Visible and invisible things

„What?! This is Mount Cook?!“ rief ich entgeistert und kippte fast von meinem Barhocker runter... und dies lag definitiv nicht nur an dem Liter Erdbeer-Limonen-Cider, den ich bereits intus hatte. Es lag vielmehr an meinem Emotionen-Cocktail von Erstaunen und Scham... Dieser Seebär von einem Holländer hat mir in diesem Pub am Lake Taupo gerade auf meinen Fotos gezeigt, dass ich den höchsten Berg Neuseelands abgelichtet habe... Dabei habe ich peinlicherweise stets diesen Berg weiter links davon in den Wolken vermutet. Das heisst, ich war tatsächlich zwei Tage beim Mount Cook und dachte ihn nicht zu sehen, weil ich ihn im Wolkenmeer glaubte. Dabei war dieser majestätische Berg stets direkt vor meinem Augen, ich habe ihn nur nie als diesen beachtet. Ojemine... Peinooo hoch zehn!! Ich habe immer allen erzählt, dass bei mir der Berg in den Wolken versteckt war. Dabei war er während der ganzen Wanderung im Hoover Lake Valley zum Gletschersee vor mir sichtbar! Das kommt wahrscheinlich davon, wenn man im Land des Matterhorns (4478 m ü. M.) und der Dufour-Spitze (4634 m ü. M.) aufgewachsen ist! Verwöhnt mit diesen Viertausendern erscheint einem dieser Berg mit 3724 m ü. M.  vielleicht dann zu wenig eindrucksvoll, um ihn als den grössten des Landes zu erkennen. Tja wenn man alleine reist und eine falsche Annahme trifft, gibt es halt niemanden der korrigierend eingreifen kann! Dafür hat man immer recht, hehe... :-) Aber ernsthaft jetzt! Wieviele Male habe ich vielleicht geglaubt, dies sei das, dabei war das etwas anderes oder es war da, anstatt nicht sichtbar oder wie auch immer. Ok, da sprechen jetzt die Ciders aus mir. Lassen wir das...  Und eigentlich bin ich gar nicht so viel alleine unterwegs. In letzter Zeit hatte ich sogar recht oft abwechselnde Gesellschaft. In Neuseeland lernt man andauernd jemand kennen... Viele Reisende sind da sehr offen und so habe ich immer wieder Abschnitte und Erlebnisse auf meiner Reise im Kiwi-Land mit anderen Menschen teilen können.

Da waren zum Beispiel Liesa und Michi aus Graz, das sympathische und sportliche Ösi-Pärchen, welches zuvor zwei Jahre in Melbourne/Australien gelebt hat und nun zum Abschluss vor ihrer Rückreise in die Heimat noch Urlaub in Neuseeland macht. Sie habe ich auf einer Wander-Rutschpartie runter zur Sandfly-Bay auf der Halbinsel Otago (bei Dunedin) kennen gelernt. Dort sind wir die Sanddüne runtergeschlittert, haben am Strand von nahem spielende Seelöwen betrachten können und sind dann die Sanddüne wieder ächzend raufgekraxelt. In Dunedin befindet sich übrigens noch die steilste Strasse der Welt, die ich als eine der zu bewältigenden Challenges hoch und runter fahren musste (wer hier nicht weiss warum ich Challenges bewältigen muss, den muss ich leider zurück zum ersten Neuseeland-Blog schicken, sorry! Aber ich kann meine Stamm-Leser hier nicht mit öden Wiederholungen langweilen...). Damit man diese steile Strasse mit dem Auto hochkommt, braucht es ein wenig Tempo und daher raste ich ohne Rücksicht drauflos - die Asiaten stoben nur so davon, als sie Selfies von sich und der Strasse machen wollten. 

Bevor ich aber in Dunedin war (damit ich meine Reise komplett erzähle - was vor allem für mich wichtig ist, da meine Blogs für mich einmal später eine Art Tagebuch sein sollen), bin ich zuerst ganz im Süden an der Ostküste entlang den Catlins gefahren, wo man Leuchttürme, Delphine, Seelöwen und Pinguine entdecken kann. 

Am Slope Point erreicht man nach einer Wanderung quer durch eine Schafherde den südlichsten Punkt auf Neuseelands Festland. Südlicher ist nur noch Stewart Island, wo ich ja auch einen Abstecher vorher gemacht habe. 

Richtung Dunedin habe ich dann kurz vor der Stadt noch in einer Lodge auf dem Saddle Hill übernachtet. Bei der Einfahrt zu diesem gemütlichen Holzchalet wurde ich von einem angsteinflössenden, bellenden Hund begrüsst. Meine Hunde-Biss-Narbe begann sogleich zu jucken und meine Finger umklammerten krampfhaft das Steuer. Dieses riesige Tier sah aus wie ein wilder Wolf mit zerzaustem Fell (stammt sicher von wilden Kämpfen her!). Der Angsthase in mir jaulte laut auf und so blieb ich einfach im Auto sitzen und habe gewartet. Und gewartet.... und gewartet! Der Hund blieb natürlich einfach neben dem Auto sitzen. Einige Warteminuten später kam die B&B Besitzerin und meinte ich sei richtig hier (übersetzt: „warum steigst du nicht endlich aus?“). Ich rief ihr zerknirscht zu, dass ich Angst vor dem Hund habe... Sie fing an zu lachen und meinte nur, der Hund sei  uralt, krank und auf einem Auge blind. Er habe wohl seine „letzten Tage“. Sie schaue aber, dass er weggehe.... Als er dann so weggehumpelt ist habe ich mich wieder ein bitzli schämen müssen. Dieser arme Tropf! Naja, das konnte ich ja nicht wissen... *knirsch* 

Ok, nun zu Tieren die ich wirklich mag... die Pimpims! In Oamaru kann man abends die blauen Pinguine (sind die kleinste Art von Pinguinen mit gerade mal schnüsigen 30cm Höhe) beobachten, wie sie am Hafen den steinigen Hang hochkraxeln und manchmal dabei ins Straucheln kommen. Leider scheiterten einige Touris an der knallharten und kaum umsetzbaren Ansage, doch netterweise sitzen zu bleiben, keine Fotos zu machen und still zu sein - um diese scheuen Tiere nicht zu stören. Kaum sind die ersten Frackträger aufgetaucht,  schnellten Natels, I-Pads und Kameras in die Höhe und die Meute preschte nach vorne. Ist halt schon schwierig mal einfach „den Schnabel zu halten“ und ruhig sitzen zu bleiben! Meine Nerven...

Nach Oamaru bin ich wie eingangs erwähnt zum höchsten Berg Neuseelands gereist, dem Mount Cook - auch bekannt als Mount Aoraki, wie ihn die Maoris hier nennen. Und wie wir mittlerweile wissen, habe ich ihn dort anscheinend auch tatsächlich gesehen (wenn auch damals nicht bewusst wahrgenommen). Aber die Wanderung im Hooker Valley zum Gletschersee (Hooker Lake) war sowieso sehr schön - Berg hin oder her. Dort habe ich übrigens eine weitere Challenge gemeistert: den Handstand auf dem Holzbalken-Weg, was ein bekanntes Foto-Sujet ist (nicht der Handstand, sondern dieser Weg). Der Handstand macht das Bild aber erst recht speziell - die Japanerinnen, die mich fotografiert haben amüsierten sich jedenfalls prächtig und waren beeindruckt! „Ohhh“, „ahhh“... Ich habe von ihnen dann mit ihren Hello-Kitty-Phones auch noch Bilder gemacht. 

Was mich ins Staunen versetzt hat, war der Weg zum und weg von Mount Cook - entlang dem wunderschönen, türkisblauen See Lake Pukaki. Für mich ist das einer der schönsten Seen Neuseelands! 

Aber schöne Seen gibt es hier eigentlich en masse... zum Beispiel der Lake Tekapo, der als nächstes auf meiner Route war! 

Am Lake Tekapo bin ich entlang dem See hoch auf den Mount John gewandert. Die Aussicht unterwegs und natürlich ganz oben war atemberaubend! Leider kann man auch hochfahren, daher war dann das kleine Cafe mit 360 Grad Aussicht brätschvoll mit Touris, welche mit dem Bus angereist sind. Auch die berühmte Kapelle am Lake Tekapo, die „Church of the Good Sheperd“, ist so beliebt bei den Schnappschussjäger, dass man etwas Geduld brauchte, dieses beliebte Fotosujet mal ohne leuchtende Touris ablichten zu können. Aber ich habe ja alle Zeit der Welt auf dieser Reise und daher habe ich das gerne gemacht für ein schönes Foto. Übernachtet habe ich dann etwas ausserhalb in einem Airbnb, wo es ein riesiges Glasfenster im Schlafzimmer-Dach hatte - um den wunderschönen Sternenhimmel zu sehen. Ein einmaliger Anblick - diese klaren Sterne in der Nacht! 

Mit den lieben Österreichern Liesa und Michi blieb ich erfreulicherweise in Kontakt und so kam es, dass wir uns auf Banks Peninsula, der Halbinsel bei Christchurch, wieder trafen, um dort gemeinsam auf den Mount Herbert zu wandern. Nicht die 800 Höhenmeter (die Bergspitze war 800 Meter über Meer, die ganz schlauen Leser können nun blitzschnell daraus schliessen, dass wir wirklich direkt beim Meer gestartet sind!), sondern vielmehr der starke Wind verlangte uns hier einiges ab. Ganz ehrlich, ich war froh ausgiebig gefrühstückt zu haben, was mich gerade so knapp noch auf dem Weg hielt. Die Böen waren teils so stark, dass es uns teilweise wirklich zur Seite trieb und die Kälte schlich uns in Mark und Bein. Die Aussicht unterwegs und von oben war aber unbezahlbar. Die Banks Peninsula, eine Halbinsel entstanden durch zwei Vulkanausbrüche, kann man immer noch als solchen erkennen - wunderschön! Was bei dieser Kraterinsel noch speziell ist: man kann oben entlang dem Krater mit dem Auto auf der Summit Road fahren und sieht von dort aus runter in die Bucht, wo unter anderem das kleine und französisch angehauchte  Hafenstädtchen Akaora zu sehen ist. Weiter ging es für mich nach Christchurch, eine Stadt auf die ich sehr gespannt war. Christchurch wurde leider im 2011 durch ein massives Erdbeben erschüttert, wo zahlreiche Gebäude zerstört oder massiv beschädigt wurden. Man hat mir auf meiner Reise durch Neuseeland aber gesagt, dass vieles seither wieder aufgebaut wurde und auch neue, tolle Viertel enstanden seien. Die offensichtlich britisch geprägte Stadt (sieht man an den massiven Steingebäuden und den Strassen-Namen wie Worcester St und Manchester St) ist aber offensichtlich noch lange nicht da, wo sie hoffentlich mal sein wird. Was ich gesehen habe, ist, dass sie dort vor allem am Aufbauen sind. Es hat ganz viele Baustellen, einiges ist nach wie vor abgesperrt und anderes wird wohl wahrscheinlich auch als Mahnmal zerstört belassen. Christchurch hat viele tolle Kaffees, schöne alte Gebäude und viele einladende Grünflächen mit sauberen Flüssen. Es gibt aber eben auch viel Baulärm in dieser Stadtund vieles wird restauriert oder repariert. Auch der zentrale Cathedral Square ist eine einzige Baustelle. Nach den vielen Natur- und Wander-Stunden war diese lärmige Stadt fast ein kleiner Kulturschock für mich. Und wohin geht man in einer Gross-Stadt, wenn man ins Grüne will? Genau, in den botanischen Garten. Jede Stadt in Neuseeland (und so wie ich gehört habe auch in Australien) die etwas auf sich hält, beherbergt einen botanischen Garten. Christchurchs Garten beeindruckt vor allem durch seine Grösse und durch riesige, prächtige Bäume, sowie ganz viel Grünfläche: eine traumhaft grüne Oase voller Vogelgezwitscher, wo sich glasklare, kleine Flüsse durchschlängeln, worauf sich Enten gemütlich treiben lassen. Und zwischendurch entdeckt man wieder einen blühenden Rosen- oder duftenden Magnolien-Garten. 

Ein weiteres Landschafts- und Szenerie-Highlight in Neuseeland war für mich nachher die Fahrt durch den Arthur‘s Pass Nationalpark, quer durch die Süd-Insel von der Ostküste an die Westküste. Die wunderschöne Hügellandschaft ist geprägt durch leuchtend dunkelgelbe Blumenfelder im Vordergrund, weisse Schneeberge im Hintergrund und dazwischen saftige Grünmatten - vereinzelt bewohnt durch Schafe und Kuhherden. Und immer mal wieder ergiessen sich Flussbeete mit violetten Lupinien durch die Landschaft oder es laden glasklare Seen, mit herrlichen Picknick-Plätzchen zum Verweilen ein. Ich hatte beim Fahren den Drang all paar Meter anzuhalten und Fotos zu schiessen! Unterwegs kam ich auch an Castle Hill vorbei - eine grüne Hügellandschaft mit riesigen Steinsformationen, die offenbar an ein Schloss erinnern. 

Diese Region war von der Landschaft her eine meiner absoluten Lieblingsstrecken zum Fahren! Bevor ich dann wieder zurück an der Ostküste ankam, machte ich noch einen Halt in Hanmer Springs, wo ich im Thermalbad die heissen Quellen genoss und mich etwas durchkneten liess. Der vorletzte Halt auf der Südinsel war dann das Küstenstädtchen Kaikoura - einer meiner Lieblingsorte! Bereits auf der Fahrt dorthin musste ich aufpassen keinen Unfall zu bauen, da man entlang der superschönen Küstenstrecke immer wieder Seelöwen im Meer schwimmen sieht. Die Abendstimmung am Meer in Kaikoura war einfach magisch, auch dort habe ich noch einmal die blauen Pinguine gesehen. Diesmal war der Besucherort etwas weniger touristisch, sondern in einer Forschungsstation, wo wir in einer kleinen Gruppe Spannendes über die kleinen Racker gelernt und sie nachher im Dunkeln, hinter einer Glasscheibe versteckt, beobachtet haben, wie sie zurück zu ihren Nester kamen. Die armen Pimpim-Eltern sind der ganze Tag draussen im Meer und spulen x Kilometer ab, um dem kleinen hungrigen Piepsmatz abends Futter ins Nest zu bringen. Kaum angekommen (ca 22:00 Uhr) werden sie von den Jungtieren gejagt und geplagt, bis diese satt sind. Und kurz vor Sonnenaufgang, am Morgen nach 05:00 Uhr, gehts wieder raus auf Futterjagd! Vorbei an gefährlichen Haien, hungrigen Orcas und gierigien Seelöwen - alles um die kleinen Nimmersatts mit Futter zu beglücken. Now this is a tough life!!

In Kaikoura habe ich am nächsten Tag noch einen wunderschönen Spaziergang entlang der Küste gemacht (Kaikoura Peninsula Walk), wo man unzählige Seelöwen beim Rückenschwumm, winkend mit der Flosse oder beim Sonnenbaden beobachten konnte - ein Traum diese Aussichten! Nach dem letzten Südinsel-Stopp in Blenheim ging es dann mit der Fähre wieder zurück auf die Nordinsel.

Wehmut erfasste mich, als das Schiff von dieser wunderbaren Insel, die mir so viele tolle Tage und Abenteuer geschenkt hat, wegfuhr. Die dreieinhalb stündige Fahrt wurde dann aber ziemlich kurzweilig, da ich die zwei Schweizer Claudia und Marco, welche beide auch alleine in Neuseeland unterwegs waren, kennen gelernt habe. Erlebnisse wurden rege ausgetauscht und wir verabredeten uns, am nächsten Tag in Wellington mit der berühmten Standseilbahn zu fahren.

Ein herrliches Bild - drei Schweizer in Neuseeland vor einem roten Standseil-Bähnli! Claudia habe ich ein paar Tage später wieder am Lake Taupo getroffen. Sie hat beim Tongariro-Crossing (eine Wanderung, die ich später noch geplant habe) eben diesen Holländer kennen gelernt, der mir den wahren Mount Cook auf meinen Fotos gezeigt hat. Und jetzt schliesst sich der Kreis zum

Anfang dieses Blogs: wir sind zurück im Pub am Lake Taupo. Claudia, der Holländer und ich. Der junge Mann aus den Niederlanden verabschiedete sich aber frühzeitig, Claudia und ich blieben zu zweit zurück. So schnell wie er konnten wir unsere Drinks leider nicht hinunter stürzen... So begannen wir über unsere Pläne zu sprechen und wir waren uns beide einig, dass Skydiving, eine dieser vielen Adrenalin-Attraktionen, die hier in Neuseeland geboten werden, uns eine Nummer zu krass ist. Claudia war ein paar Mal auf ihrer Gruppenreise in Neuseeland kurz davor es zu tun, aber bei ihr hat es wetterbedingt einige Male nicht geklappt - was für sie so etwas wie ein Zeichen war. Für mich war Skydiving ja eigentlich noch eine ausstehende Challenge - aber so gerne ich im Flugzeug bin, da rauszuspringen ist dann doch noch einmal etwas komplett anderes. Was solche Sachen betrifft, hat mein Angsthase klar die lautere Stimme als mein mutiger Engel. Gedanken wie „was wenn der Fallschirm sich nicht öffnet?“ sind bei mir zu präsent und halten mich zurück, solche verrückten Sachen zu machen. Ich bin einfach nicht der Action-Typ. Ich habe es gerne ruhig, gemütlich und sicher. So verabredeten wir uns am nächsten Tag am Mittag und buchten ein Boot um die Maori Carvings (eingeritzte Bilder von Maoris in einem Felsen) am Lake Taupo anzuschauen. Der Lake Taupo ist übrigens ein mit Wasser gefüllter Vulkan-Krater und anscheinend der grösste davon in der Welt, haben wir gelernt. Auf dem Rückweg gab es noch einen Angel-Stopp, und wir kamen beim Warten nochmals auf das Thema „Skydiving“ zu sprechen. Irgendwie liess uns das Thema nicht los und wir wurden uns einig, wenn - dann müssten wir das gemeinsam machen! Zwei Schisshasen, welche die Angst wenigstens teilen können...

Für mich war auch klar - wenn ich das mache dann hier! Denn wie es das Schicksal so wollte, habe ich auf meinem Flug nach Neuseeland einen jungen Neuseeländer kennen gelernt, der Skydive-Instructor am Lake Taupo ist. Ein kurzer Blick auf die Homepage von Taupo-Tandem-Skydiving... es hätte noch Plätze frei an diesem Tag! Wie von Wespen gestochen und offenbar mit ausgeschalteten Hirnis marschierten wir schnurstraks zum Info-Center und ein Anruf später sassen wir bereits im Auto zum Taupo Aiport. Kaum ein Fuss im Gebäude, wies uns die Crew schon zum Anmelde-I-Pad rüber und ehe wir uns versahen, steckten wir in diesen roten Anzügen - ready to jump!! Wir waren ekstatisch aufgeregt und gleichzeitig erleichtert, ging alles so schnell, damit wir keine Zeit hatten, nervös zu sein. Ok wir waren abartig nervös!! Hatten aber keine Zeit mehr, uns zu viele Gedanken zu machen... Aber just im dem Moment wo es losgehen sollte, versammelten sich sämtliche Wolken über uns. Das Wetter wurde immer trüber und so war irgendwann klar, heute springen wir nicht mehr! Aber morgen würde es klappen, ganz sicher, meinte die Crew. Mit gefühlt tausend Volt im ganzen Körper gingen wir ins Bett. Super so eine Nacht, wenn man weiss, dass man am nächsten Morgen auf 12‘000 Fuss Höhe aus einem Flugi springen wird. Viel geschlafen haben wir beide nicht... Nach einer weiteren nervzehrenden Wartestunde am nächsten Morgen erschien dann endlich der langersehnte blaue Himmel und es konnte losgehen! Diesmal konnte mir sogar als Instructor Danny, mein ehemaliger Sitznachbar vom Flug nach Auckland, zugeteilt werden. Wer hätte das vor eineinhalb Monaten gedacht, dass ich einmal mit dem Passagier neben mir zusammen aus einem Flieger springen werde...

Eingequetscht im kleinen Flugzeug stiegen wir stetig in die Höhe. Danny befestigte an vier Stellen seinen Anzug an meinem Amzug, letzte Anweisungen wurden noch einmal eingetrichtert. 

Kopf nach hinten, Beine nach hinten, Hände zuerst an die Gurte - nachher losslassen, fliegen und geniessen! Ja klar... ah und falls man nicht mehr atmen kann, soll man einfach schreien. Ja du!! Das werde ich aber ganz sicher tun! Und so was von... Zuerst war Claudia mit ihrem Instructor alias Scherzkecks und Angstmach-Sprüche-Klopfer dran. Noch eben sassen sie an der offenen Tür, „schwuups“ flog der orange-gelbe Doppel-Kneuel innert Milli-Sekunden weg. Wie vom Staubsauger verschluckt. Flutsch. 

Nun waren wir dran... Das gute beim Skydiving - der Instructor macht alles. Ich hätte mich freiwillig und aus eigener Kraft zu diesem Zeitpunkt keinen Zentimeter bewegt... Danny rutschte uns zur offenen Tür, die Beine ragten in das freie Himmel-Nichts, schnell lächeln in die Kamera und hopps - runter gings! Mit einer Salto-Quer-Schräg-Drehung purzelten wir runter in das Nichts und wirbelten durch die Luft, dass ich nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Für einen kurzen Moment dachte ich, oh gott wenn das so weiter geht... Aber ehe ich panisch werden konnte, erreichten wir eine auf-dem-Bauch-liegende Stabilität, wo ich meine Hände von den Gurten loslassen konnte und ich vom Gefühl her in der Luft schwebte. Ich spürte meine eiskalten Hände, aber Angst hatte ich keine! Ich fühlte nur pure Freude hoch zehn, während Adrenalin-Vulkane in meinem Körper ausbrachen! Mit 200km/h rast man während knapp einer Minute auf die Erdfläche zu - wie soll man auch dieses Gefühl beschreiben?! Der Moment, wo man die Zuckerwatten-Wolken durchbricht und das Grün/Blau der Erde und des Sees vor sich sieht, ist einfach der füdliblutte Wahnsinn! Zwei drei „Woohooo“-Schreie und „Thumb-ups“ später wurde bereits der Fallschirm gezogen und ich hing sozusagen in den Seilen. Der Fall selber war eine Mischung zwischen Ekstase, Glücksgefühlen und Inferno-Tsunami, das Schweben mit dem Fallschirm danach einfach nur noch ein Genuss! Ich durfte sogar selber den Fallschirm steuern und die Schnüre halten. Die Aussicht über dem See und der Küste war atemberaubend. Dazu das perfekte Wetter - die Glückshormone drehten sich im Kreis. Auch der Fallschirm drehte sich zwischendurch immer wieder turbomässig im Kreis - bis mir schlecht wurde! Ich musste Danny immer wieder stoppen diese verrückten Drehungen zu machen... Kann sein, dass dies wegen der Action gemacht wird. Wir vermuten aber, vor allem auch weil man so schneller absinkt. Denn für die Instruktoren ging es nach unserer Landung direkt zum nächsten Kunde sprich Jump. An einem solchen Tag mit diesem Prachtswetter machen sie anscheinend bis zu 13 Sprünge am Tag! Wie verrückt ist das denn bitteschön?!! Wir waren high von Emotionen und Adrenalin nach unserem Sprung... Und wir waren uns beide einig, dass es suuuper war und viel weniger schlimm als befürchtet. Wir konnten es wirklich geniessen und hatten keine Angst mehr, als wir einmal losgesprungen sind. Wir waren so froh, dass wir dies schlussendlich gewagt haben!! Der Angsthase in mir war zwar fix und fertig, platze aber fast vor stolz!! Claudia und ich genossen noch den Rest des Tages am See und beobachteten immer wieder die gelben Fallschirme in der Ferne, die sanft vom Himmel herunter schwebten. Einmal sahen wir sogar noch die weissen klitzekleinen Punkte im freien Fall, schüttelten den Kopf und konnten kaum glauben, dass vor ein paar Stunden wir selber genau dort oben durch die Luft sausten. Am Nachmittag trennten sich dann unsere Wege, jede reist von hier an anders weiter. Bei mir steht nun ein weiteres aber ein definitiv ruhigeres, dafür anstrengendes Highlight an: das Tongariro-Crossing. Dies ist eine zirka sechsstündige Wanderung durch den Tongariro NP - vorbei am Mount Doom (bekannt aus dem Film „Herr der Ringe“) und einem roten Krater, sowie an wunderschönen Smaragd-Seen. Dieses Crossing gehört zu den schönsten Tageswanderungen weltweit. Das ist nun genau das Richtige, um mein verrücktes Erlebnis in Taupo zu verarbeiten und nochmals in Erinnerungen zu schwelgen, oder besser gesagt SCHWEBEN...

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Salome (Montag, 17 Dezember 2018 12:26)

    Widr mol ganz herrlig gschriibe! Ha gstuunt, gschmunzlet, luut glache & widr vo NZ afo träume! Freu mi scho ufe nögschte Bitrag! ����

  • #2

    Reto (Montag, 17 Dezember 2018 19:58)

    Wieder e super Bricht! Ha au grad sGfühl gha wieder zNeuseeland zsi!:)

  • #3

    Janine (Donnerstag, 20 Dezember 2018 15:49)

    So schön weder vo der z läse. ond vor allem mol en dorchus positive bricht. :-D Fröi mi gli weder vo der zläse ond due im Momänt för de chli üsi Ski-Rönne verfolge. Weiss ned wie vel metbechonnsch, aber d Schwizer hei scho e super Saisonstart gha. :-D

  • #4

    Liesa & Michael (Mittwoch, 02 Januar 2019 21:53)

    So schöne Bilder, wir verfolgen dein Abenteuer noch immer eifrig!! :) Freuen uns schon auf Berichte aus Downunder! Alles Liebe umd safe travels!