeld zu ihrem Weihnachtsessen eingeladen (bevor sie mich überhaupt kennen gelernt hat!). Diese vorbehaltlose

Gastfreundschaft empfinde ich wirklich als grossartig und nicht selbstverständlich - eine Familie lädt eine fremde Person an ihr Weihnachtsfest ein... Was für eine grosszügige Geste! Ich wurde verwöhnt nach Strich und Faden: es gab selbstgebackene Weihnachtsplätzchen, ich konnte mir sämtliche Weihnachtsfilme anhand Netflix zu Gemüte führen und dazwischen entspannte ich im Jacuzzi im Garten (einmal beim Sprudeln war ein Regenbogen direkt über dem Haus zu sehen - wie ein magischer Weihnachtszauber-Moment! Sorry, Kitschalarm...). Am Weihnachts-Morgen besuchten wir nach dem leckeren Frühstück die lokale Kirche - auch das war spannend, ein Kiwi-Gottesdienst auf Englisch und Maori. Nach dem Kirchen-Besuch gab es Geschenke und selbstgebackener Kuchen. In Neuseeland bringt übrigens

Santa die Weihnachtsgeschenke, in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Deshalb werden jeweils am Morgen des Weihnachtstages die Geschenke verteilt. Ich versuchte meiner Gastfamilie dann zu erklären, wer das Christkind ist - nicht ganz einfach in einer fremden Sprache! Auch bei der Erklärung, was „unser“ Samichlaus macht, geriet ich etwas ins Stottern... Sie waren erst etwas geschockt, dass der Mann im roten Mantel einen Bund Äste bei sich hat, um unartige Kinder damit zu schlagen. Ich habe dann rasch noch angefügt, dass die Rute eher eine Drohung darstellen sollte und nicht wirklich zum Einsatz komme... Den feinen Kuchen haben wir dann anhand zweier Spaziergänge durch die Kauri-Bäume (Neuseelands grösste Bäume) und entlang dem Kerikeri-River zu den Rainbow-Falls verdaut. Am Weihnachts-Abend kam ich dann in den Genuss eines echten Kiwi-Weihnachts-Dinner. Es gab ganz traditionell ein Büffet mit gefülltem Truthan, Salat, Würste, Kartoffeln, Pilze und diverse Saucen dazu. Dazwischen gab es Weihnachts-Cracker - die sind nicht zum Essen, sondern eine Art Geschenk mit zwei Enden und zwei Personen reissen daran. Wer das längere Ende danach in den Händen hält, gewinnt sozusagen den Inhalt. Ich hatte vorher in grosser Unwissenheit meine Hände frisch eingecremt und rutschte dann fatalerweise immer ab beim Reissen am Papier. Wir hatten aber (oder gerade deshalb) einen riesen Spass und kugelten uns vor Lachen! Das Dessert war dann ganz neuseeländisch: Pavlova-Kuchen, ein Dessert mit unten Meringue, oben fluffige Vanille-Schoggi-Fülllung und dies garniert mit Himbeeren. Ihr seht - ich hatte also eine tolle und traditionell weihnächtliche Zeit in Neuseeland! Und dies war aus zwei Gründen nicht selbstverständlich:

Erstens, hier in Neuseeland ist Sommer und damit fehlt ein für uns Europäer essentieller Teil der zu Weihnachten gehört, die Kälte und im besten Fall natürlich der Schnee! Ich weiss, den hattet ihr zuhause leider auch nicht... :-(

Zweitens, wenn man alleine reist und weit weg von seinen Liebsten ist, sind die Weihnachtstage nicht ganz einfach zu ertragen. Gerade in dieser Zeit fehlen einem die lieben Menschen besonders und man wäre gerne auch zu Hause bei den Feierlichketen dabei.

Deshalb bin ich Jane, Shelley und Steven besonders dankbar, haben sie mir in dieser Zeit ein richtiges Daheim gegeben und für mich somit unvergessliche Weihnachten, eben Kiwi-Weihnachten, beschert.

Ich selber wollte mich auch noch mit einem Geschenk bescheren und buchte am 26. Dezember einen Delfin-Trip in der Bay of Islands, inklusive Schwimmen mit Delfinen! Dies war schon immer ein grosser Traum von mir. Für mich war aber auch immer klar, dass ich dies nur im offenen Meer machen würde, wo diese Tiere sozusagen freiwillig mitmachen. Dies wiederum kostet mich aber einige Überwindung, denn bekanntlich schwimmt da ja so allerlei im grossen, weiten Meer. Ich litt einst jahrelang unter ernstzunehmender Haifisch-Phobie und habe mich früher kaum ein paar Meter ins Meer hinaus getraut. 

Durch die zahlreichen Malediven-Aufenthalte in meiner Flight-Attendant-Karriere (es sind sicher über 50 und somit sozusagen ein Jahr kummuliert!), konnte ich aber durch das Schnorcheln im hauseigenen Riff nach und nach meine Angst vor diesen respekteinflössenden, aber meist harmlosen Tieren überwinden. Und was man mir gesagt hat und mich wirklich sehr beruhigt: wo Delfine sind, sind keine Haie. ;-) Wären grosse Haie da, würden die Flippers einen Abgang machen. Nach einem kurzen Abstecher ins schöne Russell, Neuseelands ursprünglich erste Hauptstadt, ging es los aufs Meer - Ausschau nach Delfinen halten war angesagt! Nach einer längeren, aber sehr schönen Fahrt durch die zahlreichen Inseln der Bay of Islands fanden wir endlich was wir gesucht haben! Eine grössere Gruppe Delfine zischte durchs Wasser. Aber schnell war leider klar, dass wir hier nicht ins Meer dürfen... Einerseits war diese Gruppe auf Jagd (das würde auch nichts bringen, da wäre man viel zu langsam!) und andererseits hatte es Jungtiere dabei. Aus nachvollziehbaren Gründen gibt es in ganz Neuseeland diesbezüglich strenge Vorschriften, sodass man unter gewissen Umständen nicht mit den Delfinen Schwimmen darf. Wir genossem trotzdem den Anblick dieser wunderschönen und spielfreudigen Tieren vom Boot aus. In dieser Gegend waren Bottlenose Dolphins zuhause, eine Delfin-Art die eher gross ist, im Vergleich mit anderen - das grösste Tier war ganze 4-Meter gross! Also ein klein wenig war mein Angsthase auch erleichtert, dass er nicht ins Wasser konnte/musste. Mein mutiger Engel war natürlich zutiefst enttäuscht und stand schon mit Schnorchel und Taucherbrille parat... ;-) 

Aber ich befürworte absolut strenge Regeln im Umgang mit wilden Tieren, deshalb hatte ich absolutes Verständnis für die Situation. Wenn sich die Delfine ausruhen, ist das Schwimmen mit ihnen auch nicht erlaubt. Und hier gibt es noch eine sehr interessante Info zu diesen Tieren: wenn Delfine schlafen, schalten sie eine Seite des Gehirnes aus, die andere schaut dann, dass schön weitergeamet wird (was sicher noch ziemlich praktisch ist)! Nachher schläft dann die andere Seite des Hirni. Spannend, oder?! Da es auch ein Zeitlimit gab, wie lange wir mit dem Boot den Delfinen folgen durften, mussten wir uns dann wieder irgendwann auf den Rückweg machen. Ein schöner Ausflug war es allemal, auch ohne Delfin-Schwumm. Und ich reise ja noch weiter, vielleicht habe ich an einem anderen Ort auch noch die Gelegenheit dazu! Denn als nächstes wartet auf mich Australien, wo es bekanntlich neben Känguruhs und Qualas auch Delfine gibt! Zum Abschluss meiner Neuseeland-Reise fuhr ich gestern noch ganz hoch in den Norden, ans Cape Reinga. Somit war ich nicht nur an Neuseelands südlichstem Punkt, sondern habe auch noch den nördlichsten Punkt, wo das Tasmanische Meer und der Pazifik aufeinander treffen, gesehen. 

Und alles dazwischen war Genuss pur! Nach zwei wundervollen, abenteuerlichen und ereignisreichen Reisemonaten in diesem wunderschönen Land freue ich mich nun auf ein neues Land, ein grosses Abenteuer (Westküste mit dem Camper!) und Gesellschaft aus der Schweiz! 


Bis im neuen Jahr meine Lieben, ich wünsche euch allen von Herzen einen super Rutsch ins 2019!! 


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Kommentare: 5
  • #1

    Tamara (Freitag, 28 Dezember 2018 16:15)

    Liebi Rahel, es isch immer wieder sehr spannend dini Bricht z'läse. Wunderschön was du alles scho erläbt hesch. Ich wünsch dir e guetä Rutsch ins 2019. Liebi Grüessli us dr Schwiz :-)

  • #2

    din Papi (Freitag, 28 Dezember 2018 16:32)

    Hallo Rahel, du hesch i dim erste Neuseeländer-Blog gschriebe, dass das Land dis Härz im Nu eroberet hed. Dini läbhafte Bricht und wunderschöne Fotene zeige, dass dich die Faszination au i dene zwei Mönet nie loslo hed. I cha dir guet noche fühle. Es isch zwor scho 5 Johr här sit eusere Neuseelandreis, aber die Zit isch no immer sehr positiv präsent. I wünsch dir no schöni Stunde dört ond denn e guete Start in Australie. Ganz liebi Grüess, Pa

  • #3

    Ueli (Freitag, 28 Dezember 2018 18:13)

    LIABI RAHEL,
    ICH WÜNSCHE DIR E GANZ GUETI WITERREIS UND EN GUATA RUTSCH IS NEUE JAHR.
    LIABI GRÜASSLI
    UELI

  • #4

    Ma (Samstag, 29 Dezember 2018 12:46)

    Liebi Rahel
    Mit dine Bricht und dene wunderbare Fotene chasch du glaub ALLI für Neuseeland begeischtere! Es isch soo amächelig und me wott am liebschte all die schöne Ort au go entdecke!
    I wünsch dr en guete Witerflug und dass dich s Australie-Abentür au wieder so packt und begeischteret!
    Liebs Grüessli
    Ma

  • #5

    MoMi (Sonntag, 30 Dezember 2018 17:11)

    Liebi Rahel
    Di neuscht Bricht isch spannend wie immer. Danke vüumou, natürlech ou für die troumhaft schöne Fotine! Neuseeland isch eifach wunderschön.
    Guete Witerflug und schöne Johreswächsel und bis gli wieder, denn de vo Australie :-) .