One week in paradise

Ich fixiere mit meinen Augen angestrengt den Horizont, der immer wieder durch das wellige Auf und Ab unseres Schiffes verschwindet. Meine Hände sind verkrampft und zittrig, der Schweiss läuft mir den Rücken hinunter und doch ist mir irgendwie kalt. Inzwischen ist es still geworden auf der Fähre, welche uns von Mahé, der Hauptinsel der Seychellen, nach Praslin bringen sollte - wo sich unser Hotel für die kommende Woche befindet. Man hört nur das laute Motorengeräusch dieses rasenden Ungetüms und die Wellen, welche von vorne und von der Seite mit riesiger Wucht gegen unser Schiff prallen. Manchmal ist der Aufprall so stark, dass die ganze Fähre in die Luft getragen wird und dann wieder mit voller Wucht auf das Meer knallt. Dann schreien jeweils viele der verängstigten Passagiere kurz auf und umklammern die Kotztüte nich etwas fester. Vorne läuft auf dem Bildschirm Mister Bean um die Laune etwas aus dem Keller zu holen, aber niemandem mehr ist es zum Lachen zumute. Und die Szene, wo Bean unbeholfen die Garnelen in den Mund stopft, wo sie noch halbwärts rausgucken, ist beim Ankämpfen gegen die Übelkeit auch nicht förderlich... Ich kann euch sagen - dies eine Stunde gehört sicher vom Gefühl her zu meinen längsten 60 Minuten. Wir waren heilfroh, als wir wieder festen Boden unter den Füssen hatten. Wir, das heisst meine ehemaligen Edelweiss-Kolleginnen Janine und Simona, welche mit mir diese Woche in den Seychellen verbringen werden. Sie kamen mit dem „First flight“ von Zürich, dem ersten Flug den Edelweiss in ihrer Geschichte in die Seychellen durchgeführt hat. Für mich war das ein sehr berührender Moment, die Edelweiss-Maschine auf den Seychellen mit der Schweizer Flagge zu empfangen und ein paar alt bekannte Gesichter zu sehen - die Crew zu begrüssen und mit dem CEO noch ein paar Worte zu wechseln. Solltet ihr also die Seychellen einmal als Reiseiel in Betracht ziehen - ich kann euch nun sicher einige wertvolle Tipps geben und Edelweiss bringt euch direkt von Zürich nach Mahé. :-) Auf der Autofahrt vom Hafen zu unserem Hotel gewannen wir langsam aber sicher unsere Farbe im Gesicht zurück und der Magen beruhigte sich allmählich wieder. Dass mit der Farbe im Gesicht war aber leider nicht von langer Dauer... Nach einem schleppendem Check-In (wir haben ja wirklich keinen Stress, alles wunderbar - aber einmal lächeln und so tun als würden sie sich über unsere Ankunft freuen wäre ja schon noch schön) wurden wir auf unser Familienzimmer gebracht. Das Zimmer war geräumig, da war nichts zu meckern. Jedoch hat die Putzmannschaft das eine oder andere wohl "übersehen" beim Saubermachen - sprich es war ziemlich dreckig und viele Tücher haben gefehlt (ein Duschtuch für drei Damen ist dann doch etwas knapp bemessen). Der Tiefpunkt des ersten Tages war dann jedoch die "Abendunterhaltung" beim Nachtessen... ein total talentfreier seychellanischer Eros Ramazotti (einfach in dunkel und mit langen, zusammengebundenen Haaren) trällerte uns so kreuzfalsch die Ohren voll, dass wir zuerst ungläubig und dann lachend am Tisch sassen. Töne zu treffen war bei ihm reiner Zufall! Leider ermunterten ihn einige aufmunternd klatschende Touris zum Weitermachen... das Essen vom spärlichen Buffet, das nicht wirklich schmeckte, half da leider auch nicht viel um den Abend zu retten. Müde von der Horror-Fährenfahrt schleppten wir uns in unser Bett und waren uns sicher, morgen wird alles besser. Neuer Tag, neues Glück - schliesslich warten auf uns die wärmende Sonne und ein "unberührter Puderzuckerstrand" vor dem Hotel - laut unserem Reiseveranstalter (nenne hier aus Datenschutzgründen keinen Namen, sage nur dass es mit T anfängt und mit I aufhört, drei Buchstaben sind es insgesamt). Meine grosszügigen Kolleginnen überliessen mir das Schlafzimmer und nahmen mit den zwei Einzelbetten vorlieb in der Stube. Was wir am Vorabend nicht realisisert haben (aber sowieso auch nichts daran hätten ändern können) - in der Stube haben die oberen Fenster keine Vorhänge. Somit waren Simona und Janine pünktlich zum Sonnenaufgang wach durch ein knallhelles Zimmer. Da uns zur Morgenstund auch noch ein frecher Gecko "Hoi" sagen wollte, ging das Gechrei los (ja Simona, Geckos gehören in diesen Breitengraden zum täglichen Besucherkomitee, sind aber gaanz lieb und fressen netterweise die bösen, bösen Moskitos!). Ich blieb noch ein wenig liegen in meinem abgedunkelten Schlafzimmer, meine Kolleginnen erkundeten bereits einmal voller Tatendrang unseren Traumstrand. Die News die sie mir dann zum Zmorge überbrachten waren keine Good News. Leider auch keine Fake News... Tatsache war, dass unser Strand übersäht war mit stinkendem Seegras! Und zwar VOLL... je weiter man sich von unserem Strand entfernte desto weniger wurde das Gras und an gewissen Strandabschnitten gab es sogar Menschen, die dieses Seegras am Entfernen waren! Aber auf diese glorreiche Idee kamen unsere Hoteleigentümer nicht... Der Puderzuckerstrand war also weniger Puderzucker, dafür mehr müffelndes Seegras und Verkäufer, welche einem lässige Bootstüürli verkaufen wollten (von wegen unberührter Strand! Unberührt war einzig das Seegras...).  Ausserdem gab es keine Liegestühle (kann man  zwar im Resti selber holen, dann hat der Hotelmitarbeiter aber gar keine Freude und noch weniger Lust sie uns an den Strand zu bringen) und Sonnenschirme gab es überhaupt nicht (wer braucht schon Schatten beim Sonnen am Äquator wo die Sonne so ziemlich horizontal runterbrennt). Gut an diesem Tag war ein Sonnenschirm eigentlich wirklich nicht nötig - es regnete in Strömen... unser Gefühlslevel hat einen neuen Tiefpunkt erreicht, und daran war nicht nur der Sänger, der nicht singen kann, schuld. Wir waren uns einig - so haben wir uns unseren einwöchigen Traumurlaub nicht vorgestellt. Ich erspare euch nun das mehrstündige lange hin und her mit der Tui-Tante (uups jetzt habe ich den Veranstalter doch noch verraten ich Dummerchen!) und dem bockigen Hotelmanager. Uns wurde gesagt, unsere verbleibenden Nächte würden hier nicht belastet, sollten wir das Hotel wechseln. Die Vorschläge der Tui-Tante waren keine Hilfe (ein Hotel zurück auf der Hauptinsel Mahé und das andere hätte uns für die verbleibenden 5 Nächte über 3000.- gekostet). Somit haben wir die Sache selber in die Hand genommen und uns ein Appartment auf der anderen Inselseite im Westen von Praslin gebucht. Von der Rückerstattung unserer verbleibenden Nächte im Schmuddel-Hotel wollte plötzlich niemand mehr etwas wissen... Mit grosser Wut im Bauch aber ebenso grosser Vorfreude und Erleichterung, diesen Ort zu verlassen, fuhren wir zu unserer neuen Unterkunft! Und die war der HAMMER!! Wir waren so froh diesen Schritt gemacht zu haben... die überaus sympathische, australische Hausbesitzerin zeigte uns unser Reich - eine riesige, saubere (Yessss!) und einfach wunderschöne Wohnung mit Küche, zwei Bäder, Balkon etc. Jetzt können die Ferien beginnen! Mit Rotwein und einem leckeren Masala-Curry in einem einheimischen Resti am Meer prosteten wir uns überglücklich zu an diesem Abend. Das Wetter am kommenden Tag war immernoch etwas bewölkt und regnerisch, daher beschlossen wir eine kleine Wanderung im Nationalpark Font Ferdinand zu machen. Ein Guide (sie war weiblich, aber Guidin gibts ja nicht oder?!) führte uns über 600 Treppenstufen im gemächlichen Schrittempo (die anderen Touris stellten gopf auch immer wieder Fragen über Fragen!) hoch auf eine Aussichtsplattform und erklärte unterwegs mehr über hiesige Flora und Fauna. Bekannt ist hier vor allem die Coco de Mer, eine spezielle Kokosnuss in Form eines Hinterns (müsst unbedingt meine Bilder auf Facebook/Instagram anschauen! Diese "Hinterteile" sieht man auf der Insel überall - in den Restis, Hotels, Shops oder woauchimmer) - welche wegen ihrer Beliebtheit mittlerweile geschützt ist. Vom Viewpoint aus hatte man eine tolle Aussicht und sah die vielen umliegenden Inseln (die Seychellen bestehen aus insgesamt über 150 Inseln). Unsere Anführerin (damit ich trotzdem eine weibliche Form von Guide nutzen kann) hat uns beim Abstieg gesagt, dass in 15 Minuten der Bus fahren würde und der nächste dann erst zwei Stunden später wieder komme. Blitzschnell verabschiedeten wir uns und gingen die Treppe etwas schneller hinunter als hinauf. Pünktlich erreichten wir die Bushaltestelle, wo wir verschwitzt und müde den Bus erwarteten. Die Minuten verstrichen und wir begannen uns zu fragen, ob sie den Bus auf unserer Seite oder eventuell den Bus in die andere Fahrtrichtung gemeint hat. Denn mittlerweile ist auch der Rest unseres Trüpplis bei der Strasse angekommen und wartete auf den Bus in die andere Richtung. Aber egal welche Richtung - ein Bus war weit und breit nicht zu sehen. Einige Zeit später hatten sie auf der anderen Strassenseite Glück und ein Bus hielt an. Nachdem wir über eine Stunde gewartet haben entschlossen wir uns das nächste Taxi zu nehmen. Just ab diesem Zeitpunkt erschien natürlich kein einziges Taxi mehr... der nette seychellische Papa im Garten nebenan wollte uns zwar fahren, hatte aber nur einen Zweiplätzer. Wir liefen in unsere Richtung, kehrten dann aber wieder um als die Strasse zu einem schmalen, steilen Aufstieg wurde, wo die Chance gross war, von einem der rasenden Busse oder wild fahrenden Autos zerquetscht zu werden. Wir kehrten ernüchtert zu unserer Haltestelle zurück, wo uns nichts anderes übrig blieb als auf den nächsten Bus in ca einer Stunde zu warten. In Gedanken versunken, nachdem wir unser Biberli und all unsere Darvidas an den süssen, armen und hungrigen Streunerhund verfüttert hatten, tuckerte strahlend Papa mit einem Auto heran und bot an, uns nach Hause zu fahren. Wir zögerten keine Sekunde - wir wollten nicht noch eine weitere Stunde in der brütenden Hitze warten auf einen Bus, der eventuell gar nie kommen mag. Erst jetzt merkte Papa, dass wir nicht in die Richtung müssen wo er selber hinfahren muss... nach zwei Sekunden überlegen strahlte er wieder und entschied uns trotzdem zu fahren, auch wenn es in die entgegengesetzte Richtung von seinem zuhause war. Er erzählte uns glucksend von seiner Tochter, die in der Schweiz wohne, da sie einen Schweizer geheiratet habe und dass er ihr hier extra Land gekauft habe und hoffte, sie würde eines Tages in die Seychellen zurückkehren. Er unterhielt uns mit seinen Anektoten und brach jeweils in schallendes Gelächter aus - bis wir auch mitlachen mussten - nur weil er so am Lachen war! Wir merkten langsam, dass er offensichtlich nicht ganz nüchtern war (Simona vorne neben ihm hat das auch riechen können) - aber er fuhr so langsam im Schrittempo, dass wir uns sicher fühlten, da wir jederzeit einfach die Türe öffnen und aussteigen konnten bei diesem Schnecken-Tempo. Zur Feier des Tages kochten wir uns abends feine Spagetti - welche uns so gut geschmeckt haben als wäre es ein 5-Sterne-Menu. Leider haben wir uns in der Menge etwas verschätzt - so dass es dann noch an zwei weiteren Abenden Spagetti gab, immer in einer etwas anderen Variation. Aber wir waren glücklich mit unserem schönen zuhause, einem Kühlschrank voller Bier, Wein, schweizer Schoggi und Rivella ganz für mich alleine (vielen Dank liebe Janine!!). Ab Donnerstag war dann endlich strahlender Sonnenschein an der Tagesordnung - so sind wir mit dem Bus zum Strand Anse Lazio gefahren, in den Norden der Insel. Leider mussten wir dabei um die ganze Insel fahren im Gegenuhrzeigersinn, da es keinen direkten Weg von uns hoch in den Norden gab. Aber der Bus kostet sowieso immer nur 7 Rupie (ca 40 Rappen), egal wie weit man fährt.  
Dementsprechend ist aber auch der Service... sagen wir so: südländisch rasant und temperamentvoll. Abenteuer pur! Von der Bushaltestelle aus gab es dann eine riesige Völkerwanderung zum Strand - wir befürchteten schon einen überbevölkerten Beach voller Touris. Doch am langezogenen wunderschönen Strand, eingebettet in saftig grünen Palmen und braunen markanten Felsen, verteilten sich die Menschen so gut, dass es einfach nur ein Traum war! Wir genossen das Bad im herrlichen, sauberen und erfrischenden Meer und ich konnte sogar das erste Mal mit meinem Finger ins Wasser. Am nächsten Tag haben Janine und ich einen Tagesausflug auf zwei Inseln gebucht, währenddessen Simona mit dem kleinen Flugzeug von Praslin nach Mahé und zurück flog. Sie hat einen sogenannten Pingpong-Flug (so nennt man das im Fachjargon) gemacht... Auf Praslin in der nähe unseres Appartments gibt es nämlich einen "Flughafen": eine grüne Piste. Die Hauptstrasse zu unserer Wohnung führt direkt durch den Flughafen, daher ist dort die einzige Ampel die es auf der ganzeb Insel gibt! Ist sie rot, wartet man bis das Flugi gestartet respektive gelandet ist. Und an dieser Stelle möchte ich allen potentiellen künftigen Seychellen-Besucher den Tipp geben: fliegt von Mahé nach Praslin!! Nehmt NICHT die Fähre!! ;-p Der Flug ist nicht teurer und dauert nur 15 Minuten. Unser Tagesausflug beinhaltete bei der ersten Insel "Curieuse" einen Besuch der grossen Riesenschildkröten. Wir konnten die freundlichen und gemächlichen Lebewesen füttern und streicheln, sehr eindrücklich und schön! Nach einem halbstündigen Spaziergang quer durch die Insel, vorbei an hunderten von Riesenkrabben, erreichten wir einen traumhaften Strand wo wir baden konnten und nachher den Lunch in Form eines Barbecues einahmen. Gestärkt und ausgeruht fuhren wir highspeedmässig mit dem Boot zur Insel „St Pierre“, wo uns ein Schnorchelausflug bevorstand. Ich hatte zum Glück meine Schnorchelausrüstung dabei, Janine musste mit dem Equipment der Veranstalter vorlieb nehmen - was enttäuschenderweise in sehr schlechtem Zustand war. Der Schorchel sowie die Taucherbrille waren nicht wirklich dicht, was für sie natürlich extrem mühsam war und sie so kaum etwas sehen konnte. Jedoch gab es leider auch nicht sehr viel zu sehen - wir waren etwas enttäuscht ob der wenigen farbigen Fische! Da habe ich in den Malediven ganz andere Erlebnisse machen dürfen von der Anzahl und Diversität der Fische her! Zum Schnorcheln sind die Seychellen daher eher weniger geeignet, vielleicht wäre da das Tauchen eine bessere Option - kann ich jedoch nicht beurteilen. Am Samstag stand uns laut Berichten nun noch der schönste aller Strände auf Praslin bevor - der Anse Georgette! Dieser Beach gehört zu einem Hotel, dementsprechend muss man vorher die Hotelanlage durchqueren - was einem halbstündigen Marsch durch eine riesige und wunderschöne Golfanlage entsprach. Ausserdem lässt das Hotel pro Tag nur eine gewisse Anzahl Besucher an diesen Strand - daher muss man sich unbedingt ein paar Tage vorher dort anmelden, was unsere liebe Aussie-Vermieterin für uns getan hat. Demensprechend hat man auch wenige Touristen an diesem wahrhaftig traumhaften Puderzuckerstrand! Endlich haben wir ihn gefunden... den Traumstrand, den wir uns in diesem Paradies erhofft haben! Es gab hier auch keine lästigen Verkäufer - nur zwei diskrete Früchte-Boys, welche einem direkt am Strand einen Früchteteller nach Wunsch zubereiteten. Herrlich!! Das Meeressalz auf der Haut, die wärmende Sonne im Gesicht und frische, süsse Früchte die einem auf der Zunge zergehen - ein Moment für die Ewigkeit! Nach einem letzten Beachtag am Sonntag, direkt neben unserem Appartment am Beach Anse Kerlan, im wunderschönen Castello Beach Hotel, wo wir als Gäste des Casa Tara Appartmente sein durften, verabschiedeten wir uns am Sonntagabend schweren Herzens voneinander. Janine und Simona wurden vom Edelweiss-Flieger in der Nacht von Sonntag auf Montag zurück nach Zürich gebracht, mich flog am frühen Montag Morgen die Maschine der Sri Lankan Airlines nach Colombo. Ich werde nun in 18 Tagen Sri Lanka bereisen - von Negombo nach Kandy (wo ich jetzt bin) über Ella in den Süden, wo ich noch einen einwöchigen Ayurvedaurlaub machen werde. Mich endlich mal von all dem Stress richtig erholen... ;-)
Liebe Grüsse und aayu-bowan aus Sri Lanka!

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Kommentare: 2
  • #1

    Ueli (Freitag, 05 Oktober 2018 06:28)

    Du hesch ja wider einiges erläbt...;)
    Enjoy Sri Lanka ��

    Liabi Grüassli

    Ueli

  • #2

    Tamara (Sonntag, 07 Oktober 2018 15:38)

    Wow dir heit jo einiges erläbt in dere Wuche. Leider nit immer so tolli Sache, aber s'positive dra isch, dass dir euch sicher immer an diä Feriä wärdet erinnere und au wärdet chönne drüber lache. Ich wünsch dir ganz vieli tolli Moment in Sri Lanka.
    Liebi Grüessli Tamara