Change of plans

„Sorry, we‘re closed. We are out with the penguins.“ Whaat?? Ich starrte ungläubig auf das halbherzige Schild an der Türe. Oh mann... jetzt bin ich kräftezehrende zweieinhalb Stunden entlang der Küste marschiert (oder eher über glitschige Steine gekraxelt und durch den Sand gestampft)! Der vermeintlich einstündige, gemütliche Spaziergang zog sich dann doch etwas in die Länge. Die Strecke war jedoch wunderschön: alles entlang des Ozeans, von St Francis Bay nach Cape St Francis. Sie führte mich durch Gebüsche, Treppen hoch und runter, über Felsen, Steine und Sand entlang der Beachfront. Ziel war der Leuchtturm und die Pinguinstation (derselben Organisation wie der Station in Port Elizabeth). Gegen ende des zweieinhalbstündigen Ausdauermarsches, meine Beine bereits ein wenig zittrig (Sport war in der letzten Wochen aufgrund meiner Verletzung inexistent), entschloss ich für mich, mir für den Rückweg ein Taxi zu gönnen und dies in der Pinguinstation bestellen zu lassen. Wir wollen es ja nicht gleich übertreiben... Als ich nun so vor verschlossener Tür stand, platzte dieses Vorhaben wie eine Seifenblase im Eastern Capschen Wind (der uns hier täglich um die Ohren peitscht). Kleine Randnotiz: man nennt PE (Port Elizabeth) auch „windy city“. Jaja is mir jetzt auch klar weshalb... Haare waschen und hübsch frisieren bringt hier nichts - kaum vor der Tür hast du ne schlecht sitzende Filzperücke auf deinem Haupt. Nachdem ich zwei Mal ungläubig um das Sanctuary geschlichen bin und der Gärtner mich nur achselzuckend und leicht zerknirscht ansah, beschloss ich mich ohne Pinguin-Besuch und ohne Taxi-Order auf den Rückweg zu machen. Lieber keine Pause machen, die dich müde werden lässt! Schön den Motor weiterlaufen lassen.... Ich nahm die geteerte Strasse durch das „Dorf“ - in der Hoffnung auf ein verirrtes Taxi oder irgendein Shop, ein klitzekleines Kaffe, irgendetwas mit Service beziehungsweise Dienstleistung zu treffen, wo ich ein rettendes Taxi bestellen könnte. Aber ausser ein paar verlassene Häuser quer in der Landschaft und hin und wieder ein paar halbselig arbeitende Bauarbeiter gab es hier nichts dergleichen. Ich freundete mich  wohloderübel mit dem Gedanken an, alles wieder zu Fuss zurück zu gehen. Ignorierend der brennenden Beine, gelang es mir immerhin eine Abkürzung durch ein Natur-Reservat zu nehmen - so dass ich eine Meeresausbuchtung auslassen und somit ca 45 Minuten gegenüber dem Hinweg einsparen konnte. Strike! Eine halbe Stunde später, ich war innerlich etwas am mötzelen über das Nicht-Auftauchen der Walfischmutter mit ihrem Jungen (die hier angeblich sich rumtummeln soll), was ich doch jetzt wirklich verdient hätte zu sehen bei all diesem Effort - da taucht doch tatsächlich eine grosse Gruppe Delfine im Meer auf! Ein wunderschöner Anblick...  ahh ich nehm alles wieder zurück! :-) Schlussendlich war der atemberaubende Weg entlang der einsamen Küste, die wärmende Sonne, die frische Luft und die wohltuende Bewegung und körperliche Müdigkeit wirklich eine Wohltat und ein schönes Erlebnis auf meinem Ausflug nach St Francis Bay. Der Grund, warum ich diesen Ausflug überhaupt gemacht habe: mein Pinguin-Projekt in PE musste ich leider abbrechen. In dieser kleinen Station, wo es sonst auch nicht wahnsinnig viel zu tun gäbe mit zwei gesunden Hände, war für mich wirklich nicht viel an sinnvoller Arbeit übrig mit meiner unbrauchbaren rechten Hand. Eine der spannenden Hauptaufgaben, einen Pinguin zu halten und zu füttern, war ohne zwei starke Hände schlichtweg unmöglich! Ich war schlussendlich nur einen Tag dort, konnte aber immerhin ein paar schöne Schnappschüsse der Pimpims machen. Ah und eine Aufgabe habe ich erledigt... Als ich da an meinem ersten Tag so rumsass und mir die Zeit mit einem Buch (haha habe am Morgen zum Glück die richtige Intuition gehabt und Lesestoff eingepackt) vertrieben habe, kam eine Mitarbeiterin zu mir und fragte mich, ob ich schnell eine Tour übernehmen könne... Nein sagen konnte ich schon immer schlecht - so führte ich eine spanische Familia durch die Station und schämte mich enorm über mein Unwissen! Diese zahlenden Gäste taten mir richtig leid, dass sie so Pech hatten und mit mir vorlieb nehmen mussten. Ich konnte ihnen so ziemlich keine ihrer Fragen beantworten! Immerhin konnte ich mit meinen Spanisch-Brocken etwas Sympathie- (oder eher Mitleids-)
Punkte sammeln... Aber mit ihnen vor dem Schwimm-Becken zu stehen und ihnen zu sagen: „das sind jetzt also die Afrikanischen Pinguine“ - das könnte wahrscheinlich auch mein 2-jähriger Neffe (nur no mit es bitzli no mehr Charme)...
Ok, tschüss Pimpim - es hat nicht sollen sein. Drei Wochen rumsitzen kam für mich nicht in Frage, so entschloss ich diese Zeit in Port Elizabeth möglichst auf andere Weise auszukosten: durch Ausflüge in der Region und Aktivitäten gemeinsam mit den anderen Volunteers. Wohnhaft bin ich im Volunteer-House geblieben, dies ist nun meine „Base“ von wo aus ich rumgondle.
Unter anderem haben wir an einem
Nachmittag „unsere“ Stadt anhand einer Citytour etwas besser kennen gelernt. Erstaunlich war zu sehen, wie im einstigen Zentrum leider viele alte Gebäude mittlerweile leer stehen und sämtliche Unternehmen in die äusseren Stadtviertel gezogen sind. Es gibt wunderschöne Quartiere in Port Elizabeth zum Wohnen und die Strandpromenade mit ihren Cafés und dem Beachlife geprägt von Surfer, Spaziergänger und Sonnenanbeter ist einzigartig. Aber das ehemalig florierende Zentrum ist etwas herunter gekommen und niemand scheint hier investieren zu wollen. Unvorstellbar wenn bei uns am Zürcher Paradeplatz, beim Basler Barfi oder beim Berner Bundesplatz sämtliche Gebäude gespenstisch leer wären... Auch offensichtlich in dieser Stadt - der nach wie vor prägende Einfluss Nelson Mandelas. Überall kann man seine Spuren in Form von Zitaten, Bilder oder sonstigen Huldigungen erkennen - ein wahrer Held und Vorkämpfer für das friedliche Zusammenleben von schwarzen und weissen Menschen in dieser Stadt. Auf jeden Fall war es sehr spannend mehr über diese florierende Wirtschafts-, und Hafen-stadt (riesiger Auto-Export per Schiff) zu erfahren.
Es gibt auch Tage wo ich einfach den Strand vor der Haustüre, ein gutes Buch und kulinarische Kaffe-Stopps geniesse... es gibt Schlimmeres und ich habe die Auszeit, die ich vielleicht wirklich gebraucht habe („gell Larshi?!“).
Das High-Light meiner bisherigen Zeit hier war sicher der Safari-Tag im Addo Elephant Park und Schotia Private Game Reserve. Im Gegensatz zu meiner Busch-Woche in Botswana konnte ich mich hier einfach zurücklehnen und die Tiere bestaunen. In diesen zwei doch eher touristischen Parks (im Vergleich zu unserem Okavango-Konzessionsgebiet, wo wir alleine unterwegs waren), sind sich die Tiere den Anblick von gaffenden Menschen gewohnt. Der Vorteil: man kann ihnen seeeehr nahe kommen, ohne dass sie sich gestört fühlen. Ganze Elefanten-Familien zottelten entlang unseres Gefährts - hätte ich es gewollt, ich hätte die schrumplige Elefantenhaut mit meinem ausgestreckten Arm berühren können. Ob der Elefant dann aber immer noch so relaxt geblieben wäre - dies wollte ich dann doch lieber nicht ausprobieren. ;-) Den Elefanten so nahe zu kommen war für mich unbeschreiblich eindrücklich und unvergesslich! Ein Wahnsinnsgefühl... Wie auch der Moment, wo ein bis zwei Meter entfernt vor mir Büffel im Gebüsch seelenruhig ihr Znüni kauten und ich fast ihren ausgestossenen Atem spüren konnte - unglaublich!! Der krönende Abschluss dieses Tages gehörte aber wie es sein muss dem König der Tiere. Eine Gruppe dreier Löwen, davon eine Lady, beehrten uns in der Abenddämmerung und liessen uns auch ganz nahe an sie ran. Ihr Gebrüll, als sie im Park nebenan andere Löwen gerochen haben und sofort natürlich ihr Revier verteidigen wollten („eyy alteer verpiss dich“) - ein Sound der durch Mark und Knochen geht! Das ist Musik! Röchelnde Löwen, zirrpende Grillen, ein Zebra das von weitem wiehert und die untergehende Sonne
- Afrika I love you!! Der passionierte Guide namens Zane im Schotia Park, der nach 30 Jahren seinen Lehrerberuf an den Nagel gehängt hat, rundete diesen einmaligen Safari-Tag mit seiner Freude, Leidenschaft und liebenswürdgen Art die Tour zu führen, ab. Der Schalk blitze immer wieder in seinen Augen auf, als er hie und da ein Witzli riss („Zebras sind Esel in Pijamas“, „Impalas - Fastfood für Löwen“) und in einem Alter, wo man bei uns längst die wohlverdiente Rente bezieht, zeigt er eindrücklich das Glück eines Menschen, der seine Berufung gefunden hat. Er habe
das schönste Büro der Welt. Wie recht er doch hat! Von ihm habe ich ausserdem erfahren, dass Elefanten 300 bis 350 kg Futter pro Tag (!) zu sich nehmen (dafür kacken sie auch all Viertelstunde - deshalb sieht man so viel Elefantendung auf den Strassen, welche wiederum von den Dungbeetles liebevoll verarbeitet werden, um mit einem schönen Bollen weibliche Mistkäfer zu beeindrucken). Fressen tun die grauen Riesen mit Vorliebe einen nicht minder beeindruckenden Strauch, der beim Regen nur 25% des Wassers sofort beansprucht, und die anderen aufgesogenen 75% speichert für die Trockenzeit - und dann netterweise den anderen umliegenden Pflanzen auch noch davon abgibt. Deshalb ist diese Region auch immer so schön grün... faszinierend! Ausserdem, hat uns Zane verklickert, sind Elefantenkühe sagenhafte 22 Monate schwanger und wenn Elefanten durch Buchgrummeln (? „rumble“ auf Englisch) miteinander kommunizieren, können sie die daraus entstehenden Vibrationen im Boden durch ihre sensiblen Füsse bis zu einer Distanz von 60km wahrnehmen... das sind erstaunliche Fakten über diese majestätischen Tiere! Die Region von Eastern Cape brüstet sich mit stolz, dass man hier und nirgendwo sonst uf der Welt nicht nur die sogenannten Big 5 (Löwe, Elefant, Leopard, Büffel und Rhino - die am schwierigisten zu jagenden Tiere zu Fuss) sondern gar die Big 7 (mit Walfisch und Haifisch - stelle ich mir auch sehr schwierig vor, die zu Fuss oder schwimmend zu jagen) sehen kann. Morgen haben wir Whalewatching auf dem Programm - wer weiss vielleicht sehe ich da ja noch diese zwei imposanten Tiere im Wasser... oder immerhin noch einmal ein paar herzige Pimpims und Delfine in Freiheit. Auf jeden Fall werde ich meine letzte Woche in Südafrika, in der „windy“ oder auch „friendly city“ PE (kann beides ausnahmslos bestätigen!) noch einmal in vollen Zügen geniessen, bevor es in einer Woche weiter in die Seychellen geht... 

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Kommentare: 3
  • #1

    Ma (Donnerstag, 20 September 2018 12:47)

    Au gändereti Plän chöne zu öppis Guetem füehre:-) und so unterhaltsam wies tönt, chan jo die ganzi Gschicht mitem Finger glich au sini guete site gha ha.. Danke, dass mer dihei soviel miterläbe chöned dank dine spannende Bricht!:-)
    No en schöne Rescht in dim gliebte Südafrika und- take care!
    S Ma

  • #2

    Elsbeth (Donnerstag, 27 September 2018 08:48)

    Hi Rahel
    isch jo soo spannend dini Blog`s zläse.
    i warte jetzt scho gspannt zu di Nöchschte.
    wünsch dir wieterhin e tolli Zyt und heb dir Sorg!

  • #3

    Ueli (Samstag, 29 September 2018 20:41)

    Hey Rahel
    De Bricht isch wider sehr spannend gsi...!
    Danke für die Interessante Gschichte...!
    Witerhin viel spannendi Erläbniss uf dinere Reis.
    Liabi Grüassli us de herbstliche Schwiiz �