Follow my heart

Mein Hut! Ohh nein...!! Als ich mich der Sicherheitskontrolle am Flughafen von Bangkok näherte, kam es mir in den Sinn! Normalerweise ist dies hier der Zeitpunkt, meinen Hut abzunehmen... doch da war kein Hut. Mist!! Den habe ich in meinem Hotelzimmer liegen lassen... Vorher auf der viertelstündigen Fahrt vom Hotel zum Flughafen ging ich gedanklich noch einmal jeden Quadrat-Zentimeter durch: habe ich dieses Mal auch wirklich nichts vergessen? Ich bin nämlich ausgewiesener Profi im „etwas zurücklassen“! Das passiert mir quasi in jedem Hotel!! Ich kann noch so gut schauen - irgendwie übersehe ich fast immer etwas. Habe da wahrscheinlich so einen blinden Fleck was das betrifft.  

Auf Platz drei in meinem „Zurücklass-Ranking“ wäre da das I-Phone-Ladekabel auf den Seychellen, Platz zwei belegen die Noise-Cancelling Kopfhörer damals in Uganda und auf Platz eins thront die Kreditkarte, welche ich im Safe auf Mauritius vergessen habe. Dies kam mir jedoch glücklicherweise noch rechtzeitig beim Frühstück vor dem Heimflug in den Sinn! Ich sass da so in meiner Uniform kurz vor meinem Arbeitseinsatz und verschluckte mich fast am Croissant, rannte zurück in mein Zimmer und konnte sie noch rechtzeitig einpacken. Tja, ich kann diesbezüglich wirklich ein Dussel sein... Doch dieses Mal war ich mir soo sicher: „Nein ich habe wirklich alles eingepackt“, dachte ich mir... Doch nun blieb mein geliebter Reise-Hut in Thailand zurück. Der Hut, der mich vor der botswanischen und seychellschen Sonnenstrahlen so zuverlässig geschützt hatte. Jänu... es gibt Schlimmeres! Wahrscheinlich schwelgte mein Hirni immer noch  seelig im Dolce-far-niente Delirium.

Ich genoss zuvor nähmlich eine Woche Pasta, Gelati, Vino, Sole und ganz viel Zeit mit meinem energiegeladenen Neffen, sowie meiner Schwägerin und meinem Bruder in bella Italia! Am Absatz des Italia-Stiefels in Apulien genossen wir das Baden im erfrischenden Meer, erkundeten eine alte Festung aus dem 15. Jahrhundert, sowie die weissen, historischen Trulli-Häuschen in Alberobello, wir genossen ausgiebige Apéros in der Altstadt Gallipollis mit Sicht auf den Leuchtturm und lachten über die arbeitsscheuen Carabinieri, die bei sämtlichen Temposündern wegschauten und selber sämtliche Verkehrsregeln brachen. Diese wunderbare Woche mit meinen Lieben ging viel zu schnell vorbei und ich konnte da so richtig meine Batterien wieder aufladen. Ich muss zugeben, nach meinen ersten zwei Reise-Monaten, am ende meines Sri-Lanka-Aufenthaltes, hat mich ein moralisches Zwischentief erfasst und erstmals auf meiner langen Reise ist bei mir der Reisekoller eingeschlichen. Ich war müde, erschöpft und ausgelaugt! Ich habe mir deshalb sogar ernsthaft überlegt, mit ihnen das orange Flugi nach Basel zu nehmen - um mich zu Hause etwas zu Sammeln, die schöne Adventszeit in der Schweiz zu geniessen und dann meine Reise ende Jahr nach Australien fortzusetzen. In dieser Phase, wo ich hin und her überlegt habe was ich nun tun soll, entdeckte ich in einem kleinen italienischen Souvenirladen ein kleines Rucksäcklein aus Jeansstoff mit der Aufschrift: „Follow my heart“. Es sprang mir direkt ins Auge und passte zu meiner Situation wie die Mozzarella zum Insalata Caprese! So erwarb ich dieses gute Stück und nahm mir das Motto gleich zu Herzen. Denn mit den neu gewonnenen Kräften in Italien kehrte auch die „Wanderlust“ zurück: ich schmiedete neue Pläne! Ich habe meinen geplanten Kambodscha-Aufenthalt abgesagt und mich dafür entschieden, über Bangkok direkt nach Neuseeland weiter zu reisen (Neuseeland war eigentlich erst nach Australien geplant gewesen). Ich war mir sicher, dass das Land der Kiwis mir wieder positive Reiseerlebnisse bescheren kann! Und nach nun einer guten Woche im Land der Maoris und All Blacks kann ich euch sagen, ich lag damit goldrichtig!! 

Dieses Land am anderen Ende der Welt (zumindest von der Schweiz aus betrachtet) hat mein Herz im Nu erobert!! Die saftig grünen Landschaften, die unzählig abwechslungsreichen Wander-Möglichkeiten, das unkomplizierte Reisen im Auto (muss nur immer daran denken links zu fahren, dann ist alles tippitoppi), die zahlreichen tollen Hostels, wo man sofort ins Gespräch mit anderen Weltenbummlern kommt und nicht zuletzt auch die offene und liebenswürdige Art der Neuseeländer, machen für mich dieses Land zu einem der schönsten Reiseländer überhaupt!! Ich würde sogar sagen, es befindet sich ab sofort in meinen Top 3 der bereisten Länder - neben Südafrika und Kanada. Und immerhin ist es mein 46. bereistes Land, wie ich vor einigen Tagen herausgefunden habe (zusammen mit der Schweiz war ich nun in 47 Länder - das heisst aber auch, dass es immer noch fast 150 Länder zu entdecken gibt, Wahnsinn!!). Der Vorteil beim Wandern in Neuseeland im Gegensatz zu meinem geliebten Kanada: man muss keine Angst vor Bären haben... ;-) Und die Kiwis tragen so sehr Sorge zu ihrer Natur, dass ich behaupten würde (nachdem was ich bis jetzt gesehen habe), ein noch saubereres Land als die Schweiz gefunden zu haben! Und sie achten seeehr darauf, dass man ihre Flora und Fauna nicht mit fremden Fötzeln an Lebensmittel oder Naturalien kaputt macht. Am Zoll wird deshalb alles genaustens durchsucht - sogar Schuhe mit ausländischem Dreck sind ein No-Go! Dementsprechend war ich etwas nervös bei meiner Einreise in Auckland... Aber das bin ich eigentlich jedes Mal bei der Einreise in ein neues Land. Die Zöllner schaffen es immer wieder mich zu verunsichern, obwohl ich eigentlich immer ein reines Gewissen habe! Irgendwie habens die einfach drauf so einem anzuschauen und auszufragen, bis man sich grundlos schuldig fühlt und am Ende einfach nur total dankbar ist, netterweise in ihr tolles Land einreisen zu dürfen. Fast ausnahmslos habe ich bis jetzt auf der ganzen Welt mürrische Zöllner erlebt, aber die lernen das wahrscheinlich so in ihrer Ausbildung: Betrug-erkennen-durch-Verunsicherungs-Taktik-Strategie. 

Angekommen in Auckland gab es übrigens noch ein witziger royaler Zufall: ich war genau ein einziger Tag in dieser neuseeländischen Grossstadt, und ausgerechnet dann fuhr ein schwarzes edles Auto mit britischen Fähnlein und einer nicht-zu-übersehenden Aufschrift „New Zealand welcomes Meghan and Harry!“ an mir vorbei. Mit offenem Mund glotzte ich dem Auto hinterher... Soeben ist das wohl aktuell hotteste königliche Paar an mir vorbeigebraust! Und ich war die einzige Menschenseele weit und breit an diesem verlassenen Küstenort ausserhalb der Stadt. Sie MUSSTEN mich angeschaut haben!! Und ich habe nicht einmal gewunken! Habe nur doof aus der Wäsche gekuckt... Um mich für diesen misslichen Faux-Pas zu entschuldigen, machte ich den royalen Besuchsplan ausfindig und fand mich ein paar Stunden später zum „öffentlichen Spaziergang am Hafen“ ein. Nur wollten ein paar (hundert? oder waren es tausende?!) andere Menschen die zwei auch begrüssen und mir blieb nichts anderes übrig, als die zwei Turteltäubchen von weitem zu erspähen. Immerhin konnte ich einen Blick auf die schwangere, bildhübsche Megghie erhaschen! Und im Zoom meines Fotos ist sie glasklar zu erkennen in ihrem modischen, hellbraunen Mantel. Yess!! So viel Aufregung an meinem ersten Neuseeland-Tag! Nach diesem ersten Highlight folgten ein Besuch des „Hobbit-Drehortes“ in Hobbiton (ein absolut traumhafter und fast surreal schöner Ort für mich!) und die Weiterreise runter die Westküste entlang auf der Nordinsel Neuseelands. Inzwischen ist übrigens die Kreditkarte in Mauritius nicht mehr die Nummer eins auf meiner „Sachen-vergess-Rangliste“! In Hamilton habe ich abends draussen vor dem Hostel den Autoschlüssel meines Mietautos liegen gelassen !(!!!!!!) Zum Glück hat ihn eine nette Person gefunden und im Hostel abgegeben... Gott-sei-Dank!!! Nicht auszumalen was gewesen wäre, hätte ich am nächsten Morgen einen leeren Parkplatz vorgefunden anstelle meines Mietwagens! Nach Hamilton habe ich noch die berühmten Waitomo Caves besucht: eine Höhle voll mit leuchtenden Glühwürmchen. Mit einem kleinen Boot ist man durch die dunkle Höhle geschippert und hat nichts gesehen ausser tausende helle Punkte - wie ein magischer Sternenhimmel! In der Aranui Cave nebenan konnte man ausserdem unzählige Stalaktiten und Stalagmiten bewundern... ein ganz spezielles und eindrückliches Naturspektakel in den Höhlen Neuseelands. 

Kurz vor Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, wo ich die Fähre von der Nordinsel zur Südinsel nahm, übernachtete ich noch eine Nacht in einem Bed & Breakfast einer ausgewanderten Schweizerin. Bei ihr gab es selbstgebackenen Zopf und frisches Birchermüesli zum Zmorge!! Es isch sooo fein gsi... :-)

Meistens übernachte ich sonst in Hostels/Backpackers - welche alle erstaunlich sauber, gepflegt und super ausgestattet sind, sowie meistens sogar Einzelzimmer anbieten. Nur gut isoliert sind sie selten... sie sind eher sehr ringhörig, durch die meist dünnen Wände. Einmal schnarchte ein Zimmernachbar so laut, dass ich auf dem Gang zur Toilette geglaubt habe, da tanze eine Fliege einem schlafenden Riesenwildschein auf der Nase rum! Es hat so laut gegrunzt und gesägt. Mittlerweile bin ich in den atemberaubenden Marlborough Sounds angelangt, eine ausgefranste hügelige Landschaft im Meer, im Norden der Südinsel Neuseelands. Ich habe bereits die ersten ausgedehnten Wanderungen hinter mir, weitere schöne Hikes werden mit Sicherheit folgen! Wie es im Frühling so ist (in Neuseeland sind Uhrzeit, sowie auch die Jahreszeiten hundertachtziggrad verkehrt zur Schweiz), hatte ich bis jetzt viele sonnige warme, aber auch einige kühle Regentage erlebt. Heute ist gerade so ein kalter, windiger Regen- und somit Hot-Tub-und-Blog-Schreibe-Tag! Ich befinde mich hierbei in der Hopewell Lodge, am Ende der Kenepuru Road - mitzt in den Marlborough Sounds. Sucht das einmal auf Google Map - das ist der wohl abgeschiedenste Ort „am Ende der Welt“! Und gerade darum ist es hier so wundervoll friedlich und schön! Man kann hier Mountainbike fahren, wandern, Kayak fahren oder sich im Stand-Up-Paddeling versuchen, fischen, nachts Glühwürmchen anschauen, im Hot-Tub baden, abends Whysky trinken (danke Chris aus Schottland!) und so weiter... Diese tolle Unterkunft war ein Tipp meiner Schwägerin Anna, welche wie auch mein Bruder Neuseeland sehr gut kennt von früheren Reisen! Die beiden haben mir einen fabelhaften selbstgebastelten Reiseführer für Neuseeland und Australien geschenkt, mit einigen Challenges, die ich an gewissen Orten zu meistern habe. Die erste Challenge (netterweise noch eine einfache: Cappuccino trinken im selben Kaffee wie sie damals in Wellington) habe ich bereits erledigt und ein Beweisfoto nach Hause geschickt. Ob ich die anderen jedoch auch schaffen werde, bin ich mir nicht so ganz sicher... Skydiving - oh Gott oh Gott, mal schauen!! Muscheln essen - ziemlich sicher für mich nicht zu schaffen ohne Betäubung oder Zwangsernährung.

Aber wir werden sehen was für mich dieses wunderbare Land noch bereit hält! 

Ich bin meinem Herzen gefolgt, und es hat mich hierher gebracht...

Kia Ora Aotearoa! („Danke, Neuseeland“ in Maori-Sprache)

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Kommentare: 4
  • #1

    Ueli (Freitag, 09 November 2018 07:57)

    HEY RAHEL
    DANKE FÜRS TEILE VO DENE SCHÖNE REISEERLÄBNIS.
    ICH WÜNSCHE DIR VIELI WITERI TOLLI ABENTÜR...
    LIABI GRÜASSLI US DE
    SCHIIZ...;)

  • #2

    Ma (Freitag, 09 November 2018 11:01)

    Liebi Rahel
    es tuet so guet, über din eimol mehr herzerfrischende Bricht zghöre, wie guet sdir goht im schöne Neuseeland!:-)
    I wünsch dr witerhin en super Ufenthalt und e gueti Reis idem tolle Land!
    (und blib links;-);-))
    En dicke Schmutz
    s'Ma

  • #3

    Riana (Samstag, 10 November 2018 12:21)

    Hey Rahel
    Ändlich hani Ziit gfunde zum din Blog usfüehrlich läse. Du schribsch mega guet mer fühlt sich als wär mer sälber debii gsi bi dine spannende Erläbnis! :)
    Schön das dini Begeisterig fürs Reise wieder zruggcho isch! Gnüss es wiiterhin und heb der Sorg!
    XOXO RiRi

  • #4

    monika (Sonntag, 11 November 2018 07:57)

    liebi Rahel, es freut üs sehr, dass dir so-n-e wunderbari zit z appulie heit gha mitenang und dass du itz neuseeland chasch gniesse. viel freud witerhin bim entdecke vo witere naturschönheite und danke vüumou für di spannend blog! grossi umarmig und ganz liebi grüess usem baselbiet.